Beruf Fotograf - Im Wandel der Zeit

Roger Fenton (1819–1869)
Roger Fenton (1819–1869). Quelle
Mit den Reichen und Berühmten auf Du und Du, unterwegs auf Abenteuertour rund um die Erde, Shootings mit den schönsten Modellen – so hält sich bei vielen das Klischee vom Beruf Fotograf. Das ist zwar auch eine Seite, zu der aber noch die andere weniger glamouröse kommt, wo Fotografen in den verschiedensten Lebens- und Arbeitsbereichen tätig sind. Unter dem Begriff Fotograf verbergen sich eine ganze Reihe Berufsbilder: vom Fotoreporter über den Fotokünstler vom Porträtisten bis zum Polizei-, Medizin- und Wissenschaftsfotografen. Eine Sonderstellung nehmen unter den Fotoreporten die Sport- und Konzertfotografen ein. Denn bei Sportveranstaltungen sind die besten Plätze für einen guten Schuss den akkreditierten Profis vorbehalten. Auch bei Konzerten und vielen anderen Veranstaltungen gibt es eine Fotoerlaubnis nur für Profifotografen.

Herbert G. Ponting
Herbert G. Ponting. Quelle
Viele Berufsbereiche haben sich in der 175-jährigen Geschichte der Fotografie erst durch den Fortschritt der Technik des fotografischen Werkzeugs aber auch durch Entdeckungen und Forschungen aus anderen Bereichen entwickelt. So mancher Fotograf wurde mangels vorhandener Möglichkeiten im Laufe der Fotografiegeschichte für seine Bildideen auch selbst zum Forscher und Entwickler.

In den Anfängen der Fotografie war das Bildermachen kein Zuckerschlecken. Die Kameraausrüstungen waren nicht nur teuer und schwer, sondern auch umständlich zu handhaben. Für die Allgemeinheit kaum tauglich wurde der Berufsfotograf geboren, der schon von Beginn an nicht nur für Porträts im Studio zur Verfügung stand, sondern mit unhandlichem Gerät das Geschehen der Welt aufzeichnete. Einer der Vorreiter der Zunft war der Schweizer Johann Baptist Isengrimm, der sich kurz nach dem Bekanntwerden der Erfindung der Daguerreotypie 1839 schon eine Kamera in Paris bestellte, und nur ein Jahr später 1840 in der ersten Fotoausstellung der Welt, Porträts und Stadtansichten präsentierte.1841 eröffnete er in München ein Atelier für Helliographie, stellte die ersten farbigen Daguertypien her und entwickelte ein Fotoatelier auf Rädern.

Herbert George Ponting
Herbert George Ponting. Quelle
Einen Rückblick auf die Tätigkeiten der Lichtbildner im 19. Jahrhundert geben vor allem Sammlungen wie die von Dietmar Siegert, die Ende 2012 bis Anfang 2013 im Münchner Stadtmuseum gezeigt wurde. Dort sah man zum Beispiel den Fotografen Franz Richard der 1864 auf seinem Kamerapodest vor der Fassade des Ottoheinrichbaus in Heidelberg seine Bilder fertigte oder die Hamburger Großsegler, die 1883 von Georg Koppmann fotografiert wurden. Spannend auch eines der frühesten deutschen Porträts, das Carl August von Steinheil um 1840 von seiner Frau und seiner kleinen Tochter machte, die es schaffte, die minutenlange Belichtungszeit vollkommen ruhig zu sitzen. Einzigartige Dokumente aus dem 19. Jahrhundert sind auch die historischen Reisefotografien. War es doch mit den Fotografen möglich, die Schönheiten der weiten Welt den Daheimgebliebenen zu zeigen.

Zeugen des Jahrhunderts

Für seine humorvollen Reportagebilder weltberühmt geworden: der englische Fotograf Martin Parr bei einem Vortrag beim Photo Book Festival in Wien
Für seine humorvollen Reportagebilder weltberühmt geworden: der englische Fotograf Martin Parr bei einem Vortrag beim Photo Book Festival in Wien
Mit der Entwicklung der Kleinbildkamera nahm der Beruf des Bildjournalisten Fahrt auf. Im 20. Jahrhundert eroberte sich die Fotografie den Platz als kollektives Gedächtnis der Menschheit. Zu den Bildern, die Geschichte machten, gehörte der Absturz der Hindenburg ebenso wie der Sprung des DDR-Soldaten über den Stacheldraht in die Freiheit, die ersten Schritte auf dem Mond, Albert Einstein mit herausgestreckter Zunge oder Marilyn Monroe mit wehenden Rock über dem U-Bahnschacht.

Mit ihren Aufnahmen des Geschehens in aller Welt eroberten Bildjournalisten die Seiten der großen Magazine. Bildagenturen wie die von Fotografen begründete Bildagentur Magnum, sorgten mit interessanten Aufträgen für ihre Fotografen für gute Verdienste und hohes Ansehen.

Durch den Niedergang vieler großer Magazine gibt es längst nicht mehr die Veröffentlichungsmöglichkeiten, wie sie vor zehn oder zwanzig Jahren noch üblich waren. Viele Zeitschriften senkten zum größten Teil wegen zurückgehender Auflagen die Honorare und sind auch meist nicht mehr bereit, große Reisen zu finanzieren. Kaum ein Bereich der Fotografie hat in den letzten Jahren eine so grundlegende Veränderung erfahren wie der von Bildjournalisten. Dies ist bis zu einem gewissen Grad auch dem Wechsel von analog zu digital geschuldet. Bildmengen von Semiprofis sowie Amateuren überschwemmen den Markt und die Preise sind bei der Archivverwertung durch Agenturen im freien Fall. Phantasie in der Vermarktung ihrer Bilder wird von den Fotoreportern immer mehr gefordert. Das gilt vor allem auch für die Reisefotografen, deren Konkurrenz von Seiten der Amateure riesengroß ist.

Modisch und werbewirksam

Als in den meisten Zeitschriften noch Illustrationen die Modeseiten beherrschten, war es das US-Verlagshaus Condé Nast mit Magazinen wie Vogue oder Vanity Fair, die schon in den zwanziger Jahren Modefotografien veröffentlichten. Berühmte Fotografen wie Helmut Newton, Edward Steichen oder Bruce Weber arbeiteten für den Verlag und setzten Frauen mit schöner Mode in Szene. Mit eigenen Stilmitteln arbeitete William Klein in der Modefotografie der 50er und 60er Jahre, der mit seinen Bildern den bis dato üblichen Stil verließ und seine Modelle auf Straßen und an Alltagsorten fotografierte. Kaum ein anderes Genre symbolisiert in seiner Ausdrucksweise das Lebensgefühl einer Zeit, wie es die Mode- aber auch die Werbefotografie tun. Bis heute sind die Mode-, Werbe- und auch Industriefotografie Bereiche, in denen so gut wie ausschließlich Profifotografen eine Chance haben. Bei den großen Etats möchten Art Buyer kein Risiko eingehen. Außer Können sind es Phantasie und kreatives Potential, die zum Erfolg führen. Die Möglichkeiten heutiger Kameras auch hervorragende Bewegtbilder zu machen, haben dazu geführt, dass viele Auftraggeber gleichzeitig mit den Fotos auch Filmsequenzen geliefert haben möchten – eine zusätzliche Herausforderung für die Fotografen. Mund-zu-Mund-Propaganda reicht heute kaum noch, um Jobs zu generieren, eine gut gepflegte, attraktive Homepage ist in fast allen Bereichen der Fotografie ein Muss.

Ist das Kunst?

Sommerakademie Petra Stadler Die Fotografin bei einem Aktworkshop der Isarfoto Sommerakademie in Südtirol © Heiner Henninges
Sommerakademie Petra Stadler
Die Fotografin bei einem Aktworkshop der Isarfoto Sommerakademie in Südtirol
© Heiner Henninges
Die Diskussion darüber, ob Fotografie Kunst ist und als solche gehandelt wird, ist längst zugunsten der Fotografie entschieden. Eine ganze Reihe Fotografen wie Andreas Gursky, Nan Goldin oder Richard Avedon haben sich schon lange ihren Platz bei Kunstauktionen in den obersten Kategorien erobert und sind mit ihren Werken in Museen rund um die Welt zu sehen. Leicht ist der Weg an den Gipfel nicht, aber Können und Konsequenz eröffnen doch manche Chancen.

Gerade in der künstlerischen Fotografie hat das Fotobuch neue Betätigungsfelder erschlossen. Die Möglichkeit Bücher selbst herzustellen hat aus manchem Fotografen auch einen Verleger gemacht. Hier hat der ein oder andere in seiner Doppelfunktion absolut Erfolg. So ging es zum Beispiel bei dem Photo Book Festival in Wien, wo Fotostudenten ihre selbst produzierten Bücher vorstellten und eine ganze Menge davon verkaufen konnten – oft von Fotoprojekten, die vielleicht über den herkömmlichen Weg nie einen Verleger gefunden hätten.

Flying to the moon

N- Rosing:  Der bekannte deutsche Tier- und Naturfotograf bei der Arbeit
N- Rosing:
Der bekannte deutsche Tier- und Naturfotograf bei der Arbeit
Schon über 50 Jahre ist es her, dass Menschen ins All fliegen und immerhin 45 Jahre seit sie erstmals den Mond betraten. Begleitet wurde jede Weltraummission von Spezialkameras, die Bilder festhielten mit denen sich der Planet Erde und das All besser verstehen lassen. Aber auch hier auf der Erde werden mit Hilfe der Fotografie in der Wissenschaft viele Erkenntnisse gewonnen. In zahlreichen Forschungsinstituten und an Ausbildungsstätten haben sich neue Berufsbilder ergeben. Zu diesem Gebiet gehören auch die immer besser werdenden Geräte für die Makrofotografie, deren Ergebnisse oftmals nicht nur einen wissenschaftlichen, sondern auch einen künstlerischen Wert haben.

Zur Visualisierung des für unsere Augen Unsichtbaren gehörte schon in den Frühzeiten der Fotografie die Aufnahmen von Eadweard Muybridge. Er realisierte 1872 mit einem komplizierten Aufbau aus sukzessive auslösenden Kameras Serienaufnahmen, die bewiesen, dass sich beim galoppierenden Pferd alle vier Beine in der Luft befinden – Aufnahmen, die heute ein Kinderspiel wären. Auch der amerikanische Elektroingenieur Harold Eugene Edgerton leistete Pionierarbeit für künftige Anwendungen mit der Erfindung des Stroboskops und der Hochgeschwindigkeitsfotografie und wurde in der Mitte des letzten Jahrhunderts mit seinen spektakulären Aufnahmen von abgefeuerten Projektilen und Flüssigkeitstropfen bekannt.

Dem Täter auf der Spur

Nicht nur durch die Hilfe von DNA-Tests ist heute in der Kriminalistik eine hohe Aufklärungsquote von Gewaltverbrechen erreicht worden. Die Tatort-Aufnahmen von Polizeifotografen, tragen auch wesentlich dazu bei Tathergänge zu konstruieren. Inzwischen wurde eine Kamera entwickelt, auf deren Bildern sich zuverlässig Blutspuren nachweisen lassen.

Auf Entdeckungsreise sind auch die Luftbildfotografen. Wichtige Aufgaben sind zum Beispiel mit neuesten Spezialkameras Spuren der Vergangenheit nachzuforschen. Anhand dieser Aufnahmen kann der Luftbildfotograf unbekannte Denkmäler oder verschüttete Anlagen aufspüren, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Aber auch um das Fortschreiten archäologischer Arbeiten zu dokumentieren, sind Fotografien unerlässlich.

Von Fotografen, die an Kliniken und Forschungsinstituten arbeiten, wird großes fotografische Können verlangt, aber auch hohe Kenntnisse über die Archivierung des wissenschaftlichen Bildmaterials, die sinnvolle Verschlagwortung und der Persönlichkeitsrechte.

Fazit

Viel hat sich in den 175 Jahren verändert. Vieles ist durch die technischen Innovationen für Fotografen wesentlich leichter geworden wie zum Beispiel durch die Vielfalt des zur Verfügung stehenden Zubehörs, durch die vielfältigen Funktionen, die Kameras heute bieten und auch weil Kameras und Objektive zum größten Teil kleiner und leichter geworden sind. Ließen sich im Laufe der Geschichte Fotografen die mühselige Entwicklungs- und Vergrößerungsarbeit von Laboren abnehmen, hat die Digitalfotografie heute vielen wieder die zeitraubende Nachbearbeitung der Bilder gebracht. Nur wenige nehmen dafür professionelle Hilfe in Anspruch. Wie ein Reportagefotograf den Analogzeiten nachtrauert, wo man nach einem ereignisreichen Tag noch zusammen ein Bierchen trank und sich heute alle mit ihren Computern auf das Hotelzimmer für die Bildbearbeitung verziehen. Auch das ist in den Jahren der Fotografiegeschichte gleich geblieben, meist hat man nur eine Chance, wenn man sich ständig weiterbildet, die neuen Medien und Übertragungswege beherrscht, denn mit den Fortschritt der Kameratechnik ist auch das Heer der Amateurfotografen ins unendliche gewachsen, die hervorragende Bilder bieten. Quer durch alle Bereiche der Berufsfotografie gilt auch nach 175 Jahren – an erster Stelle steht ein gutes Handwerkszeug und die Qualität sowie das Können des Fotografen.

Geschichte der Fotografie 11 / 2014

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