Fotografischer Leitfaden - Wirkungsvolle Aufnahmen von der Milchstraße

© Cmoon View, Gletscherschliff
© Cmoon View, Gletscherschliff
Sterne faszinieren seit jeher, sie ziehen unsere Blicke magisch an. Früher oder später wird man sie fotografisch festhalten wollen. Cmoon View, sie fotografiert erst seit wenigen Monaten, hat einen fotografischen Leitfaden zusammengestellt, der Sie in Ihrem Anliegen unterstützen wird. Dass sie eine Meisterin ist zeigt sich unter anderem darin, dass sie mit ihrer Milchenstraßen-Aufnahme den ersten Platz beim Duggal Landscape Contest in New York belegte. Auch beim Wunderwelten Festival wurde ihre Fotografie in der Kategorie „Architektur und Natur“ ausgezeichnet und ihre Aufnahme ist nun Bestandteil der Wanderausstellung. Und da aller guten Dinge drei sind wurde sie bei travelbook.de von Tom Hind/Getty Images erwähnt. Cmoon View stellt damit eindrucksvoll unter Beweis, dass der fotografische Erfolg nicht zwangsläufig im Zusammenhang mit der Dauer, die man fotografiert, steht. Sie werden sehen, dass tolle Aufnahmen von der Milchstraße kein Hexenwerk sind. Natürlich bedarf es dafür einer sternenklaren Nacht, der passenden Kameraausrüstung, Software für die Bildnachbearbeitung und Gelassenheit, sich auf den Sternenhimmel einzulassen.

Hintergrundinformationen zur Milchstraße

Die Milchstraße, die Galaxie, in der sich unser Sonnensystem befindet, ist in klaren Nächten mit bloßem Auge rund um die Erde am Nachthimmel zu sehen. Jahreszeitenabhängig und je nachdem, ob man das milchige Band von der Nord- oder Südhalbkugel aus betrachtet, sieht man einen anderen Teil der Milchstraße. Von der Südhalbkugel aus befindet sich das Zentrum der Milchstraße hoch am Himmel, betrachtet man sie von der Nordhalbkugel aus, rutscht das Zentrum im Winter tiefer hinter den Horizont. Es befinden sich mehrere hundert Milliarden Sterne in der Milchstraße, welche vom Universum aus gesehen ein scheibenförmiges Aussehen aufweist, aus dessen Zentrum sich mehrere Arme spiralförmig herauswinden. Wie viele Arme genau existieren, darüber ist sich die Wissenschaft noch nicht einig. Unser Planet befindet sich im äußeren Rand des Milchstraßensystems.

Die besten Voraussetzungen, um die Milchstraße zu fotografieren

Geringe Lichtverschmutzung

© Cmoon View, light through the darkness
© Cmoon View, light through the darkness
In der Nacht erhellen unzählige Lampen die Dunkelheit und strahlen weit in den Himmel. Je stärker und dichter dieses Licht vorhanden ist, desto mehr Lichtverschmutzung entsteht. In der Nähe von Städten ist beispielsweise mehr Lichtsmog vorhanden als auf weniger dicht besiedelten Gebieten. Ideal, um die Milchstraße zu fotografieren, sind dementsprechend Orte, die sich weitab von Lichtglocken befinden: Berge, Sicht aufs offene Meer, einsame Wüsten oder eben Hauptsache möglichst weit weg von Städten. Je höher oben man sich befindet, desto dünner ist die lichtschluckende Atmosphäre und umso freier die Sicht. Im Internet gibt es viele Karten, die die Lichtverschmutzung aufzeigen und anhand derer man dunkle Orte in seiner Umgebung aufgezeigt bekommt.

Sternklare Nacht

Ist der Himmel wolkenüberzogen, die Umgebung sehr neblig oder voll mit Smog, hindert dies die freie Sicht auf die Milchstraße. Beste Voraussetzungen, um die Milchstraße fotografisch wirkungsvoll in Szene zu setzen, sind klare Nächte. Aber nicht nur diese. Vereinzelte Wolken können überaus reizvoll sein und ein Foto von der Milchstraße auch interessant machen.

Mondfreie Nächte

Der Mond scheint heller, je voller er ist. Bei Vollmond ist das abgestrahlte Licht des Mondes viel zu hell, um viele Sterne, also die Milchstraße, zu fotografieren. Die Sternenfotografie sollte nach den Mondphasen geplant werden. Mittels Apps lassen sich die Auf- und Untergangszeiten des Mondes in die Planung einbeziehen. Manchmal geht der vollere Mond tagsüber auf oder erst am frühen Morgen und lässt dunkle Nächte zu.

Sommer/Winter

Egal, ob auf der Nord- oder Südhalbkugel: In den jeweiligen Sommermonaten lässt sich das helle, sternenreichste Milchstraßenzentrum am besten erkennen. Im Winter rutscht das Zentrum tiefer hinter den Horizont. Im Sommer geht die Milchstraße später auf als in den anderen Jahreszeiten und ist weniger lange sichtbar. Kühle Winternächte sind klarer und somit die Sicht besser.

App zur Ortung der Milchstraße

Sehr hilfreich sind Apps, um die Milchstraße zu orten, Auf- und Untergangszeiten herauszulesen und die Kamera an einer geeigneten Location dementsprechend zur Milchstraße auszurichten.

Die Ausrüstung

© Cmoon View, Wilde Disteln
© Cmoon View, Wilde Disteln
Voraussetzung für die Sternenfotografie ist eine Kamera, die Langzeitbelichtungen zulässt. Klar im Vorteil sind all jene, die über eine Vollformatkamera verfügen, denn diese garantieren qualitativ hochwertigere Aufnahmen und lassen längere Belichtungszeiten zu. Mehr zu den möglichen Längen der Belichtungszeiten und wie man diese berechnet weiter unten. Je besser das Rauschverhalten ist, desto zufriedenstellender sind die Aufnahmen. Ein Tuch hilft, um das Okular vor Licht abzuschirmen, welches störend in die Kamera gelangen kann.

Lichtstarkes Weitwinkelobjektiv

Ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv ist die Basis und dementsprechend Grundvoraussetzung für die Sternenfotografie. Eine weit geöffnete Blende (kleine Blendenzahl) sammelt schneller mehr Sternenlicht. Ein weitwinkliges Objektiv lässt neben einem größeren Ausschnitt der Milchstraße auch eine längere Belichtung zu.

Sonnenblende

Um helle Ecken auf den Fotos zu vermeiden, hilft es, die Sonnenblende am Objektiv zu befestigen. Die Sonnenblende ist in der Sternenfotografie wichtiger als so mancher auf den ersten Blick denkt – sie spart Zeit. Es ist äußerst mühsam, helle, stark rauschende Ecken nachträglich mittels Bildbearbeitung aus den Aufnahmen zu kaschieren.

Stativ, Fernauslöser oder Selbstauslöser

Ein Stativ ist bei mehreren Sekunden Belichtung Pflicht. Da bei mehreren Sekunden Belichtung kein Verwackeln passieren soll, ist der Selbstauslöser zu aktivieren oder mit dem Fernauslöser zu fotografieren.

Taschenlampe

Stockdunkle Nächte eignen sich am besten für die Sternenfotografie. Um als Fotograf auf dem rechten Weg zu bleiben, aber auch für die Einstellungen an der Kamera und für die „leuchtende“ Bildgestaltung im Vordergrund, ist an die Taschenlampe zu denken.

Kameraeinstellungen

  • In RAW fotografieren: Bietet in der sogenannten Postproduktion mehr Möglichkeiten, da die Kamera mehr Detailinformationen sammeln und aufzeichnen kann.
  • Bulb- oder M-Modus: Mit dem Bulb-Modus kann selbst ausgewählt werden, wie viele Sekunden die Belichtung dauern soll.
  • Offenblende: mindestens f/4 oder besser eine noch größere Blende (kleinere Blendenzahl) einstellen, damit in kürzerer Zeit mehr Licht gesammelt werden kann.
  • Autofokus ausschalten und Schärfe auf unendlich: Tagsüber auf einen weit entfernten Ort scharfstellen und am Objektiv mittels Klebeband oder Stift markieren (einmal die Unendlichkeit auf der Kamera markiert, reicht das für alle Sternenfotos) oder nachts mit den Augen soweit an die Dunkelheit gewöhnen, bis auf dem Kameradisplay mittels Vergrößerung ein heller Stern ausfindig gemacht und manuell scharf gestellt werden kann. Scharf ist der Stern, wenn er als kleiner Punkt ohne verschwommenen Lichtschein rundum sichtbar ist.
  • ISO hoch: Wenn es dunkel ist, muss die ISO-Empfindlichkeit hochgestellt werden. Eine spezielle Technik, genannt ETTR (exposure to the right) bedeutet, dass im Histogramm möglichst weit rechts gelandet werden soll, ohne ausgefressene Bereiche zu erhalten. Die ISO-Empfindlichkeit wird also extrem hoch geschraubt. Das ist eine Art der Überbelichtung. Somit werden in kürzerer Zeit mehr Lichtinformationen gesammelt; die Überbelichtung bietet in der Nachbearbeitung mehr Spielraum.
    In Abhängigkeit vom Rauschverhalten kann die ISO-Empfindlichkeit bei ISO 5.000 und mehr liegen. Ist das Rauschverhalten der Kamera eher schlecht, empfiehlt es sich, die ISO-Empfindlichkeit etwas tiefer zu halten. Empfehlenswert ist es, mehrere Fotos mit unterschiedlichen ISO-Werten zu machen und bei der Bild-Nachbearbeitung die für einen passenden ISO-Werte zu ermitteln, mit denen man in Zukunft die besten Ergebnisse erzielen kann.
  • Belichtungsdauer ausrechnen: Die Belichtungsdauer entscheidet darüber, ob die Sterne als Punkte oder Streifen am Himmel abgebildet werden.

Faustregel:

Vollformat: 500 geteilt durch Brennweite = Belichtungszeit

Crop-Sensoren: 500 geteilt durch (Cropfaktor mal Brennweite) = ca. 300 geteilt durch Brennweite = Belichtungszeit

Wird länger belichtet, erscheinen die Sterne als Linien. Mittels Kameranachführung kann dies umgangen werden oder man nutzt die Rotation, um Sternkreise zu erhalten.

  • Bildstabilisator deaktivieren
  • Verwacklungen vermeiden: Spiegelvorauslösung einstellen oder direkt im Live-Modus fotografieren. Achtung: Im Live-Modus erwärmt sich der Sensor mehr, was zu mehr Rauschen führen kann.

Tipps zum Fotografieren

Dann kann es losgehen. Viel zu sagen bleibt nicht, weil jetzt nur noch die Kreativität gefragt ist. Nach einigen Probeaufnahmen und deren Prüfung im Live-View hat man die Kamera so ausgerichtet, dass sich die Milchstraße am gewünschten Ort auf dem Foto platzieren lässt. Wichtig ist, dass die Kamera gerade ausgerichtet wird, weil bei einem anfallenden späteren gerade Ausrichten in der Nachbearbeitung zu Hause sonst zu viel weggeschnitten wird. Aufnahmen von der Milchstraße wirken übrigens dann besonders schön, wenn ein interessanter Vordergrund in die Aufnahme integriert wird. Wenn man das erste Mal Sterne fotografiert, macht es Sinn, mit den Belichtungszeiten und ISO-Werten zu experimentieren, um für künftige Sternenfotografien zu wissen, was einem am Meisten zusagt.

Steht erweiterte Bildbearbeitungssoftware zur Verfügung, dann sind nachstehende Techniken interessant:

  • Wenn man einen helleren Vordergrund ohne Rauschen erhalten möchte, belichtet man bei gleichem Kameraausschnitt bei einer zusätzlichen Aufnahme länger, dafür mit tieferer ISO-Empfindlichkeit. Hierfür stellt man die Schärfe auf Objekte im Vordergrund. Mit einer Taschenlampe lässt sich der Vordergrund beleuchten, um zu überprüfen, ob die Bildgestaltung noch optimiert werden kann.
  • Es gibt eine weitere hilfreiche Methode, um das Rauschen auf den Fotos zu reduzieren, Stacking genannt: Dafür nimmt man folgende Belichtungen auf, die bei der Nachbearbeitung mit erweiterter Bearbeitungssoftware dann übereinander gelegt werden:

    • Lightframes: Mehrmals denselben Himmelsausschnitt fotografieren, also die oben beschriebenen Methoden zur Milchstraßen-Fotografie.

    • Darkframes: Diese dienen der Rauschreduzierung. Mehrmals ebenfalls gleichlang mit gleichen ISO-Werten fotografieren, diesmal jedoch mit dem Objektivdeckel auf dem Objektiv. So sammelt man sehr dunkle Aufnahmen, welche später bewirken, dass der Himmel um die Sterne dunkel ist.

    • Offsetframes: Mehrmals mit denselben ISO-Werten und montiertem Objektivdeckel fotografieren aber die Belichtungszeit so einstellen, dass nur so kurz wie möglich belichtet wird. Das ist nützlich für die Sensorrauschreduzierung.

Nachbearbeitung

Wenn mit ETTR fotografiert wurde, sind die Fotos sehr hell, das ist normal. Mit etwas Nachbearbeitung kann man die Milchstraße schön zur Geltung bringen. Nötig ist dafür ein Bildbearbeitungsprogramm, das mindestens die folgende RAW-Bearbeitung in den Grundeinstellungen ermöglicht:

  • Profilkorrektur und chromatische Aberration entfernen
  • den Kontrast erhöhen, um die Nacht dunkler und die Sterne heller erscheinen zu lassen
  • Lichter- und Weißanteil erhöhen, damit die Sterne heller leuchten
  • Belichtungs- und Schwarzanteilregler herunter schieben (Daher wurde mit hohen ISO-Werten ETTR belichtet, sonst wäre dieser Arbeitsschritt nicht effizient)
  • Weißabgleich anpassen, so dass die Milchstraßenfarben besser zur Geltung kommen.
  • Schärfen
  • (Farb-) Rauschen reduzieren

Mit erweiterter Software:

  • Stacken: Mehrere identische Milchstraßenfotos (Light-, Dark- & Offsetframes) mithilfe von Stackingsoftware zusammenfügen
  • Mehrere identische Fotos via Ebenen übereinander stapeln, multiplizieren und negativ multiplizieren, damit das Dunkle vom Himmel weniger rauscht und das Sternenlicht heller erscheint
  • Milchstraßenpanorama erstellen
  • länger belichteten Vordergrund mit vorab beschriebener Milchstraßenaufnahme mittels Ebenenmasken kombinieren.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2015

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8 Kommentare

@Michael: es geht ja darum, dass die Bilder mit den Sternen einen grisselichen Hintergrundhimmel haben. Wenn du dann die Sternenbilder auf die schwarzen Bilder legst, dann mischt sich das, die Bilder werden ja sozusagen, wieFolien aufeinander gelegt und das rauschende Schwarz wird vom dicken Schwarz überdeckt. die Sterne bleiben ja, weil die Bilder wie Folien fungieren

von cursty
12. April 2017, 20:59:10 Uhr

Besten dank und super Sache der Artikel! Zu dem "Stracking" habe ich noch eine Verständnisfrage: Jeweils bei Darkframes und Offsetframes steht, mal solle den Objektivdeckel auf das Objektiv drauf machen. Meine klar, das Bild ist dann schwarz. Aber das ist es doch immer. Benötige ich überhaupt dann Fotos - man sieht ja eigentlich nichts auf dem Bild? Hier tappe ich (wie passend) etwas im dunklen. ;)

von Michael
02. September 2016, 10:23:02 Uhr

Woooow, Besten Dank !!!

von HP Roos
25. April 2016, 11:53:28 Uhr

DER FUTTERNEID IST UNHEIMLICH BEI DEN FOTOGRAFEN. ES IST SEHR PEINLICH WIE OFFENSICHTLICH GUTE BILDER IMMER WIEDER SCHLECHT GEMACHT WERDEN. OFT GIBT ES VIELE WEGE WIE MAN EIN FOTO GESTALTEN/ENTWICKELN KANN. UND ÜBER DIESE KÜNSTLERISCHEN FREIHEITEN LÄSST SICH NICHT DISKUTIEREN. WEIL DIES EBEN DIE KUNST IST. OHNE JEGLICHEN RESPEKT ZUM KÜNSTLER UND SEINEM WERK WIRD KRITISIERT, AUF EINEM TIEFEN NIVEAU. DAS NERVT MICH WIRKLICH .....SORRY MUSSTE DIES ENDLICH MAL LOSWERDEN.

von NICO
14. Dezember 2015, 09:28:23 Uhr

Tolle Bilder und klasse Beitrag

von Pauline
15. November 2015, 19:32:39 Uhr

Gut geschriebener Artikel und darüber ob einem die Bilder gefallen oder nicht kann man geteilter Meinung sein. Mir auf jedenfall gefallen sie. Finde es immer wieder herrlich wie der Futterneid unter den Fotografen herrscht.

von Andy Rosinger
05. November 2015, 10:57:16 Uhr

Absurd übertrieben bearbeitete Bilder. Im übrigen geht bei der Astrofotografie ohne Nachführung gar nichts.

von Werner Wöckel
04. November 2015, 18:42:37 Uhr

Tolle Bilder, klasse Beitrag. Danke

von Christian
04. November 2015, 16:49:13 Uhr

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