Wildlife-Fotografie: Braunbär mit Teleobjektiv eingefangen

Dem „Blende 2017“-Teilnehmer Rolf Müller ist mit seinem eingereichten Wettbewerbsbeitrag „Braunbär am Baumstamm“, eingereicht zur diesjährigen thematischen Vorgabe „Tierische Begegnungen“, ein einzigartiger Schnappschuss gelungen. Seine Aufnahme, zu der Rolf Müller ausführt „In Finnlands weiten Wäldern konnte der Braunbär fotografiert werden als er sich gerade an einem Baumstamm aufrichtete“ ist ein Beleg dafür, wie sehr in der Fotografie – insbesondere in der Tierfotografie – der Zufall Regie führt und, dass auf der Fotomotivjagd, auch das nötige Glück mit über den Bilderfolg entscheidet. Glück und Regie sind jedoch nur dann vom Fotografen steuerbar, wenn er auf seiner Fototour das passende Fotoequipment mit sich führt, um Motive wie diesen Braunbären wirkungsvoll in Szene setzen zu können. Auch wenn Braunbären recht große Fotoobjekte sind, so muss man aufgrund ihrer Gefährlichkeit, aber auch, um sie in ihrem Lebensraum nicht zu stören – ist man als Mensch hier der Eindringling – Distanzen überwinden. Für die Wildlife-Fotografie – und somit für das Fotografieren von Braunbären – prädestiniert sind deshalb Kameras für Wechseloptik (Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras) mit entsprechender Teleoptik mit Brennweiten ab 150 mm bis über 600 mm, die dann als Superteleobjektive bezeichnet werden.

Wildlife-Fotografie. © Fotograf: Rolf Müller, Braunbär am Baumstamm, Blende-Fotowettbewerb
Rolf Müller, Braunbär am Baumstamm, Blende-Fotowettbewerb

Der Umgang mit der Teleoptik will geübt sein, denn je größer die Brennweite von Teleobjektiven ist, mit denen sich nicht nur Entfernungen überbrücken lassen, sondern auch sehr enge Bildwinkel gewählt werden können, desto herausfordernder ist die Fokussierung. Wird mit einem Teleobjektiv fotografiert, muss der Fotograf, einen Mindestabstand zum Motiv einhalten, um es vollständig abzubilden. Je nachdem, was für ein Teleobjektiv zum Einsatz kommt, muss der Abstand zum Motiv bei einem normalen Teleobjektiv bei über einem Meter und bei Superteleobjektiven sogar zwischen vier und sieben Metern liegen. Mit einem Superteleobjektiv hält man dementsprechend den notwendigen Sicherheitsabstand zum Bären. Je länger die Brennweite des Teleobjektivs ist, desto kleiner ist der sichtbare Schärfentiefenbereich. Der gestalterische Vorteil liegt ganz klar auf der Hand, denn dadurch kann der Hintergrund in Unschärfe versinken, wodurch er nicht mehr vom eigentlichen Motiv ablenkt. Hat man jedoch zwei Bildelemente auf die es ankommt, so müssen diese nah beieinanderliegen, sollen sie beide scharf abgelichtet werden.

Ein Stativ ist dringend anzuraten – es entlastet nicht nur die Hände und Arme, sondern beugt Verwacklungen bei langen Brennweiten vor. Kenntnisse über den Serienbildmodus sowie Autofokuseinstellungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit auf bewegende Tieraufnahmen. Diese Kenntnisse sollte man sich bestmöglich schon im Vorfeld aneignen, denn nichts ist frustrierender, als wenn das Tier in der Position ist, in der man es fotografieren möchte und man es aufgrund von fehlender fotografischer Übung nicht scharf abgelichtet bekommt.

Dem RAW-Bildformat ist grundsätzlich der Vorzug zu geben – das setzt allerdings anschließende Bildbearbeitung voraus. Sofern die Kamera bereits darüber verfügt hält man sich alles offen, wenn die Bildaufzeichnung sowohl im RAW- als auch im JPEG-Bildformat erfolgt. Selbstredend gilt es, sich für die höchste Bildauflösung in der Kamera zu entscheiden. Auch das beansprucht – wie die gleichzeitige Aufzeichnung in den Bildformaten RAW und JPEG etwas mehr Speicherplatz. An Ersatzakkus sowie Speicherkarten ist zu denken.

Und zu guter Letzt: Kenntnisse über die Tierwelt, die man im Fotofokus hat, erhöht die Wahrscheinlichkeit auf aussagekräftige und überaus sehenswerte Fotografien. Gerade in Bezug auf das Fotografieren von Bären in freier Wildbahn sind diese Kenntnisse aber auch zum eigenen Schutz unerlässlich. Bei aller Begeisterung für Fotomotive wie Bären sollte man andere und sich zu keiner Zeit nicht in Gefahr bringen. Zudem trägt man als Fotograf Verantwortung und dazu gehört, sich adäquat entsprechend des Tier- und Naturschutzes zu verhalten.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zum laufenden Fotowettbewerb „Blende 2017“.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2017

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