Objektivschule - FishEye-Objektive

© Fotograf: Riccardo Unger, Mal von einer anderen Perspektive, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Riccardo Unger, Mal von einer anderen Perspektive, Blende-Fotowettbewerb
Die Stärke von kompakten System- und Spiegelreflexkameras spielt man nur dann aus, wenn man für sich die Option des Objektivwechselns nutzt. Gerade bei erstgenannten Kameramodellen steigt das Objektivsortiment, sowohl der Kamera- als auch der reinen Objektivhersteller. Unabhängig auf welches System man bei Kameras für Wechseloptik setzt, die FishEye-Objektive erweitern das fotografische kreative Spiel mit einzigartigen Seherlebnissen auch jenseits der Realität. FishEye-Objektive werden mit ihren Eigenschaften gern als Spezialobjektive geführt, da sie im Gegensatz zu Normal- und Teleobjektiven in der Regel nicht als Standardobjektiv ihren Einsatz finden.

Einzigartigkeit der FishEye-Objektive

Einen Rundumblick kann ein Fotograf mit einem FishEye-Objektiv erhalten. Manche dieser Spezialobjektive bilden nahezu 180 Grad Bildwinkel ab. Damit sind Aufnahmen mit verblüffenden Effekten möglich. Einige Fotografen greifen selbst bei Personenaufnahmen zum FishEye-Objektiv, deren Gesicht dann verzerrt abgebildet wird.

© Fotograf: Patrick Bartsch, Calm After The Storm, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Patrick Bartsch, Calm After The Storm, Blende-Fotowettbewerb
Je nach Ausführung bringen FishEye-Objektive mehr aufs Foto, als der Mensch auf einmal sieht. Der Mensch kann ein Gesichtsfeld von bis zu 170 Grad erfassen, während manche Weitwinkelobjektive – und um nichts anderes handelt es sich bei FishEye-Objektiven – auf bis zu 220 Grad kommen. Während allerdings beim Menschen das Gehirn korrigierend eingreift, stellen FishEye-Objektive die durch die Bauart bedingten Verzerrungen des Bildes gnadenlos dar. Selbst gnomonisch, also verzeichnungsfrei, aufgebaute Objektive verzerren an den Ecken, aber darin liegt auch der Reiz. Wer bei der Gruppenaufnahme mit einem FishEye-Objektiv am Rand steht, hat allerdings Pech – er sieht wie plattgewalzt aus. Der gleiche Effekt tritt auch bei Superweitwinkelobjektiven auf.

Ein FishEye-Objektiv bietet ungeahnte Ansichten und viele Einsatzmöglichkeiten. Man kann damit natürlich auch Menschen fotografieren. Die sollten jedoch im Bildmittelpunkt stehen – dort ist die Verzeichnung am geringsten. Die Abbildungseigenschaften von FishEye-Objektiven bieten sich geradezu dafür an, um das Hauptmotiv in der Mitte deutlich vom Rest des Bildes abzuheben.

Übersichtsaufnahmen von Landschaften, wenn also möglichst viel aufs Bild soll, sind der klassische Einsatzbereich von FishEye-Objektiven. Vor allem, wenn der Fotograf den Abstand zum Objekt nicht vergrößern kann, bleibt ihm nur die Möglichkeit, die Brennweite zu verringern.

© Fotograf: Werner Kasparides, Marvin, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Werner Kasparides, Marvin, Blende-Fotowettbewerb
Die extrem kurze Brennweite eines FishEyes hat gegenüber Objektiven mit längeren Brennweiten einen enormen Vorteil: Die Verwacklungsgefahr sinkt. Zwar wackelt der Fotograf nicht weniger, bei der großen Bilddiagonale fällt das aber viel weniger auf als beispielsweise beim Fotografieren mit einer Normalbrennweite. Außerdem verringert sich der Abstand zum fotografierten Objekt meist erheblich. Viele Aufnahmen gewinnen so zusätzlich an Dynamik, der Betrachter ist der Szenerie viel näher als beispielsweise bei Fotos, die mit einem Teleobjektiv aufgenommen wurden. Der geringe Arbeitsabstand birgt allerdings auch Gefahren: FishEye-Objektive haben meist keine schützende Gegenlichtblende, weil diese zu große Abschattungen produzieren würde. Wenn dann vorne etwas ans Objektiv stößt, trifft es meist die vordere, nach außen gewölbte Linse. Etwas Vorsicht ist also angebracht, insbesondere bei sich bewegenden Objekten. Auch Gegenlicht macht sich bei Aufnahmen, die mit FishEye-Objektiven angefertigt werden, viel stärker bemerkbar. Denn zur fehlenden Gegenlichtblende kommt noch der große Bildkreis. In jedem Fall ist es bei Gegenlichtaufnahmen und unter schwierigen Bedingungen ratsam, mehrere Aufnahmen mit unterschiedlicher Belichtung zu machen. Auch die Belichtungsmessung einer Kamera kann sich vom großen Bildkreis täuschen lassen, der Fotograf muss die Belichtung gegebenenfalls manuell etwas anpassen.

FishEye-Vorsatzlinsen – Sind sie eine Alternative?

FishEye-Objektive sind nicht ganz preiswert, weswegen gerade Einsteiger gern zu FishEye-Vorsatzlinsen greifen. Eine wirkliche Alternative stellen diese Vorsatzlinsen nicht dar. Zum Kennenlernen des Effekts sind sie sicherlich brauchbar – man muss sich aber darüber bewusst sein, dass die Bildqualität nicht mit der von FishEye-Objektiven Schritt halten kann. Manche sprechen übrigens von indiskutabler Bildqualität aufgrund des schlechten Streulichtverhaltens solcher FishEye-Vorsatzlinsen. In Foren wird sogar von dem Kauf abgeraten.

Objektivwechsel – Vorsicht

Wird das Objektiv an einer kompakten System- beziehungsweise Spiegelreflexkamera gewechselt, so neigt man aus Gewohnheit dazu, es auf dem Vorderglas senkrecht abzustellen. Dies sollte man tunlichst bei FishEye-Objektiven unterlassen. Die vordere Linse ist nach außen gewölbt und kann dabei zerkratzen.

Faszination Fototechnik 04 / 2016

1 Kommentare

Text und Bilder haben meine Neugierde geweckt. Danke ihr schließt bei mir so manche fotografische Bildungslücke

Jan-Niclas

von Jan-Niclas
26. April 2016, 08:51:29 Uhr

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden