Kompaktkameras - Modellvielfalt und Wiedergeburt

Fujifilm Bridgekamera FinePix S9900W
Fujifilm Bridgekamera FinePix S9900W
Klein, leicht, vielseitig und einfach zu bedienen – das waren die herausragenden Kennzeichen des Kamerasegmentes Kompaktkameras, das über viele Jahrzehnte analog und digital den Fotomarkt prägte. Heute beschreibt dies auch die besonderen Fotoeigenschaften von Smartphones, die allerdings mit den kreativen Möglichkeiten von Kompaktkameras der jüngsten Generation kaum mithalten können. Wenn wir heute über Kompaktkameras reden, dann müssen wir unser bisheriges Wissen über Bord werfen, denn diese Kameraklasse hat sich neu erfunden und feiert ihr Comeback in ganz neuem Glanz.

Klein, leicht, vielseitig und einfach zu bedienen – das sind viele Modelle der Kompaktkameras von heute immer noch. Sie zählen zu den beliebtesten Reisebegleitern, um die eigenen Erlebnisse in erstklassigen Bildern zu dokumentieren, aber auch, um sie kreativ zu interpretieren und für Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte nachvollziehbar zu machen. Wo die in Smartphones und Tablets integrierten Kameras an ihre Grenzen stoßen, wo gut genug nicht mehr reicht und wo es um die einfache Realisierung des eigenen Gestaltungswillens geht, da greifen immer mehr Menschen wieder zur Kompakten.

Canon PowerShot SX410
Canon PowerShot SX410
Zusammengefasst in der Kategorie der Kompaktkameras werden Kameras mit mehr oder weniger geringer Baugröße und Gewicht mit fest eingebauten Zoomobjektiven oder mit Objektiven mit festen Brennweiten. Kompaktkameras mit fester Brennweite verwenden in der Regel hochwertige Weitwinkelobjektive. Die Brennweiten variieren zwischen 24 und 35 mm. Sie weisen meist hohe Lichtstärken auf und empfehlen sich besonders für die Reportagefotografie oder Aufnahmen im Stil der Street-Photography, bei denen der Fotograf unauffällig mitten im Geschehen fotografiert. Für brillante Abbildungen mit hoher Schärfe wird die Premiumklasse dieser Kategorie mit möglichst großen Bildsensoren bestückt. Dabei zwingt die Sensorgröße immer zu einem Kompromiss: Je größer der Sensor, umso größer werden auch Kamera und Objektiv. Je kleiner der Sensor, umso größer wird bei hoher Auflösung die Gefahr von Rauschen. Große Sensoren erlauben sowohl mehr als auch größere Pixel für höhere Auflösungen und weniger Rauschen.

Leica D Lux
Leica D Lux
Noch stärker fällt dieser Kompromiss ins Gewicht, wenn es um die Kompaktkameraklasse mit fest eingebauten Zoomobjektiven geht. Je größer der Bildsensor, umso größer wird auch der vom Objektiv abzudeckende Bildkreis und damit zwangsläufig auch seine Bauform. Deshalb verwenden Kompaktkameras mit Objektiven, die einen großen Brennweitenbereich abdecken, zugunsten kleinerer Objektive auch kleinere Sensoren. Auch kleine Bildsensoren mit 1/2 Zoll oder 1/7 Zoll Größe bieten hohe Auflösungen. Der Nachteil liegt in den kleineren Pixeln, die für die hohe Packungsdichte auf dem kleineren Sensor erforderlich wird. Diese hat eine höhere Anfälligkeit gegen Rauschen zufolge. Das bedeutet wiederum, dass gerade in Situationen, wo kürzere Belichtungszeiten und höhere Lichtempfindlichkeiten nötig wären, um mit den weniger lichtstarken Superzooms auch beim Fotografieren aus der freien Hand unverwackelte Aufnahmen zu erhalten, wegen der benötigten hohen ISO-Werte Rauschen oder Verwacklung drohen.

Kompaktkameras mit Superzoomobjektiven sollten daher auf jeden Fall mit einem effektiven Bildstabilisationssystem ausgestattet sein. Für Kompaktkameras mit weitwinkligen Festbrennweiten ist das nicht ganz so wichtig. Da Weitwinkelobjektive trotz ihrer aufwändigen optischen Konstruktionen nicht so groß ausfallen, wirken die mit ihnen bestückten Kameras selbst bei hohen Lichtstärken und großen Bildsensoren immer noch relativ klein und handlich. Bei den kompakten Zoomkameras bleibt den Konstrukteuren die Verwendung kleinerer Bildsensoren nicht erspart, wenn sie eine gewisse Kameragröße, die von den Konsumenten bei einer Kompaktkamera oftmals vorausgesetzt wird, nicht überschreiten wollen.

Nikon Coolpix S9900 und S7700
Nikon Coolpix S9900 und S7700
Beide Kameratypen mit Zoom oder Festbrennweite führen mehr oder weniger zu unterschiedlichen Aufnahmestilen. Während sich mit den Superzooms auch weitentfernte Objekte formatfüllend ins Bild rücken lassen, muss der Fotograf mit der Weitwinkelkamera nah am Geschehen sein, wenn er sein Motiv nicht in Stecknadelgröße im Bild wiederfinden möchte.

Einen guten Kompromiss zwischen Baugröße, Flexibilität und Bildqualität stellen daher jene kompakte Zoomkameras mit einem gemäßigten Brennweitenbereich zwischen 24 und 85 mm dar. Diesen Brennweitenbereich sehen viele als optimal an, da er vom Superweitwinkel bis zum gemäßigten Tele für Porträt und Landschaft eine große Flexibilität in der Bildgestaltung bietet und nur auf den extremen Telebereich verzichtet werden muss. In dieser Klasse sind relativ kleine Kameras mit großen Sensoren und ähnlich hoher Bildqualität wie bei den weitwinkligen Festbrennweiten möglich.

Panasonic LUMIX LX100
Panasonic LUMIX LX100
Soviel zum Kompromiss zwischen Bau- und Sensorgröße, Bildqualität und Flexibilität. Alle modernen Kompaktkameras haben darüber hinaus aber noch weit mehr bieten. Viele sind mit Sonderfunktionen ausgestattet, die frühere Grenzen der Fotografie überschreiten und Bilder ermöglichen, wie sie zuvor nur schwer oder mit hohem Aufwand möglich waren. Fast alle verfügen über die Möglichkeit, Aufnahmen mit digitalen Filtern zu optimieren, zu verfremden oder mit kreativen Effekten zu versehen. Sie können zum Teil eindrucksvolle Panoramabilder durch einfaches Schwenken der Kamera bei gedrücktem Auslöser aufnehmen. Sie können in schwierigen Lichtsituationen Bilder mit einem perfekten Dynamikbereich aus unterschiedlich belichteten Einzelaufnahmen zusammensetzen. Einige bieten die Möglichkeit der RAW-Datenspeicherung für erweiterte Möglichkeiten der Nachbearbeitung, die zum Teil sogar noch in der Kamera erfolgen kann.

SIGMA Kompaktkamera dp3 Quattro
SIGMA Kompaktkamera dp3 Quattro
Selbstverständlich ist bei den meisten neuen Kompaktkameramodellen eine Schnittstelle zur kabellosen Bildübertragung zum Smartphone, um die Aufnahmen sofort über soziale Netzwerke teilen zu können. In der Regel kann dies auch zur Fernsteuerung der Kamera durch mobile Geräte genutzt werden. Ein GPS-Empfänger notiert die Geo-Daten des Aufnahmestandpunkts und kann auch die Reiseroute aufzeichnen. Kompaktkameras, die sich mit dem Smartphone oder Tablet verbinden lassen, können sich auch mit den mobilen Geräten synchronisieren, um deren GPS-Funktion zu nutzen. Einige der neuesten Kompaktkameras mit Festbrennweiten oder Zooms sind auch mit Aufstecksuchern oder sogar integrierten elektronischen Suchern ausgestattet, die selbst bei gleißendem Sonnenlicht eine perfekte Bildgestaltung und -kontrolle möglich machen.

Über viele Jahre bildeten die Kompaktkameras das Rückgrat der Fotoindustrie. In ihrer einfachsten Form wurden sie von den in den Smartphones und anderen mobilen Geräten integrierten Kameras abgelöst. In ihren modernen Ausführungen zählen sie allerdings noch immer oder zumindest wieder zu den flexibelsten und kreativsten Aufnahmegeräten überhaupt, die in der Bildqualität keinen Vergleich mit anderen Kameraklassen zu scheuen brauchen.

Faszination Fototechnik 02 / 2015

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