Wie gelingen richtig tolle Porträtaufnahmen

Auf was ist bei Porträtaufnahmen in Innen- und Außenräumen zu achten

Welche Filter sorgen für welche Effekte in der Porträtfotografie

Porträt eines Mannes mit Licht- und Schattenseite
Edith Schniggenfittig, Licht- und Schattenseiten des Menschen, Blende-Fotowettbewerb

Porträts von Menschen sind nicht nur irgendwelche Aufnahmen, sondern Charakterbilder, die bestenfalls einen Einblick in die Persönlichkeit geben und Betrachter sowie die abgelichtete Person gleichermaßen begeistern. In der Praxis zeigt sich aber vielfach, dass Porträtaufnahmen oftmals das gewisse Etwas fehlt oder der Porträtierte unzufrieden mit den Bildergebnissen ist. Mit den nachstehenden Tipps erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf sehenswerte Porträtaufnahmen jenseits des alltäglichen.

  • Ziel in der Porträtfotografie sollte sein, Charakterbilder zu schaffen, die ein stückweit auch ein Abbild des Lebens sind. Dazu ist es im ersten Schritt notwendig, den Porträtierten zu beobachten und typische Wesenszüge auszumachen. Im Familien- beziehungsweise Freundeskreis sind diese möglicherweise schneller auszumachen, als bei fremden Personen. Porträtaufnahmen sind übrigens nicht nur auf Kopf und Schultern beschränkt. Eine Ganzaufnahme ist zwar schwieriger als ein Brustbild, aber ein lohnendes Sujet. Das Gesicht ist der wichtigste Teil eines Porträts und muss deshalb richtig belichtet werden. Am besten eignet sich hierfür die selektive Lichtmessung dicht am Modell.

Porträt einer jungen Frau
Jürgen Müller, Versunken, Blende-Fotowettbewerb

  • Porträtaufnahmen können, wie in der Streetfotografie, im Vorübergehen entstehen. Ist hingegen ein Shooting angesetzt, dann sollte man ausreichend Zeit einplanen, denn sehenswerte Aufnahmen entwickeln sich oftmals erst im Laufe eines Shootings. Mit fortschreitender Dauer des Shootings sind Pausen für beide Seiten ein Muss.
  • Befindet sich der zu Porträtierende in einer schlechten Stimmungslage, so sollte man das Shooting verschieben. Gleiches trifft auch auf den Fotografen zu.
  • Möchte man in einem Shooting fremde Menschen porträtieren, so ist es wichtig, dass diese die Scheu vor der Kamera ablegen und sich dem Fotografen gegenüber öffnen. Das gelingt am leichtesten durch ein Gespräch.
  • Im Vorfeld, sofern es sich um ein Shooting handelt, sollte man sich überlegen, welche Bildideen zur Tragen kommen könnten. Dazu gehört beispielsweise die Entscheidung, ob das Shooting im Freien oder in den vier Wänden stattfinden soll. Perfekt ist es, wenn man den Porträtierten in seine Überlegungen mit einbezieht und gemeinsam das Projekt entwickelt.
  • Technische Einzelheiten (Beleuchtung, Hintergrund etc.) sollten vor der Aufnahme geklärt werden. Damit entfällt während des Shootings das hin und her – das spart nicht nur Zeit sondern auch für beide Seiten Nerven. Sofern man über eine Beleuchtungsanlage verfügt, sollte diese schon vor dem Eintreffen des Modells getestet werden, ansonsten wird es nur verunsichert.

Porträt einer Frau
Lotte Baumgarten, Hidden view, Blende-Fotowettbewerb

  • Am einfachsten sind Porträtaufnahmen ohne technischen Aufwand im Freien durchzuführen. Sie bringen einen besonderen Reiz, der im Studio so kaum realisiert werden kann. Für Aufnahmen im Freien sind die frühen Vormittags- oder späten Nachmittagsstunden, wenn das Licht schräg einfällt, besser als die Mittagsstunden, in der die Beleuchtung meist zu hart ist. Reicht das vorhandene Licht für eine Aufnahme nicht aus, kann mit einem Aufhellschirm gearbeitet werden oder man lässt das Modell in der Nähe einer reflektierenden Oberfläche posieren. Bei Freilichtporträts sollten nicht mehr Hintergrunddetails ins Bild gebracht werden als notwendig. Eine neutrale Mauer, ein paar Büsche oder ein einzelner Baumstamm reichen meist aus.

Porträt eines Mannes vor dem Fenster
Melanie Schol, remember the last days of summer, Blende-Fotowettbewerb

  • Porträtaufnahmen in Innenräumen – außer man verfügt über ein Fotostudio – entstehen am besten in Fensternähe, das Licht ist natürlicher und weicher. Ist der Raum groß und dunkel müssen die Schatten mit einem Aufhell- oder Reflexschirm aufgehellt werden. Dazu eignet sich jede weiße oder neutralgraue Pappe. Scheint die Sonne direkt durchs Fenster erhöht sich der Kontrast erheblich. Es empfiehlt sich, die Schatten durch Diffusion des Lichtes mit Hilfe eines weißen Bettlakens zu dämpfen.
  • Im Fotostudio kann je nach gewünschter Wirkung das Kunstlicht von vorne, hinten oder seitlich in der Porträtfotografie eingesetzt werden. Generell sollte die Lichtquelle etwas oberhalb und leicht seitlich vom Porträtierten sein.
  • Tonwert, Farbe und Charakter eines Hintergrunds können die optische und inhaltliche Wirkung eines Porträts stark beeinflussen. Ein heller Hintergrund wirkt freundlicher und ergibt meist reizvollere Porträts, während dunkle Hintergründe dramatisieren. Je kräftiger die Hintergrundfarbe, desto plakativer erscheint das Porträt. Haarfarbe und Kleidung des Modells sollten zum Hintergrund passen.

Porträt eines Jungen im Profil, mit wenig Licht von einer Seite
Felix Kellner, Schweigendes Licht, Blende-Fotowettbewerb

  • Wird mit einer Kamera für Wechseloptik – also einer Spiegelreflex- beziehungsweise kompakten Systemkamera fotografiert – so ist für die meisten Fotografen ein leichtes Teleobjektiv die beste Wahl. Welche Brennweite man wählt hängt von der Sensorgröße ab. Neben dem Spiel von Schärfe und Unschärfe hält man als Fotograf mit einem leichten Teleobjektiv auch Abstand zum Porträtierten. Das Weitwinkelobjektiv kann in der Porträtfotografie getrost in der Tasche bleiben. Zum einen verzeichnet es – außer diese Form der Aufnahmen sind mit langer Nase und Co gewünscht – und zum anderen rückt man dem Porträtierten damit zu nah auf die Pelle. Zoomobjektive sind für die Porträtfotografie nicht perfekt, da sich mit dem Zoomen nur der Ausschnitt verändert.
  • Objektive zeichnen sehr scharf, was sich auf Porträtaufnahmen möglicherweise störend auswirken kann, weil mehr Details sichtbar sind als gewünscht. Abhilfe schaffen hier Weichzeichner. Der Center-Spot-Filter ist ein Vorsatz mit einem runden Loch in der Mitte, der ein unscharfes Bild mit scharfer Bildmitte liefert. Beim Soft-Shot-Filter ist das Kernbild scharf, das zu den Rändern unscharf wird. Ein Diffuser Filter hat eine unregelmäßige Oberfläche und erzeugt einen allgemeinen Weichzeichnereffekt. Wird feines Gewebe, zum Beispiel ein Nylonstrumpf straff über das Objektiv gespannt und mit einem Gummiring befestigt, erzeugt dies eine strukturierte Weichzeichnung. Die unterschiedlichsten Weichzeichnereffekte werden durch das Auftragen von Vaseline auf einen Skylightfilter erreicht. Zu beachten ist aber, dass Vaseline nie direkt auf das Objektiv aufgetragen werden darf.

„Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 06 / 2018

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