Tipps für “echte” Fotos: Was macht einen Stil-Ratgeber individuell?

Blauer Himmel, eine spontane Umarmung und ein herzliches Lachen: Das perfekte Foto braucht so wenig – und gelingt trotzdem so selten. Das liegt daran, dass die spontane Aufnahme etwas hat, worum die Fotografen der Hochglanzmagazine häufig vergeblich ringen: Die ungeplante Aufnahme ist authentisch, d.h. das Lachen sieht echt und die Umarmung ernst gemeint aus. Wie viel besser spontane Fotos wirken, weiß auch Fashion-Vorbild und Mode-Ikone Alexa Chung. In ihrem Ratgeber “It” erklärt das britische Model, was es mit ihrem außergewöhnlichen Look auf sich hat, wie es sich als It-Girl in der Londoner Fashionszene lebt – und was das perfekte Selfie mit Stil zu tun hat.

Tipps vom Profi: Alexa Chung zeigt, wie man “it” wird

© Global Panorama - Alexa Chung (Creative Commons), Quelle: https://www.flickr.com
© Global Panorama – Alexa Chung (Creative Commons), Quelle: https://www.flickr.com
Model, It-Girl und Lifestyle-Göttin – die 31 jährige Alexa Chung (Blog: http://alexachung.tumblr.com/) gehört seit Jahren zur ersten Riege der internationalen Style- und Fashionwelt. Seit dem 05. September 2013, dem Tag ihrer Buchpremiere, ist sie nun auch als Autorin gefeiert. Mit ihrem Debüt-Werk “It” hat die Trägerin des “British Style Award” nicht nur einen umfassenden Stil-Ratgeber auf den Markt gebracht, sondern zugleich eine Botschaft in die Welt gesandt, die vielen Mode-Gläubigen Hoffnung macht: “Stil” ist erlernbar. In ihrem reich illustrierten Text erklärt die ehemalige Lagerfeld-Muse, dass das “gewisse Etwas”, das ihren Stil so unverkennbar und ihre Person so faszinierend macht, in Wahrheit das Ergebnis jahrelanger Erfahrung und harter Arbeit ist. Die beruhigende Botschaft dahinter: Auch It-Girls fallen nicht einfach so vom Himmel.

Doch es ist bei weitem nicht nur diese erfreuliche und leicht selbstironische Aussage der Mode-Ikone, die den Ratgeber in dem rosa Canvas-Einband so beliebt macht. Auch die Art und Weise, wie Chung ihren Text gestaltet, hebt ihn deutlich von anderen Stil-Ratgebern ab: Anstatt einer Checkliste für It-Girls, erzählt Chung in bildgewaltiger Sprache von ihren Erfahrungen in der Londoner Fashionszene, fügt persönliche Skizzen und Anmerkungen ein, schreibt über ihre Lieblingsmusik, ihren Werdegang sowie über beliebte Hot Spots, die man als Fashionista keinesfalls verpassen sollte.

Das Erfolgsrezept: Wahre Worte und persönliche Bilder

Die Britin stellt mit ihrem nahezu autobiographisch gestalteten Ratgeber genau das unter Beweis, was aus ihr ein It-Girl macht: Individualität und Authentizität. Neben ihren ehrlichen und augenzwinkernden Texten unterstreicht die Autorin die individuelle Note des Ratgebers, indem sie Zeichnungen, Skizzen und auch das eine oder andere persönliche Fotos einbindet. Diese geben der Chung-Fangemeinde sehr private Einblicke, indem sie das Fashion-Vorbild nicht nur in ihrer Welt des ganz alltäglichen Londoner Mode-Wahnsinns, sondern auch im Kreise ihrer Lieben zeigen. Eine perfekt „unperfekt gestylte“ Alexa Chung, die geschäftig über rote Teppiche flaniert, an der Strandpromenade sinnend ins Blaue blickt, der Kamera zwischen zwei Modeaufnahmen ein verträumtes Lächeln schenkt und geplant – und doch spontan – im Vintage-Style mit weißen High-Heels posiert.

Doch natürlich ist Chung viel zu sehr Profi, als dass sie ihre Fans glauben lassen wollte, all die Natural-Look-Selfies mit lachenden Freunden, Champagner schwingenden Bekannten und anderen Bewohnern der Modewelt seien das Produkt eines glücklichen Zufalls. Im Gegenteil: Neben Kommentaren zum Londoner Nachtleben und ihren persönlichen Trendsettern schreibt die Stil-Ikone auch darüber, wie man das perfekte Selfie kreiert – ein Selfie nämlich, dem man gar nicht anmerkt, wie viel Arbeit in ihm steckt.

Ein Phänomen geht um die Welt: Das „Selfie“ ist in aller Munde

Was Miley Cyrus, Justin Bieber und Cara Delevingne jenseits des großen Teiches vormachen, findet auch in der deutschen Promi-Welt fleißige Nachahmer: Alle fotografieren sich selbst und twittern, posten und bloggen ihre Schnappschüsse. Doch nicht nur Heidi Klum, Mario Götze und Co. setzen sich selbst immer wieder mehr oder weniger gekonnt in Szene, sondern auch die „Nicht-VIPS“ bereichern die Sozialen Netzwerke mit Selbstportraits aller Art. Dabei haben die grimassierenden, schmollmündigen und merkwürdig verdrehten Selfies in der Regel vor allem eines gemeinsam: Sie wirken extrem unnatürlich. Und das, obwohl gerade das Selfie eigentlich eine Momentaufnahme sein soll: Nämlich ein Foto, wie frisch aus dem Leben gegriffen.

Alexa Chung hingegen weiß genau, wie das geht: Der authentische Eindruck, den ihre Fotos machen, entsteht vor allem dadurch, dass sie so herrlich ungeplant wirken. Dass gerade das “spontane” Selfie jedoch eine Menge Überlegung erfordert, werden unter Umständen auch die zehn Blogger erfahren, die im März ihren eigenen Stil-Ratgeber à la Alexa Chung auf dem „Two For Fashion“-Blog von OTTO vorstellen. Alle Blogleser können eine Stimme für den besten Blog abgeben und passend zum Selfie-Boom hierbei eine Kamera gewinnen – z.B. eine neue Nikon- oder Canon-Cam. Ein Insider-Tipp für alle Selfie-Fans, Blogger, Hobbyfotografen sowie für alle Reisebegeisterten: Die Canon EOS 100D ist derzeit mit einem gratis 100€ HolidayCheck–Gutschein bei OTTO erhältlich.

Ein individueller Stil-Ratgeber: Wie funktioniert das?

  • Leser mit Unbekanntem „ködern“: Jede Lifestyle-Expertin kennt die „Londoner Fashion Week“ – aber wie viele wissen, was das dortige Catering zu bieten hat? Oder was man tut, wenn man sich auf dem roten Teppich den Absatz abgebrochen hat?
  • Sich selbst nicht zu ernst nehmen: Wer keine Ahnung hat, schreibt keinen Stil-Ratgeber. Es kommt also nicht in erster Linie darauf an, die eigenen Referenzen herauszukehren, sondern ein Stück von sich selbst preiszugeben –dazu gehört auch eine gesunde Portion Selbstironie.
  • Selbstvermarktung: Alles ist interessanter, wenn es mit einer persönlichen Geschichte verbunden ist. Style-Infos kann sich die Fashionista auch woanders holen – doch nur der individuelle Stil-Ratgeber serviert sie mit einem Augenzwinkern.
  • Last but not least – „echte“ Fotos: Auf Hochglanz polierte Fotos mit perfekter Komposition interessieren niemanden mehr. Wer einen Stil-Ratgeber liest, möchte wissen, wie sich das „It“ jenseits der Kameras entwickelt – also sollten die Fotos auch genau das zeigen.

„Spontane“ Fotos: 5 Tipps für die Extraportion Natürlichkeit

5 Tipps für die Extraportion Natürlichkeit

Tipp 1: Natural Look

Unter Profis auch als das „Oben-ohne-Selfie“ bekannt, stehen momentan gerade solche Aufnahmen hoch im Kurs, die ihre Motive möglichst natürlich zeigen: Wie man sich natürlich schminken kann, zeigt das unten eingebundene Tutorial von Alexa Chung.

Ein paar Tricks für hübsche Fotos im natürlichen Look:

  • Natürliches Licht kaschiert Augenringe und lässt kleine Unreinheiten verschwinden: Der ideale Ort für das „No Make-up“-Selfie ist daher die Natur – oder zumindest das Schlafzimmerfenster.
  • Kein Make-up heißt nicht „kein Pflege“: Wenn die Haut auf dem Foto strahlen soll, sollte sie zuvor mit Feuchtigkeitsmaske und Lifting-Serum verwöhnt werden.
  • Zum Natural Look gehören auch Haare im Undone-Style: Aufwändiges Flechten oder Glätten lassen die Aufnahme gestellt wirken.

Tipp 2: Nachbearbeitung

© Maegan Tintari - today's outfit post (Creative Commons), Quelle: https://www.flickr.com
© Maegan Tintari – today’s outfit post (Creative Commons), Quelle: https://www.flickr.com
Selbst wenn die Haut strahlt, die Augen leuchten und die Haare natürlich sitzen, kitzeln gerade Kameraaufnahmen noch die letzten Unreinheiten aus der Haut. Es empfiehlt sich daher die Verwendung eines Filters, durch welchen die Gesichtszüge betont werden und die Zähne noch ein bisschen weißer wirken.

Beliebte Instagram-Filter:

  • Rise
  • Mayfair und
  • Amaro

Quelle: Instagram Blog

Der Filter ist auch ein gutes Mittel, um Unschärfe vorzubeugen: Gerade bei relativ spontanen Aufnahmen oder Fotos im Gedränge hat man wenig Möglichkeiten, den zu fotografierenden Bereich perfekt auszuleuchten – ein Filter kaschiert dort, wo es notwendig ist. Wer nicht gerne mit Filtern arbeitet, kann bei der Nachbearbeitung seiner Bilder auch mit anderen Parametern wie etwa Schärfe, Tönung (Schwarzweiß) und Kontrasten experimentieren.

Tipp 3: Nicht statisch, sondern dynamisch fotografieren

Ganz gleich, ob es sich um Selfies oder „normale“ Aufnahmen handelt: Je länger die „Motive“ stillhalten müssen, desto gezwungener wird das Ergebnis. Daher sollten im Abstand weniger Sekunden viele Fotos geschossen werden, bei denen jeweils ein wenig die Perspektive verändert wird. Auf diese Weise entstehen Momentaufnahmen, die durch starres Posieren niemals möglich wären. Besonders gut funktioniert diese Technik in Gruppen, da die Gruppendynamik selbst alle in Bewegung hält.

Tipp 4: Auf den Hintergrund achten

Natürlich steht man nicht immer vor einer Strandpromenade – doch perfekte Hintergründe sind eigentlich überall schnell gefunden. Besonders spannungsreich wirken farbige Wände oder auffällige Lichtquellen, die den Blick des Betrachters anziehen. Auch Komplementärkontraste, die in der Nachbearbeitung noch einmal intensiviert werden können, machen das Foto sehr aussagekräftig.

Tipp 5: Spannung erzeugen

© Paško Tomić – Selfie (Creative Commons), Quelle: https://www.flickr.com
© Paško Tomić – Selfie (Creative Commons), Quelle: https://www.flickr.com
Der spontane Eindruck entsteht in erster Linie durch eine gewisse Spannung im Bild. Diese kann durch eine leichte Unruhe des Hintergrundes erzeugt werden (beispielsweise eine gemusterte Tapete, auffällige Tischdekoration oder eine befahrene Straße bzw. eine lebendige Fußgängerzone) oder aber durch eine ungewöhnliche Perspektive und Fokussierung (siehe Beispiel-Selfie auf dem Bild). So wirken Bilder, bei denen die Personen ein wenig abgewandt stehen oder halb aus dem Foto heraustreten, sehr spannungsreich. Eine Alternative sind auch Nahaufnahmen, durch die das Gesicht nur teilweise abgebildet wird.

In Gruppenbildern kann man einen ähnlichen Effekt erzeugen, indem man die Personen sehr dicht zueinander Aufstellung nehmen lässt: Auf diese Weise erzeugt die Gruppe ihre eigene Spannung, indem sich wie von selbst manche Personen in den Vordergrund drängen, andere zurücktreten, die Hälse recken, winken etc.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2015

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