Fototour Island - Abseits der Hauptstraßen

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Island sorgte bei der Europameisterschaft für Schlagzeilen und ist so erneut nach dem Vulkanausbruch des Eyjafjallajökull, der den Flugverkehr 2011 lahmlegte, in aller Munde. Wir sind uns sicher, dass jetzt noch mehr Menschen dieses Land entdecken möchten. Island, die Insel aus Feuer und Eis, eine archaische, gewaltige und wilde Landschaft in der noch Trolle und Elfen hausen sollen, ist das Gegenstück zu unserer aufgeräumten, flurbereinigten Kulturlandschaft. Das fasziniert den urbanen Menschen, so dass inzwischen nicht nur in der Hauptsaison die landschaftlichen Highlights von Touristen oft überquellen. Nichts gegen Gulfoss, Geysir und die Blaue Lagune. Sie gehören zu Island wie die Butter aufs Brot. Und wenn man in der Nähe ist, so sollte man sie auch besuchen, denn auch fotografisch sind sie immer wieder lohnenswert, schon weil das abwechslungsreiche Licht und die sich ständig ändernden Wolken jedes Motiv immer wieder in eine andere Stimmung tauchen.

Eine Umrundung Islands auf der Ringstraße – ein Roadtrip bei der man jeden Tag mindestens ein unvergessliches Highlight erlebt, bleibt ein Leben lang in Erinnerung. Und man bringt Bilder mit nach Hause, die jeden Betrachter der Naturschönheiten faszinieren, zumindest die, die vorher noch nicht in Island waren. Unsere nachstehenden Tipps sind für alle Fotobegeisterte, die sich über Pisten und zu Fuß auf die Suche nach den versteckten Schönheiten dieser Insel zu machen.

Was braucht man für seine Fototour? Natürlich zuerst mal wirklich wetterfeste Kleidung und gute Wanderschuhe. Denn das Wetter wechselt sehr häufig und sehr schnell. Selbst im Mai ist noch bis in die Niederungen mit Schneefall zu rechnen. In Höhen über 400 m beginnt die Pflanzendecke zunehmend zu verschwinden und die oft starken Winde transportieren dann feine, oft scharfkantige Ascheteilchen. Deswegen ist ein Fotorucksack mit staubdichten Reißverschlüssen empfehlenswert. Absolut notwendig ist ein festsitzender, wasserfester Überzug. Nicht nur der Rucksack sollte wetterfest sein. Für das isländische Wetter sind spritzwasserfeste und staubdichte Objektive sowie entsprechende Gehäuse fast ein Muss, will man die dramatischen Stimmungen bei tobenden Naturgewalten auch festhalten.

Bei der Objektivauswahl sollte man sich nicht nur auf ein sogenanntes Reisezoom verlassen und seine guten Objektive zuhause lassen. Wozu hat man sie denn? Wer die Weite der isländischen Landschaften einfangen will, für den ist ein Ultraweitwinkel unverzichtbar, 16 mm auf Kleinbild bezogen sollten es schon sein. Mit einem lichtstarken Normalobjektiv oder idealerweise Makroobjektiv kann man z.B. auf Streifzügen durch die einsamen kleinen Fischerdörfer der Nordfjorde, die überall verstreuten Kunstwerke und bunten Wandmalereien an den Profanbauten festhalten. Oder auch die vielgestaltigen und farbenreichen Boden- und Felsstrukturen sowie die endemischen Pflanzen auf den Sensor bannen. Wer an Bildern der vielfältigen Vogelwelt oder von Seehunden interessiert ist, sollte in starkes Teleobjektiv im Rucksack haben, da sich diese Tiere gerne auf hohen Klippen oder vorgelagerten Sandbänken aufhalten.

Was sollte sonst noch mit? Auf jeden Fall vergütete Schutzfilter für die wertvollen Objektive, denn die extrem harten Aschepartikel zerkratzen sehr leicht die Frontlinse nicht nur bei Reinigungsversuchen. Statt einem Mikrofasertuch ist hier klassisches Linsen- oder Optikpapier empfehlenswert, das nach Vorreinigung mit dem Pinsel nur einmal benutzt wird, und so die Gefahr sich verringert, dass mit einem aufgenommen Ascheteilchen die Linse oder der Filter zerkratzt wird. Ein lohnendes Motiv für traumhafte Langzeitbelichtungen sind die Wasserfälle. Dazu notwendig ist ein Stativ und ein starker Graufilter, wenn man nicht bis zur Dämmerung warten will.

Ist die Ausrüstung samt Ersatzakkus sowie Ersatzspeicherkarten eingepackt und auch Wasser sowie Reiseproviant dabei kann die Tour beginnen. Abseits der Hauptstraßen gibt es weder Gasthäuser noch irgendwelche Kioske. Nachstehend fünf mögliche Touren.

1. Geothermalgebiet Nesjavellir

Island Abenteuer pur sind die Wanderwege im Gebiet von Nesjavellir, das über die 435 von Reykjavik aus auch ohne Geländewagen gut zu erreichen ist.

An in allen Farben des Spektrums schimmernden Schwefellöchern aus denen heiße, nach faulen Eiern riechende Gase entweichen, geht der Weg vorbei. Steile Pfade schlängeln sich in von Wasserfällen gesäumten Schluchten hinab und der Weg führt über heißen Boden mit spritzenden Schlammquellen. Vor allem bei Regen können die Wege sehr rutschig werden, da sind Wanderstöcke empfehlenswert, für Fotografen gibt es pfiffige Varianten, die sich auch als Einbeinstative verwenden lassen. In dieser extraterrestrisch anmutenden Landschaft finden sich dann zudem noch futuristisch aussehende Gebäude, in denen die unbändige Kraft aus dem Erdinneren zur Energiegewinnung genutzt wird. Das verstärkt den Eindruck nicht auf der Erde zu wandeln, insbesondere dann, wenn tiefe Wolken von Stürmen angetrieben um die Berge jagen.

2. Die Fjorde von Tröllaskagi

Wer die Einsamkeit sucht und grandiose, sich tief ins Land hineinfressende Fjorde bestaunen möchte, die selbst im Sommer noch umgeben sind von schneebedeckten Bergen, für den ist die Halbinsel Tröllaskagi im Norden Islands ideal. Als absoluter Einsamkeitstipp gilt der bis vor kurzem völlig isolierte und unbesiedelte Hédingsfjördur, der nun dank dem neuen Tunnel zwischen Olafsfjördur und Siglurfjördur erreichbar ist. Dort ist nämlich der Tunnel kurz unterbrochen und es existiert ein Parkplatz von dem aus man den Fjord erkunden kann. Man hat zwei Alternativen, hinauf in die nur in den Sommermonaten begehbaren Berge oder am Ufer entlang bis zur Nordspitze. Abwechslungsreicher ist der selten begangene Weg nach Norden, der oft kaum erkennbar über grüne Hänge, bemooste Niederungen und bereits im Mai mit vielen Blumen verzierten Wiesen führt. Nicht nur die bunten Blüten sind ein dankbares Motiv, sondern auch die dick bepelzte putzige Islandhummel beim Besuch der Blumen. Hier lohnt es sich, das Makro mitzunehmen. Verstreut findet man noch die Reste von früher nur über das Meer erreichbaren Wikingerhöfen, deren Bewohner dort in vergangenen Zeiten ein hartes, aber freies Leben führten. Der letzte Hof wurde vor 60 Jahren aufgegeben.

3. Vom Skogafoss an der Skoga entlang zu den Gletschern.

Der spektakuläre Skogafoss mit seinen tosenden Wassermassen liegt fast direkt an der Ringstraße und ist dementsprechend stark besucht. Am besten startet man die Tour früh am Tage, so kann man auch den imposanten Wasserfall in der morgendlichen Stille genießen. Steigt man rechts die Klippe hoch, über die er herunterstürzt, so findet man einen Pfad, der am Fluss entlang ins Hochland führt. Folgt man diesen, hat man auch tagsüber die Menschenmassen schnell hinter sich gelassen. Ein Wasserfall reiht sich nun an den anderen, teilweise tost der Fluss in tiefen Schluchten, die von bizarren Felsformationen gesäumt sind und im Hintergrund sind bei klarer Sicht die gletscherbedeckten Berge bereits zu sehen. Ab und zu führen steile Pfade bis auf den Grund der Schlucht. Ist die nötige Trittsicherheit vorhanden bieten sich dort grandiose Perspektiven. Man kann bis hoch zum Pass wandern. Das ist an einem Tag aber kaum hin und zurück zu Schaffen, wenn man auch noch mit Muse fotografieren will. Am Pass existiert eine Hütte, Fimmvörðuskáli des Wandervereins Utivist. Essen und Wasser muss man selbst mitbringen, es existiert aber eine Küche. Günstiger ist es auf der Hütte zu übernachten, vorher aber anfragen, um am anderen Tag wieder zurückzuwandern oder schon vorher umzukehren. Da es in den Schluchten relativ dunkel ist reicht bei Bildern gegen den Himmel der Dynamikumfang der Kamera nicht aus, hier sollte die HDR-Funktion benutzt oder alternativ eine Belichtungsreihe aufgenommen werden, die dann mit einer speziellen Software zu einem HDR Bild verarbeitet wird.

4. Vom Hot River Kaffee zum Bad im heißen Fluss

Ein besonderes Erlebnis ist in wilder Natur, in einem warmen Fluss zu baden. Startpunkt für diese Tour ist am Ende der Straße durch Hveragerdi der Parkplatz beim Hot River Cafe. Zuerst geht es an heißen Quellen und rauchenden Schlammtümpeln vorbei steil hoch in die Berge bis man nach einigen Kilometern in das Tal Reykjadalur kommt, einem sehenswerten geothermalen Gebiet. Dort kann man ein Bad im heißen Fluss genießen, man muss nur noch zwischen zwei dampfenden und spritzenden heißen Quellen hindurch. Kamera gut schützen, denn das stark mineralhaltige Wasser kann bis über 2 Meter hoch spritzen. Vor allem bei starkem Wind kommt man nicht trocken vorbei. Wer reiten kann, für den ist es möglich, einen großen Teil des Weges auf Islandponys zurücklegen. Das ist allerdings auch nicht jedermanns Sache, da der Pfad oft nahe an steilen Abhängen vorbei führt und man vom hohen Pferderücken einen noch tieferen Blick hat. Schwindelfrei sollte man da in jedem Fall sein!

5. In den Nebenstraßen von Reykjavik

Bei dieser Tour sind keine Wanderstiefel nötig und auch Reiseproviant braucht man keinen einpacken, etliche Kilometer kommen jedoch auch hier zusammen. Reykjavik hat zwar nur ca. 200.000 Einwohner, aber nimmt eine große Fläche ein, mit viel Grün und zahlreichen Meeresbuchten dazwischen. Es lohnt sich, abseits des Zentrums auf Motivsuche zu gehen. Da gibt viel zu entdecken im neuen Hafen oder im Park unterhalb von Perlan. Empfehlenswert ist ein lichtstarkes Standardzoom für Street- und Detailaufnahmen. Interessante Architektur und immer wieder Kunst im öffentlichen Raum kann mit einem starken Weitwinkel aus interessanten Perspektiven spannend abgelichtet werden. Nirgends auf der Welt gibt es so viele Kunstobjekte pro Einwohner wie in Island. Die Insel ist daher auch für den Kunstliebhaber ein Eldorado.

Vom pulsierenden Szeneleben in Reykjavik über aktiven Vulkanismus bis hin zu trostlosen Mondlandschaften bietet die Insel im Nordatlantik eine derartige Vielfalt von Eindrücken, dass ein Leben und eine Speicherkarte nicht ausreichen, um all diese zu erkunden und festzuhalten.

Fototour 07 / 2016

1 Kommentare

NICE!

Möbius

von Möbius
21. Oktober 2016, 21:20:00 Uhr

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