Unterwasserfotografie - Reizvoll und imposant

© Fotograf: Henry Wagner, Unterwasseraufnahme, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Henry Wagner, Unterwasseraufnahme, Blende-Fotowettbewerb
Lebt man am Meer oder an einem See beziehungsweise geht es im Urlaub dorthin und ist man begeisterter Schnorchler oder Taucher, dann muss eine Kamera mit, um die Schönheit der Unterwasserwelt einzufangen und quasi mit an Land zu nehmen. Heute kann sich jeder die Unterwasserfotografie erschließen – die Optionen an Aufnahmegeräten sind vielfältig. Für welches man sich entscheidet, hängt von den Begebenheiten unter Wasser, der Tauchtiefe und den Ansprüchen an die Aufnahmen ab. So kann man auf die sogenannten wasserdichten Single Use Kameras zurückgreifen – die werden übrigens auch gern in Schwimmbädern eingesetzt. Ihr Leistungsumfang ist jedoch begrenzt. Wesentlich bessere Bildergebnisse garantieren da schon die sogenannten Outdoorkameras die, je nach Modell, bis zu einer definierten Wassertiefe, wasserdicht sind. Ist man im Besitz einer hochwertigen Kompaktkamera, einer kompakten System- oder Spiegelreflexkamera, so bieten die Kamerahersteller, aber auch andere Unternehmen spezielle Unterwassergehäuse an. Diese sind übrigens auch dann anzuraten, wenn nicht abgetaucht wird und man die Kamera beispielsweise vor Feuchtigkeit beim Aufenthalt auf einem Segelschiff oder am Sandstrand schützen möchte. Unterwassergehäuse können in der Regel bis zu einer Tauchtiefe von 40 oder 50 Metern eingesetzt werden – die sogenannten wasserdichten Outdoorkameras hingegen nur – je nach Modell – zwischen 10 bis 25 Meter. Die größte fotografische Bandbreite garantieren spezielle Unterwasserkameras. Einige Tauchschulen bieten auch Leihgeräte an, mit denen das Abenteuer unter Wasser festgehalten werden kann. Wer jedoch regelmäßig abtaucht und das Gesehene in Bildern festhalten möchte, der sollte sich sein eigenes fotografisches Equipment zulegen, denn wer seine Kamera wie im Schlaf beherrscht, kann sich ausschließlich auf die Motivvielfalt unter Wasser konzentrieren.

© Fotograf: Tobias Schneider, Clownfisch in Anemone, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Tobias Schneider, Clownfisch in Anemone, Blende-Fotowettbewerb
Grundvoraussetzung für gute Unterwasserfotos ist, diese Welt als Taucher zu beherrschen. Die Bewegungsabläufe sollten automatisiert sein. Dazu gehört der Flossenschlag ebenso wie die Tarierung, also die Fähigkeit unter Wasser zu schweben, oder beispielsweise der Trimm, also die Stabilität und Lage als Taucher mitsamt Ausrüstung. Hat man seinen Tauchschein gerade bestanden oder war man längere Zeit nicht unter Wasser, so sollte man noch einige Tauchgänge unternehmen, bevor man sich auf die Fotopirsch begibt. Wichtig im eigenen Interesse ist, bei aller Faszination für diese Welt, sich und andere nicht in Gefahr zu bringen. Als Taucher hat man zudem die große Verantwortung, zum Erhalt der Unterwasserwelt beizutragen, in die man eindringt. Dazu gehört, diese für ein Fotomotiv nicht zu gefährden und beispielsweise durch den Flossenschlag Korallen zu beschädigen.

© Fotograf: Anne Rieger, Unterwassertanz, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Anne Rieger, Unterwassertanz, Blende-Fotowettbewerb
Wird mit einer Kamera mit Unterwassergehäuse fotografiert, so ist die Fotoausrüstung vor dem Tauchgang durchzuchecken. Damit die Kamera keinen Schaden unter Wasser erleidet, sollte das Gehäuse an Land auf seine Dichtheit – zum Beispiel in der Badewanne – geprüft werden. Aber auch während des Tauchgangs sollte man immer wieder beobachten, ob nicht vielleicht Luftbläschen aus dem Gehäuse aufsteigen. Die Gummidichtungen gilt es zu überprüfen. Ihre Pflege sollte nach Herstellerangaben erfolgen, um auf der sicheren Seite zu sein. Auch nach dem Tauchgang verlangt die Ausrüstung nach Pflege. Gerade, wer in salzhaltigen Gewässern unterwegs ist, der sollte nach jedem Tauchgang sein Unterwassergehäuse reinigen. Niemals sollten Gummidichtungen mit Wattestäbchen oder einem fußelnden Tuch gereinigt werden – kleinste Partikel können zu Undichtigkeit des Unterwassergehäuses führen. Vor dem Tauchgang gilt es, die Kamera mit frischen Akkus und einer leeren Speicherkarte mit großer Kapazität zu bestücken – erst recht dann, wenn unter Wasser die Videofunktion aktiviert wird.

© Fotograf: Malte Harneit, Korallen im Meeresstrom, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Malte Harneit, Korallen im Meeresstrom, Blende-Fotowettbewerb
Die besten fotografischen Ergebnisse werden nahe der Wasseroberfläche um die Mittagszeit erzielt, wenn die Sonne senkrecht aufs Wasser scheint. Mit zunehmender Tauchtiefe nehmen die Schwebeteilchen im Wasser zu, und das sichtbare Farbspektrum nimmt mit zunehmender Wassertiefe ab. In etwa fünf Metern Tiefe ist der langwellige Rot- und Orange-Anteil des Tageslichts bereits ausgefiltert, in 15 Metern gelb und in 25 Metern auch grün und violett. Um die volle Farbenpracht wiederzugeben, bedarf es des Einsatzes des künstlichen Lichts aus Taucherlampen und/oder Blitz. Oftmals kann beim Abtauchen der Weißabgleich an seine Grenzen geraten. Abhilfe schaffen spezielle orangerote Unterwasserfilter, die sich von den Orangefiltern für die Schwarzweißfotografie unterscheiden. Zu beachten ist jedoch, dass die Filter rund zwei Blenden Licht schlucken. Zudem sind wegen der extremen Farbverschiebung Aufnahmen unmittelbar unter der Wasseroberfläche schwierig.

Und nun noch ein letzter Tipp – die Kameraausrüstung sollte immer am Handgelenk gesichert werden, denn je nach verwendetem Kameraequipment kann es zum Abtrieb kommen und dann ist sie auf dem Meeresgrund verschollen.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2015

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