Wie man sich fotografisch die Welt der kleinen Dinge erschließt

Fotografisches Experimentieren mit der Schärfenverteilung

Für die Makrofotografie gilt es eine Lanze zu brechen. Oftmals wird das große Können derjenigen unterschätzt, die ihr nachgehen. Doch spätestens, wenn man sich etwas intensiver mit der Makrofotografie und mit der Entstehung der Fotos auseinandersetzt, weiß man die herausragenden Leistungen zu schätzen, wie sie beispielsweise die „Blende“-Teilnehmer Jahr für Jahr hervorbringen. Möchte man sich die Welt der kleinen Dinge, die sich nicht nur auf Insekten und Blüten beschränkt, fotografisch erschließen so ist hierfür spezielles Fotoequipment ebenso notwendig wie die Beherrschung dessen. Das setzt Geduld und Ausdauer mit einem selbst voraus, sind doch Erfahrungen das Fundament des angewandten fotografischen Handwerks. Fotografische Experimentierfreude ist vielfach ein zusätzlicher Schlüssel zum Bilderfolg – erst recht dann, wenn Aufnahmen jenseits des Alltäglichen angestrebt werden.

© Fotograf: Werner Liese, Sonnentau im Dunkelfeld, Blende-Fotowettbewerb
Werner Liese, Sonnentau im Dunkelfeld, Blende-Fotowettbewerb

Welcher visuelle Reiz in der Makrofotografie liegt, dass zeigt der „Blende 2017“-Wettbewerbsbeitrag „Sonnentau im Dunkelfeld“, eingereicht von Werner Liese. Die Aufnahme eines Ausschnittes der Sonnentaupflanze (Drosera, fleischfressend) erfolgte mit einer Canon 700D (ISO 100) unter Einsatz eines Balgengeräts mit einem Zeiss-Ultron Objektiv 50mm F=11 in Retrostellung. Es wurden 27 Bilder mit einem Aufnahmeabstand von 0,25 mm mit dem Programm CombineZP zu einem Focus-Stacking-Bild kombiniert. Die Beleuchtung erfolgte, so der Bildautor, mit einer 3-Watt LED Taschenlampe. Die Originalbreite beträgt etwa 10 mm.

Nicht weniger imposant der Tanz einer Fliege, eingefangen vom „Blende“-Teilnehmer Uwe Hennig. Bei ihm führte, neben fotografischem Können, auch der Zufall Riegie. Nachdem die Fliege gelandet war machte er ein paar Bilder mit seiner Canon EOS 7D, ausgestattet mit einem EF 100 mm Makro L bei ISO 200, einer Belichtungszeit von 1/250 und Blende f8. Dass seine Aufnahme so ein Eyecatcher ist, setzt Erfahrungen in der Makrofotografie voraus, ist insbesondere das Spiel mit Schärfe und Unschärfe eine der großen Herausforderungen.

© Fotograf: Uwe Hennig, Tanz, Blende-Fotowettbewerb
Uwe Hennig, Tanz, Blende-Fotowettbewerb

Fotoequipment – Was ratsam ist

Mit Smartphones und auch Kompaktkameras kann man sich der Welt der kleinen Dinge nähern jedoch nicht in dem Maße, wie es mit entsprechend ausgestatteten kompakten System- und Spiegelreflexkameras möglich ist. Diese beiden Kamerasysteme, mit der Option des Objektivwechsels zeichnet aus, dass sie technisch für jede Aufnahmesituation aufgerüstet werden können. Möchte man sich die Makrofotografie erschließen, so sollte man sich mit der Thematik und Wirkungsweise von Makroobjektiven, Zwischenringen, Nahlinsen, Balgengeräten oder Umkehrlinsen auseinandersetzen. Weiteres wichtiges Fotozubehör für Makrofotografen sind Stativ, Winkelsucher, Ringleuchte, Reflektoren, Fernauslöser – sofern nicht über Tablet oder Smartphone ausgelöst wird -, spezielle Blitzgeräte für die Makrofotografie und Reflektoren. Grundausstattung für alle Einsteiger in die Makrofotografie sind bestmöglich ein Makroobjektiv, Stativ und ein Fernauslöser. Je intensiver man in die Makrofotografie einsteigt, desto mehr wird man Schritt für Schritt sein Fotoequipment entsprechend erweitern.

Sich an den Erfolg herantasten

So ein „Blende“-Wettbewerbsbeitrag mit „Fliege schaut in die Zukunft !?“, eingereicht von Erika Esser zeigt, was die Makrofotografie auszeichnet. Sie macht Dinge sichtbar, die oftmals aufgrund ihrer Kleinheit und Schnelligkeit dem menschlichen Auge verborgen bleiben.

© Fotograf: Erika Esser, Fliege schaut in die Zukunft  !?, Blende-Fotowettbewerb
Erika Esser, Fliege schaut in die Zukunft !?, Blende-Fotowettbewerb

Als Einsteiger in die Makrofotografie sollte man Motive auswählen, die keine Eigendynamik wie Insekten haben und im Vergleich zu diesen eine stattliche Größe mitbringen. Blüten, wie die einer Tulpe, bieten sich perfekt an. Der Aufnahmeort wird in die vier Wände verlegt, so dass man jeden noch so zarten Windhauch ausschließen kann – übrigens in der freien Natur der Feind eines jeden Makrofotografen. Man hat alle Zeit der Welt, die Kamera so perfekt, wie die „Blende“-Teilnehmerin Bettina Höger-Loesch für ihre Aufnahme „Der einsame Zahn – oder – Schönheiten des Alters“ auf dem Stativ ruhend auszurichten und das Licht perfekt zu setzen.

© Fotograf: Bettina Höger-Loesch, Der einsame Zahn - oder - Schönheiten des Alters, Blende-Fotowettbewerb
Bettina Höger-Loesch, Der einsame Zahn – oder – Schönheiten des Alters, Blende-Fotowettbewerb

Als Einsteiger sollte man nicht der Annahme verfallen, dass einem gleich im ersten Anlauf eine so perfekte Aufnahme gelingt wie Bettina Höger-Loesch. Mit der Lichtsetzung muss ebenso experimentiert werden wie mit der Schärfenverteilung im Bild. Insbesondere letztgenanntes ist herausfordernd und hier heißt es, sich an den fotografischen Erfolg heranzutasten. Als Übungsobjekte bieten sich auch Bundstifte an.

© Fotograf: Nils Badt, Sechskant, Blende-Fotowettbewerb
Nils Badt, Sechskant, Blende-Fotowettbewerb

Auf die perfekte Scharfstellung kommt es an

Die größte Herausforderung besteht in der richtigen Scharfstellung. Die Schärfe sollte natürlich auf dem Objekt liegen. Das ist oft einfacher gesagt als getan, denn selbst bei hohen Blendenwerten ist die Schärfentiefe sehr begrenzt. Auch, wenn Autofokussysteme grundsätzlich sehr gute Ergebnisse liefern, so ist der manuellen Scharfstellung oftmals der Vorzug zu geben. Die AF-Funktion lässt sich übrigens optimieren, indem man nur einen Schärfepunkt nutzt. Bewegt sich das Motiv, so muss man den Schärfepunkt entsprechend ändern. Ist man im Besitz einer Kamera, die die Auswahl mehrerer benachbarter Schärfepunkte erlaubt, so ist diese Funktion zum Ablichten von einer Vielzahl an Insekten prädestiniert. Die Serienbildfunktion Ihrer Kamera erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit auf mindestens eine gelungene Aufnahme. Nach den ersten Aufnahmen sollte man diese in jedem Fall überprüfen und gegebenenfalls die Bildkomposition ändern. Der Bilderfolg liegt vielfach auch im fotografischen Experiment.

„Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 03 / 2018

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