Fototipp: Winteridylle - Historische Eisenbahnen

Die Faszination für historische Eisenbahnen gerade mit rauchenden Loks ist bei Klein und Groß gleichermaßen groß ausgeprägt. Angeheizt wird sie zusätzlich durch einen solch märchenhaften Volltreffer wie er Ansgar Marx mit seinem Blende-Wettbewerbsbeitrag „Brockenbahn“, eingereicht zur thematischen Vorgabe „Ob’s stürmt, ob’s Schneit, ob Sonnenschein – Wetterimpressionen“ gelungen ist. Er führt zu seiner Aufnahme aus: „Eine Dampflock der Harzer Schmalspurbahn erkämpft sich den Weg durch die Schneelandschaft. Aufgenommen im Hochharz“.

© Fotograf: Ansgar Marx, Brockenbahn, Blende-Fotowettbewerb
Ansgar Marx, Brockenbahn, Blende-Fotowettbewerb

In Deutschland ist die Zahl der historischen Eisenbahnen sicherlich geringer als in Ländern wie beispielsweise England. Weit über unsere Landesgrenzen bekannt sind beispielsweise die Brockenbahn oder der „Rasende Roland“. Manch einer entscheidet nach ihnen sogar sein Reiseziel. Mit dabei die Kameraausrüstung, um die visuellen Eindrücke dauerhaft zu konservieren. Gerade jetzt im Winter, wenn die historischen Eisenbahnen beispielsweise durch die in Schnee verhüllten Landschaften fahren, stehen die Auslöser erst recht nicht mehr still. Romantik und Nostalgie pur! Die Fotografie hält die Zeit zusätzlich an.

Die Optionen, wie man historische Züge in Szene setzt, sind vielfältig. Der Bahnhof ist eine. Dadurch, dass der Zug steht, hat man deutlich mehr Zeit für die Bildgestaltung. Zudem hat man Gelegenheit auch Details fotografische in Szene zu setzen oder das Zugpersonal. Sehr gefragt sind hier natürlich immer wieder die Lockführer. Möchte man den Zug auf der Strecke fotografieren so ist es ratsam, mit diesem erst einmal eine Fahrt zu machen und zwar mit einer Karte ausgestattet. Auf dieser kann man während der Tour mögliche Aufnahmepositionen markieren, die man ins Auge fassen möchte. Je höher übrigens der ausgewählte Aufnahmestandpunkt im Verhältnis zur Strecke ist, desto mehr Landschaft ist hinter dem Zug zu sehen. Auf den Sonnenstand, damit die Eisenbahn im rechten Licht erscheint, ist natürlich auch zu achten. Entsprechende Apps leisten hier wertvolle Dienste.

Sehr beliebt, gerade jetzt im Winter, ist es, sich auf einer Brücke oder rechts beziehungsweise links der Wegstrecke zu postieren. Wählt man den Aufnahmestandpunkt unweit des Gleiskörpers, so gilt, sich an die bestehenden Vorschriften zu halten und genügend Abstand zum Gleiskörper einzuhalten. Wichtig ist bei aller Begeisterung für das Motiv, dritte und natürlich sich selbst nicht in Gefahr zu bringen. Der Aufnahmestandort an der Strecke entscheidet maßgeblich über die Bildwirkung. Als Motiv gefragt sind auf einen zufahrende Züge seitlich fotografiert. Ein gerade verlaufender Gleiskörper ist eine Option – beliebter und oftmals wesentlich imposanter ist es jedoch, wenn die Dampflock aus einer Kurve kommend in Erscheinung tritt. Eine markante Umgebung steigert den Informationsgehalt des Bildes und macht die Aufnahme so für den Betrachter interessanter. Gerade im Winter wird der Romantikcharakter verstärkt, wenn der schneeverhangene Tannenwald in die Aufnahme mit integriert wird.

Fahrende Züge gekonnt abzulichten ist ein Kinderspiel, wenn man zwei, drei Dinge im Vorfeld beachtet. Klar im Vorteil sind all jene, die über ein sehr aktuelles Kameramodell verfügen. Schaut man sich die Kameraneuheiteneinführungen seit dem letzten Herbst zur photokina 2016 an, so haben die Kamerahersteller in Punkto Geschwindigkeit eine Menge draufgelegt. Um die Vorteile einer schnelleren Kamera für sich greifbarer zu machen, lohnt sich übrigens der Vergleich. Der Vorteil bei einem mehr an Geschwindigkeit liegt unter anderem in einer Serienbildfunktion, die bei aktuellen Kameramodellen in einem vorgegebenen Zeitintervall noch mehr Aufnahmen zulässt. Geht es nämlich darum, eine auf sich zufahrende Eisenbahn wirkungsvoll abzulichten, dann setzt dies auch voraus, dass die Kamera im entscheidenden Moment ausgelöst wird. Ohne eine gute Serienbildfunktion müsste man etliche Anläufe nehmen – mit der Serienbildfunktion ist das quasi Schnee von gestern. Mit der Aufnahme in der Serienbildfunktion beginnt man kurz bevor man normalerweise auslösen würde. In schneller Abfolge entstehen, je nach verwendetem Kameramodell, unterschiedlich viele Aufnahmen in Abfolge. Die Wahrscheinlichkeit, den entscheidenden Moment eingefangen zu haben, ist dank Serienbildfunktion sehr groß.

Bevor die Serienbildfunktion der Kamera aktiviert wird, gilt es natürlich auf den gewünschten Bereich zu fokussieren. Auf den optimalen Ausschnitt ist natürlich zu achten. Der Zug sollte nach Möglichkeit nicht „abgeschnitten“ sein – Ausnahmen von der Regel stellen Kurven oder Hindernisse dar.

Die Belichtungszeit sollte möglichst kurz gewählt werden. In der Regel, und gerade bei neueren Kameramodellen, arbeitet die Kameraautomatik sehr zuverlässig und passt die Blendeneinstellung automatisch der Belichtungszeit an. Die weißen Schneeflächen können möglicherweise die Kameraautomatik irritieren – eine entsprechende Belichtungskorrektur ist dann erforderlich.

Ratsam ist in jedem Fall der Einsatz eines Stativs. Dies entlastet nicht nur die Hände, sondern die Kamera kann optimal und vor allem gerade ausgerichtet werden. Ein gerader Horizont erhöht die Bildwirkung. Immer mehr Kameramodelle sind übrigens mit entsprechenden Features wie einer Wasserwage oder der Gitternetzfunktion ausgestattet, die es einem erleichtern, die Kamera gerade auszurichten.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2017

2 Kommentare

Hallo Herr Wurst, wir haben das Icon "Daumen runter" auf Userwunsch von unserer Homepage entfernt. Mit diesem wurde in der Vergangenheit auch Unfug betrieben. Zwischenzeitlich hatten wir einen Bewertung in Form von Zahlen mit unterschiedlicher Wertigkeit. Der Daumen hoch entspricht den Netzgewohnheiten und ist Standard. Schöne Grüsse Prophoto-Team

Prophoto-Team

von Prophoto-Team
11. Januar 2017, 20:11:50 Uhr

"Dadurch, dass der Zug steht, hat man deutlich mehr Zeit für die Bildgestaltung." Danke für den heissen Tipp – da wäre ich jetzt nicht drauf gekommen. P.S.: Wo ist hier eigentlich das Icon "Daumen runter" für die Bewertung?

Hans Wurst

von Hans Wurst
11. Januar 2017, 12:56:18 Uhr

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