Warum ist der Blitz ein wichtiges und unerlässliches Fotozubehör

Was versteht man unter Aufhellblitz

Zehn Tipps für besseres Aufhellblitzen

Aktuelle Kameras warten mit ISO-Empfindlichkeiten auf, die nicht nur Nachtsichtgeräten gleich kommen sondern zur Annahme verleiten, dass heute in der Fotografie Blitzgeräte nicht mehr benötigt werden. Bewegungsstabilisatoren – ob nun in der Kamera oder im Objektiv verbaut –, die der Handunruhe insbesondere bei längeren Belichtungszeiten entgegenwirken, untermauern bei vielen Anwendern die genannte These. Der Blitz, insbesondere der separate, ist mit seinen Leistungsmerkmalen ein wichtiges Fotozubehör. Er ist nicht nur in schwierigen Lichtsituationen elementar, sondern auch dann, wenn man ihn als Aufhellblitz nutzt und damit seiner fotografischen Kreativität freien Lauf lässt.

© Fotograf: Peter Serwe, Gerade erwacht, Blende-Fotowettbewerb
Peter Serwe, Gerade erwacht, Blende-Fotowettbewerb

1. Was man zum Blitz wissen sollte

Welcher Blitz ist besser?

Der in vielen Kameras integrierte Blitz ist besser als keiner, mehr fotografischen Spielraum bieten jedoch separate Blitzgeräte. Diese werden in der Regel über den sogenannten Blitzschuh mit der Kamera in Kontakt gebracht. Aktuelle Blitzgeräte werden immer schlauer – es gibt sogar welche, die mitdenken, so dass man sich als Fotograf voll auf sein Motiv konzentrieren kann. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass Kamera und Blitz im kommunikativen Austausch stehen und sich blind verstehen. Wurde kürzlich eine Kamera erworben so ist es in der Regel ratsam, zeitnah in ein neues Blitzgerät zu investieren. Ein weiteres Argument für die Neuanschaffung ist, dass Blitzgeräte mit der Nutzung altern und ihre Leistungsfähigkeit ab einem gewissen Punkt nachlässt.

Was kann man mit dem Blitz alles machen

Der Blitz hat in der Fotografie viele Aufgaben zu erfüllen, weswegen er ein essenzielles Fotozubehör ist. Der Blitz kann als Hauptlichtquelle dienen, als Akzentlicht eingesetzt werden, Bewegungen einfrieren oder beispielsweise eine natürliche Lichtquelle verstärken. Als Aufhellblitz wird die vorhandene Lichtstimmung beibehalten während Schatten reduziert werden. Zielsetzung ist in der Regel, den natürlichen Bildeindruck zu bewahren.

Warum es keine Blitz-Kochrezepte gibt

Das Thema Blitzen ist hochkomplex. Wie man vorgeht hängt zum einen vom Kameramodell und verwendeten Blitz sowie den eigenen Intentionen ab. Aus diesem Grund kann es keine „Blitzgebrauchsanweisung“ analog eines Kochrezepts geben.

Was versteht man unter Aufhellblitz

Der Aufhellblitz wird in der Regel dann eingesetzt, wenn ein natürlicher Bildeindruck das Ziel ist. Verbunden damit ist die Reduktion des Dynamikumfangs. Geht es beispielsweise darum, in einer Gegenlichtsituation das Hauptmotiv bestmöglich auszuleuchten, ohne den Hintergrund zu überbelichten, dann kommt der Aufhellblitz zum Einsatz. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist, wenn Schatten gemildert werden sollen, weil sie die Bildwirkung zu Nichte machen würden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Augen im Schatten liegen. Und kommt der Aufhellblitz in der Portraitfotografie bei Gegenlicht zum Einsatz, so ist er der Garant für eine gleichmäßige Ausleuchtung des Gesichts.

© Fotograf: Sieghard Schneider-Lombard, Hello Sunshine, Blende-Fotowettbewerb
Sieghard Schneider-Lombard, Hello Sunshine, Blende-Fotowettbewerb

2. Welche Kameraeinstellungen sind wann ratsam

Vollautomatik wenn es schnell gehen muss

Wechselt das Licht oder die Motivsituation rasant, dann sollte man im Kameramodus Vollautomatik fotografieren. Die Einflussmöglichkeiten sind zwar begrenzt, dafür hat man den Moment – wenn auch ggf. mit Abstrichen – konserviert. Der Blitz wird auf TTL – je nach Hersteller auch z.B. als iTTL oder E-TTL II bezeichnet – und die Kamera auf Belichtungsautomatik (P) sowie Mehrfeldmessung gestellt. Anhand von Vorblitzen ermittelt die Kamera die notwendige Blitzleistung.

Mehr Kontrolle im manuellen Modus

Bei manueller Belichtung hat man die volle Kontrolle über das Licht. Steht der Blitz auf TTL dann gibt der Blitz so viel Licht ab, dass die Belichtung korrekt ist. Ratsam ist eine Belichtungsreihe, um die ideale Gewichtung zwischen natürlichem und vorhandenem Licht zu ermitteln. Soll letzteres weniger ins Gewicht fallen, so reduziert man die Blendenöffnung, die Zeit oder die Empfindlichkeit.

© Fotograf: Hans-Martin Bartsch, Vom Regen gekrönt: Margerite I., Blende-Fotowettbewerb
Hans-Martin Bartsch, Vom Regen gekrönt: Margerite I., Blende-Fotowettbewerb

Vorwahl der Blende bei geringer Schärfentiefe

In der Portraitfotografie ist eine geringe Schärfentiefe gewünscht, weswegen die Wahl der bestmöglichen Blende entscheidend ist. Die meisten Kameras mit Schlitzverschluss können nur Zeiten bis etwa 1/250 s synchronisieren. Entscheidet man sich für kürzere Zeiten, dann bleiben Spuren des Verschlusses im Bild. Selbst wenn die ISO-Empfindlichkeit auf 100 oder 50 reduziert wird, sind Portraits mit Blende 2,8 oder größer im Sonnenlicht mit den Synchronzeiten nicht möglich. Man hat nun zwei Optionen. Die einfachste ist die Kurzzeit-Synchronisation, auch als HSS oder FP-Synchronisation bezeichnet. Der Blitz gibt nicht einen einzelnen Schuss ab, sondern stroboskopartig mehrere hintereinander, während der Verschluss über den Sensor fährt. Der Nachteil ist, dass die Blitzleistung sinkt. Wird gegen die Sonne fotografiert, dann reicht die Blitzleistung nicht aus, um effektiv aufzuhellen. Weitaus praktikabler ist die zweite Option und der Einsatz eines Neutraldichte- (ND) beziehungsweise Graufilters. Das vorhandene Licht wird so weit reduziert, dass der Einsatz der Synchronzeit bei Offenblende möglich ist.

Volle Kontrolle mit manuellem Blitzmodus

Bei der Wahl des manuellen Blitzmodus hat man theoretisch die volle Kontrolle. Doch nicht immer ist er die beste Wahl. Je nach Kameramodell können die Vorblitze zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Auslöseverzögerung führen. Werden Personen fotografiert, können die Vorblitze dazu führen, dass diese durch die Vorblitze die Augen geschlossen haben. Wird die Synchronisation gar auf den zweiten Verschlussvorhang eingestellt, dann sind die Augen mit dem Hauptblitz am Ende der Belichtung meist zu. Laut Recherche ist die Synchronisation auf den zweiten Verschlussvorhang bei Nachtfotos (insbesondere bei bewegten Objekten) sinnvoll. Tagsüber, selbst in der Sportfotografie sollte man sie nicht wählen.

Wenn die Kamera geschwenkt wird – Fotografieren mit dem Messwertspeicher

Befindet sich die Blitzeinstellung auf TTL dann sind die Messfelder für die Belichtung mit den AF-Feldern verbunden. Wurde auf das Hauptmotiv scharfgestellt und wird dann die Kamera geschwenkt, so wird das Hauptmotiv zu dunkel, weil die Messblitze in den leeren Raum gehen. Ratsam ist es deshalb, die Blitzmesswertspeicherung im Kameramenü auf eine Taste zu legen. Bei diesem Vorgehen können, bevor der Ausschnitt festgelegt wird, die Messblitze manuell ausgelöst werden.

3. Gedanken über das Licht machen

Wie hell soll was werden, was ist das Hauptmotiv und wie hell oder dunkel soll es im Vergleich zum Hintergrund werden? Und wie hell oder dunkel soll es ums Hauptmotiv herum werden? – die Auseinandersetzung hilft, den Blitz bestmöglich einzusetzen.

© Fotograf: Janko Offen, Feuerigel, Blende-Fotowettbewerb
Janko Offen, Feuerigel, Blende-Fotowettbewerb

4. Maßvolles vorgehen

Es macht keinen Sinn, mit voller Blitzleistung gegen einen hellen Hintergrund ankämpfen zu wollen. Moderne Blitzgeräte haben – wie bereits ausgeführt – meist ordentlich Leistung, da braucht es selten die volle Blitzleistung. Man sollte lieber mit offener Blende und möglichst kurzer Verschlusszeit fotografieren, um so einen zumindest etwas unscharfen Hintergrund zu erhalten. Wie bereits ausgeführt, können manche Kameras Blitzaufnahmen mit bis zu 1/250 Sekunde aufnehmen (siehe hierzu Punkt 1).

5. Lichtfarbe und RAW-Bildformat

Wenn man eine warme Herbststimmung im Bild haben möchte oder einen traumhaften Sonnenuntergang, dann sollte man daran denken, dass ein Blitzgerät möglicherweise eine andere Lichtfarbe bringt. Aus diesem Grund sollte man im RAW-Format fotografieren und die Farbtemperatur hinterher festlegen. Ansonsten kann es passieren, dass man ein Bild erhält, bei dem die Sonne im Hintergrund schön heimelig aussieht und die Person im Vordergrund die Gesichtsfarbe eines Geistes hat.

© Fotograf: Nico Straube, Bis dass der Tod uns..., Blende-Fotowettbewerb
Nico Straube, Bis dass der Tod uns…, Blende-Fotowettbewerb

6. Glänzende Haut vermeiden

In der Portraitfotografie ist daran zu denken, dass die Haut glänzt, insbesondere wenn sie direkt von der Sonne angestrahlt oder von einem Blitz beleuchtet wird. Das Zaubermittel dagegen heißt Puder.

7. Frontale Beleuchtung sollte vermieden werden

Das gilt für die Mittagssonne genauso wie für das Licht aus einem Blitzgerät. Wenn das Kamerasystem entfesseltes Blitzen ermöglicht, dann sollte man es nutzen. Licht, das von schräg oben einfällt, lässt Gesichter wesentlich plastischer erscheinen. Licht von unten sollte man insbesondere in der Portraitfotografie vermeiden, es sei denn, man möchte unheimliche Fotos machen.

© Fotograf: Christian Herzig, Mystic Legs, Blende-Fotowettbewerb
Christian Herzig, Mystic Legs, Blende-Fotowettbewerb

8. Auf Schatten achten

Auf Schatten ist zu achten, egal, aus welcher Richtung die Hauptlichtquelle kommt: So sollte in der Portraitfotografie beispielsweise der Nasenschatten keinesfalls bis zum Mund herunterreichen. Im Bedarfsfall ist der Blitz an eine andere Stelle zu platzieren oder das Modell gegen die Sonne zu drehen.

9. Mit der Belichtungszeit spielen

Wird nachts oder in der Dämmerung fotografiert, so kann es besser sein, wenn man sich für eine längere Belichtungszeit entscheidet, weil dann mehr vom Umgebungslicht eingefangen wird. Je nach Aufnahmesituation muss die Blitzleistung ggf. reduziert werden, um das Hauptmotiv nicht „tot zu blitzen“. Vor allem, wenn man die erleuchtete Silhouette einer Großstadt als Hintergrund hat, ist daran zu denken, dass man ggf. eine Sekunde oder länger belichten muss. Das Modell im Vordergrund wird trotzdem kaum verwackeln, da es vom Blitz aufgehellt wird. Damit auch der Hintergrund nicht verwackelt, sollte ein Stativ genutzt werden. Es gehört spätestens dann ins Gepäck, sobald es dämmert.

10. An Ersatz-Speicherkarten und -Akkus denken

Nicht an Bildern sparen und lieber einmal mehr Auslösen. Das Vorschaubild auf dem Kamera-Display kann täuschen, weshalb eine Belichtungsreihe ratsam ist. Wird im RAW-Format fotografiert, dann ist daran zu denken, dass mehr Speicherplatz benötigt wird. Und Langzeitbelichtungen benötigen oftmals mehr Strom. Für beides ist eine Reserve einzuplanen.

Blende – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist Blende ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Blende schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

Blende-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu Blende.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2018

1 Kommentare

Ich denke, dass man Tiere grundsätzlich nicht anblitzen sollte, deren empfindlicher Augen wegen!!

Torsten Klose

von Torsten Klose
08. August 2018, 11:35:30 Uhr

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