Kleine Objektivschule - Warum gibt es unterschiedliche Objektive?

Was ist der Unterschied zwischen Normalobjektiv, Teleobjektiv, Weitwinkelobjektiv, Makroobjektiv

Kleine Objektivschule - Warum gibt es unterschiedliche Objektive?
In der Fotografie unterscheidet man unterschiedliche Kamerasysteme. Kompaktkameras verfügen über ein fest eingebautes Objektiv, das nicht gewechselt werden kann. Auch Action-Cams und auch alle Smartphones sind mit einem fest eingebauten Objektiv ausgestattet. In die Kategorie Kameras für Wechseloptik fallen die Spiegelreflexkameras und die kompakten Systemkameras. Beide Kameratypen zeichnet aus, dass die Optik – also das Objektiv – gewechselt werden kann. Der Vorteil für den Nutzer liegt darin, dass motivbezogen die bestmögliche Optik gewählt werden kann. Je nach fotografischem Sujet und Intention kommen das Normalobjektiv, Teleobjektiv, Weitwinkelobjektiv, Makroobjektiv zum Einsatz.

Kamera-Kits – Kamerabody und wenigstens ein Objektiv

Gerade im günstigen sowie mittleren Preissegment werden Kameras für Wechseloptik gern im sogenannten Kamera-Kit angeboten. Dieses besteht aus dem Kamerabody und wenigstens einem Objektiv. Einige Hersteller bieten heute im Kit auch gern zwei Objektive an. In der Regel ist der Erwerb im Kit günstiger. Beim Kauf sollte man jedoch darauf achten, welche Objektive das Kamera-Kit enthält. Hintergrund: Kamerahersteller haben ein großes Portfolio an Objektiven. Auch wenn die Objektive die gleiche Angabe hinsichtlich der Brennweite tragen, so können sie sich in der Qualität, wie zum Beispiel Lichtstärke, unterscheiden.

Warum sich Gedanken machen, ich habe doch ein Kamera-Kit

Gegen Kamera-Kits ist nichts zu sagen. Den einzigen Nachteil den sie haben könnten ist, dass man sich insbesondere als fotografischer Einsteiger nicht intensiver mit dem Objektivangebot auseinandersetzt. Dies ist eine große vertane Chance, denn damit nutzt man im Endeffekt den Mehrwert von Kameras für Wechseloptik in ihrer Vielseitigkeit nicht aus.

Theorie ist gut – Wirkungsweise erlebbar ist nachhaltiger

Über die Wirkungsweise von den verschiedenen Objektiven kann man unendlich viel schreiben. Doch die Vorteile und Unterschiede zwischen Normalobjektiv, Teleobjektiv, Weitwinkelobjektiv, Makroobjektiv sind in der Anwendung auf einen Blick wesentlich greifbarer. Wer als Neuling in die Objektiv-Thematik einsteigt, der sollte einen Fotohänder aufsuchen oder zum Beispiel zu einem Fotofestival – hier sind Händler und Hersteller auch meist vertreten – reisen oder nach einem Fotoworkshop mit Praxisbezug Ausschau halten.

Jeder Anfang ist leicht

Wissen darüber, dass es unterschiedliche Objektive gibt ist schon einmal eine gute Basis auf der man aufbauen lässt. Hat man dann auch grob über ihre Wirkungsweise Kenntnisse, dann unterstützt dies die Entscheidungsfindung.

Objektivschule – Eine kleine Einführung ohne zu viel Technik

Normalobjektive sind sehr handlich. Ihre Brennweite liegt bei 50 mm. Ihr Name leitet sich daraus ab, dass ihre Wirkungsweise dem Bildwinkel des menschlichen Sehfelds entspricht. Das bedeutet in der Praxis, dass bei „üblicher“ Betrachtungsentfernung die abgebildeten Objekte genau so groß erscheinen wie in „Wirklichkeit” vom Aufnahmestandpunkt aus betrachtet und die Größenverhältnisse aller Objekte darauf ebenso erscheinen wie vom Kamerastandort aus gesehen. Das Normalobjektiv gehört in jede Fototasche – Zurückliegend war der Einsatz von Normalobjektiven fälschlicherweise out. Sicherlich auch deshalb, weil es vom Fotografen mehr Aktion erfordert, sich auf sein Motiv zubewegen zu müssen.

Mit Teleobjektiven lassen sich Distanzen überbrücken und Motive verdichten. Teleobjektive werden mit Brennweiten ab 70 mm bis 800 mm angeboten. Ihre Ausmaße sind deutlich größer als die von Normalobjektiven. Insbesondere die leichten Teleobjektive von 70 bis 200 mm werden gern auch in der Portraitfotografie eingesetzt. Liegt die Brennweite über 300 mm, dann spricht man von Super- oder Ultrateleobjektiven. In der Wildlife- und Sport-Fotografie kommen bevorzugt Teleobjektive mit mehr als 600 mm zum Einsatz. Je länger die Brennweite ist, desto ratsamer ist der Einsatz eines Stativs, um möglichen Verwacklungen vorzubeugen. Ratsam sind, wenn auch teurer, lichtstarke Teleobjektive. Im Vergleich kann mit ihnen mit niedrigeren ISO-Empfindlichkeiten fotografiert werden. Das kommt der Bildqualität zu Gute.

Von Weitwinkelobjektiven spricht man dann, wenn die Brennweite unter 50 mm liegt. Sie sind extrem handlich. Ihre Wirkungsweise leitet sich aus ihrem Namen her – der Blickwinkel ist weiter als der von Normalobjektiven. Weitwinkelobjektive kommen beispielsweise gern zum Einsatz, wenn Hotelzimmer größer wirken sollen, als sie in der Realität sind. Aber auch in der Landschaftsfotografie spielen sie ihre Stärke aus, wenn es darum geht, die Weite noch imposanter darstellen zu wollen. Ratsam ist hier das Spiel mit der Perspektive – mit Linien und Formen. Motive lassen sich in der Regel mit Weitwinkelobjektiven besser dritteln. Dies kommt der gezielten Bildgestaltung entgegen. Die Optik erlaubt zudem eine Verbindung zwischen Protagonist und Umfeld. Ihre Stärke spielen Weitwinkelobjektive auch dann aus, wenn der Kameraabstand recht gering ist, aber ein weiter Blickwinkel gewünscht ist. Die Güte von Weitwinkelobjektiven zeigt sich darin, dass auch die Randbereiche scharf sind. Von Superweitwinkelobjektiven ist die Rede, wenn die Brennweite unter 20 mm liegt. Auch diese Objektive kommen sehr gern in der Hotelfotografie zum Einsatz.

Das Fish-Eye, auch als Fischauge bezeichnet, ist die extreme Form eines Weitwinkelobjektivs mit einem Blickwinkel von 180 Grad und mehr. Diese Objektive bilden die Hemisphäre mit mehr oder weniger deutlichen, aber nicht übermäßigen Verzerrungen ab. Gerade Linien, die nicht durch die Bildmitte laufen, werden gekrümmt abgebildet. Die Abbildung ist stark tonnenförmig – man spricht von Verzeichnung. Der Helligkeitsabfall zum Bildrand ist recht leicht korrigierbar, weil der Abbildungsmaßstab zum Bildrand immer kleiner wird und sich das Licht somit auf eine kleinere Fläche konzentriert. Fish-Eye-Objektive sorgen für einen ganz speziellen typischen Look.

Makroobjektive sind für die Nahfotografie konzipiert und dienen dazu, Kleines ganz groß herauszustellen. Sie finden ihren bevorzugten Einsatz dementsprechend in der Detailfotografie wie beispielsweise dem Ablichten von Pflanzenblüten und Insekten. Sie werden von einigen Fotografen aber auch gern immer wieder in der Portraitfotografie eingesetzt. Ab welchen Abbildungsmaßstab man ein Makroobjektiv als solches bezeichnet, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Für manche darf ein Makroobjektiv diese Bezeichnung nur dann tragen, wenn der Abbildungsmaßstab bei 1:1 liegt. Andere wiederum rechnen auch Objektive mit einem Abbildungsmaßstab von 1:2 dazu. Die Brennweite von Makroobjektiven liegt zwischen 40 und 200 mm. Diese gibt Aufschluss darüber, aus welcher Entfernung zum Objekt fotografiert wird. Während man Pflanzen sehr nah kommen kann ist bei Insekten schon ein Abstand zu ihnen einzuhalten. Je größer die Brennweite ist, desto größer ist der Abstand zum Aufnahmeobjekt.

Fototechnik 02 / 2018

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