175 Jahre Fotografie - Väter der Fotografie

Joseph Nicéphore Niépce, 1765-1833
Am Beginn stand Nicéphore Niépce (1765 – 1833). Er machte die erste fotografische Aufnahme der Welt. Der Fotohistoriker Helmut Gernsheim hatte den richtigen Vergleich zur Hand: „Ähnlich wie der Wunsch Indien zu entdecken, Kolumbus stattdessen Amerika finden ließ, so führte Niépces Absicht, Lithographien auf optischem und chemischem Weg herzustellen, zu etwas ganz Neuem, der Fotografie, von ihm Heliografie genannt. Joseph Nicéphore Niépce aus Chalon-sur-Saône, zunächst Offizier, später Erfinder auf verschiedenen Gebieten, war durch die von dem Deutschen Alois Senefelder (1771 – 1834) geschaffene Lithografie (1799) zu Versuchen angeregt worden, die Bilder der Kamera obscura haltbar zu machen. Die Idee: Wenn man den Stein selbst lichtempfindlich machen und darauf in der Camera obscura das Abbild der Natur fixieren könnte, würde man schließend den Stein ätzen und Abzüge auf Papier herstellen können. Die überaus langen Belichtungszeiten von einem ganzen Tag auf der nur sehr langsam arbeitenden Bitumen-Schicht, (die sich unter Lichteinfluss härtet, während die unbelichteten Teile in Lavendelöl löslich sind), ergaben zwar 1824 ein befriedigendes Bild, doch erwies sich das Bild als zu schwach für das zweite Verfahren, die Ätzung.

Louis Jacques Mandé Daguerre, 1787-1851
Bei Versuchen mit anderen Schichtträgern benutzte Niépce das einfachere Kontaktverfahren mit Stichen, die er mit Öl transparent gemacht hatte. Sie zeigten nach zwei- bis dreistündiger Belichtung in der Sonne ein kräftigeres Bild als die Aufnahme in der Kamera, die selbst nach acht Stunden noch unterbelichtet und für die Ätzung ungeeignet waren. Im Januar 1826 erwarb Niépce bei dem Pariser Optiker Charles Chevalier seine erste berufsmäßige hergestellte Kamera obscura. Mit ihr gelang Niépce im Laufe des Sommers 1826 die erste erfolgreiche Aufnahme in der Kamera. Der Lieferant der Kamera, Charles Chevalier, war es, der Niépce im Jahre 1826 darauf aufmerksam machte, dass der Theatermaler und Besitzer des Diorama, Louis Jacques Mandé Daguerre (1787 – 1851) in Paris mit ähnlichen Versuchen beschäftigt sei. Umgekehrt hörte auch Daguerre durch Chevalier von den Versuchen von Niépce und wandte sich bald darauf brieflich an diesen. Als Niépce ein Jahr später durch Paris reiste, lernte er Daguerre persönlich kennen. Die anfängliche, gegenseitige Zurückhaltung beider Erfinder führte dennoch zu einem Gedankenaustausch und zu dem Abschluss eines Vertrages über die weitere Zusammenarbeit und Ausbeutung „der von Niépce gemachten und von Daguerre vervollkommneten Erfindung“. Dieser Vertrag kam am 14. Dezember 1829
Daguerreotypie, Sammlung Uwe Scheid
zustande und sollte zehn Jahre gelten. Schon im Jahr 1833 starb Niépce, Daguerre einigte sich mit dem Sohn Isidore Niépce (1805 – 1868), der in die vertraglichen Rechte seines verstorbenen Vaters eintrat. Niépce hatte bereits Versuche mit Silberplatten angestellt, die er Joddämpfen aussetzte, um blanke Stellen abzudecken. Daguerre fand heraus (1831), dass das gebildete Jodsilber lichtempfindlich ist. Durch einen Zufallsfund stieß Daguerre 1835 auf die Entwickelbarkeit des latenten, d.h. durch Belichtung erzeugten unsichtbaren Bildes auf Jodsilberschichten, durch Quecksilberdämpfe. Bei der Nachbehandlung der belichteten Silberjodidplatte mit Quecksilberdampf wurde auf den belichteten Teilen der Platte ein weißliches Amalgam gebildet. Es handelt sich in einem gewissen Sinne um „Entwicklung“. Wenn Licht auf Jodsilber einwirkte, so reduzierte es diese Verbindung zu freiem Silber; an der Oberfläche wurden an jenen Stellen Quecksilberatome aufgenommen. Auf die unbelichteten Bereiche hingegen hatte das Quecksilber keine Wirkung. Wie das – was man die „Quecksilberbehandlung“ getauft hat – zustande kam, wissen wir nicht. Eine Anekdote berichtet, dass Daguerre durch Zufall auf dieses Verfahren gestoßen sei, er habe, so wird erzählt, eine Anzahl exponierter Silberjodidplatten in einem Schrank untergebracht, die verschiedene Chemikalien enthielten. Nach einigen Wochen bemerkte er ein sehr schönes kräftiges Bild auf einer Platte. Er exponierte frische Platten und legte sie in den Schrank. Nach einigen Stunden waren auf ihnen ebenfalls gute Bilder entstanden. Indem er eine Substanz nach der anderen aus dem Schrank entfernte, entdeckte Daguerre schließlich, dass der Stoff der die Bilder hatte herauskommen lassen, Quecksilber gewesen war. Zwei Jahre später schließlich fand Daguerre im Kochsalz ein Fixiermittel, und auf dieses Jahr datiert ist auch seine erste erhalten gebliebene Aufnahme.

William Henry Fox Talbot, 1800-1877
Der englische Privatgelehrte William Henry Fox Talbot (1800 – 1877) war ein Mann umfassender Bildung. Ein guter Botaniker, ein fähiger Mathematiker, konnte assyrische Keilschriften entziffern und übersetzen und widmete sich hauptsächlich physikalischen Problemen. Fox Talbot machte große Reisen. Im Jahre 1833 war ihm bei einem Versuch, eine Landschaftszeichnung am Comer See mittels Kamera obscura zu fertigen, der Gedanke gekommen, das optische Bild chemisch festzuhalten. Bereits im Jahr 1834 begann er mit entsprechenden Versuchen unter Verwendung von Chlorsilberschichten. Die geringe Lichtempfindlichkeit zwang ihn zu außerordentlich langen, praktisch unmöglichen Belichtungszeiten. Das entstehende Bild war negativ, d.h. die in der Natur hellen Bildteile erschienen dunkel, die Fixierung der Bilder gelang Fox Talbot nur mit größten Schwierigkeiten, bis ihn später Herschel auf das Natriumthiosulphat als Lösungsmittel der unverbrauchten Silbersalze hinwies. Als auch Fox Talbot im Januar 1839 von den Ergebnissen Daguerres hörte, verwies er sogleich auf sein eigenes, noch unfertiges Verfahren und beanspruchte die Anerkennung der Erstrechte – allerdings ohne Erfolg, da Niépce und Daguerre schon viel früher mit ihren Arbeiten begonnen hatten. Wenn auch Fox Talbots Bilder nicht die Brillanz und Schärfe der Daguerreotypien erreichten, so hatte doch sein Verfahren die für die gesamte Fortentwicklung der Lichtbildnerei wichtigste Eigenschaft, dass vom erst entstandenen Negativ beliebig viele positive Papierbilder hergestellt werden konnten. In der fotohistorischen Literatur ist viel darüber gestritten worden, ob Niépce oder Daguerre den Hauptanteil an der Entdeckung der ersten wirklich brauchbaren Ausführung hatten. (Ähnliche Schwierigkeiten bereitete der Fotogeschichte die Frage, ob nicht Fox Talbot der wahre Vater der Fotografie sei, weil er den Positiv/Negativ-Prozess erfunden hat, auf dem unsere heutige moderne Fotografie beruht). Beaumont Newhall hält den Streit für unnötig. „Die Fotografie“, so schreibt er, „ist nicht von einem Einzelnen erfunden worden. Ohne die Herausforderung durch Daguerre und dessen Ausarbeitung einer erfolgreichen fotografischen Technik wären Fox Talbots Arbeiten wohl auf dem Dachboden von Lacock Abbey vergraben geblieben zusammen mit seinen Verbrennungsmaschinen, die nie fertiggestellt wurden.“ „Es ist möglich“, so Newhall weiter, „dass ohne die zähen Bemühungen des Nicéphore Niépce Daguerre ein unbedeutender Maler von populären Darbietungen geblieben wäre. Ohne Daguerres Hilfe wiederum, so kann man sich vorstellen, hätte man vielleicht niemals wieder etwas von Niépce gehört, nachdem dessen Versuch, seiner Erfindung in England zum Durchbruch zu verhelfen, so erfolglos und entmutigend verlaufen war.“

Quelle: Photoindustrie-Verband e.V.

Geschichte der Fotografie 01 / 2014

1 Kommentare

Es ist wie immer: offensichtlich ist noch immer nicht klar, was unter einer camera obscura zu verstehen ist: ein "dunkler Kasten" ist gemeint, und grundsätzlich assoziiert man eine linsenlose Kamera...! Die Erfinder haben aber sämtlich mit einer mit Linsen bestückten Kamera gearbeitet !

Osler

von Osler
06. Januar 2014, 19:18:17 Uhr

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