175 Jahre Fotografie - Der Kinofilm ein Kind der Fotografie

© Bildarchiv Koshofer
© Bildarchiv Koshofer
Hervorgegangen aus den mechanischen „Lebensrädern“ des 19. Jahrhunderts entstand der Kinofilm parallel zum Fotofilm. Er unterhält, bildet und informiert seit rund 120 Jahren. Am Beginn standen Guckkästen zur Betrachtung, dann folgten Wanderkinos, feste Lichtspieltheater und Filme im Fernsehen. In den heutigen Kinozentren hat die digitale Speicher- und Projektionstechnik begonnen, den Positivfilm abzulösen. Das große Hollywoodstudio Paramount hat kürzlich bekannt gegeben, Kinoproduktionen nicht mehr auf Film zu kopieren. Betroffen sind davon Kinos, die nur Filme projizieren können. Doch das sind in den USA nur acht Prozent der über 40.000 Kinos.

Die Ursprünge: Eastman, Edison und Lumière

© Bildarchiv Koshofer
© Bildarchiv Koshofer
1890 begann George Eastman in den USA damit, an den amerikanischen Filmpionier Thomas Alva Edison perforierte Filmbänder für seinen Kinetograph genannten Apparat für die Aufnahme von Bewegungsstudien zu liefern. 1893 führte Edison sein Kinetoskop als Betrachtungsautomat für 15 m lange Filme ein, die nach Einwurf einer Geldmünze angeschaut werden konnten. Die Filme waren bereits wie der spätere Standard 35 mm breit. Am 14. April 1894 – also vor nun 120 Jahren – wurde in New York der erste öffentliche Kinetoscope-Salon mit zehn dort aufgestellten „Guckkästen“ eröffnet.

Fortschrittlicher als Edison waren die französischen Brüder Auguste und Louis Lumière, die ihre Filme auf Leinwände projizieren konnten. 1895 war die Geburtsstunde des Kinos: Der Kinematograph von Lumière wurde vorgestellt. Im selben Jahr präsentierten die Brüder Max und Emil Skladanowsky im Berliner Varieté „Wintergarten“ ihr erfolgloses Bioskop zur Vorführung von kurzen Filmen.

1896 brachte Eastman Kodak den ersten Positivfilm für Kopien auf den Markt. Die ersten Abnehmer waren Edison und Charles Pathé in Frankreich. Agfa folgte 1908 und brachte 1912 auch Negativfilme für die Aufnahmen heraus. Der schnell wachsende Bedarf an Filmen führte 1910 zur Inbetriebnahme der neuen Agfa Filmfabrik in Wolfen bei Dessau, die damals die größte in Europa war. Von Kodak erschien 1913 auch ein panchromatischer Negativfilm, der alle Farbwerte in Grautöne umsetzte und keine Rotlücke mehr besaß wie die Vorgänger.

Vom Stummfilm zum Tonfilm

Bereits 1895 kombinierte Edisons Phonograph den Kinetoscope-Film mit Geräuschen. Der deutsche Filmpionier Oskar Meßter führte seine „Tonbilder“ von 1903 an mit Schallplatten-Begleitung vor. In großen Kinos wurden die stummen Filme von Klavier oder Orgel und sogar von Orchestern begleitet, es gab eigens komponierte Filmmusiken. Doch um 1929 kam der Tonfilm heraus, die Aufzeichnung der Töne geschah fotografisch, nämlich mit zacken- oder sprossenförmigen Lichtimpulsen am Filmrand. Dazu wurde das seit Edison geltende Filmformat 1.33:1 geändert in 1.375:1. In Deutschland waren es die drei Erfinder Dr. Josef Engl, Joseph Masolle und Hans Vogt, die ihr „Tri-Ergon“-System schon 1923 in öffentlichen Vorführungen erprobten. Der erste abendfüllende Tonfilm war 1928 „The Jazz Singer“ aus Hollywood, der erste deutsche „Die Melodie der Welt“ (1929).

Vom Kolorieren zum Farbfilm

© Bildarchiv Koshofer
© Bildarchiv Koshofer
Die meisten Stummfilme waren schon „irgendwie“ farbig, nämlich koloriert, viragiert oder getont. Schon 1985 zeigten der Franzose Georges Méliès und der Engländer Robert W. Paul handkolorierte Filme. 1905 richtete Charles Pathé in Paris einen Betrieb für sein Pathécolor-Verfahren ein, bei dem Filme mittels Schablonen eingefärbt wurden, welche Teilbereiche des Positivs abdeckten, so dass die Farbstoffe nur an den freien Stellen einwirken konnten. So konnten bis zu sechs Farbtöne auf den Filmen aufgetragen werden. Die zur gleichen Zeit ausgeübte Virage war dagegen monochrom, denn bei ihr wurde nur die Filmunterlage eingefärbt, so dass in der Projektion die hellen Bildpartien farbig erschienen. Es entwickelte sich eine „Viragesprache“: Blau für Kälte, Gelb für Innenräume, Grün für Natur und Rot für Liebe, Gefahr und Feuer. Auch die Tonung war einfarbig, hier wurden aber die Silberbilder auf dem Film, also die dunkleren Partien, chemisch in einen Farbstoff umgewandelt. Virage und Tonung konnten auch für zweifarbige Filmbilder kombiniert werden. Zum monochromen Erscheinungsbild der Filme trugen aber auch bereits in ihrer Unterlage eingefärbte Positivfilme ein, die als erste 1912 von der belgischen Filmfabrik Gevaert angeboten wurden. Die Farbigkeit der Stummfilme ging mit dem Umkopieren auf nicht brennbare Sicherheitsfilme verloren, wurde erst in den 1980-er Jahren wiederentdeckt und bei Filmrestaurierungen erneuert.

Die „echten“ Farbfilme machten seit der ersten öffentlichen Aufführung eines Kinemacolor-Films in London im Jahre 1909 einen Wandel von den zum Teil umständlichen optisch-mechanischen und Raster-Verfahren zu chemischen durch. Damit vollzogen sich auch Übergänge von Verfahren mit additiver Mischung farbigen Lichts (rot, grün und blau) zur subtraktiven mit gelben, purpurnen und blaugrünen Körperfarben. Ein Wegbereiter war Technicolor, unter dessen Namen bis in die jüngere Zeit unterschiedliche Aufnahme- und Wiedergabeverfahren steckten. Mit „The Gulf Between“ entstand in den USA 1917 der erste noch additive farbige Spielfilm. Er war, wie danach noch viele Filme bis 1954, nur zweifarbig (rotorange und blaugrün). Solche Filme waren aufnahme- und kopiertechnisch einfacher und billiger als dreifarbige Filme, wurden aber vor allem für Western und Abenteuerfilme angewandt.

Technicolor, ab 1932 auch dreifarbig geworden, musste sich bis 1955 komplizierter Kameras bedienen, in denen drei Schwarzweißfilme jeweils die roten, grünen und blauen Farbeindrücke aufzeichneten. Die Filmkopien wurden bis 1973 und kurzfristig wieder 1998 bis 2003 mit den Farbstoffen bildmäßig „bedruckt“. Daher brachten die von Agfa und Kodak Mitte der 1930-er Jahre erfundenen mehrschichtigen Filme, den Fortschritt, als Negativ in jeder üblichen Filmkamera aufgenommen und als Positiv wie Schwarzweißfilme kopiert werden zu können. Das war schließlich die technische Wende beim Farbfilm. Sie ist verbunden mit den Namen Agfacolor (ab 1939) und Kodak Eastman Color (ab 1950) sowie mit Kodachrome als 16mm-Schmalfilm (1935).

Plastische und breite Filme

Der Wunsch, Filme mit Bildern zeigen zu können wie sie die menschliche Augen räumlich sehen, führte zu den plastischen „3D“-Filmen. Es gab sie schon um 1922, wieder kurz aufgelebt in rund 80 Hollywood-Produktionen 1952 bis 1955 und heute perfekt durch digitale Projektion. Die Grundlage bestand immer aus zwei Filmen für das Rechts- und das Linksbild oder einzelnen Filmen mit beiden Teilbildern neben- oder übereinander, früher zumeist mit zwei Kameras aufgenommen und mit zwei Projektoren synchron projiziert. Der erste öffentlich gezeigte deutsche 3D-Film, der durch Polarisationsfilter aufgenommen und betrachtet wurde, war 1937 ein kurzer schwarzweißer Werbefilm mit dem viel versprechenden Titel „Zum Greifen nah“. Als erster abendfüllender amerikanischer 3D-Spielfilm in Farbe kam „Bwana Devil“ 1952 in die Kinos.

Filme, die breiter als 35 mm waren, sogar bis zu 75 mm, waren schon 1898 produziert worden und hatten eine erste kurze Blütezeit in den 1930-er Jahren. Später wurden sie in den 1950-er Jahren eine „Waffe“ gegen das Fernsehen, indem damals noch beschränkt großen TV-Bildschirm ein übergroßes, farbiges Kinobild entgegengesetzt wurde. Damals wusste man noch nicht, dass es einmal großformatiges Breitbildfernsehen geben würde. Die neueren Breitfilme sind vor allem mit den Namen Cinerama, CinemaScope und Todd-AO verbunden. Das 1952 in den USA vorgestellte und später auch in deutsche Säle gelangte Cinerama, war ein mit drei Kameras und drei Projektoren arbeitendes Panorama-Verfahren. Vor allem in der Sowjetunion wurden ähnliche Filme produziert. Das 1953 mit „The Robe“ („Das Gewand“) eingeführte CinemaScope des Filmstudios 20th Century Fox erzeugte dagegen mit jeweils nur einer Kamera und einem Projektor ein Breitbild im Seitenverhältnis von 2.35:1, anfangs sogar 2.55:1. Vor den Objektiven von Kamera und Projektor befindet sich bei solchen Filmen, die später auch unter Bezeichnungen wie Panavision liefen, ein so genannter Anamorphot-Vorsatz, der das Filmbild seitlich so zusammendrückt, dass es auf den normalen 35mm-Film passt. Dafür waren natürlich verbesserte feinkörnige und scharfe Filmmaterialien erforderlich. Todd-AO hieß das erste Breitwand-Verfahren mit einem 65 mm breiten Film für die Aufnahmen, die auf einen 70 mm breiten Positivfilm (mit Magnettonspuren) im Seitenverhältnis 2.2:1 kopiert wurden. Der erste Film mit dem nach dem Filmpionier Michael Todd und dem Objektivhersteller America Optical benannten Verfahren war „Oklahoma“ (1955). Mit im Spezialprojektor horizontal laufenden 70mm-Filmen arbeitet das Großbildverfahren IMAX, das seit 1970 in eigenen Kinosälen weniger Städte, darunter Berlin, vorgeführt wird und für das es auch 3D-Filme gibt.

Filme für das Fernsehen

© Bildarchiv Koshofer
© Bildarchiv Koshofer
Filme spielten auch für das Fernsehen wichtige Rolle. Sie wurden beim ersten deutschen Fernsehbetrieb (1935-1945) im Aufnahmewagen schnell entwickelt und dann ausgestrahlt. Man kam damit einer Lifeaufnahme nahe. Auch wurden bei Shows und Fernsehspielen statt der elektronischen Kameras oft mehrere Filmkameras benutzt, um die Sendung von einem zusammen geschnittenen Film wiederholen zu können. Mit dieser Technik wurde vermieden, dass Schauspieler mehrmals in das Studio kommen mussten. Das Weihnachten 1952 eingeführte westdeutsche Nachkriegsfernsehen benutzte bis zum Beginn der magnetischen Aufzeichnung mit AMPEX-Geräten die FAZ-Technik, das heißt die Aufzeichnung von Sendungen direkt vom Bildschirm mit speziellen Filmen. Das war natürlich in der Bildqualität noch unzulänglich. Aber Filme spielten auch als direktes Aufnahmemedium eine wichtige Rolle, so als 35mm Film für Fernsehspiele und als 16mm Film für Reportagen. Die Fernsehanstalten unterhielten für die Entwicklung der Filme sogar eigene Labors, in denen auch Farbfilme verarbeitet werden konnten.

Von 16mm zu Super 8 – Die Amateurfilme

Für den 35 mm breiten Normalfilm brachte Oskar Meßter schon 1897 eine Kamera heraus. Eine weitere frühe deutsche Amateurkamera, die 1904 von Ernemann, Dresden, eingeführt worden war, verwendete, wie damals andere Kameras auch, einen auf 17,5 mm geteilten Film. Es folgten noch andere Formate bis die früheren Standards gesetzt wurden: 1923 von Kodak für 16mm und 1932 für 2 × 8 mm, 1935 von Bell & Howell (USA) für 8mm. Schnell schlossen sich weitere Filmhersteller an. Agfa brachte schon 1927 den 16 mm Film auf Sicherheitsunterlage heraus. Beim Doppel-8 Film (2 × 8 mm) musste der 16 mm breite Film nach der Hälfte der Aufnahmen umgewendet wieder eingesetzt werden, um vom Entwicklungslabor zusammengeklebt, einen 15 Minuten langen und nur 8 mm breiten Film zu erzeugen. Er erfreute sich größter Popularität bei dem nach dem II. Weltkrieg stark aufblühenden Filmhobby. Doch das Filmeinlegen war beschwerlich, weshalb Kodak 1965 die Super-8-Kassette herausbrachte, die zugleich ein gegenüber Normal-8 um 50 Prozent größeres Bildformat mit sich brachte. Das leistetet auch das vorführkompatible Kassettensystem System Single 8 von Fuji. Obwohl es besser war, schlossen sich die Filmhersteller wegen Kodaks Dominanz alle Super 8 an. Doch in den 1980-er Jahren begann die Umstellung auf Video, was neue Kameras erforderlich machte, um auf Magnetbändern aufzunehmen.

Farbige Schmalfilme konnten schon seit 1928 mit den umständlichen Linsenrasterfilmen Kodacolor und Agfacolor gedreht werden, die dann 1935/1937 von Kodachrome und Agfacolor Neu entsprechend den neuen Diafilmen abgelöst wurden. Schmalfilme spielen heute nur noch eine Nischenrolle – die Digitaltechnik hat hier bereits gesiegt.

Geschichte der Fotografie 08 / 2014

2 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden