Fototour: Verdun - Dunkle Geschichte hautnah

Beinhaus von Duaumont © Andreas Gugau Bildgalerie betrachten Das Beinhaus von Duaumont in Form eines in der Erde steckenden Schwerts © Andreas Gugau

Vor 100 Jahren tobte der Erste Weltkrieg, die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Selbst nach so langer Zeit ist die Landschaft der ehemaligen Schlachtfelder noch geprägt vom Stellungskampf, durchziehen die Krater der Artilleriegeschosse die Gegend vor allem östlich von Verdun in Frankreich. Nicht nur für Geschichtsinteressierte, auch für Fotografen bieten sich in der Gegend zahlreiche Gelegenheiten. Dabei ist das Fotografieren beispielsweise von Friedhöfen ein Balanceakt zwischen der gebotenen Zurückhaltung und der Suche nach dem besten Motiv.

Die Denkmale auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs sind vielfältig, von Gedenksteinen und Statuen bis hin zu mahnenden Gebäuden. Dazu kommen viele Soldatenfriedhöfe, die meist ebenfalls Gebäude beinhalten. Und schließlich gibt es noch die vom Beschuss umgepflügte Landschaft, einbetonierte Schützengräben in einer Gegend, die hauptsächlich von Wald bedeckt ist, weil nach dem Krieg niemand mehr da war, um die Felder zu bestellen.

Das bekannteste Bauwerk im Zusammenhang mit der Schlacht von Verdun, die 1916 tobte, dürfte das Beinhaus von Duaumont sein. Hier reichten sich der deutsche Bundeskanzler Kohl und der französische Präsident Mitterrand am 22. September 1984 die Hand. Davor erstreckt sich ein riesiger Soldatenfriedhof mit weißen Kreuzen. Das Gebäude in Form eines Griffs, der zu einem in der Erde steckenden Schwert gehört, ist bei Besuchern ein gefragtes Fotomotiv. Das Fotografieren der Kapelle im Inneren ist nicht gestattet – aber auch von außen ist das Gebäude eine beeindruckende Mahnung. Es lässt sich vom am Hang liegenden Friedhof aus würdevoll in Szene setzen. Für Fotografen bieten sich zwei Möglichkeiten. Entweder sie gehen weit weg und benutzen ein Teleobjektiv, das die Kreuze optisch näher an das Gebäude rückt oder sie zeigen die Größe des Geländes mit einem Weitwinkelobjektiv. In jedem Fall gilt wie auf allen Friedhöfen und hier ganz besonders: Nicht auf Gräbern herumsteigen, nicht lärmen oder andere Friedhofsbesucher stören – einfach ein wenig der gebotenen Zurückhaltung an den Tag legen.

Nicht weit vom Beinhaus steht das frisch renovierte Museum, ein moderner, ansprechender Bau. Aber beeindruckende Fotomotive gibt es auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Denn dort wurde anlässlich der Gedenkfeiern zum 100. Jahrestag der Schlacht im vergangenen Jahr ein ganzes Stück Wald entlang der Straße gerodet. Damit wurden die Krater wieder sichtbar, die der Beschuss mit Artillerie einst verursacht hat. Der ganze Landstrich sieht im Prinzip so aus, aber ist, wie bereits erwähnt, meist bewaldet.

Die Krater sind nicht allzu tief, im Lauf der Jahrzehnte wurden sie durch Erosion etwas eingeebnet. Wenn aber nach dem Regen das Wasser darin steht, dann bieten sie eindrückliche Fotomotive. Auch in der Nähe des Museums muss man sich nicht verausgaben, aber hier kann der Fotograf bedenkenlos auch mal auf den Bauch liegen, um in eine tiefe Position zu kommen. Ganz praktisch ist dabei ein Stativ, das sich tatsächlich bis zur Grasnabe absenken lässt. Das ist meist nur mit Stativen möglich, deren Beine sich weit spreizen lassen. Gerade bei solchen Fotos lohnt es sich, mit düsteren Filtern zu experimentieren. Schwarzweiß ist ohnehin eine Option.

Was man beim Spaziergang um Verdun immer wieder sieht, sind ehemalige Gräben, die meist schon ziemlich flach geworden sind. Wenn sie zickzack verlaufen, sind es so genannte „Laufgräben“, die den Nachschub zur Frontlinie sicherten, gerade verlaufende Gräben sind Schützengräben. Von denen gibt es nicht wenige, allesamt von deutschen Besatzungstruppen in den Boden betoniert. Denn die französischen Gräben wurden nur ausgehoben und mit Sandsäcken befestigt, schließlich waren die Franzosen angetreten, die Besatzer wieder aus dem Land zu werfen, während die Deutschen ihre Stellungen befestigten, sie wollten bleiben.

Im nahe Verdun gelegenen St. Mihiel beispielsweise gibt es noch ausgedehnte deutsche Grabenanlagen zu besichtigen. In einem Wald führt ein Rundweg zu den Anlagen und es empfiehlt sich, diesen tunlichst nicht zu verlassen. Denn noch immer lauern überall Gefahren in Form von verdeckten Gräben und Löchern. Wer sich hier auf den Weg macht kann in Fotos den Kontrast zwischen Natur und menschengeschaffener Kriegsmaschinerie einfangen. Ein Weitwinkelobjektiv ist Pflicht und neben gutem Schuhwerk sollte auch ein bequemer Kamerarucksack zur Ausrüstung gehören. Wenn es dagegen regnet oder nass ist, dann kann eine Schultertasche die bessere Option sein, die muss schließlich nicht abgestellt werden und wird deshalb auch nicht schmutzig oder nass. Wer mit dem Auto anreist sollte für beide Optionen Platz finden.

Hilfreich ist auch ein Makroobjektiv, mit dem sich Details fotografieren lassen. Beispielsweise Stacheldraht, der seit dem Krieg in den Bäumen hängt. Oder die gemauerten Fächer für Handgranaten, die noch immer mit den originalen Holzbrettern ausgelegt sind. Und dann gibt es noch heute jede Menge Blindgänger, die irgendwann wieder ans Tageslicht kommen. 50 Millionen Granaten waren in der Schlacht bei Verdun verschossen worden. Bei Blindgängern gilt immer: Finger weg! Früher wurden diese Hinterlassenschaften am Straßenrand abgestellt und jeden zweiten Donnerstag eingesammelt. Das hatte aber ein Ende, nachdem Militaria-Sammler dort hausieren gingen und es zu teils schweren Unfällen kam.

Eine besondere Erfahrung und eine fotografische Herausforderung ist der Besuch des Forts Duaumont. Außen völlig zerpflügt bietet es innen Einblicke in die damalige Situation. Es gibt Gedenkstätten für französische und deutsche Opfer unter Tage. Das Fort war am 26. Februar 1916 von deutschen Truppen eingenommen worden – eher versehentlich. Denn brandenburgische Soldaten hatten sich im Schneesturm verlaufen und überraschten die französischen Streitkräfte beim Abendessen. In den Gängen des Forts ist es dunkel und feucht, ein Blitzgerät kann hilfreich sein, ein Stativ sowieso und notfalls auch eine hohe ISO-Zahl. Gerade beim Blitzgerät ist eine Möglichkeit zur Fernauslösung eine gute Sache, wenn es beispielsweise darum geht, die ehemaligen Waschräume im Untergeschoss zu fotografieren. Durch das eindringende Wasser sehen die inzwischen aus wie Tropfsteinhöhlen. Von der Seite angeblitzt sehen solche Gebilde in der Regel beeindruckender aus. Gut beraten ist, wer seine Kamera einigermaßen wasserfest einpackt, eine gute, moderne Tasche sollte dafür ausreichen. Nach der Untergrund-Tour empfiehlt es sich, Kamera und Objektive zu säubern und vor allem zu trockenen. Sonst besteht die Gefahr, dass sich irgendwann Schimmel bildet.

Fototour 02 / 2017

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