Cewe MyTravel und Fripito: Reiseführer für Fotografen

Cewe MyTravel Bildgalerie betrachten Mit der Android-App Cewe MyTravel können Fotofreunde unterwegs schnell neue Foto-Sehenswürdigkeiten mit anderen Fotobegeisterten teilen.

Wer jetzt seine nächste Ferienreise plant, wählt das Ziel vielleicht auch wegen der verlockenden Fotogelegenheiten aus. Spezielle Apps helfen bei der Suche. Print-Dienstleister Cewe hat sein App-Ökosystem um die kostenlose Community-Plattform MyTravel erweitert. Hingegen eine auf Fotografen spezialisierte, kostenpflichtige Reiseführer-Sammlung ist Fripito. Wir haben beide Angebote ausprobiert.

Cewe MyTravel lebt von der Gemeinschaft

Für eine Suchhilfe ist die Android-App Cewe MyTravel selbst recht gut versteckt. Weil sie sich noch im Beta-Status befindet, finden Anwender sie nur per Direktlink als Gratis-Download im Google Play Store. Als Vorabversion kann sie noch Fehler enthalten – wir haben in unserem Praxistest allerdings keine ausfindig gemacht.

Bei MyTravel kann jeder seine eigenen Fotos von sogenannten Points of Interest (POI), also fotogenen Sehenswürdigkeiten, hochladen. Alternativ lassen sich Nutzer einfach nur von den Einträgen anderer inspirieren. Keine Redaktion selektiert die POI. Dadurch finden auch Fotogelegenheiten abseits des Mainstreams ihren Weg in die MyTravel-Datenbank.

So inspiriert Cewe MyTravel

Nach interessanten Fotogelegenheiten fahnden Anwender entweder gezielt über ein Suchfeld oder indem sie durch eine Liste mit Städten und Regionen scrollen. Ein Tipp auf den Ortsnamen führt zu einer POI-Übersicht, die wahlweise als Listen- oder Kartenansicht betrachtet wird.

Zusatzdaten zum POI liefert das Info-Symbol oben rechts. Sie stammen sowohl aus Wikipedia-Einträgen als auch von Nutzern. Leider sind zum Testzeitpunkt vielfach keine vollständigen Angaben zu den Aufnahmeparametern in den Exif-Daten der Fotodatei zu finden. Zu diesen Metadaten gelangen Nutzer per Tipp auf das Info-Symbol.

Wie es sich für eine Web-Community gehört, können Betrachter die Bilder kommentieren und liken. Zuvor müssen sie sich ein Nutzerkonto bei Cewe zulegen.

Bislang ist die Datenbank eine nationale Angelegenheit und listet von Bremen bis Schwerin nur deutsche Orte. Natürlich spricht nichts dagegen, selbst auch internationale Reiseziele hinzuzufügen.

Fotoeinträge bei Cewe MyTravel erstellen

Einen neuen POI fügen Nutzer über das rote Ortsmarken-Symbol im Hauptfenster hinzu. Als nächstes benennen und beschreiben sie den POI. Vorgaben macht MyTravel dazu nicht. Über den roten Knopf wählen Anwender ein Foto aus der Smartphone-Galerie oder von Google Fotos aus.

In einem weiteren Fenster lokalisieren Nutzer den Standort auf einer Karte und ergänzen auf Wunsch bis zu zehn weitere Fotos. Außerdem ordnen sie den POI einer Kategorie zu. Die Auswahl deckt von A wie Architektur bis W wie Wald alle gängigen Motivgenres ab.

Abschließend gilt es noch zu bestätigen, dass der Fotobeitrag keine Urheber- und Persönlichkeitsrechte verletzt. Fertig! Wer es sich anders überlegt, bearbeitet oder löscht seine Einträge jederzeit.

Fripito: Foto-Reiseführer ab 3 Euro

Anders als MyTravel liegt Fripito bereits in der zweiten finalen Version vor, und zwar sowohl für iOS als auch Android. Statt einer Amateur-Community bereitet eine Redaktion einen ganzen Katalog an Reiseführern für Städte und Regionen auf.

Der Download selbst ist kostenlos, die Inhalte werden dann per In-App-Kauf freigeschaltet. Beim ersten App-Start erstellt der Nutzer ein Konto und entscheidet sich zwischen mehreren Zahlungsoptionen. Ein Monat Vollzugriff kostet knapp 10 Euro. Für 24 Euro kann der Premiumzugang gleich drei Monate genutzt werden. Wer nur ein bestimmtes Reiseziel im Auge hat, kauft und erhält dieses für einmalig 3 Euro.

Internationale Destinationen, deutsche Übersetzung

Fripito ist derzeit quasi das Gegenstück zu Cewe MyTravel. Auf der Weltkarte stehen ausschließlich internationale Destinationen zur Auswahl. In Europa sind etwa Führungen in Paris, London, Rotterdam verfügbar. Deutsche Orte listet Fripito noch gar nicht.

Die Inhalte sind überwiegend englischsprachig. Vereinzelt finden sich jedoch mehrsprachige Autoren, die ihre Touren auch auf deutsch veröffentlicht haben. Die deutsche Übersetzung der Reiseführer ist trotz kleinerer Flüchtigkeitsfehler sehr verständlich zu lesen. Gewöhnungsbedürftig ist hingegen die schlechte Lokalisierung für die Übersetzung der App-Menüs ins Deutsche.

Fripito bietet sehr detaillierte Hilfestellungen

Die einzelnen Reiseführer stellen bis zu 50 fotogene Sehenswürdigkeiten vor. Über eine Karten-Ansicht lotst die App die Reisenden dorthin. Dabei überzeugt Fripito mit hochwertigen Bildern und sehr guten Hilfestellungen, wie die einzelnen Motive am besten aufgenommen werden können. So lässt sich auf den ersten Blick erkennen, mit welchem Objektiv, welcher Kamera und in welchem Betriebsmodus das Gerät bei der Aufnahme verwendet wurde.

Weitere Informationen über Brennweite, Verschlusszeit, Blendenwert und Belichtungskorrektur sind ebenfalls verfügbar. Jedes Foto ist zudem mit Datum und Uhrzeit versehen, sodass der Leser Rückschlüsse auf den Sonnenstand schließen kann, der ihn während seine Reise erwarten dürfte.

Selbst ist der Reiseführer: Als Foto-Autor bei Fripito bewerben

Wer als Fotograf selbst zum Autor werden und einen Guide für Fripito verfassen möchte, kontaktiert das Team direkt über die App unter „Profil“ / „Ich will Autor sein“. Überzeugen Bewerber mit Arbeitsproben, schickt ihnen Fripito alle nötigen Anweisungen und Templates zur Erstellung des Guides zu. Nach der Freischaltung erscheint der Guide in der Fripito-App. Der Autor erhält von jedem Kauf seiner Tour einen prozentualen Anteil der Einnahmen. Die Höhe ist vermutlich Verhandlungssache. Auf der eigenen Webseite nennt Fripito keine Details dazu.

Fazit

Cewe MyTravel und Fripito sind empfehlenswerte „Navi-Apps“ für Fotografen, die nicht zu viel Zeit mit dem Entdecken von sehenswerten Spots aufwenden möchten. Die Ansätze sind unterschiedlich.

Mit MyTravel hat Cewe eine Community für Fotofreunde geschaffen, die sich gegenseitig inspirieren möchten. Die App ist übersichtlich gestaltet und erfüllt grundsätzlich ihren Zweck. Wünschenswert wäre, dass Cewe die Nutzer noch mehr motiviert, Tipps zu den Aufnahmevorbereitungen und -einstellungen mitzuteilen.

In den mangelnden Zusatzinfos bei MyTravel wird spürbar, wie hilfreich im Vergleich dazu ein redaktionell aufbereitetes Angebot wie Fripito sein kann. Ab 3 Euro pro Städtereiseführer erhalten die Fripito-Leser sehr gute Reiseinfos und Anweisungen für gelungene Fotos an die Hand. Leider ist die App nicht perfekt lokalisiert und deutsche Reiseführer sind noch rar.

Im Gegensatz zu Fripito ist MyTravel vollständig kostenlos nutzbar. Mit der Registrierung bei MyTravel erhalten Nutzer gleichzeitig automatisch Zugang zum Web- und App-Ökosystem von Cewe. Es liegt nahe, dass der Print-Dienstleister die MyTravel-Nutzer auf diese Weise für kostenpflichtige Abzüge und Fotoprodukte aus seinem Sortiment begeistern möchte, was wir als legitim erachten.

Fototour 12 / 2016

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