Bildstabilisation - Wackelbremsen

Die häufigste Ursache für unscharfe Fotos sind Verwacklungen. Sie entstehen, wenn die Kamera während der Verschlussöffnung bewegt wird. Effektive Mittel, ihnen entgegen zu wirken, sind kurze Verschlusszeiten, ein Stativ oder eine wirksame Bildstabilisation in der Kamera beziehungsweise im Objektiv.

Bildstabilisation - 3 Achsen
Im Objektiv oder in der Kamera integrierte Bildstabilisatoren ermöglichen beim Fotografieren aus der freien Hand längere Verschlusszeiten, ohne dass eine Verwacklung droht. Allgemein gilt der Kehrwert der Brennweite als kürzeste Verschlusszeit für Freihandaufnahmen. Wird also mit 300 mm Brennweite fotografiert, sollte für verwacklungsfreie Aufnahmen aus der Hand die Verschlusszeit 1/300s oder kürzer sein. Dies ist ein mittlerer Erfahrungswert, der natürlich je nach individuellem Zitterfaktor des Fotografen variiert. Mithilfe von Bildstabilisationssystemen in der Kamera oder im Objektiv lässt sich diese maximale Verschlusszeit für Freihandaufnahmen jedoch verlängern. Im Augenblick attestieren die Kamera- beziehungsweise Objektivhersteller ihren Produkten bis zu vier Belichtungsstufen, um die sich die Verschlusszeit beim Einsatz ihrer Systeme für verwacklungsfreie Fotos aus der Hand verlängern lässt.

Bildstabilisation - 5 Achsen
Die Methoden, mit denen dies erreicht wird, sind allerdings recht verschieden und immer häufiger umfassen sie gleich ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Grundsätzlich versuchen alle Hersteller zunächst einmal die Bewegung bei der Projektion des Motivs auf den Sensor durch eine Gegenbewegung zu kompensieren. Das kann einerseits dadurch geschehen, dass die Lage des Sensors dem verschobenen Projektionsbild angepasst wird oder andererseits eine Linsengruppe im Objektiv so bewegt wird, dass sie die durch Verwacklung verursachte Bildbewegung kompensiert. Beide Verfahren führen zu sehr guten Ergebnissen. Der Vorteil einer auf der Sensornachführung basierenden Bildstabilisation liegt darin, dass sie mit allen Objektiven funktioniert, während bei der Verstellung von Linsengruppen innerhalb des Objektivs, die Verschiebung optimal auf die verwendete Brennweite abgestimmt werden kann. Beide Systeme basieren auf Messungen der Kamerabewegung mit hochsensiblen Gyrosensoren, aus denen dann der Grad der notwendigen Kompensation errechnet wird. Einfache Bildstabilisationssysteme erkennen und kompensieren sowohl horizontale wie vertikale Kamerabewegungen. Anspruchsvollere Varianten erlauben auch Einstellungen, bei denen die horizontale Kamerabewegung ignoriert wird, um beispielsweise einen Mitzieheffekt mit verwischten Hintergründen zu realisieren.

Bildstabilisation - 2 Achsen vs 5 Achsen

Neueste Verfahren der Bildstabilisation messen nicht nur vertikale und horizontale Kamerabewegungen, sondern berücksichtigen als dritte Bewegungsachse auch die Rotation, also Drehbewegungen der Kamera. Als besonders effektiv gilt die hybride 5-Achsen-Bildstabilisation für Filmaufnahmen bei der mechanische und digitale Verfahren der Bildstabilisation zusammenwirken. Die mechanische Komponente kompensiert dabei Bewegungen um die X-, Y- und Z-Achse während vertikale und horizontale Bewegungen, durch das digitale Verfahren kompensiert werden.

Immer mehr Systeme verknüpfen optisch-mechanische mit digital-rechnerischen Verfahren für eine effektive Bildstabilisation. Neben der Kompensation der Verwacklung durch Verschwenken von Linsengruppen oder Elementen beziehungsweise des Kamerasensors optimieren sie die Einstellung der ISO-Empfindlichkeit für möglichst kurze Verschlusszeiten oder nehmen eine schnelle Bildfolge auf, aus der sie die Verschiebung der Pixel berechnen und in einem neuen Bild kompensieren. Ebenso gibt es Verfahren, die eine unterbelichtete scharfe Aufnahme mit einer korrekt belichteten unscharfen Aufnahme zu einem scharfen, richtig belichteten Bild kombinieren.

Faszination Fototechnik 01 / 2013

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