175 Jahre Fotografie - Die Wunderwelt der Bilder

© photokina, Leica-Galerie
© photokina, Leica-Galerie
Eine glitzernde Glaskugel mit dem Foto der Kinder, die schönsten Urlaubsaufnahmen auf Leinwand, Holz, Kristall oder Porzellan, Erinnerungsbilder, aus denen ganz einfach beeindruckende Fotobücher entstehen, Gebäude, die während ihrer Restaurierung von riesigen Fotografien verhüllt werden, Garagentore, die einen mit einem Sonnenaufgang begrüßen, Selbstbildnisse aus dem 3D-Drucker, die auf dem Kaminsims das Ich in Miniatur präsentieren: Fast unendlich scheinen die Möglichkeiten, Fotos zu zeigen und vielfältig sind die Herstellungsverfahren vom heimischen Drucker über das Labor bis zum Selbstbedienungsterminal – die Pioniere des Mediums Fotografie hätten es sicher für einen unerfüllbaren Traum gehalten, was heute alles möglich ist. Was früher undenkbar schien, hat sich in der 175-jährigen Geschichte der Fotografie zu einer unendlichen Wunderwelt der Bilder entwickelt, die keine Grenzen zu kennen scheint.

Ihren Siegeszug rund um die Welt verdankt die Fotografie nicht nur dem Potenzial, das sie durch die Erfindungen und Weiterentwicklung von Kameras und Objektiven erfahren hat, sondern vor allem auch der Entwicklung der Printverfahren, deren Fortschritte erst die vielfältigen Möglichkeiten der Fotografie erschlossen haben.

© photokina, Fotoausstellung Manfred Baumann
© photokina, Fotoausstellung Manfred Baumann
Der Maler und Erfinder Louis Jacques Mandé Daguerre machte 1839 in Paris die ersten Fotografien. Die nach ihm benannte Daguerreotypien, Positive, von denen jedes ein Unikat war, wurden der französischen Akademie der Wissenschaften vorgestellt, die sie am 19. August 1839 der Öffentlichkeit präsentierte – die Geburtsstunde der Fotografie. Vorausgegangen war Daguerres Erfolg der Vertrag, den er mit Nicéphore Nièpce am 14. Dezember 1829 geschlossen hatte, sich über ihre Fortschritte, das flüchtige Bild mit chemischen Mitteln festzuhalten, auszutauschen. Per Briefwechsel informierten sie sich gegenseitig, wie welche chemischen Substanzen reagierten. Nièpce erlebte den Erfolg nicht mehr, er erlag 1833 einem Gehirnschlag. Der französische Staat belohnte Daguerre mit einer lebenslangen Rente von 6000 Franc, den Sohn von Nièpce mit einer solchen von 4000 Franc und stellte das Daguerreotypie-Verfahren der Welt zur freien Verfügung.

Schon wenig später überraschte William Henry Fox-Talbot im Jahre 1840 mit dem ersten Negativ-Positivverfahren, das als Talbotypie, benannt nach seinem Erfinder, oder auch als Kalotypie in die Fotogeschichte einging. Ein großer Pluspunkt der Talbotypien war, dass sie sich beliebig oft reproduzieren ließen. Auch, wenn über mehr als ein Jahrzehnt die bestechend schönen Daguerreotypien gegenüber den Talbotypien auch in ihrer Schärfe im Vorteil waren, hatten sie auf Dauer keine Chance des Überlebens. Das Negativ-Positiv-Verfahren blieb im Wesentlichen die Grundlage fotografischer Prozesse bis ins Digitalzeitalter. 1844 kam Talbots Schrift „Pencil of Nature“ als erstes Fotobuch heraus, das mit 24 Originalabzügen illustriert war und die neue Technik demonstrierte.

© photokina, Blende-Ausstellung, Messeboulevard
© photokina, Blende-Ausstellung, Messeboulevard
Eine deutlich bessere Auflösung erreichte 1851 der britische Bildhauer Frederic Scott Archer mit seinem nassen Kollodiumverfahren, dessen Entwicklung sich auch Gustave Le Gray zugute schrieb. Gray hatte das Verfahren zwar 1850 beschrieben, aber seine Ausführungen waren offensichtlich so unklar, dass erst Archers Angaben für die Verwendung die nötige Klarheit brachten.

Das nasse Kollodiumverfahren lieferte zwar gute Ergebnisse, aber es war sehr kompliziert. Schon in den Frühzeiten der Fotografie war Mobilität, um die Schönheiten der Welt festzuhalten, ein wichtiges Thema. Um Bilder mit den damaligen Verfahren zu verwirklichen, mussten Reisefotografen mit ihrer eigenen Dunkelkammer unterwegs sein.

Schon im Jahr 1860 wurde die erste fotochemische Fabrik in Frankfurt am Main gegründet. Sie stellte unter dem Namen Adox fotografische Trockenplatten und Filme her, später auch Kameras und Projektoren. Die „Adox Fotowerke Dr. Carl Schleussner Fotochemie“ existierte bis 1995.

Die Fotografie wird mobiler

Paris
Paris
Die Popularisierung der Fotografie war im Laufe der 1880-erJahre vor allem der Neuentwicklung der Bromsilbergelatine-Trockenplatte und der dadurch ermöglichten Trennung von Aufnahme und Entwicklung zu verdanken. Die von dem englischen Arzt und Amateurfotografen Richard Leach Maddox im Jahre 1871 vorgestellte Methode konnte sich nach und nach gegen die vorherigen Verfahren durchsetzen. Es konnten beliebig viele Platten hergestellt werden und es musste auch keine komplette Dunkelkammer mehr mitgeführt werden. Die Trockenplatte war eine entscheidende Erleichterung – einfache Handhabung, Haltbarkeit, jederzeit gebrauchsfertig und kostengünstig. Der Fotograf der Frühzeit benötigte umfangreiche Kenntnisse der Chemie, da er sein Aufnahmematerial weitgehend selbst herstellen und bearbeiten musste. Auch die Kosten waren enorm. Der hohe Preis, der für eine Daguerreotypie-Ausrüstung verlangt wurde, war damals mehr als das Jahreseinkommen eines einfachen Arbeiters.

Jahrzehnte dauerte es, bis durch die Entdeckung der Farbstoff-Sensibilisatoren, wie Grün und Gelb, 1873 von H. W. Vogel und im Weiteren von J. M. Eder im Jahr 1884 sowie des Rottons von Adolf Miethe 1903, die Möglichkeit, Fotos auch in Farbe wiederzugeben, geschaffen war. Jahrzehntelange Forschungsarbeit war nötig, um die Farbempfindlichkeit, die Körnigkeit und Gradation des Materials auf einen Stand zu bringen, der in der Qualität dem heutigen Anspruch an analoges Filmmaterial und seinen Vergrößerungsstandard entsprach.

Fotografie für den Massenbedarf

Kodak
Kodak
Die Voraussetzung, die Fotografie zu einem Massenmedium zu machen, schaffte George Eastman, der zusammen mit William Walker den Film als fotoempfindlichen Schichtträger entwickelte. 1888 kam seine Boxkamera mit integriertem Film heraus, die mit dem berühmten Werbespruch „You press the Button, we do the Rest“ als erste Schnappschusskamera die Welt eroberte. Diese mit einem Film geladene Kamera sandte der Kunde nach Belichtung seiner Aufnahmen zur Entwicklung der Bilder an die Firma zurück und bekam sie neu geladen zurück. Kurz darauf flatterten dem Fotografen die Negative und Abzüge des entwickelten Films ins Haus. So einfach das Prinzip jetzt auch war, Abzüge seiner Fotos zu bekommen, so blieb der Preis jedoch noch hinderlich. Erst die Weiterentwicklung von Boxkameras machte die Fotografie erschwinglich.

Aber die Möglichkeit, einfach und kostengünstig Bilder seiner Fotomotive zu bekommen, befriedigte den Qualitätsanspruch mancher Fotografen nicht. Schon Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten sich einige Edeldruckverfahren, mit denen man seinen Motiven eine spezielle Anmutung und Ausstrahlung geben konnte. Zu ihnen gehörten zum Beispiel der Albumin-, der Bromöl oder Gummidruck.

Noch bis vor wenigen Jahrzehnten hatten viele Profifotografen und auch zahlreiche Amateure ihr eigenes Labor, in dem sie ihre Aufnahmen teilweise selbst entwickelten und Bilder retuschierten und vergrößerten. Für sie wurden von den Herstellern immer einfacher zu verarbeitende und umweltfreundlichere Chemikalien und Fotopapiere angeboten. Die Arbeit in der Dunkelkammer gehörte bei einer erstaunlichen Zahl engagierter Fotografen für lange Zeit wie die Aufnahme selbst zum Fotografieren dazu.

Der Siegeszug digitaler Daten

Epson Stylus Office BX925FWD
Epson Stylus Office BX925FWD
Zum Ende des 20. Jahrhunderts löste die Digitalfotografie die analogen Aufnahmeverfahren immer mehr ab. Digitale Daten eröffneten vollkommen neue Möglichkeiten, Bilder zu verarbeiten und zu zeigen. Die Fotografie hatte sich weitgehend aus der Dunkelkammer verabschiedet. Digitale Daten konnten am Computer verarbeitet und online für Bilderwünsche an Fotodienstleister versendet werden.

Anfang dieses Jahrhunderts etablierten sich im Fotohandel und Drogeriemärkten Bildterminals unter anderem von Fujifilm, CEWE, Agfa und Kodak, mit denen man in Selbstbedienung Papierbilder von Digitalfotos bestellen kann. Für das Homeprinting standen immer mehr Drucker zur Verfügung – entweder als Stand-alone-Lösungen oder auch als Multifunktionsgeräte. Wer dachte, in Zeiten, wo man seine Bilder doch auf Bildschirmen bewundern konnte, würde die Papiervielfalt für anspruchsvolle Abzüge verschwinden, sah sich getäuscht. Nach wie vor schätzen viele engagierte Amateur- wie Profifotografen die Auswahl an schönen Papieren, deren unterschiedliche Ausprägungen individuelle Darstellungen ermöglichen.

Eine Erfolgsgeschichte

Cewe
Cewe
Über viele, viele Jahrzehnte klebte man seine Fotos in Alben. Sie waren der Schatz der Erinnerungen und sind es auch heute noch. Aber seit mehr als zehn Jahren haben sie eine starke digitale Konkurrenz bekommen. Als Fotobuch-Erfinder und weltweit erster Anbieter individuell hergestellter Fotobücher trat 2003 fotobuch.de auf den Plan. Dort hatte man sich passend zur Digitalfotografie einfallen lassen, Digitalbilder auch digital zu Büchern zu verarbeiten. Innerhalb weniger Jahre schrieb das Fotobuch eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Zahlreiche neue Hersteller schossen aus dem Boden oder bestehende Fotolabore kompensierten mit diesem Produkt die sinkenden Umsätze mit Papierabzügen. Als größter europäischer Fotodienstleister etablierte sich das ehemalige Großlabor für die Ausarbeitung von Papierbildern CEWE, wo seit 2005 Fotobücher hergestellt werden. Allein im Jahr 2013 wurden nur in Deutschland 7,9 Millionen Fotobücher verkauft – und die Erfolgsstory geht weiter. Heute gibt es das Fotobuch in verschiedensten Formaten und Ausführungen: ob quer oder quadratisch, ob auf echtem Fotopapier oder im Digitaldruck, im Hosentaschen- oder Panoramaformat. Nicht zu vergessen ist, dass auch die Gestaltung der Fotobücher im Laufe der Zeit immer einfacher wurde.

Ideen für Fotogeschenke

Foto, tecco
Foto, tecco
Zur Selbstverständlichkeit sind individualisierte Fotogeschenke geworden. Schier unüberschaubar ist heute das Angebot von Produkten, mit denen man seine Fotos ins rechte Licht rücken kann. Angefangen hat die Erweiterung der Übertragungsmöglichkeiten von Fotos auf anderen Medien und in neuen Formen mit den bedruckten T-Shirts sowie den Grußkarten und Kalendern mit eigenen Bildern. Heute werden die Ideen im Bildermarkt – sowohl für den Eigengebrauch als auch als Geschenk – immer pfiffiger: So kann man sich auf das Kopfkissen mit dem Bild des Liebsten betten, aus der Zaubertasse trinken, bei der nach dem Kaffeegenuss am Boden ein Foto erscheint, oder sich einen Duschvorhang fertigen lassen, auf dem einem die Kinder bei ihren ersten Schwimmversuchen entgegenstrahlen. Selbst das Handy lässt sich mit einer Schutzhülle versehen, die ein Lieblingsbild des Besitzers ziert. Aktuelles Trendthema sind Selbstbildnisse als Miniaturfigur aus dem 3D-Drucker. Es wird ein Rundum-Foto geschossen, auf den Computer geladen, berechnet und bearbeitet und anschließend wandert es in den Drucker. Schicht für Schicht wird aneinander gelegt und dabei entsteht der feste 3D-Körper aus einem Plastik, Gips- oder Kreidegemisch.

Die Renaissance traditioneller Verfahren

Ausstellung Naturfototage Fuerstenfeld
Ausstellung Naturfototage Fuerstenfeld
Auch, wenn es eine unendliche Zahl an modernen Präsentationsmethoden für Bilder gibt, findet sich immer noch eine erkleckliche Zahl an Anhängern traditioneller Printverfahren. Gerade im Fotokunstbereich zählt die besondere Anmutung eines Papiers oder Druckverfahrens als ein Medium, das einem Bild erst seine Seele einhaucht. Zu den Verfahren, die gegenwärtig eine Renaissance erleben, gehört unter anderem der Platinumdruck. Ein Platinumabzug, bei dem die Chemikalien mit einem Pinsel auf ein handgemachtes Papier eingearbeitet werden, überzeugt nicht nur durch die Beständigkeit der Abzüge, sondern auch dadurch, dass jedes Bild durch die Handarbeit einen Unikatcharakter erhält.

Heute können rund um die Welt Milliarden Menschen ihre Erinnerungen mit einer Kamera in Bildern festhalten und diese Motive in unterschiedlichster Weise zeigen, ob als hochwertige Vergrößerung, als witziges Fotogeschenk oder in einem Fotobuch. „175 Jahre Fotografie“ – ein Medium, das ständig neue Ideen und Innovationen hervorbringt und auch in Zukunft begeistern wird. „Meiner Meinung nach kann niemand behaupten, etwas wirklich gesehen zu haben, solange er es nicht fotografiert hat“, das erklärte der französische Schriftsteller Emile Zola schon 1901.

Quelle: Photoindustrie-Verband e.V.

Geschichte der Fotografie 03 / 2014

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