Venceremos! Kuba privat - im Westen von Havanna

Kaffeeplantage © Georg Schuh Bildgalerie betrachten Kaffeeplantage

Kuba gehört derzeit mit zu den beliebtesten Reisezielen. Das verwundert nicht, möchten doch viele Touristen, wie der „Blende“-Teilnehmer Georg Schuh, das ursprüngliche Kuba erleben. Er schwärmte von dieser Reise so sehr, dass wir ihn um nähere Infos zu seiner Fototour Kuba baten.

Grundsätzliches – Fotoequipment

Fliegt man zum Fotografieren nach Kuba, so sind bereits beim Packen der Fototasche ein paar Dinge zu beachten. Das tropische Klima stellt hohe Anforderungen an das Fotoequipment. Abgedichtete Gehäuse und Objektive sind sehr empfehlenswert. Zudem ist ein Vorrat an Linsenreinigungspapier und Microfasertüchern ratsam, um den Beschlag der Optiken und des Gehäuses beim Wechsel von stark klimatisierten Räumen ins feucht-heiße Freie zu entfernen. Gerade dann, wenn man kein abgedichtetes Gehäuse hat, ist die Mitnahme eines Zweitgehäuses empfehlenswert.

Auf Kuba ist es wegen des Handelsboykotts sehr schwer, fehlendes Fotozubehör zu bekommen. Es ist also ratsam, alles Notwendige an Fotoequipment mitzunehmen. In den ländlichen Gebieten beträgt die Spannung oft nur 110 Volt, so dass das häufige Akkuladen die doppelte Zeit beansprucht. Ein zweites Ladegerät und genügend Ersatzakkus sind daher empfehlenswert. Dabei ist zu beachten, dass Ersatzakkus und Batterien im Gegensatz zum Stativ ins Handgepäck gehören! In den Koffer dürfen nur die in den Geräten enthaltenen Akkus mit rein! Generell empfiehlt es sich auch aus Versicherungsgründen, Fotoequipment im Handgepäck zu transportieren. Sollte man dennoch sein Fotoequipment aufgeben, so sollte man dies entsprechend mit seiner Versicherung klären.

Falls der Laptop nicht in den Fotorucksack passt, erlauben manche Linienfluggesellschaften eine zusätzliche Laptoptasche als Handgepäck. Sicherheitshalber sollte man sich vorher genau über die zulässige Größe des Handgepäcks erkundigen. Gerade bei kleineren Flugzeugtypen kommt es häufig vor, dass man dann direkt vor dem Einstieg in die Maschine den Fotokoffer abgeben muss, der dann noch irgendwo im Frachtraum verstaut wird.

Fototour Kuba

Wer zum Übernachten nicht mindestens Quartiere mit drei Sterne braucht und statt „all inclusive“ lieber auf eigene Entdeckungsreise geht, der kann in Kuba auch bei privaten Vermietern überall im Land logieren. Wir durchstreiften zu viert in einem Leihwagen Kuba. Übernachtet wurde ausschließlich in Privatquartieren und das bot nicht nur interessante Einblicke in das kubanische Alltagsleben, sondern hatte auch enorme Vorteile. Die Tipps und Beziehungen der Einheimischen sind Gold wert, denn abseits der Touristenzentren warten doch einige Überraschungen auf den Reisenden. Das fängt schon mit der spärlichen Beschilderung an. Je weiter man sich von Havanna entfernt, umso seltener findet man Wegweiser. Kartenlesen ist also wieder angesagt, denn auch mit Google Earth ist es nichts, Smartphones taugen auf Kuba nur zum Telefonieren. Und das funktioniert auch nur, wenn man beim richtigen Netzanbieter ist. Deswegen sind Offlinekarten sehr hilfreich, wenn man sich mal verlaufen oder verfahren hat, denn GPS funktioniert auch auf Kuba. Dank der Autobahn, die von Havanna aus den Westteil Kubas durchzieht, geht es für kubanische Verhältnisse relativ zügig voran. Spitzengeschwindigkeiten von 90 km/h sind tagsüber manchmal kurzfristig möglich, erfordern allerdings volle Konzentration des Fahrers, denn die Autobahn ist nicht kreuzungsfrei und die rechte Spur wird ganz legal von Pferdefuhrwerken, Traktoren, Radfahrern und Fußgängern benutzt. Zudem ist sie in der Nähe von Ortschaften von Verkäufern aller Art bevölkert, die den Autofahrern Obst, Erfrischungsgetränke, Zigarren und auch Souvenirs anbieten, so dass ständig mit anhaltenden Autos oder auch links abbiegenden landwirtschaftlichen Verkehr gerechnet werden muss.

Erste Station ist Soroa und das Naturschutzgebiet Las Terrazas. Neben der Fotoausrüstung und genügend Wasser ist ein Mückenschutz unverzichtbar, wenn man in die Natur oder gar in den Dschungel vordringt. Leichte lockere Kleidung und festes Schuhwerk sind ein Muss. Es empfiehlt sich auch die Kleidung mit speziellem Mückenspray zu imprägnieren. Wegen der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit ist vor Mitte Oktober der Aufenthalt, wenn man auch die Landschaft erwandern möchte, nicht zu empfehlen. Wer sich aber in die grüne Hölle wagt, wird mit reichlich Motiven belohnt: Kaffeeplantagen, die sich der Dschungel zurückerobert hat. Blattschneiderameisen, Orchideen und andere exotische Lebewesen warten auf ein Makroobjektiv. Wegen der Düsternis am Urwaldboden empfiehlt sich der Einsatz eines Ringblitzes. Saubere Flüsse und schäumende Wasserfälle im Dschungel laden auch zum erfrischenden Bad ein. Am Urwaldflüssschen Rio San Juan, das über endlose Sinterterrassen aus den Bergen strömt, ist ein „offizielles“ Flussbad mit urigen Übernachtungsmöglichkeiten angesagt, aber nur für Menschen, die mit einem Stern bei der Hotelkategorie zufrieden sind. Dafür werden sie dann aber mit einem unvergleichlichen Sternenzelt während der Nacht belohnt werden. Voraussetzung für tolle Aufnahmen sind ein Weitwinkelobjektiv und ein Stativ. Kubaner lieben es generell bunt. Egal, ob es die Schilder am Straßenrand sind, die die Revolution feiern oder die Sonnenschirme mit denen sich die Kubanerinnen vor der Tropensonne schützen. In den kleinen Bergdörfern und auf den schmalen Straßen begegnet einem eine Vielzahl verschiedenster Fahrzeuge. Der Erfindungsreichtum der Kubaner bei den Transportmitteln ist sicher auch aufgrund des Boykotts schier grenzenlos. In den Privatquartieren sind die Schlafzimmer für die Gäste immer mit Klimaanlagen ausgestattet, allerdings sind diese manchmal sehr altertümlich und geräuschvoll. Da empfiehlt es sich entweder den Raum vorzukühlen oder falls die Moskitos den ausreichend tiefen Schlaf stören, Ohrenstöpsel mitzunehmen.

Die nächste Station ist das Tal von Vinales. Bekannt durch die bizarren Felsen wird es tagsüber von vielen Reisebussen angefahren. Es bietet aber auch abseits der touristisch erschlossenen Hauptsehenswürdigkeiten überaus beeindruckende Landschaftsformationen und Höhlen. Hier erweisen sich die persönlichen Empfehlungen unserer Hauswirtin als sehr wertvoll. Bei El Moncada, einem Dorf südwestlich von Viñales steht ein auffälliges Denkmal für die Malagones, eine Bürgermiliz, die 1959 eine konterrevolutionäre Bande besiegte. Gleich nebenan geht es auf abenteuerlich steilem Pfad einen der Kegelberge hinauf zu den Cuevas Santo Tomás, einem insgesamt 46 km langem Höhlensystem. Jesus Perez, unser sehr kompetenter Führer mit akademischer Ausbildung, zeigt und erklärt uns eine bizarre Welt, die er wie seine Westentasche kennt. Eigene helle Stirnlampen oder LED Taschenlampe sind für die Höhlenexpedition sehr empfehlenswert. Die vom Führer zur Verfügung gestellten Stirnlampen sind zwar zum Sehen ausreichend, zum Fotografieren ohne Stativ aber zu dunkel. Wer zu Fuß die faszinierende Landschaft erkunden will, braucht neben ausreichend Wasser auch etwas Kondition, um mit dem gefüllten Fotorucksack auf die Bilderpirsch zu gehen. Er wird dafür aber mit vielfältigen und exotischen Motiven belohnt. Die Besitzer von kompakten Systemkameras vorzugsweise im mFT-Format sind wegen der auch wesentlich leichteren Objektive klar im Vorteil. Nur mit einem Reisezoom wird man der Vielfalt Kubas nicht gerecht. Die Weite der Strände und Täler fängt man am besten mit einem Ultraweitwinkel ein. Landleben auf den Feldern bildlich zu verdichten benötigt ein Tele. Lichtstärke ist von Vorteil, in den Höhlen sowieso, aber auch in den dichten Wäldern oder unter den Gewitterwolken ist es relativ dunkel.

Von Vinales aus lohnt es sich Abstecher an die Nordwestküste über abenteuerliche Straßen zu machen. Die Fahrt über die Schlaglochpisten erfordert Konzentration und Zeit, dafür bekommt man ein authentischeres Bild von Kuba. Empfehlenswert ist es in den Städtchen zu halten und sich dort auf den Märkten mit Obst und Getränken einzudecken. Auch abseits der Touristenstädte sind die Kubaner ein freundliches Volk. Auf der über einen einigermaßen gut zu befahrenden Damm erreichbaren Insel Cayo Jutias schiebt sich der Mangrovenwald zwischen weißen Sandstränden ins Meer. Karibikfeeling pur! Auf der sonst unbewohnten Insel gibt es sogar eine Strandbar, allerdings nicht am Anfang der Insel, dort sind lediglich die Reste eines ehemaligen Militärpostens zu finden, wegen dem die Straße und der Damm gebaut wurden. Wegen der schnell aufziehenden Tropengewitter und der hohen Luftfeuchtigkeit sind abgedichtete Gehäuse und Objektive sehr sinnvoll. Zumindest aber ein regenfester Rucksack Pflicht.

Stiefel sind nötig, will man durch die Felder im fruchtbaren Vinales Tal wandern, um den heimischen Bauern bei der Herstellung von Kaffee, Tabak oder anderen Produkten zu zusehen. Auch hier ist es empfehlenswert mit einem einheimischen Führer, der einem die unbekannten Feldfrüchte und Herstellungsmethoden erklärt, durch die Farmen, oft sind es ökologisch arbeitende Kooperativen, zu wandern. In einem kleinen Seitental überrascht die Mural de la Prähistoria den Wanderer, eine riesige 120m hohe und 180 m breite, von einheimischen Bauern angefertigte Wandmalerei, die Elemente der Evolution darstellt. Ein steiler und nur für absolut trittsichere Wanderer geeigneter Pfad führt rechts neben dem Monumentalgemälde die Felsen hinauf und belohnt den schweißtreibenden Aufstieg mit einem fantastischen Ausblick.

Für Liebhaber klassischer Streetfotografie und bunter Bilder ist unsere dritte Station, die Provinzhauptstadt Pinar del Rio, eine wahre Fundgrube. Die Leute sind sehr nett und lassen sich gerne fotografieren. Im Stadtzentrum zieren Kolonnadengänge die alten Gebäude aus der Kolonialzeit. Als Tourist wird man ab und zu einmal angesprochen, aber nicht so aufdringlich wie oft im Zentrum von Havana. Die Kubaner in Pinar del Rio sind eher neugierig und wollen wissen was man gerade in ihrer Stadt macht, als dass sie einem wie in Havana ein Taxi oder ein Restaurant aufdrängen wollen. Neben den Oldtimern schreien die farbigen Lastenfahrräder und Pferdekutschen förmlich nach dem Auslöser. Diese alternativen Fortbewegungsmittel werden nicht nur aus Mangel an Geld, sondern auch aus Umweltschutzgründen von der Regierung gefördert. Häufig sprechen ältere Kubaner wegen der guten Beziehungen zur ehemaligen DDR ein gutes Deutsch, so dass man oft in interessante Gespräche verwickelt wird. Ob es die schlechten Erfahrungen mit der Kirche während der Batista Diktatur waren, oder weil die Kubaner eher die Freuden des Lebens im Diesseits bevorzugen, abseits der großen Touristenzentren sind die Kirchen oft heruntergekommen und außerhalb von Gottesdiensten auch geschlossen. Dafür sind überall, auch in kleinen Dörfern, medizinische Zentren und Schulen zu finden. Auf Empfehlung eines Einwohners machen wir noch einen Abstecher an die Südküste nach La Caloma am karibischen Meer. Dort erwartet uns ein noch vom letzten Hurrikan gezeichneter Strand mit einem hurrikanresistenten Strandhaus aus Beton.

Eigentlich wollten wir noch an die Westspitze Kubas, doch dann hörten wir von der Atomreaktorruine in Kuba und machten uns auf die Suche nach ihr. Doch das ist eine andere Geschichte. Fortsetzung folgt!

Fototour 08 / 2017

3 Kommentare

HOla, freu mich auch sehr über den guten und differenzierten Beitrag und vor allem die Fotos. Ich habe den Westen Kubas schon mit dem Fahrrad erkundet und zwar bis in den Nationalpark Guanacahibes bis zur Endspitze dem Cabo San Antonio und möchte alle ermuntern bis dahin durchzuhalten. Für weitere wunderbare Ecken Cubas am besten wieder hinfahren z.B. nach Baracoa.... viele grüsse aus München und Havanna

Siga Luthner

von Siga Luthner
25. August 2017, 22:22:27 Uhr

Hallo Herr Lehmann, Land und Leute selbst kennenzulernen und sich eine eigene Meinung bilden, das war der Zweck meiner Reise. Es ist erschreckend, wie das Land in unserer Presse zum Teil dargestellt wird. Venceremos!

Georg Schuh

von Georg Schuh
24. August 2017, 09:18:48 Uhr

Da war jemand offenbar zum ersten Mal in Kuba und hat sich Land und Leute offen und ohne Vorurteile angeschaut! Ich kenne Kuba seit 35 Jahren sehr genau und habe mich über diesen rundum treffenden Bericht sehr gefreut!

Klaus E. Lehmann

von Klaus E. Lehmann
18. August 2017, 12:21:42 Uhr

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