Fototour Seoul: Von Fischmarkt bis zum Minenfeld

Von der südkoreanischen Hauptstadt Seoul bis zur schwer bewachten Grenze zu Nordkorea sind es nicht einmal 100 Kilometer. Die pulsierende Hauptstadt auf der einen Seite und der Stacheldraht auf der anderen Seite bieten jede Menge lohnende Ziele für Fotografen. Möchte man für diese Vielfalt fotografisch perfekt gerüstet sein, so sei schon vornweg empfohlen: Besser eine besonders große Fototasche packen.

Der Gwanghwamun-Platz im Morgengrauen © Andreas Gugau
Der Gwanghwamun-Platz im Morgengrauen
Seoul, das ist eine Stadt, die irgendwo zwischen japanischer Präzision und südostasiatischer Lebensfreude pendelt, eine gut geölte Maschinerie, in der es viel zu entdecken gibt. So unterschiedlich die Einflüsse sind, so vielfältig sind die Motive. Nachts beispielsweise leuchten grelle Leuchtreklamen entlang der großen Einkaufsstraßen. Wer hier Bilder machen möchte, kann entweder das Leben auf der Straße einfangen und dann versuchen, mit möglichst hoher ISO-Zahl eine entsprechend kurze Verschlusszeit zu erreichen. Für ein solches Unternehmen empfiehlt es sich, in jedem Fall Objektive mit hoher Lichtstärke im Gepäck zu haben, meist sind Festbrennweiten eine gute Lösung für ein solches Unterfangen. Je nach Kameramodell kann die ISO-Anhebung aber zu verstärktem Bildrauschen führen.

Wer dagegen die Leuchtreklame in ihrer ganzen Pracht aufnehmen möchte, der kommt um ein Stativ kaum herum. Für das Fluggepäck empfiehlt es sich in diesem Fall natürlich ein Stativ zu wählen, das gleichzeitig leicht, aber auch stabil ist. Es macht wenig Freude, einen wackeligen Unterbau für die Kamera dabei zu haben. Karbonstative verbinden diese beiden Eigenschaften beispielsweise perfekt und entsprechende Reise-Ausführungen sind darüber hinaus auch kurz genug, dass sie in den Koffer passen. Wer die Kamera auf dem Stativ hat, kann mit Belichtungszeiten experimentieren. So lassen sich Straßen beispielsweise menschenleer machen, nötigenfalls erreicht man die dafür nötige lange Belichtungszeit mit einem neutralen Graufilter, aber auch mit sich bewegenden Menschen lässt sich das Leben auf der Straße einfangen. Das beginnt übrigens gegen 19 Uhr, wenn die Angestellten aus ihren Büros kommen. Wer die Kamera auf einem Stativ hat, sollte auch noch einen Draht- oder Fernauslöser dabei haben. Alternativ, sofern die Kamera das Feature unterstützt, ist auch eine Bedienung über das Smartphone beziehungsweise Tablet möglich. Dazu muss natürlich entsprechende Kamera-App heruntergeladen werden. Egal welche Option man für sich favorisiert – nur so kann man die Kamera ohne Erschütterung auslösen und der Auslöser lässt sich für besonders lange Belichtungszeiten arretieren.

Ein Stativ empfiehlt sich auch bei einem Besuch des futuristischen Rathauses Seouls. Denn das Foyer erstreckt sich über mehrere Stockwerke, ist von außen mit Glas verkleidet und unter der Decke ist Kunst installiert. Hier bietet sich ein Panoramafoto an. Also nicht vergessen, den Panoramakopf für das Stativ einzupacken. Die Aufsicht im Foyer ist geduldig was Fotografen betrifft, wie immer empfiehlt es sich aber, kurz zu sagen, dass man da ist und was man macht. Panoramen brauchen viele Bilder und dementsprechend viel Speicherplatz an den ebenso zu denken ist wie an Ersatzakkus.

In jeder hinsicht beeindruckend ist das Rathaus in Seoul © Andreas Gugau
In jeder hinsicht beeindruckend ist das Rathaus in Seoul

Gar nicht weit vom zentral gelegenen Rathaus ist der Gyeongbokgung-Palast gelegen, der tagsüber voll mit Touristen ist. Natürlich kann man da mit leichtem Kameragepäck viele Details fotografieren – richtig beeindruckend sieht der Palast vor allem aus etwas größerer Entfernung aus. Wer sich vor Sonnenaufgang vor die Statue von König Sejong positioniert und ein großes Teleobjektiv nutzt, der kann ein Foto schießen, das den Palast vor den Bergen im Hintergrund zeigt – ganz ohne Touristen. Am frühen Morgen braucht es lange Belichtungszeiten, das schon erwähnte Stativ macht die Sache unkompliziert. Der ideale Standort ist in etwa vor der US-Botschaft. Die dortigen starken Polizeikräfte lassen sich allerdings nicht gerne fotografieren. Auf keinen Fall sollte man ungefragt draufhalten.

Detail am Gyeongbokgung-Palast © Andreas Gugau
Detail am Gyeongbokgung-Palast

Nach so viel Einsatzmöglichkeiten für Stative hat Seoul aber auch noch Plätze für die klassische Straßenfotografie zu bieten, beispielsweise den Noryangjin Fischmarkt, eine riesige, offene Halle, in der sich ein Verkaufsstand an den nächsten reiht. Wer schon immer mal den Schwarzweißmodus seiner Kamera ausprobieren wollte, kann sich hier in der Reportagefotografie austoben, am besten im Laufe des Vormittags. In Schwarzweiß entfällt auch das Problem mit der unterschiedlichen Beleuchtung, die sonst zu grotesken Farbstichen führen kann. Der Fischmarkt ist bequem mit der U-Bahn zu erreichen. Auch wenn ein Fotorucksack leichter zu tragen ist, auf einem Fischmarkt ist eine Schultertasche die bessere Wahl, da diese nicht abgesetzt werden muss, wenn was an Fotoequipment benötigt wird – den intensiven Geruch nach Meeresfrüchten will man ja ungern mit nach Hause nehmen. Ein Zoomobjektiv und etwas höhere ISO-Zahl bieten auf einem Markt größtmögliche Flexibilität.

Auf dem Noryangjin-Fischmarkt © Andreas Gugau
Auf dem Noryangjin-Fischmarkt

Ganz anders als der wuselige Fischmarkt ist ein anderes Ausflugsziel, die demilitarisierte Zone im Norden Seouls. Hier, an der Grenze zu Nordkorea, lässt sich ein seltener Blick in das abgeschirmte Land erhaschen. Allerdings ist das nicht so einfach. Das liegt weniger daran, dass man nicht hinüber sehen könnte, sondern vielmehr, dass die Luft in Nordkorea besonders schlecht ist. Auch wenn sich einige historische Stätten mit dem Mietwagen erreichen lassen, empfiehlt es sich, eine geführte Tour in Erwägung zu ziehen. Das hat zwar den Nachteil, dass man sich nach der Gruppe richten muss, erfahrungsgemäß bleibt aber insbesondere am Dora-Observatorium ausreichend Zeit. Zudem ist der Zugang zur Grenzregion streng reglementiert, Ausflüge außerhalb der ausgetretenen Pfade sind nicht möglich und können sogar tödlich sein: Die gesamte Grenzregion ist vermint.

An der innerkoreanischen Grenze sollte man nicht querfeldein gehen © Andreas Gugau
An der innerkoreanischen Grenze sollte man nicht querfeldein gehen

Auch wer im Bus anreist, muss mitunter einige Meter weit gehen und weil Nordkorea doch ein paar Kilometer entfernt ist, ist ein Fotorucksack hier das bessere Transportmittel für die Kamera. Für den Blick in den Norden ist ein Teleobjektiv unabdingbar, je größer, umso besser. Wer ein paar Millimeter mehr Brennweite will, sollte obendrein einen Konverter einpacken, um so die Brennweite des Objektivs zu multiplizieren. Und weil lange Brennweiten nicht nur schwer sind, sondern auch leicht verwackeln, muss zumindest ein Einbeinstativ mit.

Die demilitarisierte Zone lässt sich von Aussichtsplattformen fotografieren © Andreas Gugau
Die demilitarisierte Zone lässt sich von Aussichtsplattformen fotografieren

Die bereits angesprochene schlechte Sicht – je nach Wetterlage natürlich – ist dann noch eine besondere Herausforderung. In jedem Fall sollten die Bilder im RAW aufgenommen werden. Denn nur dann ist noch etwas zu retten. Viele RAW-Konverter können Dunst zumindest in einem gewissen Maß eliminieren. RAW-Bilder brauchen mehr Speicherplatz, also unbedingt an ausreichend Speicherkarten denken und wer will schon mit leerem Akku an der nordkoreanischen Grenze stehen? Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt ausreichend Akkus mit – lieber den einen oder anderen mehr als einen zu wenig.

Ein seltener Blick nach Nordkorea - Durch dichten Smog fotografiert © Andreas Gugau
Ein seltener Blick nach Nordkorea – Durch dichten Smog fotografiert

Fototour 05 / 2017

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