Zehn Tipps fürs Fotografieren an Bahnhöfen

© Blende, Arnd Gottschalk, Visions - U-Bahn-Station Georg-Brauchle-Ring, München Bildgalerie betrachten © Blende, Arnd Gottschalk, Visions – U-Bahn-Station Georg-Brauchle-Ring, München

Bahnhöfe sind ein Eldorado für Fotografen und allein schon deshalb immer eine Reise wert. Ja, und wenn die Bahn mal wieder streikt, dann vertreibt man sich die Zeit mit der Fotografie. Zwangsläufig denken wir bei Bahnhöfen an die in Großstädten – die kleineren und selbst die stillgelegten sind aus fotografischer Sicht überaus reizvoll. Für Schnappschüsse ist das Smartphone als „Immer-Dabei-Kamera“ sicherlich geeignet. Einen wesentlich größeren fotografischen Gestaltungsspielraum bieten mit ihrem Funktionsumfang hochwertige Kompaktkameras mit einem weiten Zoombereich sowie kompakte System- und Spiegelreflexkameras mit entsprechender Optik vom Weitwinkel- bis hin zum Teleobjektiv. Nachstehend 10 Fototipps für das Fotografieren an Bahnhöfen.

  1. Ein Bahnhof gehört in den meisten Fällen dem Steuerzahler. Das heißt aber nicht, dass der dort auch alles machen darf. Das Hausrecht liegt nämlich in der Regel beim Betreiber – in Deutschland und abgesehen von kleineren Privatbahnen ist das die Deutsche Bahn. Wenn Sie eine größere Fotoaktion starten wollen, holen Sie also vorher eine Genehmigung ein.

  2. Bahnhöfe sind gefährlich, zumindest dann, wenn man fahrlässig ist oder nicht aufpasst. Halten Sie immer Abstand zur Bahnsteigkante. Wenn Sie sich aufs Fotografieren konzentrieren, können Sie schnell mal einen Schritt zurück machen oder einen durchfahrenden Zug nicht bemerken. Unfälle auf Bahnhöfen enden meistens tödlich – gehen Sie für tolle Fotos kein Risiko ein und denken Sie nicht einmal daran, beispielsweise eine Leiter aufstellen zu wollen.

  3. Im Ausland gelten andere Bestimmungen als hierzulande. In Deutschland werden Sie im schlimmsten Fall des Bahnhofs verwiesen, in anderen Ländern kann man Fotografen auch mal inhaftieren. Viele Länder sehen Bahnhöfe als strategisch wichtige Infrastruktur an, entsprechend ist das Fotografieren solcher Anlagen verboten. Informieren Sie sich also vorher. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie auf einen Uniformierten zugehen und fragen, ob es in Ordnung ist, im Bahnhof Bilder zu machen. Gleiches gilt übrigens auch für Eisenbahnbrücken.

  4. Ein Bahnhof steht nie still und das ist allein aus fotografischer Sicht auch das überaus reizvolle. Nehmen Sie sich Zeit und beobachten Sie. Fangen Sie die Bewegung ein von fahrende Zügen, hetzenden Menschen, Fahrstühlen, Gepäckwagen etc. Bewegungen in Fotografien einzufangen, bedeutet die Belichtungszeiten zu verlängern und dann mitzuziehen. Das erfordert etwas Übung, aber die macht ja bekanntlich den Meister. Sofern Ihre Kamera darüber verfügt, nutzen Sie auch die Zeitraffer-Funktion.

  5. Wenn Sie Menschen fotografieren, dann seien Sie sich im Klaren darüber, dass die Persönlichkeitsrechte haben. Sobald Personen bildbestimmend sind, müssen Sie sich eine Genehmigung einholen, bevor Sie ein Bild veröffentlichen. Was bildbestimmend ist und was nicht, hängt stark vom Bild ab. Sicher ist, dass es keine Regel gibt, dass Sie Gruppen ab einer bestimmten Größe grundsätzlich fotografieren dürfen. Unbedenklich sind dagegen Übersichtsaufnahmen.

  6. Ein Bahnhof ist meist ein imposantes Gebäude – wenn Sie nicht gerade an einem Haltepunkt an einer Nebenstrecke stehen. Wieso machen Sie nicht einfach mal eine Panoramaaufnahme? Denken Sie daran, dass Sie dann ein stabiles Stativ und einen Panoramakopf brauchen und natürlich ausreichend Speicherkarten und Akkus.

  7. Wenn Sie schon kein Dreibeinstativ mitnehmen möchten, dann packen Sie ein Einbeinstativ ein. Denn Mitzieher lassen sich damit wesentlich leichter umsetzen, als wenn Sie aus der freien Hand fotografieren. Auch, wenn Sie hektische Menschen mit einer langen Belichtungszeit im Foto in Bewegung versetzen wollen, brauchen Sie eine längere Belichtungszeit. Und nicht immer finden Sie ein Geländer, wo Sie Ihre Kamera auflegen können.

  8. Dächer über Bahnsteigen halten Regen ab – und die Sonne. Ärgern Sie sich nicht über abgeschattete Bereiche, sondern setzen Sie den Kontrast zwischen Hell und Dunkel gezielt ein. Vor allem Schwarzweißaufnahmen leben ja vom Kontrast zwischen Hell und Dunkel.

  9. Machen Sie nicht nur Übersichtsaufnahmen, sondern gehen Sie auch in Details. Der Klassiker ist das Typenschild der Lokomotive, aber auch sonst gibt es kleinere lohnenswerte Motive, die ein Foto wert sind. Denken Sie daran, dass Sie dann auch ein passendes Objektiv brauchen, mit einem Weitwinkel kann das schon schwierig werden.

  10. Überlegen Sie grundsätzlich, wann Sie Bilder machen wollen. Nachts sind Bahnhöfe oft beleuchtet, aber menschenleer. Tagsüber fehlt die Stimmung durch das künstliche Licht, dafür haben Sie viele Menschen. Stellen Sie doch beides einmal gegenüber. Das funktioniert sogar in normalerweise chronisch überfüllten indischen Bahnhöfen, auch die sind nachts verlassen.

Fotografieren in der Praxis 06 / 2015

5 Kommentare

Hallo, danke für die Rückmeldung und Infos! Gruß Oli

Oli

von Oli
20. Juni 2015, 12:44:19 Uhr

Hallo Oli, wir haben uns schlau gemacht und folgende Info erhalten: Wo man Ihnen sicher weiterhelfen kann, sind die Pressestellen bzw. die Öffentlichkeitsarbeit: http://www.deutschebahn.com/de/presse/ap_regional.html Viele Grüße und viel Spaß beim Fotografieren, das Prophoto-Team

Prophoto-Team

von Prophoto-Team
11. Juni 2015, 08:56:24 Uhr

Hallo Bahnfotofreunde, es gibt eine allgemeine Fotoerlaubnis der DB, die ihr auch auf meiner Website railpix.de zum Download findet. Da steht auch die Hausordnung und ein paar Tipps zum Verhalten, falls es mal Ärger geben sollte. Der Einsatz von Stativen (wie auch von Blitzlicht) ist allerdings verboten. Viele Grüße "railpixel" Werner

Werner

von Werner
10. Juni 2015, 15:16:18 Uhr

Prima Tipps. Ich fotografiere auch sehr gerne an Bahnhöfen. Zu Punkt 1 wohin kann man sich da wenden? Gibt es da eine Mailadresse oder Telefonnummer. Gruß & Dank Oli

Oli

von Oli
10. Juni 2015, 12:01:21 Uhr

Danke für die Tips. Sind sehr brauchbar

G.A. ten Haaf

von G.A. ten Haaf
10. Juni 2015, 10:54:52 Uhr

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