Weltreise - Ich packe meinen Foto-Rucksack...

Ich packe meinen Foto-Rucksack...
Wer kennt nicht das Kinderspiel „Ich packe meinen Rucksack und ich nehme mit…“ Es folgt eine lange Liste von Gegenständen. Wer schon mal seine Fotoausrüstung für eine mehrwöchige oder gar mehrmonatige Fernreise gepackt hat, dem geht es ähnlich. Vor allem, wenn in entlegenere Gegenden der Welt geflogen wird, solle nichts vergessen werden. Häufig bekommt man Fehlendes nämlich nicht so einfach vor Ort. Umgekehrt bremsen einen Gepäckbeschränkungen und die eigene Tragkapazität. Was muss also mit in die Fototasche oder den Fotorucksack? Wir haben den Fotoenthusiasten Benjamin Klinkenberg gefragt, der sich gerade intensiv auf seine dreimonatige Weltreise vorbereitet hat und den wir per Facebook auf seiner Reise begleiten:

Was ist generell bei der Planung zu bedenken?

Das Schwierige ist die Balance zwischen dem notwendigen und dem erlaubten sowie sinnvoll transportierbaren Gepäck. Vor allem für eine Reise mit mehreren Stationen und Airlines ist es sinnvoll, sich erst einmal über alle Gepäckbeschränkungen zu informieren. Auf meiner Tour ist zum Beispiel Air Cubana mit 5 kg Handgepäck-Maxium der Engpass. Um das zu erreichen, muss ich einen Teil meines Equipments in die Taschen meiner mitreisenden Kumpel auslagern. Die fotografieren zum Glück nicht und haben daher noch Platz.

Was macht man denn, wenn man keine mitreisenden Freunde hat?

Ein bisschen was kann man auch am Körper tragen. Die kleinen MFT-Linsen zum Beispiel kann man notfalls in den Jackentaschen verstauen. Freaks tragen dazu spezielle Fotowesten. Ist das ausgereizt, muss man prüfen, was ins Aufgabegepäck kann. Das Ladegerät kann zum Beispiel auch gut dort mitreisen. Ein weiteres gutes Beispiel ist das Stativ. Das ist zwar theoretisch an Bord erlaubt, aber da hat der Security Checkpoint das letzte Wort und kann die Mitnahme noch verbieten. Ich packe es daher grundsätzlich in den Koffer. Ansonsten gibt es auch dedizierte Fotozubehör-Koffer, damit man die Ausrüstung guten Gewissens aufgeben kann. Und zum Glück ist die Cubana de Aviación eine seltene Ausnahme mit ihren extrem strengen Richtlinien.

Was nimmst Du denn im Handgepäck mit?

Abschied
Vor allem meine beiden Kameras transportiere ich nie im Koffer. Ich nehme eine Olympus E-M1 und eine Olympus PEN E-PL5 mit. Letztere ist kleiner sowie unauffälliger und wäre auch eine Notfall-Lösung, wenn die E-M1 ausfällt. Beides sind kompakte Systemkameras, die eine hohe Bildqualität mit geringem Packmaß und Gewicht kombinieren. Das ist für Fernreisen in meinen Augen ideal. Die E-M1 hat außerdem den Vorteil, staub- und spritzwassergeschützt zu sein. Das ist für aktive Outdoor-Fotografen wie mich sehr praktisch.

Kommen die Objektive auch ins Handgepäck?

Nach Möglichkeit auf jeden Fall. Ich beschränke mich auch auf vergleichsweise wenige: Als Allrounder nehme ich das 12-40mm (auf Kleinbild umgerechnet wären das 24-80mm) mit. Es hat den großen Vorteil einer Festlichtstärke von 2.8 über den gesamten Brennweitenbereich und ist ebenfalls staub- und spritzwassergeschützt. Zum Schutz habe ich übrigens einen klaren Filter davor, weil ich kein großer Freund davon bin, ständig den Schutzdeckel aufzusetzen, aber natürlich auch keinen Kratzer riskieren will.

Das ist schon alles?

Nein, nicht ganz. Das Olympus 45mm (90mm auf Kleinbild umgerechnet)/1.8 nehme ich noch mit, weil es ein optimales Porträtobjektiv ist und sehr klein, leicht und lichtstark. Damit Landschaftsaufnahmen richtig wirken, darf außerdem ein Weitwinkel-Zoom nicht in meinem Fotorucksack fehlen. Ich habe das Olympus 7-14mm/4.0 eingepackt. Und für den Telebereich nehme ich das 70-300mm (140-600 auf Kleinbild) von Olympus mit.

Wie verpackt man das Ganze denn am besten?

Für mich ist ein Rucksack die beste Lösung, da man ihn auch mit viel Gepäck noch ergonomisch tragen kann. Da muss man das für sich individuell passende Modell finden.

Worauf sollte man bei der Auswahl achten?

In meinen Augen sollte der Tragekomfort das Wichtigste sein. Das probiert man am besten im Laden aus. Dann sollte man sich die sichere Unterbringung von Kamera und Optik anschauen. Und schließlich habe ich überlegt, was ich sonst noch mitnehmen möchte. Mein Rucksack besteht zum Beispiel nur zu einem Drittel aus einem speziellem Kamerafach, denn ich möchte auch immer ausreichend Wasser dabei haben und andere wichtige Dinge. Und schließlich sollte man noch darauf achten, dass es eine gute Möglichkeit gibt, ein Stativ zu befestigen,

Auf welches Modell ist Deine Wahl gefallen?

Ich habe mich schließlich für einen speziellen Fotorucksack von Mindshift Gear entschieden. Der kombiniert einen klassischen Rucksack mit einer ausziehbaren Fototasche. Das finde ich super praktisch. Außerdem passt da auch noch Tagesverpflegung und vor allem Wasser rein. Und nicht zu vergessen mein Laptop. Bei so einer langen Reise will ich meine Aufnahmen unterwegs auch mal sichten und bearbeiten können. Und schließlich hat der Rucksack auch eine Menge kleiner Taschen für Zubehör.

Wie schwer ist Dein gepackter Rucksack bei Dir?

Wenn alles drin ist wiegt der Rucksack 10 Kilogramm. Da ich aber die Kameras umhängen und den Laptop in einer separaten Tasche mitnehmen kann, passt das.

Das ist aber genau abgezirkelt. Unserer Erfahrung nach verschätzt man sich leicht. Wie baut man vor, damit man nicht nachher Ärger bekommt beim Check-In?

Da hilft nur messen, denn man verschätzt sich in der Tat sehr schnell. Ich habe meine Ausrüstung vorher gewogen, so dass ich einen Überblick habe.

Zurück zum Inhalt: Was kommt denn bei Dir an Zubehör mit? Auf einer langen Reise auch abseits zivilisierter Gegenden muss man ja auch an Details denken, damit man nicht irgendwann im Regen steht.

Route
Für den Regen hat mein Rucksack ein Raincover. Aber im Ernst: In der Tat muss man bei so einer Weltreise auch in abgelegene Gegenden vor allem an genug Energie denken. Ich nehme fünf Akkus mit. Die reichen bei vorsichtiger Benutzung notfalls eine Woche, falls wir mal nicht an Strom kommen. Und für alle Fälle, wo ich aufladen kann, habe ich einen Weltreise-Steckeradapter von Skross und einen Mini-Steckerleiste von Allocacoc.

Was kommt sonst noch an nützlichem Kleinkram mit?

Da ist zunächst ein Reinigungs-Blasebalg wichtig. Dann nehme ich noch Schlüssel und Schraubenzieher für das Stativ und eine Stirnlampe mit. Letztere brauche ich, weil ich sehr gerne auch Nachtaufnahmen mache. Da ist sie sehr nützlich. Und für mein Hobby Zeitrafferaufnahmen packe ich noch einiges an Hilfsmitteln ein wie etwa ein Intervallometer, einen Batteriegriff für die Kamera, einen Intervall-Fernauslöser fürs iPhone sowie eine Stativhalterung.

Womit wir bei Stativen wären. Muss da wirklich eines mit?

Bei mir auf jeden Fall schon alleine für die Zeitraffer-Aufnahmen, aber auch für Panoramen. Ich habe darauf geachtet, dass es ein guter Kompromiss aus geringem Gewicht und Packmaß und trotzdem hoher Stabilität ist. Für die Panoramen nehme ich auch noch einen Pano-Kopf mit.

Das ist aber jetzt alles, oder?

Nein, denn über die Speicherkarten haben wir noch gar nicht geredet. Ich würde immer mehrere empfehlen, denn eine kann auch mal ausfallen. Daher habe ich zum Fotografieren 16GB-Karten eingepackt. Für Zeitraffer-Aufnahmen und Videos nehme ich aber auch 32 bis 64 GB-Speicherkarten mit. Zwischendrin mache ich ein Backup auf die Festplatte vom Laptop sowie eine externe Platte.

Ist das jetzt nicht ein bisschen penibel?

Nein, manche Orte der Reise sehe ich vielleicht nur einmal im Leben. Und so wie sie im Moment der Aufnahme sind, werde ich sie nie wieder ablichten können. Da möchte ich meine Fotos auf überhaupt keinen Fall verlieren. Vor allem nicht, wenn es mit überschaubarem Aufwand vermeidbar wäre. Eine externe Platte ist heutzutage weder ein großer Kosten- noch Gewichtsfaktor.

Wo wir bei Sicherheitsfragen sind: Wie schützt Du Deine Ausrüstung?

Ich habe bei der Auswahl des Rucksacks schon darauf geachtet, dass er nicht einfach von hinten oder der Seite zu öffnen ist. Und dann habe ich auch eine spezielle Kamera-Versicherung abgeschlossen. Aber der entscheidende Punkt wird sein, immer ein waches Auge auf alles zu haben.

Wir drücken die Daumen und wünschen eine gute Reise!

Wer weitere Tipps zum Fotografieren auf Reisen haben und Benjamin Klinkenberg virtuell begleiten möchte, der findet auf unserem Facebook-Account zwei Mal die Woche ein Foto und hilfreiche Hinweise von ihm. Dort kann man übrigens auch erfahren, welche Rolle ein Wasserkocher und eine Pfeffermühle in seinem Equipment spielen.

„Benjamin Klinkenberg: Mit Kamera around the world“

Fotografieren in der Praxis 11 / 2015

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4 Kommentare

unser Fotoweltenbummler hat sich gemeldet. Er hat den Rucksack: Mindshiftgear Horizon Rucksack

von Prophoto-Team
16. Dezember 2015, 13:14:37 Uhr

Hallo Michael, Benjamin ist gerade auf Fotoweltreise, wir sind mit ihm in Kontakt und fragen nach. Es kann aber etwas dauern da er nicht immer Netzzugang hat. Schöne Grüße Prophoto-Team

von Prophoto-Team
15. Dezember 2015, 12:27:50 Uhr

Ein hilfreicher Artikel! Ich interessiere mich auch für die Mindshift-Rucksäcke, scheinen wirklich sehr gut und durchdacht zu sein. Aktuell habe ich den Panorama im Visier: http://fotorucksack-ratgeber.de/mindshift-gear-rotation-180-panorama/ Allerdings schreckt natürlich etwas der Preis... Darf ich fragen, für welchen der Mindshift Rucksäcke du dich entschieden hast?

von Michael
15. Dezember 2015, 12:16:06 Uhr

Gute Tipps und schöner Artikel, wir sind neidisch ;) und wünschen dir viel Spaß und Erfolg Benjamin!

von Thomas und Silke
04. November 2015, 13:09:52 Uhr

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