Wüste - Photographische Herausforderungen

Lanzarote Bildgalerie betrachten Blende ,“Lanzarote”
Kurt Biedermann

Die Wüste mit ihrer atemberaubenden Schönheit, die sich in einem ständigen Wandel zu befinden scheint, gehört mit zu den reizvollsten Motiven in der Photographie. Hohe Temperaturen, Staub und Sand, wie sie in der Wüste vorliegen, verlangen nach Vorkehrungen nicht nur für die Kameraausrüstung, möchte man nicht an seine photographischen Grenzen stoßen.

Eine Sonnenbrille ist beispielsweise unentbehrlich, um die Augen vor zu starker Sonneneinstrahlung aber auch vor Sand und Staub zu schützen. Wer mit einem Polfilter arbeitet, der sollte auf eine polarisierende Sonnenbrille verzichten, weil sonst Schwierigkeiten bei der richtigen Stellung des Polfilters auftreten. Wurde als Kopfbedeckung ein breitkrempiger Hut gewählt, so ist auf die Krempe zu achten, daß sie beispielsweise bei Weitwinkelaufnahmen nicht mit aufs Bild kommt. Um sich besser auf die Aufnahmen konzentrieren zu können, sollte die Körperbekleidung möglichst bequem sein, denn es kann durchaus ratsam sein, mal aus der Hocke zu photographieren. Von Vorteil sind in der Wüste helle Stoffe aus Naturfasern. Für den sicheren Stand, aber auch für die Wanderung durch die Wüste ist festes Schuhwerk ein Muß, denn zum einen lebt so manches giftiges Getier in der Wüste, aber es gilt auch, die Füße vor Sand und steinigem bis felsigem Untergrund zu schützen.

Wer zu Fuß in der Wüste unterwegs ist, der sollte sich bei der Photoausrüstung auf das nötigste beschränken. Im kühlen Hotelzimmer beispielsweise läßt sich kaum feststellen, wie schwer eine Photoausrüstung bei einem mehrere Kilometer langen Gang durch die heiße Wüste werden kann. Eine Phototasche beziehungsweise ein Photorucksack dient nicht nur zum bequemen und komfortablen Transport der Photoausrüstung, sondern schützt sie auch vor Staub, Sand und direkter Sonneneinstrahlung. Hellen Phototaschen beziehungsweise Photorucksäcken, die die Sonnenstrahlen reflektieren, ist der Vorzug zu geben. Um das Objektiv vor Sand und Staub zu schützen, sollte ein Skylight- oder UV-Filter zum Einsatz kommen. Schwarze Geräte können durch die extremen Sonneneinstrahlungen so heißt werden, daß man sie womöglich nicht mehr anfassen geschweige denn bedienen kann. Die Fachliteratur empfiehlt hier das Bekleben mit weißem Klebeband. Bevor man jedoch die Kamera beklebt, sollte in jedem Fall im Photofachgeschäft oder beim Hersteller Rat eingeholt werden, denn nichts ist ärgerlicher, als wenn beispielsweise sich der Klebstoff löst und das Kameragehäuse Schaden erleidet.

Wird analog photographiert, so ist es ratsam, nur die Filmmenge auf die Wüstentour mitzunehmen, die voraussichtlicht benötigt wird - ein oder zwei Filme in Reserve schaden natürlich nicht, denn die Wüste liefert eine Vielzahl an beeindruckenden Motiven. Bewußt sollte man sich darüber sein, daß hohe Temperaturen den Alterungsprozeß des Filmmaterials beschleunigen, so daß dessen Lichtempfindlichkeit nachläßt oder, falls es schon belichtet ist, sich die Bildqualität verschlechtert. Bei Farbaufnahmen, die bei extrem hohen Temperaturen gemacht wurden, kann es eventuell zu Farbverschiebungen kommen. Das oberste Gebot kann nur lauten, Filmmaterial und auch Kamera nicht über einen längeren Zeitraum extremer Hitze auszusetzen, indem es in der Phototasche beziehungsweise Photorucksack aufbewahrt wird, sofern es für den Photoeinsatz gerade nicht benötigt wird. Übrigens spielt die Hitze nicht nur in Wüstenregionen eine Rolle, sondern auch im Sommer hier in Europa. Denken wir beispielsweise an den Jahrhundertsommer 2003 in Deutschland. In keinem Fall sollte die Photoausrüstung - ob analog oder digital - im Handschuhfach oder auf der Hutablage im Auto aufbewahrt werden. In praller Sonne kann die Temperatur dort schnell über 60 Grad erreichen.
Wer in der Wüste frühmorgens oder am Abend photographiert, der ist klar im Vorteil. Zum einen herrschen zu dieser Tageszeit niedrigere Temperaturen und zum anderen tragen die längeren Schatten dazu bei, die Konturen der Wüstenlandschaft eindrucksvoller im Bild festhalten zu können. Übrigens: Bei großer Hitze sollte der Filmtransport langsam erfolgen, damit statische Entladungen nicht blitzähnliche Spuren auf dem Film hinterlassen.

Nicht nur Analogkameras gilt es vor Hitze und/oder Staub und Sand zu schützen, sondern auch Digitalkameras. Das elektronische Innenleben von Kameras ist gegenüber Hitze, Feuchtigkeit aber auch Kälte, Sand und Staub sehr empfindlich. Wie bereits erwähnt, sorgen Kamerataschen für das optimale Wohlfühlklima und den optimalen Schutz. Dringen beispielsweise Sandkörner in das Kamerainnere oder in das Fach für die Speicherkarten, so ist die Funktion der Kamera gefährdet. Um mögliche Schäden durch Staub oder Wüstensand nach dem Photographieren ausschließen zu können, ist es ratsam die Analog- beziehungsweise Digitalkamera und das Objektiv mit einem Luftpinsel zu säubern. Der Film- beziehungsweise der Speicherkartenwechsel sollte nach Möglichkeit an einem sand- und staubgeschützen Ort erfolgen. Ersatzbatterien beziehungsweise Akkus gehören bei der Wüstentour in jedem Fall in die Phototasche, denn nichts ist ärgerlicher, als wenn unwiederbringliche Momente aufgrund von Stromknappheit nicht mehr im Bild festgehalten werden können.
 

Fotografieren in der Praxis 08 / 2004

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