Analoge Spiegelreflexkameras - Systemvorteile

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Blende ,“Im Partnerlook”
Werner Gamm

AF-SLR-Kameras der Basisklasse
Glückliche Besitzer von Kompaktkameras werden sich fragen, welche Vorteile das Umsteigen auf eine AF-SLR-Kamera bringt (AF= Autofokus, SLR = Single Lens Reflex, Spiegelreflex). Für den Einstieg in die faszinierende Welt der SLR-Photographie gibt es gewichtige Gründe. Denn nur Spiegelreflexkameras bieten einen enorm vielseitigen, motivspezifischen Systemausbau sowie die totale Kontrolle über Bildgestaltung und Aufnahmetechnik durch:
  • die Übereinstimmung von Sucherbild und Bildausschnitt

  • die visuelle Überprüfung der Schärfentiefe durch Abblenden

  • autofokusgekoppelte Belichtungsmessung durch das Objektiv mit mehreren Meßarten

  • kreative Erschließung aller photographischen Einsatzgebiete und Motivbereiche durch Wechselobjektive sowie Zubehör

  • eine äußerst leistungsfähige Hard- und Software in all ihren höchsten Ausbaustufen

  • höchster Belichtungskomfort durch sehr üppige Ausstattung

  • manuelle Eingriffsmöglichkeiten, ohne den Automatikkomfort zu beeinträchtigen


Der Autofokus
Ein leistungsfähiges AF-System ist nicht nur in der professionellen Sportphotographie wichtig. Gerade im Einsteigerbereich sollten Photoanfänger einen Autofokus in den Kameras vorfinden, der die präzise Scharfeinstellung so schnell und vor allem so einfach wie nur möglich macht. Zwei Kriterien stehen dabei im Vordergrund. Erstens sollte das AF-Modul mit mindestens einem zentralen AF-Kreuzsensor ausgestattet sein. Das ist sinnvoll, weil AF-Liniensensoren auf parallel zu ihnen ausgerichteten Strukturen nicht scharf stellen können. AF-Kreuzsensoren dagegen können auf jede Art von Strukturen unabhängig von ihrer Ausrichtung fokussieren. Zweitens sollten die AF-Sensoren ein möglichst großes AF-Meßfeld mit einer recht hohen Meßdichte bilden. Das erleichtert im praktischen Einsatz die Scharfeinstellung auf außermittig plazierte Objekte, ohne daß eine Schärfespeicherung und somit ein zusätzlicher Arbeitsschritt erforderlich wäre. Praktisch sind Kameras mit mindestens fünf AF-Sensoren, wobei die AF-Meßfelder nicht nur neben-, sondern auch übereinander angeordnet sein sollten. Das ist vor allem für die Scharfeinstellung im Hochformat wichtig. Mit einem lichtempfindlichen zentralen Kreuzsensor ist AF-Betrieb auch mit lichtschwachen Zooms oder auch mit einer Objektiv-Konverter-Kombination möglich. Die einzelnen AF-Sensoren können üblicherweise manuell oder selbstverständlich automatisch aktiviert werden. Je größer die Anzahl der Sensoren ist, desto genauer kann der Kameracomputer vorgelagerte Strukturen erkennen und auf das Hauptmotiv scharf stellen.

Die Belichtungsmessung
Die meisten Modelle sind mit zwei oder drei Belichtungsmeßarten ausgestattet, mit denen man praktisch jedes noch so spezielle Motiv belichtungstechnisch in den Griff bekommen kann. Bei der autofokusgekoppelten Mehrfeldmessung wird die Belichtung in mehreren Meß-Segmenten in Abhängigkeit von den aktiven AF-Sensoren ermittelt, wobei auch die AF-Meßdaten über Entfernung, Größe und Position des Hauptmotivs berücksichtigt werden.

In der Praxis ist grundsätzlich davon auszugehen, daß je höher die Anzahl der Messsegmente ist, desto differenzierter und präziser die Helligkeitsverteilung in der Bildfläche analysiert werden kann. Doch genauso wichtig ist auch die Software, genauer: der Algorithmus, mit dem der Kameraprozessor die AF- sowie Helligkeitsdaten analysiert und die Belichtung steuert.

Bei allen Kameras mit mehreren AF-Sensoren entspricht die Lage der zentralen Meß-Segmente der Position der Autofokussensoren. Folglich kann man auch hier davon ausgehen, daß je mehr AF-Sensoren im Einsatz sind, desto genauer sich die Daten aus der Entfernungsmessung berücksichtigen lassen. Eine gleichmäßige Verteilung der AF-Sensoren und Belichtungsmeßsegmente auf eine möglichst große Fläche des Bildfelds erhöht die Meßpräzision nicht nur im Quer-, sondern auch und vor allem im Hochformat.

Bei der Selektivmessung wird die Belichtung in einer eng begrenzten Meßfläche ermittelt. Sie entspricht, je nach Kamera, zwischen acht und zehn Prozent der Sucherfläche. Die Selektivmessung erfolgt grundsätzlich in einem zentralen Meßfeld, kann aber bei einigen Modellen an den jeweils aktiven AF-Sensor gekoppelt werden. Damit können bildwichtige Motivdetails gezielt angemessen werden, was vor allem bei hohen Motivkontrasten sinnvoll ist. Das klassische Beispiel: Eine Portraitaufnahme im Gegenlicht mit der Selektivmessung auf das Gesicht. Die Selektivmessung eignet sich sehr gut auch für die Meßwertspeicherung, die immer dann erforderlich ist, wenn mit einem anderen Wert als dem im Bildausschnitt gemessenen belichtet werden soll. Bei der mittenbetonten Integralmessung wird die Belichtung in der gesamten Bildfläche gemessen, wobei die zentrale Fläche stärker gewichtet wird.

Die Belichtungsprogramme
Die Standardprogramme, die jede Kamera der Einsteigerklasse haben sollte, sind:
  • Programmautomatik für Schnappschüsse und Spontanaufnahmen, die Kamera steuert automatisch Blende und Verschlußzeit

  • Zeitautomatik für die Bestimmung der Schärfentiefe als Mittel der Bildgestaltung durch Blendenvorwahl, die Kamera steuert automatisch die Verschlußzeit

  • Blendenautomatik für die scharfe oder verwischte Wiedergabe von bewegten Objekten durch Verschlußzeitvorwahl, die Kamera steuert automatisch die Blende

  • Manuelle Belichtungseinstellung für die totale Kontrolle über die Belichtung bei schwierigen Lichtverhältnissen und kritischen Motiven. Obwohl Blende und Verschlußzeit manuell eingestellt werden, zählt sie zu den Programmen, weil sie in der Grundeinstellung an eine bestimmte Autofokusbetriebsart und Belichtungsmeßart gekoppelt ist.

  • Die Motivprogramme für Portrait-, Landschafts-, Sport-, Makro- und Nachtaufnahmen sind für eine kinderleichte Einstellung mit entsprechenden Piktogrammen gekennzeichnet und auf die spezifischen Aufnahmebedingungen in den jeweiligen Motivbereichen abgestimmt. Damit gelingen Photoanfängern oder Technikmuffeln gekonnt, oft sogar schon professionell wirkende Aufnahmen.

  • Die Vollautomatik ist je nach Kameramarke mit einem grünen Rechteck oder mit einer grünen Kamera dargestellt. Hier sind alle Einstellungen im "grünen Bereich", so daß die Kamera sich automatisch um alles kümmert.
Richtig messen
Mit der Selektivmessung können Sie die Belichtung sehr präzise bestimmen. Das ist bei schwierigen Lichtverhältnissen sehr wichtig, wie etwa bei extrem hohem Motivkontrast, bei ausgeprägtem Gegenlicht sowie wenn sich das Hauptmotiv vor einem sehr hellen oder sehr dunklen Hintergrund befindet. Oder Sie können die Belichtung auf ein bildwichtiges Motivdetail abstimmen. Das Verhältnis der Meßfläche zur Sucherfläche bleibt bei jedem Objektiv konstant. Aber der Meßwinkel wird mit zunehmender Brennweite enger und umgekehrt. Daher sollte der Photograph vor allem bei seinen Vergleichsmessungen die Zoombrennweite gar nicht verändern. Da bei den meisten Kameras die Selektivmessung an die Meßwertspeicherung gekoppelt ist, ist es wichtig, zuerst die Meßfläche auf das anzumessende Motivdetail zu richten und erst dann die Messung zu starten - denn dieser Wert wird sofort gespeichert.

Kauftip
Beim Kauf einer Kamera sollten Sie darauf achten, daß die Programmautomatik variabel (shiftbar) ist. Durch die Programmverschiebung oder das Shiften ist es jederzeit möglich, die von der Programmautomatik gesteuerte Zeit-Blenden-Kombination bei gleichbleibendem Belichtungswert zu verändern. Ein Dreh am Einstellrad genügt, um beispielsweise eine kleinere Blendenöffnung (= größere Blendenzahl) für mehr Schärfentiefe zu steuern. Oder andererseits eine kürzere Verschlußzeit, um einen Bewegungsablauf "einzufrieren" (= scharf abbilden).
 

Faszination Fototechnik 03 / 2004

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