Spiegelreflexstandard

Lichteinfall auf einen Film Bildgalerie betrachten

“Lichteinfall auf einen Film”

Die Einführung des offenen FourThirds Standards kommt einer Revolution in der digitalen Photographie gleich, denn er basiert nicht auf den Spezifikationen für Optiken, die bei 35-mm-Spiegelreflexkameras zum Einsatz kommen, sondern berücksichtigt die spezifischen optischen Anforderungen digitaler SLR-Kameras.

Das FourThirds System nutzt einen 4/3 Typ Bildsensor, dessen Baugröße es ermöglicht, maßgeschneiderte Wechselobjektive herzustellen, die kleiner, leichter und lichtstärker sind als jene, die bei analogen Systemen zum Einsatz kommen. Darüber hinaus läßt sich mit ihnen auch das Leistungspotential des Bildsensors voll nutzen und somit die Bildqualität insgesamt deutlich steigern.

Mit der Einführung eines offenen Standards für den Objektivanschluß lassen sich zudem erstmals die Anschlüsse für Digitalkameraobjektive standardisieren, was bei digitalen Spiegelreflexkameras, die Objektivsysteme von 35-mm-Kameras nutzen, bislang nicht möglich ist.

Vor der Entwicklung des neuen Standards basierten die digitalen Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiven im wesentlichen auf Systemen, die für 35-mm-Kameras entwickelt wurden. Sie mußten daher mit Bildsensoren ausgestattet werden, deren Größe den Aufnahmeflächen von 35-mm- und APS-Kameras entsprachen. Diese großen Sensoren haben jedoch gänzlich andere Aufzeichnungscharakteristika als analoge Filmmaterialien und können deshalb ihre volle Leistungskraft aus mehreren Gründen nicht entfalten.

So führt zum Beispiel Licht, das in einem hohen Einfallswinkel auf die Filmoberfläche trifft, zu keinen Qualitätsverlusten. Bei einem Sensor besteht jedoch eine Abhängigkeit der Lichtempfindlichkeit vom Einfallswinkel, was speziell bei Weitwinkelobjektiven zu Randabschattungen führen kann, aber auch andere Eigenschaften wie Farbtreue etc. beeinflussen mag.

Darüber hinaus waren - um die nur wenige Mikrometer auseinander liegenden Photodioden eines Bildsensors zu treffen - Linsenauflösungen notwendig, für die die Objektive von klassischen Filmkameras nicht gerechnet und konzipiert sind.

Ferner haben die Hersteller ihre digitalen Spiegelreflexkameras mit Objektivanschlüssen ausgestattet, die sie auch in ihren eigenen 35-mm-Kameras zum Einsatz bringen. Aus diesem Grunde waren Objektive und Kameragehäuse verschiedener Hersteller bislang zueinander inkompatibel.

Der größte Vorteil der auf Basis des FourThirds Systems entwickelten Kameras ist, daß die lichtstarken Hochleistungsobjektive wesentlich kleiner sind als jene, die mit Bildsensoren mit der Größe von 35-mm- oder APS-Film zum Einsatz kommen. Am deutlichsten wird dies im Telebereich: Mit dem 300-mm-Objektiv einer FourThirds System Kamera lassen sich die gleichen Ergebnisse erzielen, die ein 600-mm-Tele mit einer 35-mm-SLR produziert. Für den gleichen Bildwinkel und die gleiche Lichtstärke sind nur noch halb so lange Brennweiten erforderlich. Dabei sind diese kompakten Lösungen, die zudem leichter zu bedienen sind, denen analoger Systeme auch in Bezug auf Lichtstärke und sonstiger Leistungen ebenbürtig oder gar überlegen.

Der FourThirds System Standard bietet eine Vielzahl an Vorteilen. Der größte und verbraucherfreundlichste jedoch ist: Die entsprechend konzipierten Kameragehäuse und Objektive sind untereinander kompatibel, so daß Komponenten verschiedener Hersteller miteinander kombiniert werden können.

Was bedeutet "FourThirds"?
Der Begriff "FourThirds" bezieht sich auf die Größe des Bildsensors. Der Bildsensor von FourThirds Kameras wird allgemein als 4/3 Typ oder 4/3 Typ Sensor bezeichnet. Diese Begrifflichkeit stammt aus einer Zeit, als in der Videotechnik die Bildsensoren noch in Glasröhren (Vidicon) montiert wurden, deren Außendurchmesser als Bestimmungsgröße diente. Nach der Einführung digitaler Sensoren (CCD und CMOS) wurde diese Namenskonvention beibehalten und führte zu Bezeichnungen wie 1/1.8, 1/3, 2/3 oder 4/3 Typ Sensor zur Spezifizierung von digitalen Kameras. Sie beschreiben also den Sensortyp und nicht die tatsächliche Größe des lichtempfindlichen Bereichs, der meistens deutlich kleiner ist.

Weitere Informationen: http://www.four-thirds.org
 

Faszination Fototechnik 04 / 2004

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