Wie es gelingt, sich mit seinen Fotografien von anderen abzuheben

Ungewöhnliche Perspektive – neue Sicht auf Motive

© Fotograf: Michael O.A. Klapper, Mirror I, Blende-Fotowettbewerb
Michael O.A. Klapper, Mirror I, Blende-Fotowettbewerb

Es gibt Motive, die sind schon zigtausend Mal abgelichtet worden und dennoch gleicht keine Aufnahme der anderen. Der Grund dafür ist unter anderem die gewählte Perspektive, die mit über die Wirkung von Motiven entscheidet. Der „Blende“-Teilnehmer Michael O.A. Klapper hat sich mit seinem Wettbewerbsbeitrag „Mirror I“, eingereicht zur thematischen Vorgabe „Doppelt gesehen – Spiegelungen“, durch den eingenommenen Kamerastandpunkt für eine außergewöhnliche Bildkomposition entschieden. Nachträglich mittels Bildbearbeitung hat er zudem die Dramatik durch die dunkle Abschattung am Rand erhöht, wodurch die Wolken an Wirkung zusätzlich gewinnen. Dieser Effekt kann auch mit kamarainternen Filtern, die je nach Hersteller auch als Art Filter beispielsweise bezeichnet werden, inszeniert werden. Die Aufnahme „Mirror I“ ist ein wunderbarer Beleg dafür, dass es vieler Zutaten für ein gutes Foto bedarf und eine nicht alltäglich gewählte Perspektive schon einmal ein wichtiger Baustein zum sehenswerten Erfolg ist. Der „Blende“-Wettbewerbsbeitrag von Michael O.A. Klapper ist zugleich auch ein Spiegelbild für die enorme Schaffenskraft und dem Spaß an der Fotografie. Dies zu fördern war vor über 40 Jahren der Grund, warum „Blende“, der bundesweite Fotowettbewerb für alle Fotobegeisterten, ins Leben gerufen wurde.

Eine außergewöhnliche Perspektive allein reicht meist nicht

Zurück zur Perspektive. Gerade die ungewöhnlichen – wie sie von Michael O.A. Klapper gewählt wurde – ermöglichen ganz neue Möglichkeiten der Visualisierung und der Entfaltung der eigenen Kreativität. Einfach nur eine ungewöhnliche Perspektive einzunehmen, damit allein ist es aber nicht getan. Vor Augen sollte man sich als Fotograf zudem immer wieder führen, dass die dreidimensionale Welt nur zweidimensional abgebildet werden kann. Das hat natürlich Einfluss darauf, wie man seine Motive miteinander in Beziehung setzt. Inwieweit man hier die Wirklichkeit abbildet ist dabei jedem selbst überlassen. Wichtig ist, dass die einzelnen Bildelemente in Beziehungen zueinander stehen – formal gesehen muss alles einen Sinn ergeben.

Kenntnisse über Gesetzmäßigkeiten sind förderlich

Förderlich für das Spiel mit der Perspektive sind Kenntnisse um die Gesetzmäßigkeiten der verschiedenen Brennweiten. Das Weitwinkelobjektiv bietet wohl die größten Optionen. So lassen sich mit ihm völlig unterschiedliche Räumlichkeiten miteinander verschmelzen. Dadurch gelingt es, einzelne Bildelemente in ganz andere Beziehungen zueinander zu setzen. Weitwinkelobjektive stehen aber auch für spektivische Verzerrungen/Verzeichnungen – denken wir hier nur an dynamische Fluchtlinien in der Architekturfotografie oder an Verfremdungen in der Portraitfotografie. Weitwinkelobjektive, dies leitet schon der Name ab, sorgen für Weite. Teleobjektive hingegen verdichten Räume. Auf der Suche nach unkonventionellen Blickwinkeln sollte man das Spiel mit den unterschiedlichen Brennweiten eingehen. Das Normalobjektiv ist hier sicherlich zu vernachlässigen.

Ungewöhnliche Perspektiven bedeuten mitunter, dass man sich als Fotograf auch mal aus der sogenannten Komfortzone bewegen sollte, ob nun kniend oder auf dem Bauch beziehungsweise Rücken liegend.

Fotografieren in der Praxis 02 / 2018

1 Kommentare

Vielen Dank für den interessanten und schönen Beitrag!!

Michael O.A. Klapper

von Michael O.A. Klapper
15. Oktober 2018, 16:32:33 Uhr

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