Warum Unschärfe in der Fotografie heute nicht nur ein gestalterisches Element ist

Unschärfe als Fototrend in der Streetfotografie

© Fotograf: Daniel Friesen, Moment., Blende-Fotowettbewerb
Daniel Friesen, Moment., Blende-Fotowettbewerb

Die fotografische Einflussnahme, wie Momente dauerhaft in Bildern konserviert werden, ist gigantisch. Sie beginnt schon bei der Festlegung des Bildausschnitts und reicht bis zum Spiel von Schärfe und Unschärfe. Bekannt ist die scharfe Abbildung des Motivs, das sich vom unscharfen Hintergrund abhebt. Diese Einflussnahme ist beispielsweise in der Makrofotografie sehr beliebt, wenn Blüten oder beispielsweise Insekten abgebildet werden. Ziel ist es, dass Augenmerk des Betrachters voll und ganz auf das Motiv zu lenken. Der Hintergrund hat durch seine Unschärfe und Farbe nur die Aufgabe, dass der Bildbetrachter auf das für den Fotografen wichtige Bildelement fokussiert ist. Bokeh, bezeichnet die schönste und variantenreichste Form der Unschärfe. Unschärfe in Bildern ist aber ein sehr viel weitreichenderes Gestaltungsmittel, so auch in der Streetfotografie.

Warum sich Unschärfe in der Streetfotografie zum fotografischen Fototrend entwickelt

© Fotograf: Sven Haala, Campuswege, Blende-Fotowettbewerb
Sven Haala, Campuswege, Blende-Fotowettbewerb

Auch, wenn die Motive grundsätzlich gleich bleiben, so ändert sich die Art und Weise, wie sie in Szene gesetzt werden. Ein Fototrend – das zeigten auch die Bildeinsendungen zur 43. Runde von „Blende 2017“, dem bundesweiten Fotowettbewerb für alle Fotobegeisterten – in der Streetfotografie ist, Personen in Unschärfe verschwimmen zu lassen. Hier hat die Unschärfe oftmals zwei Aufgaben zu erfüllen und zwar als gestalterisches Element und um Personen unkenntlich zu machen. Gerade letztgenanntes wird in dem Moment gefördert, wenn Fotografien den privaten Raum verlassen und man keine Einverständniserklärung von denjenigen hat, die abgebildet sind. Die Rede ist vom Recht am eigenen Bild. In dem Moment, wenn Aufnahmen von Personen den privaten Raum verlassen und in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram gepostet, auf Fotoportalen wie der fotocommunity hochgeladen oder zu Deutschlands größten Fotowettbewerb wie „Blende“ eingereicht werden, dann ist man ohne Einverständniserklärung auf der sicheren Seite, wenn Personen in Unschärfe verschwimmen. Das sich daraus ein Fototrend entwickelt, ist also auch mit der Tatsache geschuldet, weil Fotografien heute das Kommunikationsmittel sind.

Unschärfe ist nicht gleich Unschärfe

© Fotograf: Andreas Kling, Srom voller Hoffnung, Blende-Fotowettbewerb
Andreas Kling, Srom voller Hoffnung, Blende-Fotowettbewerb

Nutzt man beispielsweise in der Streetfotografie die Unschärfe, um Personen unkenntlich zu machen, so ist das die eine Sache. Die andere Sache ist, dass die eingesetzte Unschärfe immer so sein sollte, dass die Bildwirkung nicht auf der Strecke bleibt. Ist Unschärfe bei sich bewegenden Personenaufnahmen gewünscht, so erzielt man dies durch eine längere Belichtungszeit. Hier muss man etwas experimentieren, denn welche Belichtungszeit optimal ist hängt, vom gewünschten Grad der Unschärfe ebenso ab, wie beispielsweise von den Lichtbedingungen und der verwendeten Blende. Vielfach, gerade wenn die Lichtbedingungen bestens sind, kommt man mit allein mit der Belichtungszeit nicht weiter. Hier empfiehlt sich der Einsatz von Graufiltern – auch als ND Filter bezeichnet, die in unterschiedlichen Stärken angeboten werden. Wichtig bei aller Unschärfe ist, dass es auch scharfe Bildelemente gibt. Ansonsten würde der Bildbetrachter sich fragen, was da wohl während der Aufnahme schiefgelaufen ist. Aus diesem Grund ist der Einsatz eines Stativs mehr als ratsam – dem Drei- beziehungsweise Vierbeinstativ ist der Vorzug zu geben.

„Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 02 / 2018

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