Objektive erhöhen den Aktionsradius eines jeden Hobbyphotographen

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“Rechts ab…”
Karl Eißner

Photographieren ist nicht nur schön, sondern auch äußerst einfach. Moderne Kompakt- und Spiegelreflexkameras bieten mit ihrer Elektronik eine Fülle von Möglichkeiten, die selbst von den engagiertesten Hobbyphotographen nicht voll und ganz für das kreative Spiel ausgenutzt wird. Oft wichtiger als das elektronische Innenleben der Kameras ist das, was sich vorne am Gehäuse "abspielt". Da die besten Kameras nur so scharfe Photos erzielen können, wie ihre optischen Augen es erlauben, ist die Wahl des idealen Objektivs von Bedeutung.

Hobbyphotographen, ob Einsteiger oder Könner, die Wert auf anspruchsvolle, kreativ gestaltete Aufnahmen legen, nutzen das System der Spiegelreflexkameras (SLR) mit Wechselobjektiven. Häufig wird das Kameragehäuse zusammen mit einem Standard-Zoom angeboten, doch erst die "Objektiv-Spezialitäten" eröffnen dem Photographen das breite Feld der kreativen Bildgestaltung. So ist Blitzlicht oftmals störend. Lichtstarke Objektive bieten hier eine Lösung.

Zu überlegen ist, ob statt der universellen Standard-Zooms nicht eines der herkömmlichen 50 mm-Normalobjekive die bessere Wahl ist. Der Bildwinkel von rund 46 Grad entspricht einer "augenrichtigen" Bildwiedergabe. Die Lichtstärken der Objektive liegen bei maximalen Blendenöffnungen etwa bei 1,8 oder gar 1,4, wobei letztere nochmals einen Lichtgewinn von etwa einer halben Blende gegenüber den 1,8er-Objektiven sichert. Damit lassen sich fast alle üblichen Bereiche der Photographie abdecken. Wird dabei noch ein schneller, höherempfindlicher Film mit 400 ISO oder mehr in die Kamera gelegt, kann der Hunger nach seltenen Action-Aufnahmen gestillt werden. So lassen sich selbst bei Dämmerung und in schwach beleuchteten Hallen noch kurze Verschlußzeiten erzielen, die den Sonnenuntergang oder schnelle Bewegungen einfrieren.

Spezialisten anderer Art sind die Makro-Objektive. Sie sind ideal für Photographen, die Kleines ganz groß ins Bild bringen wollen. Im Unterschied zu normalen Objektiven ist bei den Mitgliedern der Makro-Familie die Naheinstellung weit vorgezogen. Das hat zur Folge, daß Abbildungsmaßstäbe bis 1:1 erreicht werden, was bedeutet, daß kleine Tiere oder Gegenstände in ihrer Originalgröße photographiert werden können. Die im Nahbereich auftretenden Bildfehler sind häufig durch Linsengruppen korrigiert, die sich nur beim Scharfstellen im Nahbereich im Objektiv verschieben und so für genügend Randschärfe sorgen. Wer noch tiefer in die kleine Welt vordringen möchte, kann seinem Objektiv eine Brille in Form einer Vorsatzlinse verpassen. Sie sind verhältnismäßig preiswert und in verschiedenen Stärken lieferbar. Eine gute Lösung für normale Objektive, wenn nur gelegentlich ein Ausflug in die Makro-Welt ansteht. Eine zweite preiswerte Möglichkeit, den Abbildungsmaßstab eines Objektivs zu vergrößern, besteht in der Verwendung von Zwischenringen, die zwischen Kameragehäuse und Objektiv geschraubt werden. Ein Set von unterschiedlich langen und miteinander kombinierbaren Zwischenringen erlaubt sogar die Anpassung des Abbildungsmaßstabes an die Motivgröße.

Weitwinkelobjektive mit Brennweiten zwischen 18 und 24 mm eröffnen dem Photographen faszinierende Sichtweisen. Das Bildfeld geht weit über den Augenhorizont hinaus. Im Unterschied zu Fisheye-Objektiven werden die Motive jedoch in Zentralperspektive abgebildet. Unvorsichtig eingesetzt, sind verzogene Ränder und Linien die Folge. Extrem kurze Brennweiten ermöglichen jedoch ungewöhnliche Perspektiven, verwandeln Single-Appartements in großzügige Räume oder zeigen Landschaften mit himmelweiten Horizonten. Sie sind ideal für die Reportagephotographie auf engstem Raum geeignet, da sie den Vordergrund betonen und störendes Umfeld in den Hintergrund rücken. Natürlich haben extreme Weitwinkelobjektive ihren Preis. Sinnvoll für Photographen, die gern im Weitwinkelbereich arbeiten, sind auch Standard-Zooms mit erweitertem Weitwinkelbereich. So bieten Hersteller etwa Standardzooms von 24 - 70 mm an.

Eine besonders günstige Alternative zum extremen Weitwinkelobjektiv ist der Fisheye-Vorsatz. Das ist eine stark weitwinklige Vorsatzlinse, deren Bildwirkung von der Brennweite des verwendeten Objektivs abhängt. Wer mit dem Kauf eines solchen Fisheye-Vorsatzes liebäugelt, sollte seine Wirkung mit der eigenen Kamera und Objektiven beim Photofachhändler ausprobieren.

Eine populäre Art, den Einsatzbereich der Kamera zu vergrößern, ist der Erwerb eines mittellangen Telezooms mit etwa 70 - 210 mm Brennweite. Auch hier gilt, je höher die Lichtstärken um so höher auch der Preis. Teleobjektive mit Festbrennweiten sind meist Spezialitäten für Profis. Ein einfaches Tele-Zoom läßt sich mit einem preiswerten Tele-Konverter zum "Fernrohr" tunen. Der Konverter verlängert die Objektiv-Brennweite in der Regel um den Faktor 1,4x bis 2,0x. Er schluckt aber andererseits auch Licht, was in Verbindung mit einem lichtschwachen Objektiv die Funktion des Autofokus beeinträchtigen kann. Deshalb zum Kauf unbedingt Kamera und Objektive mitnehmen. Teleobjektive bieten vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Sie sind "Raumraffer", die den Bildausschnitt auf das Wesentliche verengen. Wo nötig, ermöglichen sie Aufnahmen aus diskreter Distanz und schaffen atmosphärische Dichte. In der Praxis sollte auf ausreichend kurze Verschlußzeiten geachtet werden, da es leicht zu Verwacklungsunschärfen kommt oder es ist ein Stativ zu verwenden. Im Zweifelsfall sollte sich jeder beim Kauf Qualität leisten, auch wenn sich dann die Anschaffung ein wenig verzögert.
 

Faszination Fototechnik 01 / 2004

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