Fototipp: Tierische Geschöpfe im Winter bei Eis und Schnee

© Fotograf: Franziska Nierath, Ein Hirsch im Schnee, Blende-Fotowettbewerb Bildgalerie betrachten Franziska Nierath, Ein Hirsch im Schnee, Blende-Fotowettbewerb

Tolle Tierfotos in der freien Wildbahn sind für Fotografen bei Eis und Schnee und damit bei Minustemperaturen noch herausfordernder als zu jeder anderen Jahreszeit. Durchhaltevermögen, also Geduld und Ausdauer, sind in der Tierfotografie Grundvoraussetzung. Im Winter bedeutet dies, sich als Fotobegeisterter warm einzupacken aber so, dass man auch noch die Bewegungsfreiheit zum Fotografieren hat.

Heute sind viele Aufnahmen mit dem Smartphone möglich, die inzwischen auch bessere Bildqualitäten bieten. Wenn es aber um überzeugende Tieraufnahmen, beispielsweise in der freien Wildbahn geht, dann kann das Smartphone als Aufnahmegerät getrost in der Tasche verbleiben. Fotografieren von wildlebenden Tieren bedeutet, Distanzen überbrücken zu müssen. Dies haben auch die diesjährigen „Blende“-Teilnehmer Sandra Saborrosch, Franziska Nierath und Rolf Thiele beherzigt. Ihnen sind in ihren Wettbewerbsbeiträgen für „Blende 2016“ sehenswerte Tieraufnahmen gelungen, die alles andere als alltäglich sind.

Solche Aufnahmen sind keine Selbstläufer. Sie gelingen nur mit Spiegelreflex- sowie kompakten Systemkameras und entsprechenden Teleoptiken sowie mit Kompaktkameras mit einem großen Zoombereich. Klar im Vorteil sind alle Tierfotografen, die über ein aktuelles Kameramodell, wie auf der photokina 2016 vorgestellt, verfügen. Mit 4K und nochmals verbesserten Serienbildfunktionen steigt die Wahrscheinlichkeit, den entscheidenden Moment einzufangen. Manche sprechen durch diese technologischen Neuerungen gar von der Revolution der Momentfotografie. Für die neuen Kameramodelle sprechen zudem die deutlich verbesserten Bildqualitäten. Quantensprünge sind hier auszumachen die besonders dann augenfällig werden, wenn man den Vergleich sucht.

Um Tiere in freier Wildbahn in akzeptabler Größe aufs Bild zu bekommen und die charakteristischen Merkmale herauszuarbeiten, braucht es wie gesagt starke Zoom-Objektive oder aber Teleobjektive. Je nach Größe der Tiere und dem Abstand zu ihnen können 200 mm-Objektive ein guter Anfang sein. Idealer sind jedoch 400 mm-Objektive. Für noch entfernte kleinere Motive sind auch 500 mm- oder 600 mm-Objektive interessant. Mit zunehmender Brennweite nimmt das Objektivgewicht zu – ein Stativ entlastet die Arme und ist neben eventueller Bewegungsstabilisatoren ein Garant für verwacklungsfreie Aufnahmen. Neben der Brennweite ist auch die Lichtstärke eines Objektivs von Bedeutung. Objektive mit einer höheren Lichtstärke sind meist etwas kostspieliger, dafür schaffen sie Reserven, um auch bei schlechten Lichtverhältnissen, wie im Wald oder in der Dämmerung, zu exzellenten Bildergebnissen zu gelangen.

Kameras zeichnen sich durch einwandfrei funktionierende Programmautomatiken aus. Gerade bei Aufnahmen im verschneiten Gelände besteht jedoch die Gefahr der Überbelichtung, weil die Lichtreflexion durch den Schnee viel stärker ist. Wenn jedoch das Motiv ein relativ dunkles Objekt, wie beispielsweise einen Wolf, mit einschließt, dann ist Unterbelichtung wahrscheinlicher als Überbelichtung. Die Helligkeit des Schnees beeinflusst das Messergebnis des Belichtungsmessers, das Tier wird zu dunkel und weist zu wenig Zeichnung auf. Um in solchen Fällen eine Unterbelichtung zu vermeiden, sollte bei der Belichtungsmessung das Tier anvisiert werden. Die sicherste Methode aber ist, mehrere Aufnahmen mit verschiedenen Belichtungskombinationen zu machen.

Ein Skylight-Filter ist übrigens ein praktisches Hilfsmittel zur Korrektur der Belichtung bei Winteraufnahmen. Es ist beinahe farblos, hält aber das unsichtbare ultraviolette Licht zurück, das durch die Luftmoleküle in der Atmosphäre gestreut wird. Das Dämpfen der ultravioletten Strahlung hilft, Überbelichtungen zu vermeiden, lässt den Himmel auf vorteilhafte Weise dunkler erscheinen und verhindert außerdem, dass der Schnee bei Farbaufnahmen unnatürlich blau wirkt – ein Effekt, der auf die Reflexion des Lichts durch die Schneekristalle zurückzuführen ist. Auf die Lichtrichtung, sofern man die Möglichkeit hat, ist auch zu achten. Schräg einfallendes Licht bietet den Vorteil, Tonwertunterschiede zu erzielen. Viele kleine Spitzlichter und Halbschatten bringen Farbe und Oberflächenstruktur des Felles voll zur Geltung.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, Europas größter Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen, ist seit Jahrzehnten ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so einer sehenswerten Aufnahme, wie sie den Teilnehmern Sandra Saborrosch, Franziska Nierath und Rolf Thiele gelungen sind, zu gelangen. Damit soll nicht inspiriert werden zum Kopieren, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2017

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