Wo man Fotoausrüstung kauft

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Früher gab es nur einen Weg zur neuen Kamera oder zum Fotozubehör. Der führte zwangsläufig über den Fachhändler, meist den örtlichen, manchmal auch den in einer größeren Stadt. Diese Zeiten sind längst vorbei, den einen Weg gibt es nicht mehr. Heute führen viele Wege zum Ziel und viele davon auf Umwegen, über Holperpisten und manchmal auch in eine teure Sackgasse. Wer viel Geld für seine Fotoausrüstung ausgibt, sollte sich gut überlegen, wem er das viele Geld gibt.

Der Preis ist, keine Frage, ein entscheidendes Argument, manchmal vielleicht sogar das wichtigste. Aber eben nicht das einzige. Wer also über eine Anschaffung nachdenkt, sollte alle Argumente sammeln. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, aber zu klären sind die Fragen „Brauche ich eine Beratung?“ ebenso wie „Möchte ich das Gerät auch einmal anschauen und in die Hand nehmen?“ und schließlich „Wie wichtig ist mir ein Ansprechpartner, wenn ich noch eine Frage habe?“. Und wenn diese Argumente gesammelt und bewertet werden, dann können sie den Preis durchaus in die zweite Reihe verdrängen.

Vor allem das Anschauen und Anfassen hilft einem Fotografen, die Kamera oder beispielsweise das Objektiv zu finden, mit der/dem er später gerne arbeitet. Liegt das Gerät gut in der Hand, sind alle Bedienelemente leicht zu erreichen? Manchmal ist eine kleine Kamera nett, aber wenn die Einstellung wichtiger Parameter zur Fummelei wird, macht es keinen Spaß. Wer beispielsweise gerne manuell belichtet, muss Schalter oder Wahlrad für Blende und Zeit leicht erreichen können. Ist dann immer nur das eine einstellbar oder womöglich noch ein Ausflug ins Kameramenü notwendig, ist das wohl ein entscheidendes Ausschlusskriterium. Und schließlich gibt es Menschen mit großen und kleinen Händen, kurzen und langen Fingern – die Ergonomie ist wichtig. Wer einen Wanderschuh kauft, macht das nicht, indem er im Prospekt ein tolles Modell aussucht, sondern geht im Laden damit ein paar Schritte. Wer ständig seine Kamera mit sich herumträgt, sollte die Auswahl dafür genauso ernsthaft wie bei Wanderschuhen betreiben.

Gleiches gilt dann natürlich auch, wenn man sich einen Ansprechpartner wünscht. Wer seine Kamera bei einem Auktionshaus ersteht, eine ernstzunehmende Alternative, schließlich bieten dort auch Händler ihre Produkte an, oder bei einem Gemischtwaren-Versandhandel, wird zumindest in letzterem Fall nie einen kompetenten Ansprechpartner finden. Es spricht einiges dafür, das Geld zum Fachhandel zu tragen, mal unabhängig davon, ob der online tätig ist oder ein Ladengeschäft betreibt. Wer technisch fit ist und viel online, wird womöglich gleich in einem der zahlreichen Foren seine Fragen loswerden. Wer sich die Sucherei sparen will, wird seinen Fachhändler fragen und wer sich etwas zeigen lassen möchte, wird darauf achten, dass der Fachhändler auch in erreichbarer Entfernung ist. Die Schilderung eines Problems per E-Mail kann schwierig sein. Am Telefon müssen sich beide verstehen, was der andere sagt. Das setzt ein gewisses Wissen voraus. Man mag bei der Schilderung oder Lösung eines Problems ja nicht bei Null anfangen.

Trotzdem – am Ende zählt der Preis. Und der ist nicht unbedingt nur das, was auf dem Preisschild steht. Seit vor Jahren das Rabattgesetz gefallen ist, steht es jedem frei, nach Rabatt zu fragen und wer Kameragehäuse, zwei Objektive, Blitz und womöglich weiteres Zubehör kauft, wird sehr wohl die Frage stellen dürfen, wie es mit einem kleinen Rabatt aussieht. Da kann dann schon noch die eine oder andere Speicherkarte rausspringen, vielleicht sogar eine kleine Fototasche. Vorausgesetzt es ist überhaupt jemand da, den man fragen kann.

Und der Preis ist nicht immer der, der auf dem Preisschild steht. Wer online kauft, muss eine größere Rechnung aufmachen. Zumindest die, ob die Versandkosten dabei sind. Und woher das Paket kommt. Denn Waren aus Drittländern sind zoll- und steuerpflichtig. Und diese Abgaben hat der Empfänger zu tragen, nebst der Gebühr, die so mancher Paketdienst für die steuerrechtliche Abwicklung noch draufschlägt. Der Drittlandzoll ist je nach Ware und Land unterschiedlich, ein Anhaltspunkt sind 6,5 Prozent des Warenwerts, was für viele Teile einer Fotoausrüstung fällig wird. Anschließend kommt dann noch die Einfuhrumsatzsteuer drauf, also 19 Prozent, wobei die Zollgebühren mit versteuert werden müssen. Und dann nicht zu vergessen: Auch die Versandkosten sind abgabenpflichtig, werden also mit eingerechnet. Wer auf dem flachen Land wohnt, sollte sich vorher informieren, wo die Postabfertigungsstelle des Zolls ist – möglicherweise ein ganzes Stück entfernt. Drittländer sind alle Länder außerhalb des europäischen Binnenmarkts, als prominenteste Vertreter seien die USA und die Schweiz genannt.

Wer sich nach einem seriösen Händler umschaut, der kann noch ein weiteres nicht zu unterschätzendes Problem umgehen: Online-Betrug. Es kommt nicht selten vor, dass nur leere Kartons verkauft werden oder gar keine Ware geliefert wird. Etablierte Händler gibt es jede Menge, wer im Auktionshaus einkauft, kann oft mit einem bestimmten Bezahlservice die Sicherheit dazukaufen. Wovor in jedem Fall zu warnen ist, sind Geschäfte gegen Vorauskasse von unbekannten Verkäufern, ebenso solchen, die einen Geldtransfer abseits der normalen Überweisung verlangen. Wer Geld mittels Transferfirma irgendwohin ins Ausland überweist, kann ziemlich sicher sein, niemals Ware zu erhalten. Denn ein seriöser Händler hat auch ein Konto bei einer ganz normalen Bank. Und im Europäischen Wirtschaftsraum sind Überweisungen dank Sepa und BIC auch nicht mehr ewig unterwegs und auch nicht mehr teuer.

Gewarnt sei in diesem Zusammenhang vor dem Kauf eines möglicherweise günstigeren Grauimports. Denn wenn der zur Reparatur muss, kann sich der Hersteller mitunter quer stellen und auf seine Niederlassung in dem Land verweisen, aus dem das Produkt stammt. Der seriöse Fotohandel hat wohl keine auf Umwegen importierten Produkte im Angebot, das Auktionshaus möglicherweise schon. Als Endverbraucher ist es nur mit Aufwand möglich herauszufinden, für welchen Markt eine Kamera in den Verkauf gebracht wurde.

Und es gibt noch einen guten Grund, nicht zum Wald- und Wiesenhändler zu gehen beziehungsweise auf dessen Website. Endverbraucher haben in Deutschland ein zweijähriges Gewährleistungsrecht. Im ersten halben Jahr muss der Verkäufer nachbessern oder nachweisen, dass das Produkt in Ordnung ist, anschließend kehrt sich die Beweislast um. Allerdings wird die zweijährige Gewährleistung meist anstandslos erfüllt. Ansprechpartner für den Endverbraucher ist aber mitnichten der Hersteller der Produkte, sondern der Verkäufer. Im Zweifelsfall also sollte der Händler bekannt und auch greifbar sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft beim Fachhandel, ob stationär oder online. Schließlich bieten auch viele Fotofachgeschäfte einen Online-Shop.

Hat man sich trotz allem für den Onlinekauf entschieden und stellt dann fest, dass man Beratung braucht, so suchen dann viele den Fotofachhändler auf – jetzt will man seine Dienstleistung in Anspruch nehmen. Davon kann ein Händler nicht leben. Man sollte also nicht erstaunt sein, wenn der Händler dann möglicherweise – wie jetzt in München – eine Beratungspauschale von € 25,— Euro nimmt. Erstaunlich ist, dass die ersten Erfahrungen überwältigend sind und die Kunden absolutes Verständnis für dieses Handeln haben. Im Ergebnis heißt das dann aber auch, dass man gleich beim Fotofachhändler hätte kaufen können.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2014

3 Kommentare

Also so einseitig finde ich den Beitrag nicht und er öffnet einem schon die Augen mit Risiken und Nebenwirkungen. Man hätte im Artikel noch unterscheiden müssen nach Profihändlern und sonstigen. Profis wissen genau was sie brauchen, alle anderen nicht unbedingt und zu denen gehöre ich. Natürlich gibt es gute Onlinehändler, man muss aber wissen welche das sind. Ich habe für mich festgestellt, dass man im Netz unendlich viel Zeit verbringen kann - da gehe ich lieber zu dem Händler meines Vertrauens bei dem ich mir auch noch Anregungen holen kann. Prinzipiell sollten wir uns alle einmal vorstellen wie die Städte aussehen wenn es keinen Handel mehr gibt

Aron S

von Aron S
17. März 2014, 08:21:40 Uhr

Hi, das sehe ich auch so. Die guten Onlinehändler haben einen Topservice und genau das angesprochene Problem, dass die Artikel z.T. nicht vorrätig sind und bestellt werden müssen kann ich bestätigen. Wenn sie dann nicht gefallen hatte ich oft Probleme! Es haben beide Varianten ihre Vorteile, sie können sich auch ergänzen. Die Top-Onlinehändler haben auch eigene Geschäfte. Also gibt es auch diesen Service. Eine differenzierte Sichtweise wäre hier wichtig!!!

Wölki

von Wölki
14. März 2014, 19:34:28 Uhr

Für mich eine einseitige Bertachtung. Der Hobbyfotograf weiss meistens schon genau was er benötigt. Es gibt viele Tests und Erfahrungen im Internet, beim Händler dagegen selten. Fragt man nach etwas konkreten, heist es gleich so was teuers legen wir uns nicht hin, wir können es aber bestellen vorausgesetzt sie kaufen das auch. Da kann ich es auch selbst bestellen. Es gibt durchaus viele sehr gute Onlinehändler. Hat mal da einmal gute Erfahrung gemacht bleibt man auch gerne dort.

Michael

von Michael
12. März 2014, 16:58:54 Uhr

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