175 Jahre Bildarchivierung - Safety first oder wo bleibt der Bilderschatz?

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Ob in den Anfängen der Fotografie im 19. Jahrhundert oder heute nach der Jahrtausendwende, ob Berufs- oder Hobbyfotografen – Fotos waren und sind ein wichtiger Schatz, der gut bewahrt sein will.

Diskussionen und Überlegungen, wie man seine Bilder für die Nachwelt erhalten kann, beschäftigen Fotografen und Sammler mit den immer breiter und diffiziler werdenden Möglichkeiten der Archivierung in den letzten Jahren immer intensiver. Die Jahrzehnte um die Geburtsstunde der Fotografie waren mehr von Gedanken geprägt, die darum kreisten, wie man die Aufnahmetechnik verbessern konnte.

Jedes Material ist einem Alterungsprozess ausgesetzt, so ist es auch bei Fotografien. Schon früh war bekannt, dass es Fotografien zur Aufbewahrung dunkel, trocken und möglichst auch nicht zu warm mögen – das gilt gleichermaßen für Papierabzüge als auch für Negative oder Dias.

In alten Zeiten

Glasplatten waren die ersten Trägermaterialien für Fotoemulsionen. Zu den frühesten Verfahren, dauerhafte Bilder zu verwirklichen, gehörte die Heliografie, wie sie einer der Erfinder der Fotografie, Joseph Nicéphore Niépce, entwickelt hatte. Zur Heliografie wurde eine mit Asphalt beschichtete Zinnplatte verwendet, die anschließend geätzt wurde. Nach seinem Erfinder Louis Daguerre ist die Daguerreotypie benannt, das erste praxistaugliche System. Bei ihr wurden Silberplatten, oder als kostensenkendere Variante, mit Silberfolie überzogene Platten belichtet. Von diesen ersten Verfahren des 19. Jahrhunderts unterschieden sich die Talbotypie oder auch Kalotypie, eine von dem Engländer William Henry Fox Talbot erfundene Technik, die im Gegensatz dazu ein Negativverfahren war und die Möglichkeit eröffnete, beliebig viele Abzüge zu machen.

Der Charme der Vergänglichkeit

Bis heute haben sich Bilder auf Glasplatten aus der Frühzeit der Fotografie erhalten ebenso wie spätere Papierabzüge. Ihre Ausbleichung oder auch Verfärbungen werden dabei selten als störend empfunden, sondern machen oft ihren besonderen Charme aus. Ebenfalls bis heute gibt es immer wieder Entdeckungen aus diesen frühen Zeiten der Fotografie. So stieß man auch vor kurzem im Archiv der Abteilung Foto und Film des Münchner Deutschen Museums auf einen spektakulären Schatz: Im Depot fanden sich mehr als 260 Glasnegative – erschaffen und bearbeitet von dem deutsch-amerikanischen Kunstfotografen Frank Eugene, die um 1900 entstanden waren.

Glasnegative lagern noch in vielen Archiven von Fotosammlungen, Bibliotheken sowie Museen und sind eine wichtige historische Quelle, nicht nur wegen ihrer Schönheit, sondern auch wegen der Informationen, die Bilder über die Geschichte vergangener Zeit geben. Glasplatten wurden später durch fotografische Filme abgelöst, die wesentlich leichter zu handhaben waren. Genutzt werden sie unter anderem noch in der Astrofotografie – zum einem wegen ihrer Formstabilität, um große Flächen exakt auszumessen, zum anderen aber auch wegen ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse.

Rolls Royce der Abzüge

Immer wieder feiern fast vergessene Herstellungsverfahren eine Wiedergeburt – nicht zuletzt auch wegen ihrer Haltbarkeit. So ist es mit dem Platinumdruck, den der berühmte Fotograf Elliott Erwitt als den Rolls Royce unter den Fotoreproduktionen bezeichnete. Dieser historischen Druckart widmete im Herbst 2013 die Münchner Galerie Bernheimer eine Ausstellung mit großen Fotografen wie Horst P. Horst oder Irving Penn, die ihre Werke auf Platin gedruckt hatten. Hintergrund war auch, dass viele Sammler nach Fotoarbeiten verlangen, die über einen langen Zeitraum nicht an Wirkung verlieren. Platinumdrucke garantieren auch bei Licht eine besonders lange Haltbarkeit, da die Chemikalien mit einem Pinsel in jedes einzelne Papier eingearbeitet werden.

Die Archivierung von historischen Fotografien setzt vor allen voraus, dass man weiß, mit welchen Materialien und Substanzen sie gefertigt wurden. Ihr komplexer Aufbau macht die Fotos gegenüber physischen Einwirkungen sehr empfindlich. Dazu gehört auch das sorgsame Hantieren von wertvollen Abzügen, um Knicke und Brüche zu vermeiden. Zu einer Grundregel gehört vor allem, die Oberfläche einer Fotografie nicht anzufassen und schon gar nicht ohne Baumwollhandschuhe.

Fotografie als Allgemeingut

Mit der Verbreitung des Films wurde die Fotografie Allgemeingut. Archiviert wurden im Privatbereich vor allem Abzüge, eingeklebt in Alben oder verstaut in Schubladen sowie Kartons, aber auch Negative und Dias. Berufsfotografen archivierten nicht nur die Abzüge ihrer Bilder, sondern, im eigenen Interesse, auch die Negative für die Nachbestellungen. Viele Hersteller brachten Archivierungsmaterialien auf den Markt, ob Hängeregistraturen, in denen sich die Mappen mit Diasheets verstauen ließen oder schadstofffreie Hüllen für Dias, Rahmen und Passepartouts in zahlreichen Ausführungen. Die frei verwendbaren Attribute säurefrei und archivtauglich waren die Schlagworte, mit denen Firmen für ihre Produkte warben. Dem gegenüber stand der P.A.T. – Photography Activity Test – der Materialien auf die chemischen Auswirkungen auf Fotografien prüft und international anerkannt ist.

Die Tiefen des Computers

Eine grundlegende Änderung hat die Archivierung von Fotografien durch das Digitalzeitalter erfahren. Schuhkarton und Archivschränke hatten mehr oder weniger ausgedient. Zu Beginn des Digitalzeitalters wurden vor allem CDs als Speichermedium gewählt. Trotz der Versprechen der Hersteller, die eine immer höhere Lebensdauer garantierten, haben sich diese Medien – wie auch DVDs oder Blu-ray Discs nicht als optimal für ein größeres Bildarchiv erwiesen. Auch bei sorgfältiger Beschriftung kann sich die Suche, wie man sie zum Beispiel auf einer Festplatte über ein komplettes Archiv starten kann, mit Einzelspeichern als eine mühsame Arbeit erweisen. Wer wie ein Diskjockey eine Scheibe nach der anderen wechseln muss, um endlich bei dem Bild mit dem gesuchten Porträt zu landen, wird den Minuspunkt dieser Archivierungsmethode kennen.

Die Lösung

Archivierungssysteme waren und sind eine mögliche Lösung, um seiner Bilddaten Herr zu werden. Dies setzt jedoch voraus, sich ihre Vorzüge mit einer entsprechenden Verschlagwortung zu Nutze zu machen. Nur auf diese Weise entgeht man den Tiefen eines Computers, auf dem Bilder mit kryptischen Namen abgelegt sind, die weitaus schwieriger aufzuspüren sind, als in jedem Schuhkarton mit zig Aufnahmen. Die Weiterentwicklungen schreiten voran – dementsprechend erweitert sich der Funktionsumfang angebotener Software, deren Aufgabe es ist, immer größere Mengen an digitalen Bildern verwalten zu können.

Erfreulich für Fotografen ist, dass Speicherplatz mit den Jahren zunehmend günstiger wurde, und Festplatten inzwischen nur einen Bruchteil von dem kosten, wie ehedem ausreichend große Archivschränke für das Bildmaterial. Doch die digitalen Speichermedien sind anfälliger für die Gefahren des Datenverlustes, wenn zum Beispiel eine Festplatte den Geist aufgibt – vergleichbar ist das nur mit einem Brand und totalem Wasserschaden in der Analogzeit, die doch eher selten waren.

Die Gefahr des Bilddatenverlustes wird durch eine doppelte Sicherung minimiert. Ein automatisches Back-up einer Bilderdatenbank auf zwei von einander unabhängig laufenden Festplatten gehört – zumindest in Profikreisen – heute zum Sicherheitsstandard. Oft, und das sollte man bedenken, halten die Datenträger jedoch länger als die notwendigen Lesegeräte oder man besitzt keine entsprechende Software mehr, um sie zu lesen. Sicherheit garantiert nur ein regelmäßiges technisches Update.

Sicherheit in der Wolke

Cloud Computing ist seit einigen Jahren eines der Schlagworte, wenn es um das sichere Aufbewahren von Daten geht. Aber vielen Verbrauchern ist die Cloud noch immer suspekt. Andere Innovationen müssen oft die Hürde der Finanzierung nehmen, bei der Cloud gilt es, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Dabei hat sich erwiesen, dass hiesige Verbraucher es bevorzugen, ihre Daten in einem deutschen Rechenzentrum zu wissen. Cloud-Dienste können mehr oder minder standardisiert in Selbstbedienungsportalen benutzt werden. Anmeldung und Konfiguration sind einfach zu bewältigen, Punkte, die auf Dauer vielleicht manchen Fotografen von der Cloud überzeugen werden, ebenso wie die Kosteneinsparung und die stete Verfügbarkeit der Bilddaten, egal wo und über welchen Rechner man auf sie zugreifen möchte. Ein Zugriff auf die Daten in der Cloud ist über jedes internetfähige Gerät möglich, zum Beispiel auch über einen Tablet-PC oder ein Smartphone. Ein Problem kann natürlich beim Down- oder Upload großer Dateien die Übertragungsgeschwindigkeit des Internets sein.

Das Problem, auch über lange Zeiträume immer auf seine Bilddateien zugreifen zu können, verlangt von Fotografen, sich ständig mit der Aktualisierung seiner Programme zu beschäftigen, um nicht eines Tages Dateien nicht mehr öffnen zu können. Nach Aussage von Professor Dr. Gunter Dueck, Cheftechnologe, IBM Deutschland und Vor- und Querdenker mit dem Codenamen „Wild Duck“, muss man sich die Cloud im Verhältnis zur konventionellen Speicherung vorstellen wie den Unterschied zwischen einer Eigentumswohnung und einer Mietwohnung. In der Eigentumswohnung muss man verwalten, renovieren – im zweiten Fall nur bewohnen.

Ausdrucke von großer Nachhaltigkeit

Noch hat sich kein Medium als nachhaltiger erwiesen als der analoge Ausdruck, also der Druck auf Papier. Er kann ohne Geräteeinsatz interpretiert werden. Er lässt sich einfach kopieren und gilt als langlebig. Viele Fotografen haben sich zwar entschlossen, mit viel Aufwand ihr analoges Archiv zu digitalisieren, aber andere lassen die Bilder der Vergangenheit – ob Abzüge, Negative oder Dias – in ihrer ursprünglichen Form.

Viele Experten sind heute noch der Meinung, dass die Digitalisierung niemals die analoge Bildsicherung ersetzen kann. Manche Institutionen und Museen sichern ihre Fotobestände wie Glasnegative auf extrem auflösenden und langzeitstabilen Mikrofilmen. So können Glas- und Filmnegative ohne nennenswerten Tonwertverlust aufbewahrt werden.

Menschen sind Jäger und Sammler, das gilt auch für Fotos. Nicht nur für sich selbst möchte man Bilder erhalten, sondern auch für die Nachwelt Dokumente bewahren, die einem wichtig waren und deren Bedeutung nicht verschwinden soll. Deshalb wird das Thema Archivierung von Bildern auch in Zukunft Fotografen beschäftigten, die ihren Bilderschatz sicher verwahrt wissen möchten.

Geschichte der Fotografie 06 / 2014

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1 Kommentare

Als alter Hobbyfotograf hat mich das Thema Archivierung meiner digitalen Schätze schon einige Jahre beschäftigt. Auch ich arbeite zweigleisig, d.h. mit der Festplatte meines PCs und mit einer externen USB-2.0-Festplatte von 1 TB Speicherkapazität. Inzwischen scheint mir aber meine Methode der Archivierung immer riskanter, da auch externe Festplatten keine lange Lebensdauer garantieren. Mir geht es darum, dass ich beliebig oft auf meine Schätze zurückgreifen kann, solange ich(!) noch lebe. Daher habe ich mich dazu entschlossen, die Sicherung meiner Dateien auf der M-Disc (M für Millenium) von LG entschlossen. Dort habe ich dann die Garantie, dass meine Dateien 1000 Jahre haltbar gespeichert werden können (für einen akzeptablen Preis). Da ich zufällig Besitzer eines PCs mit LG-Brenner-Laufwerk bin, kommt mir das sehr entgegen.

von Folker Pfennig
11. Juni 2014, 18:58:59 Uhr

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