175 Jahre Fotografie
Profifotografie Morgen - Heute - Gestern

© Fotograf: Anneliese Klose, der Fotograf, Photoglobus
© Fotograf: Anneliese Klose, der Fotograf, Photoglobus
Als die Fotografie im Jahre 1989 ihr 150-jähriges Jubiläum feierte, konnte kaum jemand die umwälzenden Veränderungen voraussehen, die dem Medium in den folgenden 25 Jahren bevorstehen würden. Doch bereits jetzt ist klar: Zum 200. Geburtstag der Fotografie im Jahre 2039 wird der Wandel noch radikaler sein.

Während die ersten 150 Jahre seit Erfindung des fotografischen Verfahrens von analogen Aufnahmetechnologien geprägt waren, fand in den letzten 25 Jahren der technologische Wandel von analoger zu digitaler Fotografie statt, mit weitreichenden Konsequenzen für die professionelle Fotografie. Und das nicht nur, was das fotografische Equipment angeht, sondern auch, was die Anforderungen und Aufgabenstellungen professioneller Fotografien betrifft.

Während das Medium Fotografie im 19. Jahrhundert eine Sache für Spezialisten war, die prinzipiell von jedem Fotografen professionelles Wissen verlangte, begann im frühen 20. Jahrhundert die Demokratisierung des Mediums und bald schon unterschied man Profifotografen von Amateuren, also Liebhabern. Während die einen die Technik virtuos beherrschten, profitierten die anderen zunehmend von den Segnungen der Fotoindustrie, frei nach dem Kodak Motto „You press the button, we do the rest“. Dieser „Rest“ zur Beherrschung des fotografischen Prozesses wurde im Laufe der letzten 175 Jahre durch unzählige Innovationen der Fototechnik immer kleiner, die eigentliche Kompetenz professioneller Fotografen liegt heute – und erst recht in der Zukunft – auf anderen Gebieten. Denn längst ist es, dank des hohen Standards fotografischer Geräte, heute nahezu unmöglich, ein technisch mangelhaftes Foto zu erstellen.

Blick zurück

© photokina
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Ein Blick zurück ins Jahr 1989: Fotos entstanden auf Film. Professionelle Fotografen nutzten dabei in der Regel anderes Aufnahmematerial als das Heer der Amateurfotografen, sowohl was die Aufnahmeformate als auch was die Wiedergabeeigenschaften anging. Sogenannte Planfilmformate reichten bis 8×10 Inch und darüber hinaus. Um konstante Wiedergabeeigenschaften des Filmmaterials zu gewährleisten, kauften Profis nicht selten ganze Produktionschargen mit identischer Emulsionsnummer auf Vorrat, um Schwankungen bei der Filmproduktion zu umgehen. Entwickelt wurden Filme in so genannten Fachlaboren, von denen ein flächendeckendes Netz zur Verfügung stand.

Da die heute selbstverständliche, sofortige Bildkontrolle mit analogem Aufnahmematerial nicht möglich war, behalfen Profifotografen sich vor 25 Jahren mit Testaufnahmen auf Sofortbildmaterial, um die Lichtwirkung und den Bildaufbau vor der finalen Belichtung überprüfen zu können. Um Über- oder Unterbelichtung des lichtempfindlichen Materials bei der Entwicklung korrigieren zu können, waren sogenannte Clip-Entwicklungen im Fachlabor üblich, bei der nur der erste Abschnitt eines Films probeentwickelt wurde, bevor die des restlichen Materials mit sogenannter Push- oder Pull-Entwicklung erfolgte. Durch bewusste Eingriffe in den Laborprozess wurden 1989 häufig auch die Wiedergabeeigenschaften des Filmmaterials durch so genannten Crossentwicklung beeinflusst, indem zum Beispiel Diafilme im Farbnegativprozess entwickelt wurden, was zu gewollten, aber nur bedingt steuerbaren Farbverschiebungen führte.

© photokina
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Analoge Profikameras zu dieser Zeit unterschieden sich zum Teil erheblich vom Equipment privater Anwender. Professioneller Standard waren Kameras auf optischer Bank, von Laien gerne als „Plattenkamera“ bezeichnet, die große Planfilmformate belichteten und dabei umfassende Perspektivkorrekturen und die Beeinflussung der Schärfenebene erlaubten. Der Fotograf verschwand dazu unter einem großen, dunklen Einstelltuch, um sein Bild auf der Mattscheibe zu komponieren. Andere Profis nutzen Mittelformatkameras für Rollfilme neben dem Standard, dem Kleinbildfilm.

Allen professionellen Fotografen gemein war vor einem Vierteljahrhundert, dass sie für Printmedien arbeiteten – oder, im Falle von Porträt- und Hochzeitsfotografen, Abzüge ihrer Bilder erstellten. Wesentlich für den Aufstieg der Bedeutung professioneller Fotografie war seit den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts die Möglichkeit, Fotografie im Druck in hohen Auflagen reproduzieren zu können. Und auch, wenn im Jahre 1989 längst das Fernsehen als Bewegtbildmedium das Bild der Welt vieler Menschen prägte, so waren es doch gedruckte Informationen, die von der Kraft des fotografischen Bildes lebten und den Markt für Profifotografie bestimmten.

Status der Profifotografie

© photokina
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Heute, 25 Jahre später, haben sich diese Rahmenbedingungen radikal verändert. Das Internet – und hier vor allem die Entwicklung des Onlinehandels – ist die treibende Kraft gewerblicher Produktfotografie. Printmedien sind längst nicht mehr die alleinigen Auftraggeber professioneller Fotografen. Und während 1989 Bildagenturen Dias und Aufsichtvorlagen mit Kurierdiensten versandten, findet heute längst auch der gesamte Bilderhandel online statt.

Von professionellen Fotografen werden heute nicht mehr „nur“ zweidimensionale Aufnahmen verlangt, sondern unter anderem auch so genannte Objectmovies, bei denen der Betrachter das abgebildete Produkt am Bildschirm um die eigene Achse rotieren und hineinzoomen kann. Basis sind Rundum-Einzelaufnahmen, die miteinander zu einer Datei verknüpft werden.

Aufgenommen wird längst nicht mehr auf Filmmaterial, von einigen, wenigen Ausnahmen einmal abgesehen. Standard ist die digitale Fotografie, die in den 1990-er Jahren ihren Siegeszug in der professionellen Fotografie begann und schließlich den Massenmarkt eroberte. Einer der vielen Vorteile: Die sofortige Verfügbarkeit der Bilder direkt nach der Aufnahme und die Möglichkeit, Bilder per Datentransfer mit anderen in Sekundenschnelle zu teilen.

Digitale Fotografie kommt heute bekanntlich ohne kostspieliges Verbrauchsmaterial und dessen Verarbeitung aus. Bilder lassen sich spielerisch noch nach der Aufnahme optimieren, und wer Aufnahmen auf Papier wünscht, dem stehen heute zahlreiche Wege offen: der eigene Drucker, über den Dienstleister oder die digitale Medienproduktion. An deren Ende stehen auch heute häufig noch Printmedien, die Bedeutung des Internets wird jedoch auch in Zukunft immer größer, nicht nur was den Onlinehandel angeht, sondern vor allem zur Informationsvermittlung.

Perspektiven für Bildermacher

Studio lights
In 25 Jahren, also zum 200. Jubiläum der Fotografie, wird sich dieser Medienmix weiter zugunsten elektronischer Medien verschoben haben. Diese verlangen schon heute in zunehmendem Maß bewegte und interaktive, statt statischer Bilder. Im Jahr 2039 wird es daher keine professionellen Fotografen im heutigen Sinne mehr geben, sondern Multimedia-Contentprovider, die auf vielfältige Art und Weise die Visualisierung von Produkten und Inhalten übernehmen.

Dabei benötigen schon heute professionelle Bildermacher keine real existierenden Sujets mehr, um fotorealistische Aufnahmen zu erstellen, sondern nutzen bereits jetzt in bestimmten Fällen sogenanntes Computer Generated Imaging – erstellen also am Computer errechnete „Fotografien“, die diesen Namen streng genommen nicht mehr verdienen, denn Fotografie bedeutet wörtlich „Malen mit Licht“.

Was professionelle Fotografen gestern, heute und erst recht morgen von privaten Anwendern des Mediums unterscheidet, ist und bleibt ihre Fähigkeit, visuelle Vorstellungen zu entwickeln und in Bilder umzusetzen, denn das Bild entsteht bekanntlich zuerst im Kopf. Dabei spielt weder das Aufnahmeverfahren, noch die dazu genutzte Technologie eine Rolle, sondern einzig und allein die Kreativität des Fotografen und seine Fähigkeit, dieser Ausdruck zu verleihen. Auch in Zukunft wird die Bedeutung visueller Inhalte für die Informationsvermittlung steigen und die Möglichkeiten zu deren Erstellung und Nutzung werden noch vielfältiger.

Geschichte der Fotografie 03 / 2014

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