Traumhafte Momente zwischen Tag und Nacht

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“Kraftwerk”
Moritz Maler

Wenn sich Licht und Dunkelheit begegnen, so dauern diese traumhaften Momente zwischen Tag und Nacht oft nur wenige Sekunden. Wenn die Sonne noch nicht oder nicht mehr zu sehen ist und der Himmel dunkelblau wird, ist die beste Zeit, stimmungsvolle Nachtaufnahmen zu photographieren. Im Winter treibt die flach stehende Sonne das Spiel mit den Minuten zwischen Tag und Nacht auf die Spitze. Um eine blaue Schneelandschaft abzulichten, muß die Kamera schon rechtzeitig vorher schußbereit in Position gebracht und dann der richtige Moment des Auslösens abgewartet werden. Natürlich kann dem blauen Effekt auch mit Filtern nachgeholfen werden - dazu später mehr.

Zurück zu unserer blauen Stunde: Ein Stativ ist unbedingtes Muß für eine Aufnahme bei relativer Dunkelheit. Nur dann kann der Photograph die Zeit frei wählen, die Motiv und Licht vorgeben. Ist die Kamera erst einmal auf einem Stativ montiert, dann kann auch getrost ein wenig abgeblendet werden, um beispielsweise mehr Tiefenschärfe zu erhalten oder die Belichtungszeit bei sich bewegenden oder vorbeiziehenden Objekten zu verlängern, ohne das dies zu verwackelten Aufnahmen führt. Auch der Einsatz eines Draht- oder Fernauslösers ist sinnvoll, schließlich droht sonst beim Drücken des Auslösers die Gefahr, daß die Kamera in Schwingungen versetzt wird.

Das Stativ bietet aber auch beim Photographieren mit offener Blende einige Vorteile. Muß beispielsweise die Belichtungszeit wegen der Verwacklungsgefahr kürzer gewählt werden, so kann man zwischen einem Stativ oder einem höherempfindlichen Film beziehungsweise der Erhöhung der Empfindlichkeit des Bildsensors wählen. Letzteres führt zu Korn oder Rauschen - beides stört den Bildeindruck wenn es nicht gezielt zur Bildgestaltung eingesetzt wird.

Blaues Licht hat eine höhere Farbtemperatur als gelbes oder rotes Licht. Bei Tageslicht entspricht die Temperatur 5500 Grad Kelvin, Glühlampen haben eine niedrigere Temperatur, helle Photolampen etwa 3200 bis 3400 Grad Kelvin. Soll also das Bild ganz in Blau erscheinen, müssen Film oder digitalem Sensor niedrigere Farbtemperaturen vorgegaukelt werden. Eine Abstimmung des Filmmaterials oder des Weißabgleichs auf eine Lichttemperatur von 3200 Kelvin (gelbes Licht) zusammen mit tatsächlichen 5500 Grad Kelvin (Tageslicht) ergibt eine blaustichige Aufnahme. An digitalen Kameras kann eine blaustichige Aufnahme durch eine Abstimmung des Weißabgleichs auf warmes Glühlampenlicht erzwungen werden. Wichtig ist dabei natürlich, daß der automatische Weißabgleich abgestellt wird. Nicht jeder Morgen bietet die Lichtstimmung, die man sich für seine Aufnahmen wünscht. Wer sich also nicht auf den vagen Moment der frühmorgendlichen blauen Stunde verlassen möchte, kann sich bestimmter Filmsorten und Filter bedienen, um einen entsprechenden Effekt erzielen. In der analogen Photographie bietet sich der Einsatz von Kunstlichtfilmen an. Diese sind auf 3200 Grad Kelvin abgestimmt. Kommt der Negativfilm zum Einsatz, muß darauf geachtet werden, daß beim Erstellen der Abzüge der blaue Effekt nicht im Labor irrtümlich als Bildfehler erkannt und automatisch korrigiert wird. Für digitale und analoge Photographie einsetzbar sind darüber hinaus entsprechende blaue Filter vor dem Objektiv oder die nachträgliche Bildbearbeitung am Computer.
 

Fotografieren in der Praxis 01 / 2005

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