Kaufberatung Blitzgeräte: Nicht blenden lassen - Bei Blitzgeräten geht es um mehr als Leistung

Eingebaute Miniblitzgeräte sind Standard bei Kameras unterhalb der Profiklasse. Viele Situationen lassen sich mit den ausklappbaren Lichtspendern meistern. Doch irgendwann kommt der Wunsch nach mehr Power, besserer Ausleuchtung, indirektem Blitzen oder kreativer Lichtsteuerung. Dann führt an einem externen Blitzgerät kein Weg mehr vorbei. Doch die Auswahl ist groß, ebenso die Preisspanne zwischen den Modellen. Unsere kleine Kaufberatung bringt etwas Licht ins Dunkel.

Blitzgeräte

Die Leistung: Die Blitzleistung – und damit die Reichweite – war einstmals das wichtigste Merkmal und markierte den Unterschied zwischen Amateur- und Profigeräten. Als harte Währung bei Kompaktblitzgeräten hat sich die so genannte Leitzahl etabliert. Sie errechnet sich aus dem Abstand eines Objektes zum Blitz in Metern multipliziert mit der Blendeneinstellung, bei der dieses Objekt korrekt belichtet wird. Beispiel: Ein Blitzgerät, das bei Blende 4.0 ein Objekt in 15 Meter Entfernung sauber ausleuchtet, hat eine Leitzahl von 60.

Für echte Vergleichbarkeit muss man auf zwei Angaben im Kleingedruckten achten. Die Berechnung bezieht sich klassischerweise auf eine Empfindlichkeitseinstellung der Kamera von ISO 100. Das sollte der Hersteller ausdrücklich angeben, ebenso die „Brennweite“, eigentlich den Leuchtwinkel, für den die Angaben gelten. Blitzgeräte haben feste oder variable (mit einem Zoomobjektiv automatisch mitzoomende bzw. manuell verstellbare) Abstrahlwinkel des Lichtes. Stärker gebündeltes Licht hat bei gleicher Blitzenergie eine größere Reichweite. So wird die Leitzahl dann für 35mm, 105mm oder gar 200mm angegeben. Auf den ersten Blickt vergleichbar sind die Leitzahlen zweier Blitzgeräte also nur, wenn klar ist, dass sie für denselben ISO-Wert und dieselbe „Brennweite“ angegeben sind.

Inzwischen ist reine Leistung als Kriterium etwas in den Hintergrund gerückt. Das liegt daran, dass die Leistung der Blitzgeräte auf dem Markt insgesamt zugenommen hat. Zugleich verfügen heute auch spartanisch ausgestattete Modelle über hohe Leistungsdaten, die Spitzenmodellen in nichts nachstehen. Diese wiederum heben sich eher durch technische Raffinessen und hochwertige Verarbeitung ab. Hochempfindliche, rauscharme Sensoren ergeben zusammen mit längeren Belichtungszeiten durch Bildstabilisatoren eine enorme Ausbeute von Umgebungslicht auch unter schlechten Bedingungen. Das spricht einerseits dafür, sich auch mit weniger Power zufriedenzugeben. Andererseits: Reserven können nie schaden, und in manchen Situationen, beispielsweise bei brutalem Gegenlicht, gilt schlicht: Viel hilft viel.

Die Grundausstattung: Nur einfachste Modelle haben einen starr nach vorne ausgerichteten Reflektor. Zumindest vertikal (nach oben) erlauben auch die meisten Einsteigergeräte einen Schwenk, um indirekt zum Beispiel über eine Zimmerdecke zu blitzen. Bei besser ausgestatteten Modellen lässt sich der Reflektor auch um einige Grad nach unten neigen, das bringt bei nahen Aufnahmesituationen eine etwas bessere Ausleuchtung. Schon in der Mittelklasse sind zudem horizontale Schwenkreflektoren Standard. Diese Funktion braucht unter anderem, wer bei Hochformataufnahmen und dadurch gekippter Kamera indirekt über die Decke blitzen will, oder wer bei einer Querformataufnahme seitlich zum Beispiel über eine Wand blitzen möchte. Wer volle Flexibilität will, sucht nach einem Gerät, das den Schwenk um jeweils 180 Grad in beide Richtungen schafft und so die vollen 360 Grad abdeckt. Bessere Modelle verfügen zudem über eine ausziehbare Reflektorkarte. Dieses weiße Plastikkärtchen lenkt beim indirekten Blitzen einen kleinen Teil des Lichts direkt auf das Motiv. Porträtierte Menschen erhalten dadurch einen kleinen Aufheller ins Gesicht und vor allem etwas Glanz in den Augen.

Die Reflektoren unterscheiden sich zudem im Bereich, den sie ausleuchten. Einfache Geräte haben fixe Leuchtwinkel, die als „Brennweite“ von zum Beispiel 35mm angegeben werden. Das bedeutet, dass ein Motiv, das mit einem 35mm-Objektiv an einer Vollformatkamera aufgenommen wird, ausgeleuchtet wird. Bei deutlich stärkeren Weitwinkelaufnahmen muss man mit dunkleren Bereichen an den Rändern rechnen, bei Fotos mit Telebrennweiten geht einfach Licht verloren. Zoomreflektoren können entweder manuell oder automatisch der Brennweite des Objektivs angepasst werden. Letzteres spart Zeit und vermeidet, dass man vergisst, die Einstellung zu ändern, was im schlimmsten Fall dazu führen könnte, dass das Bild nicht ausgeleuchtet ist. Die Größe des „Zoombereichs“ ist ein Gütekriterium von Blitzgeräten. Bei möglichen Reflektoreinstellungen von 28-85mm stößt man schneller an seine Grenzen als bei den 24-105mm, die Topgeräte liefern. Für den starken Weitwinkelbereich verfügen manche Modelle über Streuscheiben, die dann teilweise bis 14mm reichen.

Die Funktionsvielfalt: Licht geben alle Blitze ab. Bei der richtigen Dosierung scheidet sich die Spreu vom Weizen. Kein modernes Aufsteckblitzgerät wirft unkontrolliert Licht aufs Objekt. Alle können die Lichtmenge steuern und müssen dazu Messungen vornehmen. Bei einfacheren Geräten erfolgt dies mit einer auf der Vorderseite eingebauten Messzelle. Wenn der Blitz mitgeteilt bekommen hat, welche Empfindlichkeit und welche Blende die Kamera verwendet, steuert er die Menge des Blitzlichts, indem er das vom Objekt reflektierte Licht misst. Die Methode ist bewährt, stößt aber an Grenzen. Die Messzelle nimmt zum Beispiel keine Rücksicht auf das verwendete Objektiv, kann also nicht mitzoomen und den tatsächlichen Bildwinkel ausmessen. Auch hat das Blitzgerät keine Informationen darüber, ob sich ein Filter vor dem Objektiv befindet, welches Licht schluckt. Die Standardmessmethode bei Systemblitzgeräten ist daher – wie in der Tageslichtfotografie – die TTL-Messung. TTL steht für “Through the Lens” (durch das Objektiv) und beschreibt gleich, um was es geht. Das Blitzlicht wird im Inneren der Kamera gemessen. Vorteil: Es wird erfasst, wieviel Licht tatsächlich vom Blitz zum Objekt und von dort zur Optik und weiter bis auf die Sensorebene kommt. Das Ganze funktioniert aber nur, wenn es einen Datenaustausch zwischen Kamera und Blitzgerät gibt. Dazu müssen Fotoapparat und Blitzgerät entweder vom selben Hersteller stammen, oder man verwendet das Blitzgerät eines unabhängigen Herstellers in einer Ausführung speziell für die vorhandene Kameramarke (in wenigen Fällen auch mittels eines Adapters).

Weitere Komfortfunktionen von Blitzgeräten: Das Autofokus-Hilfslicht dient dem Scharfstellen in dunkler Umgebung. Wenn der kamerainterne Autofokus wegen Lichtmangels zu scheitern droht, projiziert das Blitzgerät ein meist rotes Muster auf das Motiv, an welchem sich der Autofokus orientieren kann. Hinter der Kurzzeit-Synchronisation (Highspeed-Synchronisation) verbirgt sich eine Technik, die Blitzen auch bei kurzen Belichtungszeiten erlaubt. Normalerweise begrenzt der Schlitzverschluss einer DSLR- oder Systemkamera die Blitzsynchronzeit auf etwa 1/200 Sekunde. Unterhalb dieses Werts laufen die beiden Verschlussvorhänge so kurz hintereinander ab, dass sie nur einen schmalen Schlitz freigeben, der über das Bild läuft. Ein einzelner Blitz, dessen Leuchtdauer ein Bruchteil der 1/200 ausmacht, würde diesen Schlitz an einer Stelle des Bildes einfrieren; das übrige Motiv bekäme kein Blitzlicht ab. Die Lösung: Das Gerät schießt eine Serie von Blitzen kurz hintereinander ab, so dass der gesamte Verlauf der Belichtung durch den Schlitzverschluss abgedeckt ist. Jeder Teilblitz ist in seiner Leistung aber deutlich geringer als ein einzelner Blitz bei normaler Synchronzeit, deswegen geht die Reichweite stark zurück. Aber interessant ist die Funktion dennoch, zum Beispiel für nahe gesetzte Aufhellblitze in sehr heller Umgebung bei offener Blende.

In die ähnliche Richtung geht die Stroboskop-Funktion gut ausgestatteter Blitzgeräte. Auch dabei wird die Blitzenergie auf eine Staffel mehrere kleiner Blitze verteilt, die kurz hintereinander zünden. Damit lassen sich Bewegungsabläufe in verschiedenen Phasen auf einem Bild einfrieren. Beispiel: Wer eine Tanzfigur einer Balletttänzerin, die drei Sekunden dauert, dokumentieren möchte, feuert in dunkler Umgebung während der drei Sekunden 10, 15 oder 20 Blitze ab. Der Kameraverschluss bleibt während dieser Zeit offen.

Die hohe Schule der Blitzfotografie ist das entfesselte Blitzen, vor allem im Verbund mehrerer Blitzgeräte. Moderne Blitzgeräte können – entsprechende Funktionen vorausgesetzt – kabellos miteinander kommunizieren. In der klassischen Anordnung steuert dabei ein Master-Blitzgerät, das oft an der Kamera bleibt, die im Raum verteilten Slave-Blitzgeräte über kleine Signalblitze, die von Fotomesszellen an den Slave-Blitzgeräten erkannt werden. Inzwischen sind auch flexiblere Steuerungsmethoden, wie Infrarot oder Funk, im Einsatz. Und die Steuerung übernehmen nicht mehr nur masterfähige Blitzgeräte, sondern auch speziell dafür entwickelte Transmitter und inzwischen auch direkt einige Kameras. Wer ins entfesselte Blitzen einsteigen möchte, oder sich zumindest die Option nicht verbauen möchte, sollte darauf achten, dass das neue Blitzgerät die Slave- oder sogar die Masterfunktion bietet. Für künftige Entwicklungen rüstet sich zudem, wer auf eine Schnittstelle wie USB achtet, damit später Firmware-Updates aufgespielt werden können.

Die Spezialisten: Spezialblitzgeräte gibt es vor allem für passionierte Makrofotografen und jeden, der kleine Objekte perfekt ausgeleuchtet fotografieren muss, seien es Betreiber eines Online-Shops oder Hautärzte. Makroblitze gibt es in der Ausführung als Ringblitzgerät, das über einen Adapter am Filtergewinde eines Objektivs angebracht wird, und als Doppel-Blitzgerät, wobei die beiden kleinen Bitzgeräte ebenfalls auf einem Ring am Filtergewinde befestigt sind. Die Ringblitze bieten, je nach Ausführung, die gleiche komfortable Belichtungssteuerung wie große Aufsteck-Systemblitzgeräte. Ringblitzgeräte lassen sich bedingt durch Ringblitz-Vorsätze ersetzen. Diese sind ebenfalls ringförmig um ein Objektiv herum angebracht, beziehen aber ihr Licht über einen Lichtleiter von einem Aufsteckblitz.

Das Budget: Sich gegenüber dem Fitzelblitz in der Kamera zu verbessern, ist rein preislich keine große Sache. Schon für etwa 35 Euro gibt es Markenzubehör, das in der Leistung die meisten eingebauten Blitze deutlich übertrifft. Für knapp über 50 Euro ist bei ähnlicher Power schon TTL-Betrieb an Kameras zu bekommen. Volle Leistung gibt es bei einfach ausgestatteten Geräten ohne TTL schon für unter 100 Euro. Für Mittelklasse-Modelle mit besserer Ausstattung und TTL dieser Leistungsklasse sollte man grob um die 200 Euro einkalkulieren. Die Topmodelle im Portfolio der Hersteller reichen preislich bis über die 500-Euro-Marke und lassen damit schon viele Kameras hinter sich. Dabei gilt auch für Blitzgeräte die alte Weisheit, die besagt, dass der teuerste Apparat der ist, welchen man zweimal kauft – weil man mit dem ersten zu schnell an Grenzen stößt.

Das Fazit: Am Anfang jeder Kaufentscheidung muss die Frage stehen, wie und wofür das Blitzgerät zum Einsatz kommen soll. Die reinen technischen Daten und selbst Testergebnisse liefern nicht unbedingt ein klares Bild. Das macht man sich besser selbst, indem man sich Blitzgeräte im Fachhandel vorführen lässt, im Idealfall auf der eigenen Kamera. Dabei stellt sich dann zum Beispiel auch ein Gefühl für die Wertigkeit eines Modells ein, also aus welchem Holz es denn geschnitzt ist. Und so mancher in Tests gelobter Schnäppchen-Geheimtipp offenbart dann plötzlich, wie fummelig das Batteriefach zu verschließen ist, dass man sich die Fingerkuppen beim Festzurren des Feststellrades aufscheuert, die Displaybeleuchtung kaum leuchtet oder der Reflektor beim Zoomen wie eine Kreissäge lärmt. Ein Blitzgerät sollte auch zur Kamera passen. Die Topmodelle sind mit gefülltem Batteriefach groß und schwer. An einer leichten, kleinen Kamera verschiebt das den Schwerpunkt weit nach oben, so dass beides miteinander eventuell nicht mehr gut in der Hand liegt. Abhilfe schafft in diesem Fall ein Batteriegriff, der kleinere Gehäuse griffiger macht und den Schwerpunkt wieder nach unten verlagert. Ein Blitzgerät, das dem Fotografen liegt, kann Lust auf mehr machen – auch auf weitere Blitzgeräte und damit auf die Königdisziplin der kreativen Blitzpraxis mit mehr als einem Gerät. In diesem Sinne: Es werde Licht!

Faszination Fototechnik 05 / 2015

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