Fototour Greifvogelstation - Auf Entdeckertour zum Bubo Bubo

Wer hat nicht schon mal in den Himmel geschaut und fasziniert Greifvögel beobachtet, wie sie majestätisch ihre Kreise ziehen, oder nachts den Eulen beim Heulen gelauscht. In freier Natur wird Fotografen jedoch viel Geduld und Können abverlangt, um die Vögel auf die Speicherkarte zu bannen. Wir sind zur Deutschen Greifenwarte auf Burg Guttenberg am Neckar (nahe Heidelberg und Heilbronn) gefahren. Hier können auch Fotoeinsteiger die interessanten Tiere bequem vor die Linse bekommen und erleben in einer der Flugvorführungen (von März bis November 1-2 Mal pro Tag) sogar ihr Jagdverhalten. Nebenbei tut man mit seinem Eintritt von 11 Euro noch etwas Gutes, denn die Greifenwarte unterhält auch eine Pflege- und Auswilderungsstation für in Not geratene Greifvögel und Eulen.

Fototour Greifvogelstation
Wir kommen gegen Mittag an und haben dadurch die erste Flugvorführung gerade verpasst. Das macht aber gar nichts, denn die Vögel sind in ihren Volieren und Gehegen auch vor und nachher zu besichtigen und natürlich zu fotografieren. Ein schöner Rundgang führt durch mehrere Stockwerke quer durch die Greifenwarte. Wir beginnen nahe des Eingangs beim Karakara – einem hübschen Gesellen mit buntem Schnabel, der normalerweise in Südamerika zu Hause ist.

Fototricks für die Volieren

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Dann geht es um die Ecke zu den Geiern. Die sitzen praktischerweise einzig an den Füßen angebunden im Freien majestätisch vor ihren Unterständen, so dass man sie sogar mit dem Smartphone problemlos ablichten kann. Allerdings darf man trotzdem nicht zu nahe herangehen, denn Geier können wohl schon mal unfreundlich werden. Und mit einem scharfen Greifvogelschnabel, der dafür gemacht ist, Knochen abzunagen, möchte man keine Bekanntschaft machen.

Wir zücken daher für Kopf-Porträts die mitgebrachte Systemkamera mit Teleobjektiv. Mit ab 100 mm Brennweite – also durchaus auch einer Kompaktkamera – kann man formatfüllende Aufnahmen machen. Damit die Vögel im Mittelpunkt stehen und der Hintergrund schön verschwimmt, aktivieren wir den A-Modus zur Blendenvorwahl und stellen die kleinstmögliche Blende ein. Bei Kompaktkameras kann ein Porträtmodus ähnliche Effekte erzielen. Wer mit einem Smartphone fotografiert der hat nicht die Option, mit der Schärfe zu spielen.

Ein Stückchen weiter kommen Freunde von Harry Potter voll auf ihre Kosten und können glatt glauben, Hedwig sei wieder auferstanden. Dort schaut uns nämlich eine Eule mit ihren weisen Augen an. Genau auf die sollte man übrigens auch scharfstellen – notfalls manuell – denn wir Menschen schauen und fokussieren immer als Erstes auf die Augen.

Um die Eulen ohne die Gitter der Volieren auf den Speicherchip zu bannen, greifen wir zu einem Trick: Bei einer langen Brennweite und nahem Herangehen ans Gitter verschwinden diese fast vollständig. Wer genau hinschaut, entdeckt später allenfalls noch Schemen oder Reflexionen der Gitterstäbe. Meist kann man diese durch eine leichte Positionsänderung aber verhindern. Praktischerweise funktioniert das sogar bei den recht engmaschigen Drähten der Eulen. Wer mit einem Smartphone fotografiert, hat eher das Nachsehen und kann allenfalls versuchen, das kleine Objektiv in die Gitterlücken zu platzieren.

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Mit einem lichtstarken Teleobjektiv ist man jedenfalls klar im Vorteil, denn manche der scheuen Tiere sitzen in dunklen Ecken und man muss sie regelrecht in der Voliere suchen (siehe dazu auch unsere Abbildung). Auch belichtungstechnisch müssen wir ein bisschen herumprobieren und retten die Details nachher in der Bildbearbeitungssoftware.

Wir wundern uns über die unterschiedlichen Größen der verschiedenen Tiere und lernen später in der Flugshow, dass im Reich der Eulen die männlichen Tiere die kleineren sind und die weiblichen die größeren.

Spannende Flugshow mit Futterjagd

Nach dem interessanten Rundgang startet die Flugshow. Leider hat es mittlerweile zu regnen angefangen und wir haben schon die Sorge, dass sie ausfällt. Das müssen wir aber nicht fürchten – das Gefieder ist wasserabweisend und wir mit unserem technischen Equipment erweisen uns als weniger resistent gegen die Elemente als die Vögel. Glücklich, wer daran gedacht hat, einen Schirm oder einen Regenponcho mitzunehmen oder gar eine wasserdichte Kamera. Für alle anderen werden dünne Plastiküberwürfe preisgünstig am Eingang verkauft. Wir jedenfalls sind froh darüber, denn den mitgebrachten Regenschirm klappen wir bald zu, da sich das Fotografieren darunter als schwieriger erweist als von unter dem Regenponcho. Der ist so weit geschnitten, dass sich die Kamera locker darunter positionieren lässt und geschützt ist. Selbst der Kamerarucksack hat noch gut Platz. Einzig als der Regen dichter wird, helfen auch kurze Belichtungszeiten kaum noch, um knackig scharfe Bilder zu bekommen. Immerhin erlauben sie bei nachlassendem Regen Glücksschüsse mit spritzenden Tropfen, die vom Gefieder abperlen (Tipp: Kurze Belichtungszeiten wählen!).

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Zum Glück kommen die Vögel sehr nah und man benötigt kein Teleobjektiv, um sie auf die Speicherkarte zu bannen. Im Vorteil ist, wer eine Kamera mit schneller Serienbildfunktion hat. Die sollte man unbedingt einstellen. Glücklich auch, wer eine moderne Kamera mit 4K-Videoauflösung hat, so dass er Standbilder in guter Qualität aus einem Film ziehen kann. Dennoch muss man sehr reaktionsschnell sein und ein schneller Autofokus wie ihn höherwertige moderne Kameras mitbringen hilft sehr, um mehr als eine Flügelspitze scharf aufs Bild zu bekommen. Mit dem Smartphone hat man jedenfalls das Nachsehen, das kann man getrost in der Tasche lassen.

Wir erfahren während der Show viel Interessantes über die Vögel. So etwa, dass sie im Durchschnitt nur 10 bis 30 Minuten am Tag in der Luft verbringen. Aus Spaß fliegen sie schon deshalb nicht, weil sie sich die Energie dafür wieder mühsam in Form von Beute erjagen müssen. Auch lernen wir, dass man die Tiere schon seit hunderten von Jahren zum Jagen abrichtet. Der Falkner der Greifenwarte setzt sie auch heute noch aktiv dazu ein.

Früher oder später kommt auch die Frage auf, ob die Tiere denn nicht mal wegfliegen. Anders als Löwen in der Manege sind sie ja nicht hinter Gittern, sondern ziehen frei ihre Kreise bei der Vorführung. In der Tat büchst wohl auch der eine oder andere schon mal aus und sitzt dann für einen Tag mal in einem Baum oder dreht sogar einige Wochen seine Runden über freiem Feld. Dressieren lassen sich die Einzelgänger nämlich anders als Rudeltiere nicht wirklich. Allerdings sind sie schlau genug, um zu erkennen, dass sie in der Greifenwarte ein sehr bequemes und nettes Zuhause haben, wo sie für ihre Nahrung sehr viel weniger tun müssen als in freier Natur. So kommen sie meist eher früher als später zurück.

Highlight Falknerstunde

Fototour Greifvogelstation
Nach der allgemeinen Flugvorführung wartet noch ein Highlight auf uns: Eine private Falknerstunde. Das war ein lang gehegter Traum, der nun in Erfüllung geht. Und in der Tat kommt man dabei den Vögeln noch näher als in der Vorführung, denn man darf sie selbst auf die Hand nehmen – natürlich mit schützendem Lederhandschuh. Unser Wüstenbussard stellt sich als erstaunlich leicht heraus und es ist ein erhebendes Gefühl, so einen stolzen Vogel selbst auf der Hand zu haben.

Der einzige Nachteil ist, dass fürs Fotografieren weder Hand noch Hirn frei sind, denn man muss sich auf das Tier und die Fütterung konzentrieren. Zum Starten schiebt man den Vogel mit leichtem Schwung in die Luft. Damit er zurückkommt, bekommt man ein frisches Kükenbein in die Hand. Davon kann der Vogel gar nicht genug bekommen. Zum Glück ist er gut erzogen und weiß, dass er vorher eine Flugrunde drehen muss.

Krönendes Highlight am Ende ist ein Uhu. Der auch Bubo Bubo genannte Eulenvogel weist ein wunderschönes braun-schwarz-gesprenkeltes Federkleid auf und darf von uns auf die Hand genommen werden. Als wir ihn später kurz streicheln dürfen, zeigt sich, dass die Federn seidig weich sind. Am liebsten würden wir den putzigen Kerl mit seinen lustigen Federbüscheln, die wie Ohren aussehen, sofort mit nach Hause nehmen. Leider ist die Haltung von Eulen – und auch Greifvögeln – nicht trivial. Sie erfordert einige Sachkenntnis und eine richtige Unterbringung, so dass man für sie einen Falknerschein machen muss. Wir werden uns also damit begnügen, wiederzukommen und die majestätischen Tiere in der Greifenwarte besuchen. Das hat den Vorteil, dass man sie dabei auch besser fotografieren kann, also wenn man sie auf der Hand hält.

WEITERE INFOS

http://burg-guttenberg.de/de/deutsche-greifenwarte/greifenwarte

ALTERNATIVEN zu unserer vorgestellten Fototour

Flugshows mit Greifvögeln und Eulen bieten, neben der Deutschen Greifenwarte und anderen spezialisierten Vogelstationen, wie der Greifvogelstation Hellenthal, auch zahlreiche Wildparks und vereinzelt Falkner an. So dürfte sich auch in Ihrer Nähe die Möglichkeit finden, ein ähnliches Foto-Highlight zu erleben.

Fototour 07 / 2015

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