Fototipp: Zugvögel - Tolle Fotomotive im Herbst

© Fotograf: Regina Becker, Sommerende, Blende-Fotowettbewerb
Regina Becker, Sommerende, Blende-Fotowettbewerb

Wenn die Vögel von ihren Brutgebieten zurück zu ihren Winterquartieren aufbrechen, spätestens dann hat sich der Sommer verabschiedet und beeindruckende Fotomotive erwarten einen als Natur- und Fotobegeisterten. Das Smartphone oder die kleine Kompaktkamera mit ihrem Dreifachzoom gen Himmel halten und auslösen – mehr als schwarze Punkte wird man auf diesen Aufnahmen nicht sehen. Es bedarf also schon entsprechenden Aufnahmeequipments, um den Vogelflug in sehenswerten Bildern festzuhalten. Gute Ergebnisse liefern bereits die sogenannten Superzoomkameras – auch als Bridgekameras bezeichnet. Diese verfügen über einen deutlich höheren Zoom- und damit Telebereich als einfache Kompaktmodelle. Noch bessere Bildergebnisse erzielt man mit einer mit einem Teleobjektiv bestückten kompakten System- oder Spiegelreflexkamera. Auch wenn man meint, die am Himmel an einem vorbeiziehenden Vögel wären gar nicht so weit entfernt, so unterschätzt man die große Distanz, die überbrückt werden muss auf dem Weg zum Bilderfolg. Für welches Teleobjektiv man sich entscheidet hängt – neben der Distanz – auch vom Kamerasensor (Cropfaktor) ab. Mit Brennweiten von 300 bis 500 mm ist man schon gut beraten, es kann aber gerne auch eine Nummer größer sein. Lichtstarke Objektive sind ratsam. Mit ihnen ist man insbesondere bei nicht so optimalen Lichtbedingungen (morgens, abends, Wolken verhangener Tag etc.) bestens gerüstet, so dass die ISO-Empfindlichkeit weniger erhöht werden muss und man mögliches Bildrauschen so umgeht. Um die Reichweite zu erhöhen, können auch Telekonverter zum Einsatz kommen, das sind Zwischenelemente mit Linsen, die zum Beispiel aus einem 200-mm-Tele ein 400-mm-Tele machen.

© Fotograf: Katharina K. Ludwig, Die Wildgänse kommen, Blende-Fotowettbewerb
Katharina K. Ludwig, Die Wildgänse kommen, Blende-Fotowettbewerb

Eine weitere Option als Aufnahmesystem ist die Kombination von Kompaktkameras mit Fernoptik – wie Spektiven oder Ferngläsern („Feldstecher“) – die als Digiscoping bezeichnet wird. Eine Flut außerordentlicher Naturaufnahmen im Internet, vorzugsweise von Vögeln, belegt die Leistungsfähigkeit dieser Disziplin. Durch die Kombination von verschiedenen Linsensystemen ergeben sich effektive Brennweiten bis weit über 1.000 mm, von denen selbst die meisten Besitzer von Profikameras nur träumen können. Diese Brennweiten zu beherrschen, ist nicht ganz einfach, eine Einführung in das Thema gibt es hier auf der Homepage im Bereich „Fernoptik“.

Ein Stativ ist ratsam und je nach Lichtbedingungen sogar auch Pflicht. Es entlastet nicht nur die Arme und Hände, sondern hilft, Verwacklungen zu vermeiden, und dass die Kamera nicht verkantet wird. Wichtig ist, darauf zu achten, dass Stativ und Kamera eine Einheit bilden. Die Traglast sollte man also im Blick haben – eine zu schwere Kamera kann ein Stativ durchaus in die Knie zwingen, was zur Beschädigung der Kamera führen kann. Wichtig ist auch, dass das Stativ sicheren Halt hat – Füße und Bodenbeschaffenheit sollten passen. Qualität zahlt sich in jedem Fall beim Stativ und dem verwendeten Kopf aus. Preiswerte Köpfe neigen dazu, ihre Position zu verändern, was natürlich nicht im Interesse des Fotografen ist. Für rasche Schwenks gibt es sogenannte Kardanköpfe, die wie eine Schaukel funktionieren. Auch ein Einbeinstativ leistet gute Dienste.

Die Akkus gehören natürlich vollgeladen, ein Ersatzakku – besser ist noch ein Batteriegriff – sollte ebenso in der Fototasche nicht fehlen wie mindestens eine Ersatzspeicherkarte und Kamerareinigungszubehör.

© Fotograf: Susanne Krüger, Vogelfluglinie auf Fehmarn, Blende-Fotowettbewerb
Susanne Krüger, Vogelfluglinie auf Fehmarn, Blende-Fotowettbewerb

Kameraeinstellungen – was ist angesagt

Die gewählte Kameraeinstellung hängt von den Begebenheiten wie den Lichtverhältnissen ab und natürlich von der Art und Weise, wie die Zugvögel in Szene gesetzt werden. In dem Fall sollte man auch sämtliche Belichtungsautomatiken und Autofokuseinstellungen ausprobieren.

Wird aus der Hand fotografiert, sind bei der Verwendung von Teleobjektiven kurze Belichtungszeiten wichtig. Die klassische Faustformel lautet: 1 geteilt durch Brennweite ergibt die Mindest-Belichtungszeit, um Verwacklungen einigermaßen auszuschließen. Also bei einem 300-er-Tele sollte man nicht mit längeren Zeiten als 1/300 Sekunde aus der Hand fotografieren. Bildstabilisatoren geben aber deutlich Spielraum. Verfügen Objektiv oder Kamera über diese Anti-Wackel-Automatik, sollte man sie einschalten.

Eine Herausforderung sind Vögel im Flug: wegen der sich ständig verändernden Entfernung und des wechselnden Hintergrunds. Für fliegende Vögel bietet sich die Einstellung auf den Nachführ-Autofokus an. Dieser stellt fortwährend auf ein sich bewegendes Objekt scharf. Fliegt der Vogel vor strukturlosem blauem oder grauem Himmel, kann man versuchen, alle AF-Messfelder zu aktivieren. Da sich kein anderer Orientierungspunkt am Himmel befindet, sollte damit die Schärfe immer auf dem Tier liegen. Für die Belichtung sind kurze Zeiten bei solchen Bewegungen entscheidend. Man sollte entweder die sogenannte Blendenautomatik verwenden, bei der man eine (kurze) Zeit vorgibt, und die Kamera die Blende selbst steuert. Oder man gibt – wenn möglich – kurze Zeit und eine Blendeeinstellung vor und überlässt der Kamera die Einstellung der Empfindlichkeit (ISO-Automatik).

© Fotograf: Anne Rollero, Invasion, Blende-Fotowettbewerb
Anne Rollero, Invasion, Blende-Fotowettbewerb

In manchen Situationen sind Fotografen mit einer manuellen Einstellung der Belichtungsdaten am besten beraten. Die korrekte Belichtung soll ja vor allem für den Vogel gelten. Weiße Vögel sind beispielsweise ein heikles Motiv. Über- und Unterbelichtung sehen nicht gut aus. Schwimmt ein Schwan über einen See, können Spiegelungen im Wasser die Belichtungsautomatik der Kamera verwirren und Unterbelichtungen hervorrufen. Stellt man die Kamera fest auf die korrekte Belichtung des weißen Gefieders ein, kann das nicht passieren. Ein anderer Fall ist das Vorüberfliegen am Himmel. Der Himmelshintergrund ist je nach Winkel zur Sonne unterschiedlich hell, entsprechend würde die Kamera bei einem fliegenden Vogel verschiedene Belichtungen wählen, jeweils auch dem Himmel angepasst. Doch damit würde der Vogel auf manchen Bildern über-, auf anderen unterbelichtet. Auch das lässt sich mit einer manuellen Vorgabe, die auf das Federkleid abgestimmt ist, vermeiden.

Aufnahmeequipments ausleihen

Ist man für das fotografische Festhalten des Vogelflugs noch nicht im Besitz des entsprechenden Aufnahmeequipments so bieten immer mehr Fotohändler die Möglichkeit an, dieses ausleihen zu können. Das hat viele Vorteile, denn auf diese Weise kann man herausfinden, welche Optik für einen die besten Ergebnisse liefert. Das Ausleihen macht übrigens nicht nur in Bezug auf die Optik Sinn, sondern auch dann, wenn die eigene Kamera schon etwas in die Jahre gekommen ist. So partizipiert man von den technischen Innovationen wie beispielsweise 4K beziehungsweise 6K oder den umfangreichen Serienbildfunktionen – beides revolutioniert die Momentfotografie – und kann diese für sich testen.

© Fotograf: Eckhard Wolfgramm, Landeanflug, Blende-Fotowettbewerb
Eckhard Wolfgramm, Landeanflug, Blende-Fotowettbewerb

Fototouren an Nord- und Ostsee

Möchte man den Vogelflug intensiv erleben, so sollte man eine Reise an die Nord- oder Ostsee und dort eine Fototour ins Auge fassen. Hier bekommt man nicht nur Aufnahmetipps vermittelt, sondern es werden Aufnahmestandorte aufgesucht, die für noch sehenswertere Vogelflugimpressionen stehen.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2017

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