Fototechnik - Bessere Bilder mit neuen Objektiven

© Fotograf: Heinz Heitjohann, Strandfotografin, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Heinz Heitjohann, Strandfotografin, Blende-Fotowettbewerb
Objektive sind die Augen der Kamera. Sie bestimmen die Qualität des auf den Sensor projizierten und von ihm verarbeiteten Bildes. Je nach verwendetem Objektiv kann die Bildqualität bei ein und derselben Kamera schwanken. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn ein Objektiv älterer Bauart nicht der hohen Auflösung des Sensors einer neuen Kamera gerecht wird.

Zu Beginn der digitalen Fotografie haben sich viele Fotografen darüber gefreut, wenn ihnen ihr Kamerahersteller den Umstieg von der Fotografie auf Film hin zur digitalen Welt dadurch erleichtert hatte, dass sich an der neuen Digitalkamera die alten Objektive weiterverwenden ließen. Damals begann die professionelle Digitalfotografie mit Sensorauflösungen mit 1 Megapixel. Heute liegen die Auflösungen der Kameras mit Wechselobjektiven zwischen 16 und 50 Millionen Pixel. Um diese Auflösungen ausschöpfen zu können, werden auch entsprechend hochauflösende Objektive benötigt. Forstet man die alten Bestände durch, werden nur wenige der damaligen Preziosen den gestiegenen Anforderungen gerecht. Hier zehn gute Gründe, die für ein neues Objektiv sprechen:

  • Objektivrechnung: Hinter der hohen Abbildungsleistung eines jeden Premiumobjektivs steht eine komplexe Berechnung der perfekt in ihren Eigenschaften, wie Brechung, Transmission oder Form aufeinander abgestimmter Linsen. Computerprogramme zur Berechnung von Objektiven, die früher als Geheimwissenschaften streng gehütet und von den Firmen teilweise selbst programmiert wurden, stehen heute in der Regel für jeden, der sie bezahlen kann, auf dem freien Markt zur Verfügung. Das Gleiche gilt auch für die erforderlichen Maschinen für die Linsenfertigung. Die Unterschiede in der Qualität der Produkte verschiedener Hersteller liegen also in dem Aufwand, den man gewillt ist, bei der Umsetzung der Berechnungen zu treiben. Jedes Objektiv ist ein Kompromiss hinsichtlich des technischen Aufwands für Größe, maximale Blendenöffnung, dem Einsatz von Sondergläsern und außergewöhnlichen Linsenformen und Linsenvergütung. Hinzu kommen die mechanische Präzision und die elektronischen Steuermöglichkeiten für die Entfernungs- und Blendeneinstellung. Auch die Schnelligkeit der motorischen bzw. manuellen Antriebe für Blende und Schärfe unterscheiden sich in Präzision, Schnelligkeit oder hinsichtlich der Verarbeitungsqualität. Kaum vom Verbraucher selbst zu unterscheiden sind die integrierten, softwarebasierten Bildoptimierungstools. Wer sicher gehen will, dass ihn die Leistung seines Wunschobjektivs auch überzeugt, der sollte es sich vor dem Kauf beim Händler ausleihen und selbst herausfinden, ob ihn die Leistung überzeugt. Oftmals sind es nur Nuancen in der Qualität, die den Preis aber dramatisch steigen lassen. Hier muss jeder für sich entscheiden, wieviel ihm jedes Quäntchen mehr an Qualität wert ist. Doch selbst ein preiswertes Objektiv mit moderner Rechnung, kann deutlich besser sein als manches, das noch auf einer alten optischen Rechnung basiert.
  • Optische Gläser: Die Reinheit, Brechungs- und Transmissionseigenschaften optischer Gläser, die für die Linsenherstellung verwendet werden, liefern die Basis für die Objektivqualität. Allerdings sind die Zeiten, wo Optikhersteller ihre optischen Gläser noch selbst geschmolzen und nach eigenen Rezepturen hergestellt haben, lange vorbei. Heute gibt es nur noch ganz wenige Spezialhersteller, wie Schott oder Hoya, die hochwertige optische Gläser anbieten und damit praktisch die ganze Branche versorgen. Allerdings gibt es auch von diesen Anbietern besonders teure Spezialgläser mit anomalen Brechungseigenschaften, wie sie gern von den Objektiventwicklern eigesetzt werden, um bei kompakter Bauweise, dennoch eine hohe Korrektur der Abbildungsfehler zu erreichen. Der Hinweis auf den Einsatz solcher Spezialgläser ist meist auch ein Hinweis auf eine besonders sorgfältige Fehlerkorrektur.
  • Asymmetrische Linsenformen: Nach wie vor bedarf es einer besonderen Expertise, Linsen mit von der Kugelform abweichenden Oberflächen, vor allem mit größeren Durchmessern, zu fertigen. Asphärische Linsen werden benötigt, um Abbildungsfehler zu korrigieren und Objektive mit weniger Linsen und somit kleiner zu bauen. Auch hier sind die dazu erforderlichen Maschinen für die Linsenherstellung zwar für jeden Objektivhersteller auf dem freien Markt zu erwerben, doch wegen ihres hohen Preises für kleinere Hersteller kaum rentabel. Allerdings gibt es auch Hersteller, die solche Speziallinsen in Lohnfertigung anbieten. Der Einsatz solcher Linsen kann als Qualitätsmerkmal gewertet werden.
  • Vergütung: Als Vergütung wird bei Objektiven die Spezialbeschichtung der Linsenoberflächen bezeichnet. Bei weniger aufwändigen Konstruktionen werden nur die Front- und Hinterlinsen mit den teuren und aufwändigen Spezialbeschichtungen versehen. Manche Hersteller beschichten jede einzelne Linse an beiden Oberflächen mit Spezialvergütungen, die zudem noch aus mehreren Schichten bestehen, die oftmals gleich mehrere Funktionen erfüllen: Sie verhindern Reflexe und steigern damit den Kontrast. Sie erhöhen die Transmission, sprich die Lichtdurchlässigkeit, und bieten zudem oftmals auch Schutz vor Kratzen, lassen Feuchtigkeit abperlen und verhindern, dass sich Schmutz auf der Linse festsetzt. Eine weitere Aufgabe der Vergütung liegt darin, für eine einheitliche Farbcharakteristik über das gesamte Objektivangebot eines Herstellers zu sorgen. Die Eigenschaften der eingesetzten Vergütung sollten daher genau studiert werden. Oftmals ist es sinnvoll, Wechselobjektive von nur einer Marke zu verwenden, weil dadurch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass eine gleichbleibende Farbgebung über alle Brennweiten hinweg sichergestellt ist.
  • Telezentrische Strahlenführung: Die Lichtstrahlen der für die analoge Fotografie gerechneter Objektive fallen vor allem bei Objektiven mit größeren Bildwinkeln in der Regel schräg auf die Bildfläche. Das hatte für Aufnahmen mit Film, dessen lichtempfindliche Farbstoffe als unregelmäßige Schicht auf dem Filmträger verteilt waren, keine negative Auswirkungen. Da in der digitalen Fotografie die Pixel der Sensoren wie winzige Röhren nebeneinander angeordnet sind, werden schräg einfallende Strahlen nur zum Teil von der Pixeloberfläche aufgefangen, während parallel gerichtete Strahlen dagegen voll erfasst werden können. Das ermöglicht eine effizientere Lichtausbeute. Je schräger der Einfall und je weiter am Rand die Strahlen auftreffen, umso schräger treffen sie auf die Pixel und umso weniger Licht wird erfasst, was zu Randabschattungen führen kann. Viele moderne Sensoren haben jedoch winzige Linsen auf der Pixeloberseite, die auch schräg einfallendes Licht sammeln und der Photozelle zuführen.
  • Linsen-Fertigung: Moderne Produktionsmethoden erlauben die einfachere Herstellung spezieller Linsenformen und die Verarbeitung von Sondergläsern, wie sie bis dahin nicht zur Verfügung standen. Auch dadurch werden Objektive mit höherer Abbildungsleistung mit geringerem Aufwand möglich.
  • Mechanische Konstruktion: Die mechanische Steuerung von Blende und Scharfstellung oder der Brennweite bei den Zoomobjektiven kann sehr viel präziser erfolgen. Moderne Materialien, Formen und Antriebe für die Blende, Zoom- und Scharfstellung erlauben eine deutlich präzisere Einstellung. So können beispielsweise die Blendenlamellen so geformt und gesteuert werden, dass sie eine nahezu kreisförmige Öffnung ergeben. Das ermöglicht eine besonders angenehme, gleichmäßige Hintergrundunschärfe, auch Bokeh genannt. Andererseits können einzelne Elemente komplexer Linsensysteme durch modernere Antriebe für eine optimale Scharfstellung individuell zueinander verschoben werden. Gleichzeitig gibt es heute bessere Möglichkeiten, auch Objektive wetterfest zu machen, so dass auch bei Regen fotografiert werden kann.
  • Leistungsstarke Steuersoftware: Nicht nur die Antriebe sind besser und schneller geworden, auch die Steuersoftware arbeitet mit sehr viel komplexeren Algorithmen, die zu sichtbar besseren Ergebnissen führen.
  • Leistungsstarke Fehlerkorrektur durch Software: Eine immer größere Bedeutung kommt der softwarebasierten Bildfehlerkorrektur zu. Waren bisher für die Korrektur von Abbildungsfehlern, wie beispielsweise von Lichtabfall an den Bildrändern, umfangreiche optische Korrekturen durch weitere Linsen erforderlich, so kann heute Einiges davon allein durch integrierte Bildbearbeitungsprogramme automatisch ausgeglichen werden. Die Kamera erfährt vom angesetzten Objektiv von dessen Schwächen und korrigiert beispielsweise Verzeichnungen und Randabschattungen automatisch, ohne dass der Fotograf etwas davon bemerkt.
  • Firmware-Update-Möglichkeit: Neue Objektive altern langsamer. Bei einigen von ihnen ist es möglich, über einen USB-Anschluss ein Firmware Update vorzunehmen und es so zumindest softwareseitig auf den neuesten Stand zu bringen.

Fazit: Wer das Beste aus seiner modernen Kamera mit Wechselobjektiven herausholen will, darf sich beim Objektivkauf nicht vom Preis leiten lassen. Vor allem aber sollte er lieber ein preiswertes Kit-Objektiv jüngerer Bauart kaufen als ein noch so gutes Edelobjektiv aus analogen Zeiten. Selbst preiswerte moderne Objektive werden durch die softwarebasierte Bildkorrektur moderner Kameras oftmals bessere Bilder liefern als eine Premiumlinse von anno dazumal, die schon allein durch ihr größeres Gewicht die Ausrüstung belastet. Abgesehen natürlich von einer Ausnahme: Man will die Abbildungsfehler alter Objektive bewusst als kreativen Effekt nutzen.

Faszination Fototechnik 08 / 2015

1 Kommentare

Bin Einsteiger und mich verwirren die Abkürzungen bei den Objektiven. Da wird so viel vorausgesetzt. Woher soll man da als Einsteiger wissen worauf es ankommt.

Petra

von Petra
29. August 2015, 11:23:21 Uhr

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden