Blende 2015 - Nachtaufnahmen / Wenig Licht

© Fotograf: Wilhelm Thiel, Faultürme, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Wilhelm Thiel, Faultürme, Blende-Fotowettbewerb
Alle Nachtschwärmer aufgepasst, denn mit unserem diesjährigen Blende-Thema „Nachtaufnahmen / Wenig Licht“ liefern wir Ihnen einen Grund mehr, die eigenen vier Wände zu verlassen und sich auf Motivjagd zu begeben. Fotografieren heißt, mit Licht zu malen, und dies kann man auch wunderbar in der Dämmerung und in der Nacht. Motive können ganz anders zur Geltung gebracht werden – oftmals sind sie sogar wesentlich interessanter als am Tag eingefangen. Die Bandbreite an möglichen Motiven ist gigantisch, denn Sie können sich ebenso den Leuchtspuren einer Autobahn oder Landstraße hingeben, Stadtansichten mit angestrahlten Gebäuden, dem Sternenhimmel oder beispielsweise dem immer beliebter werdenden Lightpainting – also dem Malen mit Licht durch künstliche Lichtquellen, die bewegt werden. Unser diesjähriges Blende-Thema lässt Ihnen alle Freiheiten der thematischen Umsetzung – Voraussetzung ist natürlich, dass Ihre Aufnahmen in der Dämmerung beziehungsweise in der Nacht entstanden sind. Und es lohnt sich für Sie, sich unserem diesjährigen Blende-Thema zu stellen und den Wettstreit sowie die Herausforderung anzunehmen. Es gibt zwei Gewinnchancen. Aber der Reihe nach.

Blende ist seit über 40 Jahren die Gemeinschaftsaktionen von Tageszeitungen aus dem gesamten Bundesgebiet und der Prophoto GmbH. Eine Teilnahme an Blende 2015, Europas größtem Contest für alle Fotobegeisterten, ist also nur über eine der mehr als 50 Tageszeitungen und ihren Kopf- sowie Bezirksausgaben möglich. „Nachtraufnahmen / Wenig Licht“ ist eines von fünf möglichen Blende-Themen, die die teilnehmenden Redaktionen in diesem Jahr für Sie ausschreiben können. In der ersten Runde wetteifern die Leser der jeweiligen Zeitungen untereinander. Alle von den Zeitungen prämierten Aufnahmen gelangen zu uns zur bundesweiten Endausscheidung. In diesem Jahr sind wieder Preise im Wert von über € 40.000 ausgelobt. Nach derzeitigen Planungen werden die Preislisten Ende Juni online gehen. Welche Zeitung in Ihrer Region bei Blende 2015 mit von der Partie ist, teilen wir Ihnen auf Anfrage mit.

© Fotograf: Christian Gaser, New Yellow City, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Christian Gaser, New Yellow City, Blende-Fotowettbewerb
Zurück zur thematischen Vorgabe. Das Sprichwort „Nachts sind alle Katzen grau“ trifft auf die Nachtfotografie wahrlich nicht zu. Wenn Sie dieses fotografische Sujet für sich entdecken, werden Sie so schnell nicht mehr davon loskommen. Bedingung für überzeugende Nachtaufnahmen ist natürlich eine entsprechende Kamera. Das Smartphone können Sie getrost in der Hosentasche lassen. Auch, wenn die Fotofunktionen bei diesen Geräten immer besser werden, so haben sie ganz klar ihre Schwächen bei wenig Licht wie es in der Nacht vorliegt. Sehr viel besser beraten sind Sie mit einer hochwertigen Kompaktkamera, Spiegelreflex- oder kompakten Systemkamera. Diese Kameras garantieren Ihnen den größten fotografischen Spielraum. Pflicht für überzeugende Nachtaufnahmen ist ein Stativ – in der Regel das Dreibeinstativ. Hilfreich ist zudem ein Kabel-/Fernauslöser – der wesentlich besser ist als der Selbstauslöser – sowie bei sehr schwachen Lichtbedingungen eine zusätzliche Taschen-/Stirnlampe, mit der man die Kameraeinstellungen wesentlich besser im Blick hat. Sind Sie beispielsweise auf Landstraßen unterwegs, weil Sie die Lichtspuren von nächtlich vorbeifahrenden Fahrzeugen einfangen möchten, so ist eine Warnweste Pflicht. Ersatzakkus gehören ebenso wie genügend Speicherkarten in die Fototasche beziehungsweise in den Fotorucksack. Fotografieren Sie mit Fernauslöser, vergessen Sie die Ersatzbatterien dafür nicht. Gerade bei langen Belichtungen beanspruchen sie einfach mehr Strom. Auch, wenn es dunkel und mit Sonne wahrlich nicht zu rechnen ist, sollte man die Sonnenblende einpacken. Sie vermeidet den Einfall von Streulicht. Sofern man darüber verfügt, sollte man den Aufsteckblitz ebenso im Gepäck haben. Damit lassen sich Motive, die sich im Vordergrund befinden, wirkungsvoll aufhellen. Als Besitzer von Kameras mit Wechseloptik sind Sie mit einem Weitwinkel- und/oder leichten Teleobjektiv gut beraten. Ersteres kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn ein weiter Bildwinkel, wie bei einer Übersichtsaufnahme, von einer hell erleuchteten Stadt gewünscht ist.

© Fotograf: Lutz Klapp, Kölner Dom, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Lutz Klapp, Kölner Dom, Blende-Fotowettbewerb
Je nach Kamera können Sie die Einstellungen manuell vornehmen oder auch das Menüprogramm „Nacht“ wählen. Letzteres empfiehlt sich gerade für Einsteiger, denn so müssen Sie sich über irgendwelche Einstellungen keine Gedanken machen. Profis meiden übrigens oftmals Menüprogramme, da ihnen der Einfluss der Kamera oftmals zu weit geht. Welchen Weg man bestreitet, muss jeder für sich bestimmen und oftmals gibt das fotografische Experiment, also das Spiel mit den Möglichkeiten der Kamera, die Richtung an. Wichtig für überzeugende Nachtaufnahmen ist nicht nur der Blick für mögliche Motive, sondern auch Zeit, was nicht nur in der längeren Belichtungszeit begründet liegt.

Um die Rauschgefahr zu minimieren, sollte die ISO-Einstellung nach Möglichkeit nicht über 800 liegen. Ein Test im Vorfeld gibt übrigens Aufschluss, ab welcher ISO-Einstellung das Rauschverhalten der Kamera inakzeptabel wird. Es gibt aktuelle Kameras, die selbst bei ISO höher als 800 kein Bildrauschen aufzeigen. Auch, wenn dem so ist, so sollte man sich dennoch für einen niedrigeren ISO-Wert von 200 oder 400 entscheiden, denn mit jeder ISO-Erhöhung sinkt die Dynamik. Dies hat zur Folge, dass die Aufnahmen flau wirken – und wer will das schon.

Das A und O ist auch, in der Nachtfotografie die Belichtung im Griff zu haben. Je nach Kamera stehen Ihnen unterschiedliche Optionen der Belichtungsmessung zur Verfügung. Im Vorfeld ist es ratsam, sich mit diesen vertraut zu machen, denn nur so verlässt man auch die „Vollautomatik“, die nicht immer weiß, was für den Fotografen das Wichtige ist. Gängig bei allen aktuellen Kameras ist für die Ermittlung der optimalen Belichtung die Objektmessung, auch als TTL-Messung (TTL= Through The Lens) bezeichnet. Die Kamera erfasst das Licht, das vom Objekt reflektiert wird. Je nach Kameramodell stehen Ihnen grundsätzlich drei verschiedene Messarten mit der Integral, Mehrfeld- oder Matrix- sowie der Spotmessung zur Verfügung.

© Fotograf: Jürgen Krause, Die 3 Raucher, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Jürgen Krause, Die 3 Raucher, Blende-Fotowettbewerb
Bei der Integralmessung setzt sich der Belichtungswert aus einer Vielzahl von Messpunkten zusammen, die gleichmäßig über das Bildfeld verteilt sind. Der Belichtungsmesser in der Kamera ist auf ein mittleres Grau abgestimmt, das genau 18 Prozent des einfallenden Lichtes reflektiert. Die Integralmessung empfiehlt sich für Motive ohne große Hell-Dunkel-Unterschiede, weshalb sie für die Nachtfotografie nicht wirklich die erste Wahl sein sollte. Nur, wenn es schnell gehen muss und man keine Zeit hat, sich über die Belichtung große Gedanken zu machen, bietet sich die Integralmessung an. Eine Weiterentwicklung der Integralmessung ist die Mehrfeld- beziehungsweise Matrixmessung. Hier wird das Bildfeld in mehrere Zonen aufgeteilt, die bei der internen Belichtungsberechnung der Kamera unterschiedlich gewichtet werden. Mit in die Berechnung einbezogen werden – je nach Kamera – auch Objektentfernung, Spitzlichtwerte und die Brennweite des Objektivs. Da die ermittelten Daten mit der in der Kamera gespeicherten Erfahrungswerten aus tausenden Aufnahmen verglichen werden, garantiert diese Messung eine recht genaue Belichtung. Natürlich sind auch mit dieser Messmethode Fehlbelichtungen nicht auszuschließen. Profifotografen stehen der Mehrfeld-/Matrixmessung skeptisch gegenüber, da sie die Belichtungsberechnung oftmals nicht nachvollziehen können. Die Spotmessung, die auch gern in der Nachtfotografie zum Einsatz kommt, ist die flexibelste Belichtungsmessart. Hier wird nur ein kleiner Bereich des Bildfeldes gemessen und zur Belichtungsermittlung herangezogen. Anhand einer Markierung in der Mitte des Suchers können Sie das Ziel punktuell anvisieren. Im Zusammenhang mit der Spotmessung trifft man auch noch auf den Begriff Selektivmessung. Beide Messarten unterscheiden sich nur in der Größe des gemessenen Bildbereiches. Bei der Spotmessung beträgt der Messwinkel etwa 2 bis 5 Prozent des Bildfeldes, bei der Selektivmessung ist der Messwinkel größer und liegt etwa bei 8 bis 10 Prozent des Bildfeldes. Sind Sie im Besitz einer höherpreisigen Kamera, so lässt sich die Messfeldgröße im Kameramenü einstellen. Fotografen, deren Kamera über den Menümodus „Bulb“ verfügt, setzen diesen gern für ihre Nachtaufnahmen ein. Mit dieser Einstellung kann ein Motiv so lange belichtet werden, wie der Auslöser gedrückt bleibt. Natürlich auch länger als die üblichen 30 Sekunden. Ein Kabelfern- oder Funkauslöser ist hier von Vorteil, da Verwacklungen durch das Gedrückthalten des Auslösers vermieden werden.

© Fotograf: Markus Schultheis, Feuerzauber, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Markus Schultheis, Feuerzauber, Blende-Fotowettbewerb
Kameratechnische Weiterentwicklungen lassen neue Strömungen mit hohem Ansteckungspotenzial entstehen – Light Art Performance Photography, auch bezeichnet als Lightpainting, ist eine davon und natürlich sind solche Aufnahmen bei unserem diesjährigen Blende-Thema gefragt. Einen deutschen Begriff für diesen Fototrend gibt es nicht – gemeint ist das Malen mit Licht unter Zuhilfenahme einer zusätzlichen Lichtquelle. Mit ihr wird im wahrsten Sinne des Wortes gemalt, weshalb es sicherlich nicht abwegig ist, von der Kunst in der Fotografie zu sprechen. Sie als Fotograf hinter der Kamera sind ebenso Künstler wie Ihr Akteur beziehungsweise Ihre Akteure mit zusätzlicher Lichtquelle vor der Kamera. Pure Gestaltungskraft ist angesagt und das macht diese Art der Fotografie auch so erlebnisreich, aber auch sehenswert. Das Lichtzeichnen wird während einer Langzeitbelichtung umgesetzt. Zwei Optionen stehen Ihnen offen. Entweder wird das Licht in Richtung der Kamera gehalten und während der Belichtung bewegt, um Formen oder Linien zu erzeugen oder umgekehrt, indem die Kamera in bestimmte Richtungen bewegt wird, um durch die Veränderung der Position der stationären Lichtquellen im Bildausschnitt Linien zu erzeugen. Diese Art der Fotografie braucht Dunkelheit. Light Art Performance Photography ist aber auch bei Tageslicht durch ND-Filter Einsatz möglich. In diesem Fall wird jedoch ein entsprechend helleres Leuchtmittel benötigt.

Genug der Worte – wir erwarten voller Spannung Ihre Bildeinsendungen zum diesjährigen Blende-Thema „Nachtaufnahmen / Wenig Licht“. Machen Sie mit und begeistern Sie uns mit Ihren fotografischen nächtlichen Impressionen.

Blende Informationen A-Z 06 / 2015

18 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
3 Kommentare

Hallo Marc, das Thema ... wenig Licht kann auch offener Interpretiert werden als im Text ausgeführt. Wichtig bei der fotografischen Umsetzung ist aber eben das wenige Licht. Sonnige Grüße Prophoto-Team

von Prophoto-Team
02. Juli 2015, 09:00:38 Uhr

Schöne Themen dieses Jahr! Ich hätte mir die Kategorie .../wenig Licht etwas offener gewünscht. Wenig Licht finde ich auch am Tag; ein grelles Riesenrad hat mit wenig Licht nun nicht wirklich viel zu tun... Ist der / ein UND oder ein ODER?

von Marc
01. Juli 2015, 21:30:07 Uhr

Herzlichen Dank für die immer wieder sehr interessanten Infos und Ratschläge. Bitte weiter so !!!!

von Volker Busch
24. Juni 2015, 18:11:46 Uhr

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden