Typisch Berlin - Unsere Top 10

Foto: Benjamin Klinkenberg
Foto: Benjamin Klinkenberg
Die Hauptstadt Berlin ist ein Eldorado für Fotografen. Hier gibt es so viele Motive, dass vor allem erstmaligen Besuchern die Auswahl schwer fällt. Wir haben die Reiseführer-Autorin des Fotoscouts Berlin, Petra Vogt, gebeten, Ihnen ihre Top 10 für Fotografen vorzustellen.

1. Regierungsviertel und Brandenburger Tor mal anders

Foto: Benjamin Klinkenberg
Foto: Benjamin Klinkenberg
Das Regierungsviertel und das Reichstagsgebäude sind auf jeden Fall einen Fotobesuch wert. Eine besonders reizvolle Ansicht können Sie abends ablichten, wenn viele Gebäude effektvoll angestrahlt sind. Machen Sie vorher oder nachher noch einen Abstecher zum Brandenburger Tor. Das ist zwar auch abends überlaufen, aber mit langen Belichtungszeiten können Sie um diese Zeit zahlreiche Besucher „wegzaubern“. Vergessen Sie nicht, dafür ein Stativ einzupacken.

Ein weiterer Tipp ist der Tag der offenen Tür der Bundesregierung, der einmal im Jahr sogar Zutritt zum Kanzleramt und allen Ministerien ermöglicht.

2. Berlin von oben

Foto: Benjamin Klinkenberg
Foto: Benjamin Klinkenberg
Um einen Überblick über die Hauptstadt zu bekommen, ist der Klassiker ein Besuch des Fernsehturms. Für uns Fotografen ist er aufgrund der Scheiben aber weniger zu empfehlen. Einen freien Blick bieten dagegen der Welt-Ballon (früher HiFlyer) oder der Panorama Punkt am Potsdamer Platz. Für alle, die gut zu Fuß und nicht höhenängstlich sind, ist auch die Siegessäule – im Volksmund „Goldelse“ genannt – ein Erlebnis. Der Aufstieg durchs schneckenförmige Treppenhaus bietet schon die ersten Motive. Oben angekommen hat man einen weiten Blick über den Tiergarten.

3. Lost Places legal betreten

Lost Places
Berlin verfügt über die wahrscheinlich höchste Dichte an „Lost Places“, also verlassenen, verfallenden Gebäuden. Einige, wie etwa die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg, sind legendär und erzählen bildreich von ihrer wechselvollen Geschichte (lesen Sie für einen Bericht auch „Lost Places in Berlin: Zu den Spionen auf den Teufelsberg“). Anders als in den meisten anderen Städten sind einige Lost Places ganz legal über Touren (z.B. von Go2Know) erschlossen. So kann man die Ästhetik des Verfalls ablichten, ohne das Gesetz zu übertreten und Risiken einzugehen. Nebenbei lernt man noch viel über die Historie.

4. Das grüne Berlin erleben

Dass Berlin keine Betonwüste ist, kann man vor allem in den zahlreichen Gärten und Parks der Hauptstadt erleben. Viel Ablichtenswertes für Pflanzenfreunde bietet der Britzer Garten. Je nach Jahreszeit bieten Sonderschauen, wie etwa „Dahlienfeuer“ im Herbst oder „Tulipan“ im Frühjahr, ein besonderes Highlight. Der Botanische Garten in Dahlem ist selbst bei weniger gutem Wetter ein Tipp. Die geschwungene freitragende Eisenkonstruktion der riesigen Gewächshäuser vom Anfang des 20. Jahrhunderts erinnert an die Grandes Serres in Paris sowie die Londoner Kew Gardens und bietet auch im Winter einen trockenen und teilweise warmen Platz für Naturfotografen.

5. Die verschwundene Mauer

Foto: Werner Pluta
Foto: Werner Pluta
Die Mauer ist einer der wichtigsten historischen Punkte der ehemals geteilten Stadt. Leider sind kaum noch Überreste im Stadtbild zu sehen. Die populäre East Side Gallery, die in Reiseführern immer wieder gezeigt wird, gibt nur einen sehr vagen Eindruck. Sie zeigt nämlich nur einen kleinen Teil der ursprünglich komplexen Maueranlage. Den ursprünglichen Aufbau vermittelt die Gedenkstätte an der Bernauer Straße deutlich besser. Für Fotografen bieten sich hier vielfältige Motive. Darüber hinaus vermittelt ein Dokumentationszentrum interessantes Hintergrundwissen.

6. Museen satt

Naturkundemuseum
Auch in puncto Museen ist Berlin Deutschlands Hauptstadt. Praktischerweise ist in den meisten das Fotografieren ohne Blitz erlaubt. So kann man sogar die Nofretete auf den Speicherchip bannen. Ein Tipp für alle Fotofreunde – besonders die mit Kindern – ist das Museum für Naturkunde.

Hier kann vom Dinosaurierskelett bis zum Zebra eine Vielfalt an Arten ablichten. Ein besonderes Highlight ist die effektvoll beleuchtete Sammlung von Präparaten in Alkohol. Vergessen Sie für die riesigen Dinosaurierskelette ein Ultraweitwinkel-Objektiv nicht. Ein Polfilter hilft für die Vitrinen. Wer es exotischer mag, fährt ins Ethnologische Museum nach Dahlem. Hier werden Kulturgüter von außerhalb Europas ansprechend inszeniert, so dass man reizvolle Fotos machen kann.

7. Der Untergrund

Ist über der Erde mal schlechtes Wetter, lohnt sich der Abstieg in den Untergrund des weiträumigen U-Bahn-Netzes. Aber Achtung: Fotografieren ist nur ohne Blitz erlaubt, damit die Fahrer nicht irritiert werden. In Berlin fuhr Deutschlands erste öffentliche U-Bahn schon kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert. Viele historische Stationen geben einen Eindruck von der wechselvollen Geschichte. Den Bahnhof Herrmannplatz etwa kann man ohne Übertreibung als „Kathedrale des Untergrundes“ bezeichnen. Schöne Jugendstil-Details kann man am Bahnhof Wittenbergplatz aufnehmen. Interessante Einblicke in den Untergrund geben auch die Touren des Vereins „Berliner Unterwelten“. Allerdings muss die Kamera dort zuhause bleiben, denn das Fotografieren und Filmen ist generell untersagt.

8. Das urige Berlin

Köpenick
Wer Berlin mal abseits der typischen Touristenattraktionen in Mitte erleben möchte, dem sei ein Ausflug nach Köpenick empfohlen. Im dortigen Rathaus bietet das Treppenhaus ein schönes Motiv und das Hauptmann-Museum erzählt Wissenswertes über die Legende. In wenigen Minuten kann man von dort zum Schloss laufen und am Ufer der Dahme zum Beispiel gemütlich bei „Mutter Lustig“ mit Wasserblick speisen und das Objektiv schweifen lassen. Ein Abstecher von dort in die Straße „Kiez“ lässt einen urige ehemalige Fischerhäuschen erleben, die ein schönes Motiv abgeben.

9. Flughäfen von Tempelhof bis BER

Tempelhof
Die Hauptstadt hat nicht einen, auch nicht zwei, sondern gleich fünf große Flughäfen. In Betrieb sind allerdings nur zwei: Tegel und Schönefeld. Auf beiden können sich Planespotter auf den Besucherterrassen mit ihren Teleobjektiven auf Flugzeugjagd machen. Spannend und einen Besuch wert sind aber auch die anderen drei: Tempelhof und Gatow, die sillgelegt sind, und BER, der noch nicht im Betrieb – aber dafür umso mehr in den Medien – ist. Tempelhof bietet sowohl drinnen als auch draußen zahllose Motive. Wo hätte man sonst schon mal die Gelegenheit, sich mit Rollfeldbeschriftung und Flugzeugwegweiser zu fotografieren? Aus dem ehemaligen Flugfeld hat man einen Park gemacht, der nicht nur zum Spazieren und fotografieren, sondern auch für vielerlei sportliche Aktivitäten vom Skateboarden bis zum Drachensteigen genutzt wird. BER hätte man theoretisch viele Optionen – die Dauerbaustelle ist für die Öffentlichkeit nicht freigegeben. In Gatow dagegen kann man sich im militärhistorischen Museum schlau machen und alte Maschinen bestaunen.

10. Vor den Toren: Potsdam

Wer mal einen Tag Abstand von Berlin bekommen möchte, der sollte nach Potsdam fahren. Dort lassen die Schlösser den Prunk der preußischen Herrscher erleben. Leider ist selbst eine private Fotogenehmigung kostenpflichtig (3 Euro) und die Verwaltung geht rigide mit kommerziellen Fotografen um. Sehenswert sind nicht nur die Bauten, sondern auch die Parks. Der in Babelsberg etwa garantiert einen schönen Tag abseits des Großstadtrummels.

Das waren jetzt Tipps, mit denen Sie locker einen mehrtätigen Fotoaufenthalt in der Stadt bestreiten können. Es ist aber nur ein kleiner Ausschnitt der unzähligen Fotomöglichkeiten in Berlin. Alleine wer im Alltag die Augen offen hält, findet witzige Motive – zum Beispiel in Form der Mülleimer.

Foto: Benjamin Klinkenberg
Foto: Benjamin Klinkenberg
Wer aus der Hauptstadt ohne prall gefüllte Speicherkarte wiederkommt, der muss seinen Akku vergessen haben.

Weitere Informationen:

Unter http://berlin-fotoscout.de kann man kostenlos ein PDF mit Fototipps zu Architektur und Industrie herunterladen.

Fototour 09 / 2015

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