175 Jahre Fotografie - Fotoclubs vereint im Hobby Fotografie

© Fotoclub Obersulm e.V.
Acht Jungfotografen/innen des Fotoclubs Obersulm e.V. im DVF zwischen 11 und 15 Jahren mit ihrer Leiterin Susanne Kaufmann (links) kommen mindestens einmal im Monat zusammen und unternehmen spannende Fototrips. Gleichalterige Gäste sind immer willkommen. Auszug aus Beitrag im DVF-journal 10/14. Bildgalerie betrachten © Fotoclub Obersulm e.V.
Acht Jungfotografen/innen des Fotoclubs Obersulm e.V. im DVF zwischen 11 und 15 Jahren mit ihrer Leiterin Susanne Kaufmann (links) kommen mindestens einmal im Monat zusammen und unternehmen spannende Fototrips. Gleichalterige Gäste sind immer willkommen. Auszug aus Beitrag im DVF-journal 10/14.

Unterhaltung, Spaß, Kommunikation, Erfahrungsaustausch – es gibt viele Gründe, sich in einem Verein oder Club mit Gleichgesinnten zusammenzufinden. Das gilt nicht nur für das beliebte Hobby Fotografie. Deutschland ist das Land der „Vereinsmeier“. Ob man mit dem Skiclub die Pisten erobert, mit der Reisegruppe antike Stätten besucht, die Amateur-Fußballer beim Wochenend-Turnier unterstützt oder im Kleingartenverein Tipps zum besseren Gelingen der Blütenpracht austauscht – gemeinsam macht vieles mehr Freude und bringt auch dem eigenen Tun so manchen Gewinn.

Das haben schon in den Frühzeiten der Fotografie die Ausübenden dieses neuen Mediums, das in diesem Jahr sein 175-jähriges Jubiläum feiert, erkannt. Schon 1893 tagte die Gesellschaft zur Förderung der Amateur-Photographie in Hamburg. Ihr erklärtes Ziel war die Förderung der schönen Kunst Fotografie. Honorige Persönlichkeiten gehörten zu dem Kreis der Förderer und Gönner, wie der damalige Bürgermeister der Hansestadt Johann Heinrich Burchard. Am 1. Januar 1898 entstand aus ihr die „Freie Vereinigung von Amateurphotographen zu Hamburg“, die bis heute aktiv ist und dieses Jahr ihren 116. Geburtstag feiert.

Schon etliche Jahre zuvor hatte man sich in Übersee und in Paris, der Geburtsstadt der Fotografie, in Sachen Fotografie zusammen getan. Der Photo Club de Paris entstand im Jahre 1888 mit dem Ziel, die künstlerischen Belange der Fotografie zu fördern. Zu seinen Mitgliedern gehörten bekannte französische Fotografen wie Constant Puyo, der als wichtiger Vertreter des Pictorialismus gilt, und Robert Demachy, der nicht nur durch seine Bilder bekannt wurde, sondern ebenso durch seine zahlreichen Beiträge zu Edeldruckverfahren. Sein Renommee zog der Photo Club de Paris auch durch die Herausgabe der eigenen Zeitschrift „Bulletin du Photo Club de Paris“, die von 1891 bis 1902 erschien. Der Photo Club de Paris war auch Initiator der ersten französischen Ausstellung mit kunstfotografischen Werken im Jahre 1894. Während sich der Photo Club de Paris 1928 auflöste, besteht der Boston Camera Club, der bereits 1881 gegründet wurde, bis heute und hat die wechselhafte Geschichte der Fotografie wie die des Analogzeitalters bis zur Gegenwart mit getragen. Weltberühmte Fotografen als Mitglieder zu haben, konnte sich auch der 1888 gegründete Camera Club of New York rühmen, zu dem Paul Strand und Alfred Stieglitz gehörten.

Heute wird man kaum mehr Berufsfotografen finden, die zu einem Fotoclub gehören, eher schauen sie auf die dort organisierten Hobbyfotografen etwas abschätzig herab. Allerdings zu unrecht, denn die Bildergebnisse von Hobbyfotografen können sich oftmals durchaus mit denen der Profis messen. So ist die deutlichste Unterscheidung zwischen Hobbyfotograf und Profi häufig nur die, dass der eine damit Geld verdient, also seinen Lebensunterhalt damit bestreitet – und der andere nicht.

Als Dachorganisation der Amateur-Fotoclubs und Fotovereine gründete sich schon 1908 in Berlin der „Verband Deutscher Amateurfotografen-Vereine“ kurz VDAV. Seit 1991 trägt er den Namen „Deutscher Verband für Fotografie“ (DVF). Aktuell sind im DVF 6.400 Mitglieder und rund 250 Fotoclub organisiert.

Als internationale Organisation, der auch der DVF angehört, agiert die FIAP Fédération Internationale de l’Art Photographieque. Anreiz diesen Organisationen anzugehören, ist vorrangig die Teilnahme an Wettbewerben, um eigene Leistungen mit denen anderer Hobbyfotografen zu vergleichen. Die Menge an Ehrentiteln und Auszeichnungen, die Fotografen für besonders erfolgreiche Wettbewerbsteilnahme unter dem Patronat der FIAP verliehen werden, lassen Veranstaltungen wie die Olympischen Spiele verblassen. Ebenfalls Mitglieder in ganz Deutschland hat die Gesellschaft für Fotografie e.V. (GfF), die 1990 aus der Tradition der gleichnamigen Gesellschaft im Kulturbund der DDR entstand. Die GfF gliedert sich wie der DVF in Landesverbände.

Dass die sehr erfolgreichen Foto-Communities im Internet die Fotoclubs schon vor rund 15 Jahren überflüssig gemacht haben sollen, wie vor kurzem in einer Fotofachzeitschrift zu lesen war, ist eine falsche Einschätzung. Auch heute gibt es noch immer zahlreiche Fotoclubs landauf, landab, die nicht über Mitgliederschwund klagen müssen, sondern sich regen Zuspruchs erfreuen können. Es stellt sich also nicht die Frage Internetcommunity oder Fotoclub, stattdessen gilt „sowohl als auch“. Beide Formen von Gemeinschaft befriedigen unterschiedliche Bedürfnisse und nicht wenige Fotografen fühlen sich in beiden gut aufgehoben und nutzen beide Angebote parallel. Dass das persönliche Miteinander auch in Zeiten des World Wide Web eine große Rolle spielt, beweisen unter anderem die inzwischen zahlreichen persönlichen Treffen der Community-Mitglieder. Das Hochladen von Bildern und der Austausch von Kritik und Lob reichen dann doch nicht immer aus.

Die Szene der Fotoclubs musste so manche Schelte aushalten: Zu überaltert, zu verknöchert, zu traditionsverbunden und fortschrittfeindlich. Ganz zu unrecht kommt diese Kritik mitunter nicht und so hat mancher Fotoclub mit schwindenden Mitgliederzahlen sowie mit stets fortschreitender Überalterung zu kämpfen. Kein Wunder, wenn man sich in Clubs mehr mit Regeln und Vorschriften beschäftigt als mit der Fotografie und die Altmitglieder an Pöstchen und Privilegien festhalten. Es gibt aber auch immer mehr Fotoclubs, in denen sich verstärkt auch junge Leute wohl fühlen. Fotoclubs, die Unternehmungen von Ausstellungen über Workshops bis zu Bildbesprechungen und Fotoexkursionen anbieten, sind stark gefragt.

„Treffen sich drei Deutsche, gründen sie einen Verein“, diese immer wieder mit Ironie verbreitete Aussage, nimmt zwar den Hang der Deutschen, sich zu organisieren, ein wenig auf den Arm, getroffen fühlen muss man sich als Vereinsmeier davon aber nicht. Das Bonmot unterschlägt, dass es nach dem Vereinsrecht mindestens sieben Mitglieder bedarf, um ins amtliche Register eingetragen zu werden, aber vor allem sollte man die positiven Seiten der Gemeinsamkeit nicht unterschätzen. Gerade in der Fotografie wären viele Leistungen ohne Vereine oder Clubs nicht zustande gekommen. „Gemeinsam stark“ hat so manche interessante Ausstellung oder hochkarätigen Workshop ermöglicht. Ganz davon abgesehen, dass sich die Bildqualität vieler Hobbyfotografen auf hohem Niveau abspielt und zumindest zu einem erheblichen Teil der Wissensvermittlung durch Kollegen aus dem Club zu verdanken ist. Fotografie, als schönstes Hobby der Welt, hat auch nach 175 Jahren nichts von seiner Attraktivität verloren.

Geschichte der Fotografie 09 / 2014

2 Kommentare

Was diese Zeitschrift da von sich gibt, ist ausgemachter "Schmarrn". Ich bin seit 1964 im Fotoclub organisiert und finde den Club als Zusammentreffen aller direkt an der Fotografie Interessierten. Austausch von Foto-Erfahrungen, Beispielgeben mit guten Bildern und eine gewisse Zusammengehörigkeit fördert nur ein Club.

Bernhard Hiersig

von Bernhard Hiersig
11. Oktober 2014, 14:49:31 Uhr

Fotoclubs bieten auch Hobbyfotografen eine Moeglichkeit ihre Bilder in Ausstellungen zu zeigen, die sie als Einzelner nie erstellen koennen. http://hobbyfotografen.net/

Werner

von Werner
24. September 2014, 11:51:25 Uhr

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden