Serienbildfotografie - Das neue Gesetz der Serie

Serie Mallorca gespiegelt Bildgalerie betrachten

Serienbildaufnahmen sind eine beliebte Vorgehensweise, um mit Sicherheit den entscheidenden Augenblick zu erwischen. Als Folge der immer schnelleren Bildfolgen und der Digitaltechnik, mit der sich Fotos mit unterschiedlichen Belichtungen zu einem neuen, optimalen Bild verschmelzen lassen, sind Reihenaufnahmen aber auch zu einem nützlichen Werkzeug für bessere Fotos geworden.

In der Sportfotografie waren Serienbildaufnahmen das gängigste Mittel, um sicher zu stellen, den entscheidenden Augenblick nicht zu verpassen. Mit den erweiterten Möglichkeiten der Digitalfotografie haben sie jedoch nochmals an Bedeutung gewonnen. Heute ist das Bracketing, wie die Belichtung eines Motivs mit unterschiedlichen Einstellungen auch genannt wird, für bestimmte Effekte und Bildoptimierungen unverzichtbar.

Die Beliebtheit von Serienbildern erhöhte sich sprunghaft mit immer erschwinglicher werdendem digitalem Speicherplatz. Nicht mehr benötigte oder misslungene Aufnahmen lassen sich einfach wieder löschen und der somit frei gewordene Speicherplatz erneut nutzen. Niemand muss sich mehr fragen, ob er sich sicherheitshalber noch eine Aufnahme mehr leisten kann oder nicht. Damit ist die Bahn frei für nahezu grenzenloses „Bracketing“.

Der Fragenkatalog: „Wie belichte ich mein Motiv optimal?“ „Welches ist die optimale Blende?“ „Welches die perfekte Verschlusszeit“. “Welcher Filter eignet sich für eine vorgefundene Situation am besten?“ „Wo liegt der optimale Kompromiss zwischen Empfindlichkeitseinstellung (ISO), Blende und Verschlusszeit?“ Das alles kann mit Bracketing ganz einfach auch für ungeübte Fotografen experimentell in Erfahrung gebracht werden. Aber die Serienbildfotografie hält noch weitere innovativere Aufnahmetechniken parat. War es zunächst das Experimentieren mit unterschiedlichen Belichtungseinstellungen, aus denen dann dass am besten erscheinende Ergebnis ausgesucht wurde, so geht die Digitalfotografie einen deutlichen Schritt weiter: Sie nutzt die in kurzer Folge gemachten Einzelaufnahmen, um die besten Details der unterschiedlichen Aufnahmen zu einem neuen, qualitativ perfekten Bild zusammenzusetzen.

Den Anfang machte die HDR-Technik, mit der sich die Dynamik, also der Belichtungsspielraum, mit dem der Kontrast einer Szene im Foto interpretiert ist, erweitern lässt. So wurden Fotos mit riesigem Kontrastumfang, bei denen in den hellsten Bildpartien ebenso wie in den dunkelsten noch Details zu erkennen sind, möglich. Gleichzeitig wurde es kinderleicht, mehrere Einzelaufnahmen zu Panoramen zusammenzufügen. In der fortschrittlichsten Form geht das sogar ohne Stativ. Das Schwenken der Kamera aus der Hand entlang des Panoramamotivs genügt. Den Rest besorgt die Kamera – eine Technik die bereits zum Standard vieler Kameras gehört.

Effekte von Mehrfachbelichtungen und das Übereinanderlegen verschiedener Einzelbilder lassen sich schon in der Kamera erzeugen und beurteilen. Einige Kameras erlauben dazu eine beliebige Anzahl von Aufnahmen, bei denen der Fotograf den Effekt direkt auf dem Display beurteilen kann. Bei manchen Kameramodellen ist es sogar möglich, die letzte Aufnahme separat zu speichern und so oft durch ein neues Überlagerungsbild zu ersetzen, bis die beabsichtigte Wirkung erreicht it. Diese Funktion lässt sich beispielsweise auch bei eindrucksvollen Nachtaufnahmen oder für effektvolle Bilder von einem Feuerwerk nutzen.

Eine Sonderform der Mehrfachbelichtungen ermöglicht die Composite Technologie, bei der in definierten Intervallen bei der gleichen Aufnahme nur jene Bildpartien belichtet werden die dunkler sind als die bereits belichteten. Eine ausgezeichnete Möglichkeit, einfach kreative Light-Paintings zu erhalten.

Noch komplexer aber wird es, wenn eine oder mehrere Aufnahmen gemacht werden, aus denen die Kamera dann einmal die Schärfeninformationen und aus der anderen das Farbsignal bezieht und diese dann mit intelligenten Algorithmen zu einem gestochen scharfen, farbgetreuen neuen Foto zusammensetzt.

Eine Technik, die optische Grenzen überwindet ist das Focus Stacking, eine erweiterte Funktion des Focus Bracketing. Die Technik nutzt die aus Einzelbildern mit unterschiedlicher Entfernungseinstellung gewonnenen Schärfeinformationen, um damit ein neues Foto mit definierter bzw. unbegrenzter Schärfentiefe zu erstellen.

Auch Aufnahmen mit wechselnden Filtereinstellungen lassen sich in der Serienbildfunktion mit einer einzigen Auslösung realisieren. Dabei erhält der Fotograf zumeist als Ergebnis die ungefilterte Originalaufnahme sowie die gewählte Anzahl gefilterter Fotos, aus denen er die gelungenste Aufnahme auswählen kann – eine Vorgehensweise, um schnell die Wirkungen der in einer Kamera zur Verfügung stehenden Filtereffekte kennenzulernen.

Immer häufiger nutzen Kameras auch die Videofunktion mit ihren zum Teil extrem schnellen Bildfolgen, um garantiert mit einer Bildserie, den optimalen Augenblick einzufangen. Besonders beliebt sind die 4k, 6K oder 8K Fotofunktionen, die nicht nur dafür sorgen, dass auch der flüchtigste Augenblick mit Sicherheit eingefroren wird, sondern durch die gleiche Technik auch eine völlig neue Stilform der animierten Fotos, die sogenannten Cinemagraphs, entstehen lassen. Das sind kurze Videoclips mit überraschenden Effekten aus einer Mixtur von Steh und Bewegtbildern.

Faszination Fototechnik 05 / 2017

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden