Fototipp: Winter - Sportfotografie

Geht es die Pisten mit Skiern und Snowboards steil bergab dann gehört die Action Cam, meist auf dem Helm befestigt, inzwischen zum gesetzten Utensil. Mit diesen Kameras gelingen meist als Videos festgehalten wunderbare Impressionen von der eigenen Abfahrt. Sich selbst vermisst man da allerdings als Motiv, außer man hat Freunde, die alles mit der Kamera dokumentieren. Überzeugende Aufnahmen wie sie dem „Blende“-Teilnehmer Moritz Gruber mit seiner zu „Blende 2016“ eingereichtem Wettbewerbsbeitrag „Weißes Wunder“ zur thematischen Vorgabe „Schätze der Region“ gelungen ist, setzen Kenntnisse über den Sport sowie entsprechendes Aufnahme-Equipment voraus. Wer meint, mit dem Smartphone gelingen imposante Sportaufnahmen, der wird eine Enttäuschung hinnehmen. Im Regelfall – außer man bringt sich selbst in Gefahr, weil man sich auf der Piste in den Weg stellt – wird der Akteur lediglich als Klecks auf dem Bild zu sehen sein. Ein weiterer Nachteil der Smartphones sind ihre geringen Akkuleistungen, die sich bei winterlichen Temperaturen nochmals um die Hälfte reduzieren können.

© Fotograf: Moritz Gruber, Weißes Wunder, Blende-Fotowettbewerb
Moritz Gruber, Weißes Wunder, Blende-Fotowettbewerb

Eine Kamera ist also Pflicht für gute Sportfotos. Technische Innovationen im Kamerabereich, wie sie auf der photokina 2016 im Herbst vorgestellt wurden, erhöhen mit 4K und noch schnelleren Serienbildfunktionen die Wahrscheinlichkeit, den entscheidenden Moment noch wirkungsvoller einzufangen. Gerade für alle, die sich der Sportfotografie hingeben, lohnen sich also die Investitionen in aktuelles Aufnahmeequipment. Prädestiniert für die Sportfotografie sind Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras.

Gerade in der Sportfotografie ist es von großem Vorteil, wenn Belichtungsmesser und Autofokus voneinander getrennte Module sind, die parallel und unabhängig voneinander arbeiten können, da hier die Kadenz ein ganz wichtiges Kriterium ist. Sie beschreibt, wie viele Bilder pro Sekunde eingefangen werden können. Bei Skifahrer und Snowboardern müssen sich Fotografen auf extrem dynamische Vorgänge einstellen. Für Serien mit enger Bildfolge, ist eine Kadenz von wenigstens 5 fps (Frames per Second) anzustreben. Mehr, wie sie aktuelle Kameramodelle mitbringen, ist natürlich von Vorteil. Ist die Kamera mit einer zu geringen Kadenz ausgestattet, so kann man diese möglicherweise mit einer schnelleren Speicherkarte erhöhen. Eine Erhöhung der Kadenz wird auch dadurch erzielt, dass die Speicherung der Bilddaten im JPEG-Format erfolgt. Dies bietet sich jedoch nur dann an, wenn die Bilddaten nicht umfangreich nachbearbeitet werden sollen. Zur Herabsetzung der Kadenz kann es kommen, wenn ein Datenstau beim Speichervorgang der Aufnahmen vorliegt.

Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras werden vielfach im Kit, also mit Objektiv, angeboten. Die beigefügten Objektive decken meist einen Brennweitenbereich vom leichten Weitwinkel (24-28 mm Kleinbild) bis in den unteren (60-100 mm Kleinbild) oder bis in den mittleren Telebereich (200 mm Kleinbild) ab. Für den Einstieg in die Sportfotografie reichen diese Objektive zunächst aus. Wer aber höhere Ansprüche verfolgt, der kommt um eine Neuanschaffung nicht herum. Qualität hat bekanntlich ihren Preis und die Qualitätskriterien für Objektive sind zahlreich. Sie fangen bei der Verarbeitung an bis hin zur Lichtstärke, Auflösung, Vignettierung, Verzerrung, dem Autofokusantrieb oder beispielsweise der Innenfokussierung. So ist in der Sportfotografie beim Autofokusantrieb der Ultraschallantrieb das Maß aller Dinge. Elektromotoren oder gar der Stangenantrieb gelten als zu langsam.

Entscheidend für gute Sportaufnahmen ist die richtige Belichtung. Auf diese gilt es, in jedem Fall Einfluss zu nehmen. Das Histogramm bietet dem Fotografen die Möglichkeit, der gezielten Auswertung. Möchte man Wintersportler in Bildern verewigen, so darf man sich auf die automatische Belichtungsmessung nicht verlassen. Die Aufnahmen bei Schnee erhalten meist einen Grauschleier, da die Kamera versucht, die Belichtung am 18-prozentigen Grau abzugleichen, da, aufgrund der hellen Lichtsituation, die Kamera abblendet. Auch den Weißabgleich muss man im Blick haben. Sollten die Aufnahmen dennoch farbstichig sein, so kann dies dank digitaler Bildbearbeitung, behoben werden.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, Europas größter Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen, ist seit Jahrzehnten ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so einer sehenswerten Aufnahme, wie sie Moritz Gruber gelungen ist, zu gelangen. Damit soll nicht inspiriert werden zum Kopieren, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2016

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