Wie fotografiere ich die totale Mondfinsternis (Mofi)

Wo und wann man in Deutschland die Mofi sehen kann

Was man an Fotoequipment für die Mondfinsternis benötigt

Sequenz einer Mondfinsternis

Am 27. Juli 2018 ist es soweit, der Tag der totalen Mondfinsternis, die auch umgangssprachlich als Mofi bezeichnet wird. Daumendrücken ist hinsichtlich des Wetters angesagt, möchte man die Mondfinsternis auch in Deutschland in ihrer Klarheit mit der Kamera einfangen. Die diesjährige Mondfinsternis ist für die nächsten über 100 Jahre übrigens die längste, denn erst im Jahr 2123, am 9. Juni, ist sie um zwei Minuten länger. In Abhängigkeit vom Aufenthaltsort geht der Mond am 27. Juli in München um 20.48 Uhr und beispielsweise in Hamburg um 21.16 Uhr auf.

Wann spricht man von Mondfinsternis?

Wie bei Wikipedia zu lesen ist, durchquert bei einer Mondfinsternis der Mond den Schattenkegel, den die von der Sonne beleuchtete Erde im Weltraum wirft. Dieses astronomische Ereignis findet statt, wenn Sonne, Erde und Mond genügend genau auf einer geraden Linie liegen. Mondfinsternis kann nur bei Vollmond stattfinden, da sich hierfür von der Erde aus gesehen Sonne und Mond gegenüber stehen müssen. Sie tritt aber nicht bei jedem Vollmond ein, weil die Mondbahn gegenüber der Erdbahn leicht verkippt ist, weshalb der Mond von der Erde aus gesehen am Fixsternhimmel in einer leicht kurvigen Bahn um die Ekliptik pendelt. Der Mond schneidet die Ebene der Erdbahn bei jedem Umlauf zweimal. Wenn das gerade bei Vollmond geschieht, ergibt sich eine Mondfinsternis.

Für tolle Fotos rechtzeitig losgehen und das Weite vor künstlichen Lichtquellen suchen

Der Fotostandpunkt sollte nicht erst dann eingenommen werden, wenn die Mondfinsternis einsetzt. Für Stadtbewohner gilt, sich in ländliche Regionen zu begeben, denn die sogenannte Lichtverschmutzung ist in Städten enorm. Je dunkler die Umgebung ist, umso wirkungsvoller sind bei entsprechender Wetterlage die Aufnahmen von der Mondfinsternis.

Welches Fotoequipment wird für die Mofi benötigt?

Werden sehenswerte Aufnahmen von diesem Naturereignis angestrebt, so ist eine Kamera Pflicht – eine Profifotoausrüstung ist jedoch nicht notwendig. Ratsam ist eine hochwertige Kompaktkamera mit einem großen Zoombereich, die auch manuelle Kameraeinstellungen zulässt. Kameras für Wechseloptik, also kompakte System- beziehungsweise Spiegelreflexkameras, und zwar mit einem Teleobjektiv bestückt, sind ebenso perfekt, für die Mondfinsternis. Ratsam sind ein 300-mm-Teleobjektiv für APS-C-Kameras beziehungsweise 500 mm für Kameras mit Vollformatsensor. Kommen Teleobjektive zum Einsatz, so gelingt es, Details von der Mondoberfläche einzufangen. Je nach Phase wird der Mond das einzige sichtbare Motiv im Bild sein. Möchte man die Umgebung stärker mit einbeziehen, dann ist ein Weitwinkelobjektiv sicher die bessere Option.

Blutmond Fotocredit: Rachel Powers

Ein stabiles Stativ ist Pflicht, denn bereits kleinste Erschütterungen lassen sonst die Mondaufnahmen hoffnungslos verwackeln. Um den Kontrast der Mondfläche zu steigern, empfiehlt sich das Fotografieren mit einer Taukappe beziehungsweise einer Gegenlichtblende. Nützlich sind zudem Fernbedienungen/Fernauslöser zum Auslösen der Kamera. Verfügt man über ein Kameramodell, dass die Kamerasteuerung über Smartphone/Tablett zulässt, so ist das auch eine Option. Bewusst muss man sich darüber sein, dass das direkte Auslösen der Kamera zu Erschütterungen führen kann, die unscharfe Aufnahmen zur Folge haben. Ist es nicht möglich, die Kamera mit einem Fernauslöser zu betreiben, so kann bedingt der Selbstauslöser helfen. Ist er einmal aktiviert, so läuft der Aufnahmemechanismus nach vorgegebener Zeit ab.

Kann man sich der oben angesprochenen Lichtverschmutzung nicht ganz entziehen, hilft ein Filter wie beispielsweise der Rollei Astroklar Filter, den es als Rechteck- (100 mm und 150 mm) und Schraubfilter in den verschiedensten Größen gibt. Er verringert die Einflüsse der Lichtverschmutzung künstlicher Lichtquellen und entfernt Gelbstiche am Nachthimmel. Ein weiterer Filtertyp, der Himmelsaufnahmen bei Nacht erleichtert ist ein ND-Filter. Er wird auch als Mondfilter bezeichnet und reduziert die einfallende Lichtmenge, ohne die Farben zu verfälschen. Der Einsatz eines solchen Filters kommt also einem starken Abblenden eines Kameraobjektivs gleich. Solche Filter dämpfen das Licht sehr stark, da sie auch für die Mondbeobachtung konzipiert sind. Die Belichtungszeit verlängert sich deshalb erheblich. Ohne die Farbqualität zu beeinträchtigen, wird der Kontrast durch ND-Filter verstärkt.

Welche Kameraeinstellung ist optimal?

Eine allgemeingültige Kameraeinstellung, wie für ein Kochrezept, gibt es nicht. Wie so oft in der Fotografie gilt, sich an den Bilderfolg heranzutasten. In Bezug auf das Fotografieren der Mondfinsternis ist es deshalb ratsam, im Vorfeld schon einmal erste fotografische Erfahrungen zu sammeln. Das bedeutet, sich in Tagen vor der Mondfinsternis dem Motiv Mond fotografisch zu stellen und mit den Einstellungen zu experimentieren.

Der Blitz gehört ebenso ausgeschaltet wie Bewegungsstabilisatoren. Auch, wenn aktuelle Kameramodelle mit ihren Menüprogrammen über sehr gute Voreinstellungen verfügen, so sollte manuell fokussiert werden, da der Autofokus bei den herrschenden geringen Lichtverhältnissen an seine Grenzen stößt. Ebenso verhält es sich mit der Belichtungszeit. Die ISO Empfindlichkeit liegt bestmöglich bei 100 oder 200 und die Blende bei f/8. Eine höhere Sensorempfindlichkeit ist mit ISO 1.600 und Blende 5.6 auch eine Option. Doch eine höhere Sensorempfindlichkeit kann je nach Kameramodell zu mehr oder weniger stark ausgeprägtem Bildrauschen führen. Entscheidet man sich für eine möglichst offene Blende (kleine Blendenzahl wie 2.8 oder 4), dann fällt mehr Licht durch das Objektiv und die Belichtungszeit kann entsprechend kurz gewählt werden. Ratsam ist eine Belichtungsreihe. Übrigens: Je nach Kamera kann sich beim Zoomen die Blende ändern und die Belichtungszeit muss entsprechend angepasst werden.

Welche Belichtungszeit in welcher Phase der eintretenden Mondfinsternis?

Verlauf der Mondfinsternis am 27. Juli 2018

Während der eintretenden Mondfinsternis verändert sich die Helligkeit des Mondes. Dies hat zur Folge, dass man die Belichtungszeit und Blende stets anpassen sollte.

  • Vollmond nach der Mondfinsternis: ISO 100, Belichtungszeiten um 1/100, Blende geschlossen (große Blendenzahl)
  • Halbschattenphase: Belichtungszeiten oder ISO-Werte verdoppeln
  • Partielle Mondfinsternis: Am Anfang analog der Halbschattenphase und dann sukzessive immer länger belichten bei offenerer Blende (kleinere Blendenzahlen). Alternativ kann die Sensorempfindlichkeit erhöht werden.
  • Totale Mondfinsternis: Je nach Ausprägung ist die Mondscheibe unterschiedlich dunkel. Die Sensorempfindlichkeit (ISO) sollte auf 400 oder 800 erhöht werden. Bei offener Blende liegt die Belichtungszeit bei bis zu 10 Sekunden.

Sofern man seine Bilder bearbeitet, empfiehlt sich im RAW-Modus in höchster Bildqualität zu fotografieren. Einige Kameras bieten die Bildaufzeichnung parallel in JPEG und RAW an. Damit hält man sich natürlich alle späteren Optionen offen. In jedem Fall ist an genügend Speicherplatz zu denken – also Ersatzspeicherkarte ebenso nicht vergessen wie Ersatzakkus.

Fotografieren in der Praxis 07 / 2018

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