Objektivkauf - Konstruktions- und Qualitätsunterschiede wirken sich auf den Preis aus

Objektivkauf
Steht man vor der Anschaffung eines Objektivs, so wird man schnell feststellen, dass die Preise für ein und dieselbe Brennweite sehr weit auseinander gehen können. Auf den ersten Blick ist dies mitunter für den einen oder anderen nicht verständlich, auf den zweiten Blick aber dann doch: wenn man die Konstruktion betrachtet, aber auch beispielsweise die Lichtstärke.

Objektive werden entweder mit einer Außen- oder einer Innenfokussierung angeboten. Bei der Außenfokussierung fährt das Objektiv beim Scharfstellen ein Stück nach vorne aus, der Fokusring dreht sich außen hörbar mit. Möchte man bei einem Objektiv mit Außenfokussierung einen Polfilter einsetzen, so wird man schnell feststellen, dass sich das Filter vorne mitdreht, was die zuvor vorgenommene Justierung dahin macht. Bei Objektiven mit Innenfokussierung tritt dieses Problem nicht auf. Hier können auch tulpenförmige Streulichtblenden eingesetzt werden, welche in den Bildecken eingeschnitten sind, um Vignettierungen zu vermeiden. Bei der Entfernungseinstellung werden bei der Innenfokussierung eine oder mehrere Linsen innerhalb des Objektivs verschoben. Die übrigen Linsen, insbesondere die Frontlinse, behalten ihren Abstand von der Bildauffangebene (Film oder Bildsensor) bei, wodurch sich die Baulänge des Objektivs nicht ändert. Objektive mit Innenfokussierung lassen sich kompakter und leichter bauen. Das ist gerade bei langen Brennweiten sehr hilfreich. Hinzu kommt, dass sich der Schwerpunkt beim Fokussieren kaum verändert, so dass bei Stativaufnahmen keine Änderung der Stativbelastung und somit kein störendes Kippen der Kamera – durch die Elastizität des Stativs – erfolgt. Von Nachteil kann allerdings sein, dass sich im Allgemeinen die Brennweite mit der Entfernungseinstellung ändert. Objektive mit Innenfokussierung gelten als robuster. Bei einem Schlag auf die Vorderkannte – was man natürlich trotzdem vermeiden sollte – wird die Fokussiermechanik dadurch nicht belastet, weil sie komplett im Inneren des Objektivs liegt.

Ein weiteres Qualitätsmerkmal für Objektive ist ihre Lichtstärke. Zunächst zur Theorie: Damit wird der Quotient aus maximal möglichem Durchmesser der Eintrittspupille und der Brennweite eines Objektivs bezeichnet. Man gibt diesen Quotienten meist als Kehrwert der Blendenzahl an, etwa als 1/2,8 oder f/2,8 (2,8 ist die Blendenzahl, und f steht für die Brennweite). Nun aber zurück zur Praxis. Lichtstarke Objektive ermöglichen kürzere Belichtungszeiten und/oder den Einsatz von geringeren ISO-Einstellungen, wodurch das Rauschen reduziert werden kann. Zudem erweitern Objektive mit hohen Lichtstärken den gestalterischen fotografischen Spielraum. Im gemäßigten Weitwinkel- und Telebereich ermöglichen/erleichtern lichtstarke Objektive beispielsweise ein Freistellen des Motivs vor unscharfem Vorder- beziehungsweise Hintergrund. Bei Spiegelreflexkameras kommt eine hohe Lichtstärke der Helligkeit des Sucherbildes zugute, was das Scharfstellen einfacher macht. Zudem geht die größere Blendenöffnung mit einer geringeren Schärfentiefe einher, wodurch die Lage der Schärfeebene im Sucher exakter beurteilt werden kann. Einstellhilfen für das manuelle Scharfstellen, wie zum Beispiel Schnittbildindikatoren, funktionieren bei lichtschwachen Objektiven (1:5,6 oder weniger) nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr. Kameras mit elektronischem Sucher oder Live-View auf einem Bildschirm können ein elektronisch aufgehelltes Bild anzeigen, das gegebenenfalls mithilfe einer Softwarelupe sogar vergrößert dargestellt werden kann. Bei Kameras, bei denen die Scharfstellung ohne das Objektiv erfolgt, ist dieser Aspekt ohne Bedeutung. Der mögliche Nachteil von sehr lichtstarken Objektiven ist, dass bei großen Bildsensorformaten nicht mit Offenblende gearbeitet werden kann, da der Schärfentiefenbereich für das gewünschte Motiv zu klein ist.

Ein weiteres Qualitätsmerkmal sind die verbauten Linsen und auch Glassorten. Prinzipiell gilt, dass mit der Anzahl der verbauten Linsen und natürlich der Beschaffenheit der einzelnen Glasarten der Preis für Objektive steigt. Die Aufgabe der Linsensysteme und der eigesetzten Glassorten ist es, das einfallende Licht so in seine einzelnen Wellenlängen aufzubrechen und anschließend auf der Sensorebene zusammenzuführen, dass möglichst kein Versatz der einzelnen Farben auftritt.

Faszination Fototechnik 10 / 2013

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1 Kommentare

Ein sehr interessanter Beitrag, kurz und knapp und für Fotolaien durchaus verständlich. Danke, RH

von Dr. Hambusch
09. Oktober 2013, 09:43:10 Uhr

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