Wie tolle Fotos von Sonnenunter- und -aufgängen gelingen

Nicht alles ist vorhersehbar – das macht mit den fotografischen Reiz aus

Kamerastandort entscheidet mit über die Bildwirkung

© Fotograf: Björn Glawe, Schattenwurf im Lichtschein, Blende-Fotowettbewerb
Björn Glawe, Schattenwurf im Lichtschein, Blende-Fotowettbewerb

Alle Menschen sind Romantiker und spätestens, wenn die Sonne auf- beziehungsweise untergeht, sind wir eingenommen von dem einzigartigen Farbenspiel und halten das in Fotos fest. Und auch wenn man am Strand oder in den Bergen schon x-Mal diese tollen visuellen Stimmungen fotografiert hat, so wird man es immer und immer wieder tun. Und das ist auch gut so, denn kein Sonnenauf- beziehungsweise Sonnenuntergang gleicht dem anderen und das macht sie auch so einzigartig, nicht nur für einen selbst. Selbst wenn man es meinen mag, so sind sehenswerte Aufnahmen von Sonnenauf- und -untergängen keine Selbstläufer, sollen sie die persönliche Stimmung und Geschichte wirkungsvoll transportieren. Erklärlicherweise ist die Anzahl an Fotos von Sonnenuntergängen wesentlich höher als die der Sonnenaufgänge, verschlafen wir diese doch in der Regel.

Die schönsten Sonnenuntergänge

© Fotograf: Verena von Samson, Kretische Nacht, Blende-Fotowettbewerb
Verena von Samson, Kretische Nacht, Blende-Fotowettbewerb

In den Bergen und an der Küste, aber auch bei Landschaften mit Weite, erlebt man in der Regel die schönsten Sonnenuntergänge. Man sollte dennoch die Städte nicht außer Acht lassen, denn auch hier geht die Sonne unter und man hat die Option für Silhouetten.

Der entscheidende Moment

Faszinierend ist jeder Moment eines Sonnenuntergangs. Doch nicht jeder ist unbedingt für aussagekräftige Fotografien prädestiniert. Auch beim Festhalten von Sonnenuntergängen heißt es also, den entscheidenden Moment einzufangen. Ist man im Besitz eines aktuellen Kameramodells das 4K oder 6K unterstützt, so kann damit eine lange Phase eines Sonnenuntergangs in einem Video festgehalten werden. Die Bildqualität ist hier so gut, dass anschließend Stehbilder vom Sonnenuntergang rausgelöst werden können – das ist übrigens sehr einfach, denn die Kamerahersteller liefern das passende Software-Tool gleich mit. Eine weitere Option ist ein Zeitraffervideo – einfach genial. Mit den Aufnahmeintervallen muss man zuvor etwas experimentieren. Und zu guter Letzt sei die Serienbildfunktion erwähnt – auch diese erhöht die Wahrscheinlichkeit, die entscheidenden Momente des Sonnenuntergangs in Bildern verewigt zu haben.

Der fotografische Reiz des unvorhersehbaren

Natürlich ist es für die fotografische Ausbeute sinnvoll, sich zuvor mit der Thematik Sonnenuntergang auseinanderzusetzen. Bewusst muss man sich jedoch darüber sein, dass gerade bei diesem Motiv nicht alles vorhersehbar ist. Das macht den zusätzlichen fotografischen Reiz aus und ist auch mit ein Grund dafür, warum keine Sonnenuntergangsaufnahme der anderen gleicht. Farbliche Impressionen kommen so schnell, wie sie wieder gehen. Überzeugende Sonnenuntergangsaufnahmen bedingen eine gewisse fotografische Hartnäckigkeit, oftmals sind sogar unzählige Anläufe notwendig, wobei natürlich eine gute Planung schon einmal die halbe Miete ist. So sind Informationen über den Stand der Sonne am Standort sehr hilfreich. Mithilfe des Internets und speziellen Foto- beziehungsweise Wetter-Apps kann man das im Handumdrehen in Erfahrungen bringen. Einfach das Smartphone gen Himmel halten und es zeigt einem die Bahn der Sonne an.

Nicht nur der Sonnenuntergang entscheidet über die Bildwirkung, sondern u.a. auch der Kamerastandort

© Fotograf: Thomas Eichentopf, Randstreifen, Blende-Fotowettbewerb
Thomas Eichentopf, Randstreifen, Blende-Fotowettbewerb

Sehenswerte Aufnahmen von Sonnenuntergängen setzen auch den richtigen Kamerastandpunkt voraus. Auch, wenn die untergehende Sonne im Mittelpunkt der Betrachtung steht, so sollte man – sofern möglich – andere Objekte wie beispielsweise Felsformationen, Sträucher, Tiere, Antennen, Sat-Schüsseln, Bäume etc. in die Aufnahme mit einbeziehen. Das macht die Aufnahmen gleich sehr viel spannender und somit auch sehenswerter, weil sie die Geschichte wesentlich intensiver erzählen. Gerade wenn man erstmalig einen potentiellen Kamerastandpunkt besucht, sollte dieser mindestens zwei Stunden vor Sonnenuntergang aufgesucht werden, damit man alle Ruhe hat, sich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Am Strand mit Ebbe und Flut muss man natürlich auch an die Gezeiten denken – nichts ist ärgerlicher, als wenn die Kamera baden geht. Apropos Strand: Wenigstens die Optik ist mit einem Filter entsprechend vor Sand und Salzwasser zu schützen. Nach dem Erlebnis Sonnenuntergang am Abend in den eigenen vier Wänden angekommen gehört die Kamera aus der Fototasche und gereinigt. Der Handel bietet entsprechende Reinigungsets an – bitte nur diese nutzen, denn diese sind darauf ausgelegt.

Nicht nur am Strand, sondern auch in den Bergen lauern mögliche Gefahren. Sicherheitsabstände zu Felskanten sind einzuhalten, denn von der schönsten Sonnenuntergangsaufnahme hat man nichts, wenn man zu Tode gestürzt ist. In den Bergen muss man zudem die Dunkelheit im Blick haben. Übernachtet man nicht auf einer Hütte, sondern muss nach dem Erlebnis Sonnenuntergang zurück ins Tal, so ist an entsprechende Ausrüstung zu denken wie an eine Taschenlampe und Ersatzstrom. Das Smartphone gehört für den Fall eines Unfalls vor der Tour geladen. Zudem sollte man Dritte in seinen Plan einweihen. Sollte man sich nämlich nicht wie vereinbart bei diesen nach der Tour zurückmelden, sorgen diese für Hilfe. Warnhinweise gilt es nicht nur zu beachten, sondern auch zu befolgen.

Kameras sind die besseren Aufnahmegeräte

© Fotograf: Klaus Rössner, Sundown, Blende-Fotowettbewerb
Klaus Rössner, Sundown, Blende-Fotowettbewerb

Sonnenuntergänge können natürlich mit Smartphones, die ja als „Immer-Dabei-Kamera“ gelten, fotografiert werden. Wenn man gerade keine Kamera zur Hand hat, dann bleibt einem schlichtweg auch nichts anderes übrig. Smartphones sind für den Schnappschuss bestens geeignet. Trotz der technischen Weiterentwicklungen darf man nach wie vor bei manchen Motiven – und dazu gehören auch Sonnenuntergänge – nicht zu viel von ihnen erwarten. Spätestens wenn die Lichtbedingungen kritisch werden, sind Smartphones schnell überfordert und die Aufnahmen alles andere als sehenswert. Da nützt auch der schönste Sonnenuntergang nichts mehr.

Möchte man als Fotobegeisterter kreativ Einfluss nehmen, sind höherwertige Kompaktkameras mit ihren zahlreichen Features, oder Kameras mit Wechseloptik, die wesentlich bessere Wahl. Erst die zahlreichen Einstellmöglichkeiten an diesen Kameras, wie beispielsweise die Wahl der Blende und damit das Spiel mit Schärfe und Unschärfe sowie mit der Verschlusszeit bringen den Sonnenuntergang wirkungsvoll zur Geltung. Aber nicht nur das – mit diesem Kameraequipment hat man alle Optionen, Einfluss zu nehmen und seinen Aufnahmen somit eine ganz persönliche Note zu verleihen.

Ob man nun mit einer Kompakt- oder einer Kamera mit Wechseloptik fotografieren – ein Stativ ist Pflicht. Einem Drei- beziehungsweise Vierbeinstativ ist der Vorzug zu geben – natürlich geht auch ein Einbeinstativ (Monopod). Kommt eine Kamera für Wechseloptik zum Einsatz, so ist ein Objektiv mit kurzer Brennweite von 17 bis 35 mm eine gute Wahl.

Kameraeinstellungen

© Fotograf: Tony Kell, Weide bei Sonnenuntergang, Blende-Fotowettbewerb
Tony Kell, Weide bei Sonnenuntergang, Blende-Fotowettbewerb

Als Kameraeinstellung ist die Zeitautomatik optimal, denn somit hat man die volle Kontrolle über die Schärfentiefe. Ist eine durchgängige Schärfe vom Vorder- bis zum Hintergrund gewünscht, ist eine Blende zwischen f/11 und f/16 eine gute Wahl. Der ISO-Wert sollte möglichst niedrig gewählt werden, denn das wirkt sich positiv auf die Bildqualität aus. Empfehlenswert ist auch ein Grauverlaufsfilter von drei Blendenstufen, denn bei Sonnenuntergang übersteigt der Kontrastunterschied zwischen hellem Himmel und dämmrigen Vordergrund schnell den Dynamikumfang der Kamera. Hat man diesen nicht zur Hand, muss, mittels Bildbearbeitung, zu Hause nachgebessert werden.

Auf den Weißabgleich ist je nach Kameramodell zu achten. In der Regel liefert der automatische die gewünschten Bildergebnisse. Manchmal ist es jedoch auch ratsam, die Voreinstellung „bewölkt“ zu wählen. Dadurch wird er in Richtung „warm“ verschoben und das kommt den natürlichen Farben des Sonnenuntergangs zugute. Ist man ein Freund der kamerainternen Filter, so liefern diese beeindruckende und mitunter überaus sehenswerte Effekte. Bei zahlreichen Kameras kann die Einstellung so vorgenommen werden, dass das Motiv mit dem einmaligen Auslösen automatisch, hintereinander mit allen zur Verfügung stehenden Effektfiltern, aufgenommen wird.

Genügend Speicherkarten gehören ebenso in die Fototasche wie Ersatzakkus. Verfügt die Kamera über das Feature 4K oder 6K beziehungsweise eine Zeitrafferfunktion, so ist der Energieverbrauch groß und ein Batteriegriff mit einer größeren Stromkapazität die bessere Wahl als Ersatzakkus.

„Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 04 / 2018

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