Aus der Trickkiste der Imaging Industrie: Keystone Korrektur - Die Dinge gerade rücken

München, Müllersches Volksbad mit Korrektur Bildgalerie betrachten München, Müllersches Volksbad mit Korrektur

In der professionellen Fotografie werden die flexiblen Verstellmöglichkeiten von Fachkameras zum Ausgleich der Perspektive oder zur Schärfedehnung bei Architektur- und Sachaufnahmen sowie auch zur Erzielung besonderer Effekte in anderen fotografischen Situationen gern und oft angewendet. Manche fotografische Aufgabe lässt sich ohne sie nur schwer beziehungsweise gar nicht oder erst in der Nachbearbeitung per Software am PC realisieren. Einen Ausweg boten bisher für kleinformatige Kameras nur spezielle Balgengeräte oder sogenannte Shift- und Tilt-Objektive, die das Verschieben und Schwenken des Linsensystems gegenüber der Bildebene, also der Sensorebene ermöglichen. Anspruchsvolle Fotografen nutzen sie, um beispielsweise stürzende Linien auszugleichen, die entstehen, wenn die Kamera beim Fotografieren hoher Gebäude gekippt werden muss, um auch die Kirchturmspitze noch mit auf das Bild zu bekommen. Im Foto scheinen solche mit nach oben geschwenkter Kamera aufgenommenen Gebäude nach hinten zu kippen. Solche Effekte konnten durch Schwenken des Linsensystems – bei den Fachkameras an der Vorderstandarte befestigt – oder der Bildebene – also der hinteren Standarte – ausgeglichen werden.

Auch in der Projektion treten derartige Verzerrungen auf, wenn die Bildebene des Projektors nicht parallel zur Leinwand verläuft. Es kommt zu trapezförmigen Verzerrungen des Projektionsbildes. Der Ausgleich dieser Erscheinung wird mit Bezug auf die Trapezform des Schlusssteins beim Bau einer Kuppel als Keystone-Korrektur bezeichnet. Sie kann entweder durch Verschieben des Linsensystems oder aber per Software erreicht werden.

Noch ziemlich neu ist die softwaregestützte Keystone Korrektur in manchen Kameras. Für diesen Keystone-Ausgleich kann jedes Objektiv verwendet werden. Wie in der Projektion entstehen auch in der Fotografie „stürzende Linien“ oder trapezförmige Verzerrungen, wenn die Bildebene, sprich die Sensorfläche nicht parallel zu den senkrechten Linien im Motiv verläuft. Neben den Architekturfotografen profitieren vor allem auch Sachfotografen von dieser Funktion, die damit etwa bei Aufsichten oder Schrägansichten den Effekt kompensieren können.

Da unser Auge sich aber durch jahrelange Erfahrung im Betrachten von Bildern an den Effekt der „Stürzenden Linien “ gewöhnt hat, wird seine 100prozentige Kompensation oftmals als störend empfunden. Es gilt also allzu auffällige Korrekturen zu vermeiden, um Bilder nicht unnatürlich erscheinen zu lassen.

Wer ganz ohne Hilfsmittel hohe Gebäude verzerrungsfrei aufnahmen möchte, muss einen Standpunkt wählen, wo die Kamera zum Erfassen des Motivs nicht gekippt werden muss. Das bedeutet, dass er entweder einen Kamerastandpunkt mit genügend Abstand oder aus entsprechender Höhe suchen muss.

In der Nachbearbeitung sind solche Kompensationen von Verzerrungen schon länger eine Selbstverständlichkeit und relativ einfach mit den gängigen Programmen von Adobe, Corel oder DXO mit wenigen Klicks realisierbar. In den Kameras sind diese Bearbeitungsmöglichkeiten erst seit kurzem und nur in wenigen Modellen integriert.

Ob nun am großen Monitor am PC oder direkt auf dem Display der Kamera, stets steht nach der Korrektur als Ergebnis ein Foto mit mehr oder weniger deutlicher Verengung des Bildausschnitts zur Verfügung. Das kann der Fotograf vor Ort natürlich einfach korrigieren und einen Ausschnitt mit ausreichend „Fleisch“ wählen, so dass am Ende nicht wichtige Bilddetails verloren gehen. Ein ebenfalls nicht zu vernachlässigender Vorzug der Keystone Korrektur in der Kamera ist die Zeitersparnis. Statt zuhause die Fotos zu optimieren, kann der Fotograf sie direkt schon vor Ort per WLAN mit seinen Freunden oder Auftraggebern teilen. Dem manchmal vorgebrachten Argument, das Kameradisplay eigne sich kaum zu einem präzisen Arbeiten, lässt sich leicht die Möglichkeit der Kamerabedienung über ein Tablet entgegenhalten, das durchaus die hinreichende Beurteilung einer Aufnahme und die Fernauslösung der Kamera gestattet.

Fototechnik 12 / 2017

1 Kommentare

Danke für den sehr informativen Artikel. Da sag noch mal wer es gibt keine Innovationen. Was sich da so getan hat sieht man auch in der Blende Galerie. Echt tolle Bilder und Anregungen für einen selbst

Bruno

von Bruno
13. Dezember 2017, 11:31:04 Uhr

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