Wildlife-Fotografie: Fotomotiv im Herbst - Rot- und Damwild während der Brunftzeit

© Fotograf: Daniel Gerlach, Der König des Waldes, Blende-Fotowettbewerb
Daniel Gerlach, Der König des Waldes, Blende-Fotowettbewerb
Fotobegeisterte können sich mit entsprechendem Fotoequipment heute jedes Motivgebiet erschließen und zu atemberaubende Aufnahmen, beispielsweise vom Rot- und Damwild während der Brunftzeit im Herbst, gelangen. Die Wildlife-Fotografie heißt in diesem Fall, Rot- und Damwild visuell in Szene zu setzen. Das erfordert Kameraequipment, mit dem sich Distanzen überbrücken lassen. Dies gelingt mit den sogenannten Bridgekameras – auch als Superzoomkameras bezeichnet – und ihrem weiten Zoombereich, der in den Telebereich reicht. Noch besser als Aufnahmegeräte geeignet sind mit Teleoptik ausgestattete kompakte System- und Spiegelreflexkameras. Wieviel Brennweite es sein sollte, darüber gehen die Meinungen auseinander – zwischen 300 mm und 500 mm sollte sie liegen, um das Rot- und Damwild formatfüllend in Szene zu setzen. Auch, wenn die Sensoren aktueller Kameramodelle qualitativ immer bessere Bildergebnisse garantieren und sich die ISO-Empfindlichkeiten in die Höhe pushen lassen, so sind lichtstarke Objektive von Vorteil, geht doch die Anhebung der ISO-Empfindlichkeit ab einem gewissen Punkt mit Bildrauschen einher. In der morgendlichen Herbststimmung – eine gute Zeit um Rot- und Damwild während der Brunftzeit zu fotografieren – und wenn beispielsweise Nebel über der Landschaft liegt, sind die Lichtbedingungen mitunter herausfordernd. Hier spielen lichtstarke Objektive ihre Stärke aus. Die Sensorempfindlichkeit kann mit diesen Objektiven nicht nur niedriger gewählt werden sondern auch das Fokussieren fällt deutlich leichter, was der Aufnahme in ihrer Brillanz zu Gute kommt. Ist man im Besitz eines Telekonverters, so sollte man diesen mit auf die Pirsch nehmen.

© Fotograf: Erich Tomschi, Hirschbrunft bei Sonnenaufgang, Blende-Fotowettbewerb
Erich Tomschi, Hirschbrunft bei Sonnenaufgang, Blende-Fotowettbewerb
Ist man beispielsweise noch nicht im Besitz eines lichtstarken Teleobjektivs, ist man sich unsicher über die bestmögliche Brennweite und möchte man zunächst erst einmal in Erfahrung bringen, ob das Fotografieren von Rot- und Damwild etwas für einen ist, so bieten immer mehr Fotohändler die Option an, sich für die Fototour entsprechende Aufnahmeequipment ausleihen zu können. Das macht übrigens nicht nur in Bezug auf die Optik Sinn, sondern auch dann, wenn die eigene Kamera schon etwas in die Jahre gekommen ist. So partizipiert man von den technischen Innovationen wie beispielsweise 4K beziehungsweise 6K oder den umfangreichen Serienbildfunktionen – beides revolutioniert die Momentfotografie und um nichts anderes handelt es sich in der Wildlife-Fotografie

Die dritte Hand des Fotografens, also ein Stativ, ist Pflicht. Es entlastet nicht nur die Hände und Arme, sondern garantiert bei den mitunter schlechten Lichtverhältnissen verwacklungsfreie Aufnahmen. Mit einem Einbeinstativ ist man sehr mobil – das Drei- beziehungsweise Vierbeinstativ garantiert beim Fotografieren mehr Entspannung. Wenn es schnell gehen muss, dann sind aktuelle Modelle in Windeseile aufgestellt. Wichtig ist, darauf zu achten, dass Stativ und Kameraausrüstung eine Einheit bilden – das Stativ muss auf die Traglast ausgelegt sein, sonst geht es sprichwörtlich in die Knie. Schon zu Beginn der Wanderung sollte die Kamera auf dem Stativ montiert sein, denn nur so ist man als Fotograf immer gewappnet. Muss man hingegen die Kamera erst aus dem Fotorucksack holen und auf das Stativ schrauben, dann ist möglicherweise das Rot- und Damwild schon in weite Ferne geflüchtet. Nun, die männlichen Exemplare in ihrem Rausch sind deutlich weniger scheu als die weiblichen Exemplare. Die Akkus gehören natürlich vollgeladen, ein Ersatzakku – besser ist noch ein Batteriegriff – sollte ebenso in der Fototasche nicht fehlen wie mindestens eine Ersatzspeicherkarte.

© Fotograf: Elmar Schoenenberg, Ich bin der Größte!, Blende-Fotowettbewerb
Elmar Schoenenberg, Ich bin der Größte!, Blende-Fotowettbewerb
Aufnahmegeräte bieten je nach Modell zahlreiche Optionen der Kameraeinstellungen. Favorisiert wird die Zeitautomatik, mit Belichtungszeiten von 1/300 Sekunde. Je nach vorherrschender Lichtsituation muss dementsprechend mit der ISO-Empfindlichkeit und der Blende gespielt werden. Dies geht gegebenenfalls zu Lasten der Schärfentiefe. Gerade wenn der Tag erwacht, muss die ISO-Empfindlichkeit auf 800 und mehr erhöht werden. Glücklich können sich all jene schätzen, die über ein recht neues Kameramodell verfügen, da diese weniger stark zum Bildrauschen neigen. Mit zunehmender Lichtintensität können die ISO-Empfindlichkeit zurückgefahren und die Blendenöffnung verkleinert werden. Eine andere Option der Kameraeinstellung ist die Blendenvorwahl A/Av – hier wird die Blende vom Fotografen vorgegeben und die Kamera wählt die entsprechende beziehungsweise passende Belichtungszeit aus. Die ISO-Empfindlichkeit sollte man natürlich im Blick haben, denn die kann sich unter schlechten Lichtverhältnissen auf weit über 800 erhöhen. Je nach Kameramodell kann dies die Bildqualität beeinträchtigen. Damit die Ausbeute an scharfen Aufnahmen möglichst hoch ausfällt, ist der kontinuierliche Autofokus eine gute Wahl. Der Mehrfeldmessung ist der Vorzug zu geben. Empfehlenswert ist die Serienbildfunktion, sie erhöht die Trefferquote.

Fotobegeisterte tragen Verantwortung

Als Fotograf gilt es, Grenzen nicht zu überschreiten. Erste Regel lautet, sich selbst für gute Bilder nicht in Gefahr zu bringen. Die zweite Regel lautet, den Tierschutz zu beachten. Und als dritte Regel gilt es, sich entsprechend der Jahreszeit zu kleiden, ein frierender und durchnässter Fotograf kann nur schwerlich zur Hochform auflaufen. Tarnkleidung ist natürlich angesagt. An Proviant und an ein wärmendes Getränk sollte man denken. Aufmerksam sollte man bei diesen liebestollen Tieren sein, denn so ein Hirsch kann sich auch einmal von hinten nähern, wenn er seinen Kontrahenten angeht.

© Fotograf: Reinhard Müller, Verlaufen, Blende-Fotowettbewerb
Reinhard Müller, Verlaufen, Blende-Fotowettbewerb

Vor der Fototour sich informieren

Einfach raus in die Natur gehen und Rot- sowie Damwild während der Brunftzeit in sehenswerten Fotografien festzuhalten, setzt voraus, sich im Vorfeld Kenntnisse über die Wildtiere und ihre Gewohnheiten zu verschaffen. Das erhöht die fotografische Ausbeute, denn Verhaltensweisen können leichter vorhergesehen werden. So gehen Hirsche bis zur Brunft jeder Rauferei aus dem Weg und stehen friedlich in Gruppen als Männergesellschaft zusammen. Im September lösen sich diese Hirschrudel schlagartig auf. Ein rasant ansteigender Testosteronspiegel leitet jetzt die Brunft ein und die Paarungszeit der Hirsche macht aus guten Kumpeln erbitterte Konkurrenten. Sechs Wochen lang geht es dabei einzig und allein um die Gunst der Alt- und Schmaltiere. Zum Droh- und Imponiergebaren gehört auch das Röhren – sicherlich die bekannteste Lautäußerung brunftiger Hirsche und das begehrte Fotomotiv.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“ ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zum laufenden Fotowettbewerb „Blende 2017“.

Fotografieren in der Praxis 09 / 2017

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden