Warum ein Weitwinkelobjektiv in jede Fototasche gehört

Weitwinkelobjektive schaffen einzigartige Seherlebnisse

© Fotograf: Martin Seraphin, Mein Ball, Blende-Fotowettbewerb
Martin Seraphin, Mein Ball, Blende-Fotowettbewerb

Besitzer von Spiegelreflex- und kompakten Systemkameras haben zu Nutzern von Kompaktkameras den großen Vorteil, dass sie entsprechend der Motivwelt durch die Option des Objektivwechsels technisch perfekt für die jeweilige Fotosituation gerüstet sind. Über ein Normal- sowie leichtes Teleobjektiv verfügen die meisten Fotografen, die im Besitz einer Kamera für Wechseloptik sind. Grund dafür ist, dass dies äußerst beliebte Brennweiten sind und die Kamerakits meist mit diesen Objektiven angeboten werden. Die Vorzüge von Weitwinkelobjektiven haben Fotoanwender vielfach nicht gleich im Blick und dass, obwohl diese Objektive den fotografischen Spielraum so sehenswert erweitern. Lieber früher als später gehört ein Weitwinkelobjektiv in jede Fototasche. Wie beim Einsatz von Teleobjektiven sollte man sich mit der Wirkungsweise von Weitwinkelobjektiven vertraut machen, um auch ihre Stärken für sich voll ausschöpfen zu können.

Was sind Weitwinkelobjektive

© Fotograf: Andre Bock, doppelter Regenbogen zur Goldenen Stunde, Blende-Fotowettbewerb
Andre Bock, doppelter Regenbogen zur Goldenen Stunde, Blende-Fotowettbewerb

Die Wirkungsweise von Weitwinkelobjektiven leitet sich aus ihrem Namen her. Bezugsgröße ist das Normalobjektiv, das eine Brennweite von 50 mm hat. Der Blickwinkel von Weitwinkelobjektiven ist größer und die Brennweite liegt unter 50 mm. Oftmals ist im Zusammenhang mit Weitwinkelobjektiven auch von kurzen Brennweiten die Rede. Dies liegt daran, dass sie unterhalb des Normalobjektivs liegt. Im Zusammenhang mit Teleobjektiven spricht man dementsprechend von langen Brennweiten. Von Superweitwinkelobjektiven ist die Rede, wenn die Brennweite unter 20 mm liegt. Der Vollständigkeitshalber ist das Fish-Eye, auch als Fischauge bezeichnet, die extreme Form eines Weitwinkelobjektivs mit einem Blickwinkel von 180 Grad und mehr. Diese Objektive bilden die Hemisphäre mit mehr oder weniger deutlichen, aber nicht übermäßigen Verzerrungen ab.

Die große Stärke von Weitwinkelobjektiven

© Fotograf: Gregor Zieba, Basaltabbau im Westerwald, Blende-Fotowettbewerb
Gregor Zieba, Basaltabbau im Westerwald, Blende-Fotowettbewerb

Die Einsatzgebiete von Weitwinkelobjektiven sind grenzenlos – dies zeigt auch die hier getroffene Bildauswahl aus dem Fotowettbewerb „Blende“. Weitwinkelobjektive stehen für Weite – der weite Winkel verändert Abbildungen in der Tiefe. Damit einher geht, dass Abstände zwischen nahen und fernen Objekten größer erscheinen. Bei Teleobjektiven ist genau das Gegenteil der Fall, sie verdichten, denken wir hier nur an Sportübertragungen wie Biathlon. Hier hat man den Anschein, die Sportler seien sich ganz nah auf den Fersen und in Wirklichkeit trennen sie einige Meter voneinander. Die Wirkungsweise von Weitwinkelobjektiven kann sich der Fotograf wunderbar zu Nutze machen und das nicht nur in Bezug auf die Visualisierung von Weite. Weitwinkelobjektive ermöglichen es, Objekte größer erscheinen zu lassen als sie in Wirklichkeit sind.

Erste Schritte mit dem Weitwinkelobjektiv

© Fotograf: Helmut Lippert, Henneburg im Abendrot, Blende-Fotowettbewerb
Helmut Lippert, Henneburg im Abendrot, Blende-Fotowettbewerb

Die Funktionsweise von Weitwinkel erfährt man am besten in der Praxis – das ist analog dem Erlernen des Fahrradfahrens. Ohne feste Vorgaben sollte man sich die Weitwinkeloptik erschließen. Dazu gehört die Motivauswahl. Das kann ein Glas auf dem Tisch ebenso sein wie in der Natur eine Blüte. Gerade am Anfang sollte man mit den Aufnahmeabständen spielen. Dazu gehört auch, dem ausgewählten Motiv ganz nah zu kommen. Die ersten Schritte mit der Weitwinkeloptik werden zeigen, dass die Fokussierung auf das Wesentliche ganz wichtig ist. Durch den weiten Blickwinkel kann es nämlich sehr leicht passieren, dass das eigentliche Objekt im Bild untergeht, weil alles Drumherum davon ablenkt. Augenmerk ist dementsprechend auf den Hintergrund und die Ränder zu legen – beides sollte man beim Bildaufbau, mit dem man spielen sollte, im Blick haben.

Beim Einsatz der Weitwinkeloptik wird man schnell feststellen, dass kurze und lange Brennweiten sehr unterschiedlich mit der Schärfentiefe umgehen. Weitwinkelobjektive zeigen im Vergleich zu Teleobjektiven einen sehr viel schärferen Hintergrund. Das hat natürlich Einfluss auf die Wirkung der vom Fotografen ausgewählten bildwichtigen Elemente. Durch die Größe der Blende und den Aufnahmeabstand kann auf die Schärfe des Hintergrundes Einfluss genommen werden. In der Praxis bedeutet dies: Je näher man am Motiv dran ist und je größer die Blende ist, umso mehr verschwimmt der Hintergrund in Unschärfe.

Landschaftsfotografen lieben Weitwinkelobjektive, da die Weite von Landschaften so visuell noch besser hervorgehoben werden kann. Wichtig ist jedoch auf die Bildgestaltung und damit auf die Aufteilung zu achten. Hier ist auf den Vorder- und Hintergrund zu achten – die Aufteilung erfolgt in den meisten Fällen über den Horizont. Mit diesem sollte man spielen und den Fokus auf den interessanteren Teil legen. Das kann auch der Himmel mit seinen Wolken sein.

„Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

Blende, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

Blende bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 03 / 2018

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden