175 Jahre Fotografie - Kamera Displays – Mehr als ein Nebenprodukt der Evolution

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Von der Laterna Magica zum digitalen Kino

Die Projektion auf Glas gemalter, transparenter Bilder gab es bereits lange bevor die Fotografie vor 175 Jahren entdeckt wurde. Als Projektoren dienten „Laterna Magicas“, die zu Deutsch „Magische Laterne“ oder „Wunderlampe“ bezeichneten Geräte, die aus einer Lichtkammer und einem optischen System bestanden, mit denen die gemalten Bilder auf eine Projektionsfläche gelenkt wurden. Später wurden auch Fotografien in dieser Form vorgeführt.

Mit der Geburt des Kinofilms, kam in vieler Hinsicht Bewegung in das Bild. Nicht nur, dass die Bilder laufen lernten, mit dem Erscheinen des Kleinfilmformats für die Fotografie, gewann auch die Projektion von Positivfilmbildern an Bedeutung. Mit dem Siegeszug der Kleinbildkameras, der spätestens mit der Einführung der ersten Leica einsetzte, wurde die Diaprojektion eine wichtige Präsentationsform für die Fotografie. Öffentliche und private Lichtbildvorführungen wurden fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Ihren Höhepunkt fanden sie in den komplexen Multivisions- und Überblendschauen, bei denen Fotos gemischt mit Filmen und Grafiken computergesteuert sowie mit Ton untermalt in auf mehreren Projektionsfeldern vorgeführt wurden. Diese Multivisionsschauen galten damals als technische Highlights der Diaprojektion, die als so spektakulär empfunden wurden, dass man sie beispielsweise 1958 mit der Präsentation des Stückes „Laterna Magica“ einem Mix aus Projektion und Live-Darstellung von Schauspielern, gestaltet von dem Tschechen Josef Svoboda, auf der Weltausstellung Brüssel feierte.

Mit der Erfindung des Fernsehens wurde es möglich, Bilder elektronisch zu erfassen und über eine Kathodenstrahlröhre (CRT – Cathode Ray Tube) an entfernten Orten wieder darzustellen. Damit gab es, neben der Wiedergabe von Fotografien als Abzug auf Papier oder als Projektion auf der Leinwand, ein weiteres Medium zur Darstellung von Bildern, den Bildschirm, synonym auch als Monitor oder Display bezeichnet. Bis Anfang dieses Jahrhunderts basierten diese auf dem Prinzip der Kathodenstrahlröhre, auch nach ihrem Erfinder als „Braunsche Röhre“ bezeichnet. Obwohl ihre Erfindung auf das Jahr 1897 zurückgeht, wurde sie erst ab etwa Ende der 30-er Jahre zur Wiedergabe von Fernsehübertragungen genutzt. Zuvor wurden Displays nicht zur Darstellungen von elektronischen Bildern, wie Filmen und Fotos genutzt, sondern hauptsächlich als Anzeigemedium in technischen Messgeräten verbaut.

Röhren zur elektronischen Anzeige von Mess- oder Einstelldaten in Maschinen oder anderen Geräten wurden schon bald durch Flüssigkristall-Displays (Liquid Crystal Display = LCD) ersetzt, die flacher, kleiner, leichter und preiswerter waren. Ihr Anzeigeprinzip beruht darauf, dass Flüssigkristalle die Polarisationsrichtung von Licht beeinflussen, wenn eine bestimmte Spannung angelegt wird. Die Displays sind mit einem Raster an Segmenten versehen, die beim Anlegen einer Spannung sichtbar beziehungsweise unsichtbar werden und so festgelegte Zeichen darstellen können.

In Kameras hielten LCD noch in Zeiten des analogen Films zunächst nur zur Anzeige der Mess- und Einstelldaten Einzug. Als erste Spiegelreflexkamera verwendete 1984 die Canon T70 ein LC-Display auf der Oberseite. Die Kamera verwendete anstelle von Hebeln, Schaltern und Wahlrädern Tasten zur Einstellung der Aufnahmeparameter, die, ebenso wie das Bildzählwerk, erstmals digital angezeigt wurden. Erst mit der Digitalfotografie erhielten Kameras Bildschirme zur Wiedergabe der Aufnahmen und als Unterstützung zur Wahl des Bildausschnitts.

Während Videofilmer mittelmäßige elektronische Displays als Sucherbild ihrer Camcorder und auch als Monitor zu akzeptieren schienen, hält die Diskussion um die Vorzüge von optischen und elektronischen Suchern in der Fotografie bis heute an. Derzeit wird der Markt für Kameras mit Wechselobjektiven von den Spiegelreflexmodellen mit ihren optischen Suchern beherrscht, obwohl die elektronischen Sucher für Superzoom-, Kompakt- und kompakte Systemkameras mit hohen Auflösungen, schnellen Bildfolgen und sehr geringen Verzögerungen der Darstellung aufwarten können. Als erste D-SLR konnte 2006 die Olympus E-330 das Sensorbild in Echtzeit auf dem Monitor anzeigen, so dass sich dieser auch anstelle des optischen Suchers nutzen ließ. Bei den kompakten Digitalkameras kam diese Technik bereits bei der Casio QV-10 im Jahr 1995 zum Einsatz. Die 0,3-Megapixel-Digitalkamera verwendete ein 4,4 cm großes, schwenkbares LC-Display mit 613.380 Bildpunkten.

Heutige Kameramonitore haben sich in allen wichtigen Kenndaten rasant weiterentwickelt. So sind die Monitorgrößen deutlich gewachsen, die Auflösungen gestiegen, die Reaktionszeiten kürzer und der Kontrast höher geworden. Die Lesbarkeit ist durch die verbesserte Bildhelligkeit und den optimierten Blickwinkel gesteigert worden. Neue Technologien wie OLED (Organic Light Emitting Diode) sorgen ebenfalls für Verbesserungen der Farbwiedergabe, Helligkeit und Brillanz. Bei vielen Kameramodellen lässt sich der Monitor drehen und schwenken, um Aufnahmen aus ungewöhnlichen Perspektiven oder auch Selbstporträts zu erleichtern, wofür früher Winkelsucher als Zubehör eingesetzt werden mussten.

Mit der Einführung der Touchscreen-Technologie dienen die Kameramonitore nicht mehr nur der Anzeige des Bildausschnittes oder des Kameramenus für die Aufnahmeparameter, sondern als interaktives Einstellmenü, das sich per Fingerzeig bedienen lässt. Einige Kameras verwenden ein duales Bedienkonzept, bei dem der Anwender sowohl durch Berührung als auch durch Tasten und Wahlräder durch das Einstellmenu navigieren kann. Ebenso kann bei manchen Kameras per Touchscreen der Fokuspunkt gewählt und ausgelöst werden. Rasant ist in den letzten Jahren auch die Verbesserung der elektronischen Sucher voran gegangen. Hier ist die Auflösung auf über zwei Millionen Bildpunkte gestiegen. Verbessert wurden auch die Sucherbildvergrößerung, die Reaktionsgeschwindigkeit sowie Helligkeit und Kontrast.

Während die Größe der Displays durch die Baugröße der Kameras ihre Grenzen findet, kommen zunehmend externe Monitore für Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras vor allem wegen der immer beliebter werdenden Videofunktionen zum Einsatz. Ebenso werden mithilfe integrierter WiFi Funktionen auch Tablets und Smartphones mit ihren großen Displays zur Anzeige des Sucherbildes und zur Fernsteuerung der Kameras verwendet.

Die Digitalisierung der Fotografie hat nicht nur die Erfassung von Fotos und Filmen revolutioniert, sondern auch ihre Darstellungs- und Betrachtungsmöglichkeiten. Ob Datenbrille, Tablet, Smartphone, Projektor oder Bildschirm – digitale Bilddaten lassen sich auf einer Vielzahl von Geräten darstellen und können in einer Vielzahl von Übertragungswegen direkt dorthin gelangen.

Die technische Bildqualität bei der Wiedergabe digitaler Fotos und Videos schien lange Zeit mit den rasanten Fortschritten in der Aufnahmetechnik kaum Schritt halten zu können. Von der Flimmerkiste wurde im Volksmund abfällig angesichts der Kinobildqualität über den Fernseher geredet. Jetzt scheinen durch die neuen technischen Möglichkeiten der digitalen Bildpräsentation auch diese Grenzen überwunden zu sein und selbst das Kino, als letzte Bastion analoger Qualität, von der digitalen Projektion übernommen worden zu sein.

Geschichte der Fotografie 07 / 2014

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1 Kommentare

Guten Tag Ich hab alle Artikel gelesen und bin sehr beeindruckt von der ganzen Arbeit. Vielen Dank.

von Dieter Hunziker
01. Oktober 2014, 15:56:43 Uhr

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